9.4.2014: I Am Heresy, Wolves Like Us - Bremen - Tower

 



I AM HERESY veröffentlichten Anfang des Jahres ihr Album “Thy Will”, welches kritisch mit Religion, ihren Gottheiten und falschen Vorbildern ins (letzte) Gericht geht. ‘Thy will‘ ist mir Befehl – also ging es auf nach Bremen, wo sie am vergangenen Mittwoch den Support für WOLVES LIKE US darbieten durften.

Am Tower angekommen glänzte die Location vor allem durch nicht anwesendes Publikum. Die einzelnen Seelen vor Ort outeten sich zum Großteil als Boysetsfire-Fans, die das Nachfolgeprojekt von Shouter Nathan Gray näher betrachten wollten. Eine besonders beeindruckende Fänin brachte sogar Opfergaben in Form von Schokoladenkuchen (sehr lecker!) und einer Ziegenmaske mit. Letztere sollte nach der Show allen Anwesenden Backstage die Tränen in die Augen treiben – vor Ehrfurcht natürlich. Das ist ja alles ein sehr ernstes Thema!

Nach und nach füllte sich der kleine Club dann doch noch zusehends aber es hätte locker noch jeder seinen Sitznachbarn aus der Kirchenbank mitbringen können.

Gegen 21 Uhr wurden dann die ersten Räucherstäbchen gezündet und auf die neben der Bühne positionierten symbolschweren Band-Banner gesteckt. Ja. Manche Dinge ändern sich nie. Mit dem Geruch musikalischer Heimat in der Nase konnte es endlich losgehen. I AM HERESY ließen sich von viel Luft vor der Bühne nicht abschrecken. Bekanntermaßen ist Nathan seit eh und je eine Rampensau mit Hang zur melodramatischen Pose – ungeachtet seiner Anhängeranzahl. Und so pusteten sie von der ersten Sekunde an mit dem Song “Rahabh“ die letzten Erinnerungen an frühkindliche Bibelkunde aus den Gehirnwindungen.



Das Publikum blieb ungewohnt zaghaft, was den Bewegungsdrang angeht, wurde aber durchweg von der Band in den teuflischen Bann gezogen. Hier und da konnte man die Haare fliegen sehen und der eine oder andere reckte zum Singalong die Faust oder den Mittelfinger den verpönten Gottheiten oder einfach der Decke entgegen. Nach meinem absoluten Favorite “Seven Wolves And The Daughters Of The Apocalypse”, zu dem ich leider alleine den Carlton-Dance perfomen musste, kam Nathan dann von der Bühne ins Publikum und eröffnete seinen eigenen kleinen Pit. Das Publikum dankte es in dem es nach vorne aufrückte und frei von Berührungsängsten weiter der musikalischen Aufklärungsarbeit folgte. Mit purer Wut von ganz weit unten schrien sich I AM HERESY dann nach einer knappen Stunde mit dem gleichnamigen Song (vom ersten Album) von der Bühne.

I AM HERESY sind eine fantastische Live-Band mit enormer Energie und Druck. Sie haben einen (mit Verlaub) göttlichen Auftritt hingelegt und ich bin mir sicher, dass das Räucherstäbchen noch sehr, sehr lange brennen wird.



Setlist I AM HERESY:
1. Rahabh
2. The Dawn Of Errant Light
3. March Of Black Earth
4. Destruction Anthems
5. Seven Wolves And The Daughters Of The Apocalypse
6. Year Zero In The Temple Of Fire
7. Thy Will II (Black Sun Omega)
8. Our Father
9. Hinnom II (This Is The Second Death)
10. Throw Wide The Gates
11. As We Break
12. Hive Mind
13. I Am Heresy

WOLVES LIKE US

WOLVES LIKE US sind erst seit kurzem auf meinem Radar und demnach bin ich ohne besondere Erwartungen an die Sache rangegangen. Ohne viel Tamtam spielten sie sich durch ihr Repertoire aus ihren bisherigen Veröffentlichungen. Etwa die Hälfte der Songs kamen vom aktuellen Album “Black Soul Choir”. Sänger und Gitarrist Larsh Kristensen hatte zwischenzeitlich immer wieder mit seiner Gitarre zu kämpfen, wechselte aber mirnichtsdirnichts während des Spielens einfach mal kurz durch. Nordische Ruhe. Ruhig war es ansonsten aber nicht. Larsh presste druckvoll die Lyrics in den Raum. Die Band hat sichtlich Spaß am Live spielen. Lange Instrumentalparts gaben reichlich Gelegenheit sich den zotteligsten und erfrischend bewegten Basser aller Zeiten und das energische Trommeln von Drummer Jonas Thire genauestens anzusehen – und anzuhören.

Neben dem vorherigen unfreiwilligen fliegenden Gitarrenwechsel bot dann aber der Instrumentenrundumschlag am Ende der Show viel Unterhaltungspotential. Ohne auch nur einen Cymbal-Schlag auszulassen tauschte der Drummer Jonas kurzerhand mit Larsh an die Gitarre. Die zweite Gitarre von Espen Helvig wechselte zeitgleich zu einem Groupie in der ersten Reihe, die – sichtlich überfordert mit der Situation – vorsichtshalber beide Arme zur Seite streckte und sich prompt in die Schockstarre begab.



Setlist WOLVES LIKE US:
1. Days Of Ignorance
2. I don`t need to be forgiven
3. Get Gone
4. Burns Like A Paper Rose
5. Secret Handshakes
6. Three Poisons
7. Your Word Is Law
8. Dig With Your Hands
9. Deathless
10. Sin After Sin