AT DAGGERS DRAWN: Russland-Tourtagebuch

 

AT DAGGERS DRAWN sind derzeit auf großer Russland-Tour und erkunden Städte, die noch nie zuvor von einer Punk-Band bereist wurden.
Sänger George führt für uns Tagebuch.



Tag 1: Moskau

Hoping for the best and preparing for the worst! Ich glaube so in etwa könnte man unsere Planung für die kommenden 23 Tage in Russland am besten beschreiben. Mittwoch Morgen starten wir von Berlin Flughafen Schönefeld aus nach Moskau. Nachdem wir unser Gepäck aufgegeben haben und wir uns von Andi, der diesmal leider nicht mitkommen kann, und Wolli, der einen Tag später kommt, verabschiedet haben, geht es in den Flieger nach Moskau. Uns allen ist ein bisschen unwohl, was weniger am Fliegen selbst, als an der Angst vor der bevorstehenden Zollkontrolle liegt. Unsere letzte Erfahrung lässt sich in wenigen Worten am besten als kalt (minus 35 Grad Celsius), lang (6 Stunden ca.) und unfreundlich beschreiben. Damals fuhren wir allerdings mit einem Van und es war Winter aber für uns noch eher als „normal“ zu bezeichnen. Diesmal also per Flugzeug und mit nichts als Merch und Platten im Gepäck unterwegs. Und das hat von uns keiner vorher schon mal gemacht. Glücklicherweise geht alles gut und wir kommen unbeschadet durch den Zoll. Draußen werden wir nach kurzer Zeit von Dima, Mascha und Sascha, drei der tollsten Menschen aus Russland überhaupt, abgeholt und fahren in zwei Autos ein mal quer durch die Stadt. Unsere erste Show werden wir erst morgen spielen und so nutzen wir die Zeit um mit alten und neuen Freunden zu reden und etwas Schlaf zu tanken.



Tag 2: Moskau

Nach 13 Stunden Schlaf wache ich in unserem winzigen Schlafzimmer auf und fühle mich prächtig. Die Zeitverschiebung macht mir noch etwas zu schaffen und auch Simon hat einen leichten Jetlag. Nach gutem Frühstück machen wir uns zusammen mit Sveta Richtung Moskauer Innenstadt auf wo wir mit Mascha verabredet sind. Es geht vorbei an diversen Seitenstrassen Richtung Roter Platz. Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 1. und 9. Mai laufen auf Hochtouren, weshalb leider auch der Rote Platz komplett abgesperrt ist und wir nur aus der Ferne einer Militärparade beiwohnen können.

Danach geht es mit Mascha in eins der wenigen vegetarischen Restaurants Moskaus in dem es vedische sowie regionale Küche gibt.

Nach dem Essen müssen wir mit dem Auto einmal quer durch die Moskauer Rushhour um zu unserem ersten Konzert zu gelangen. Am Club treffen wir auch Wolli wieder, der seinen Flug und alle Kontrollen auch unbeschadet überstanden hat. Es gibt einiges an Merch zu sortieren und zurecht zu machen und so geht die Zeit bis zu unserem ersten Set schnell vorbei. Der Raum ist leider viel zu groß und da in den letzten Tagen wohl schon einige Konzerte waren, fanden diesmal nicht ganz so viele Leute den Weg zum Konzert. Mir fällt es ein bisschen schwer rein zu kommen, da die Bühne sehr hoch ist und eine art Gatter hat und ich mir daher ein bisschen isoliert vorkomme. Nach einer Weile wird es besser, die Leute zeigen sich textsicher und der Abend wird ein guter Start. Nach dem Konzert packen wir unsere Sachen und eine wilde Taxifahrt durch Moskau beginnt. Sveta, Wolli, Sascha und Ich zwängen uns in einen kleinen Polo rein mit der großen Merchtasche und wir fahren zu einem (für deutsche Verhältnisse) lächerlichen Preis einmal quer durch Moskau. Üblich hier sind halt Leute die mit Ihrem Auto einfach so durch die Stadt fahren und willige Fahrgäste mitnehmen, um Ihr Einkommen ein bisschen aufzubessern. Wieder angekommen in Sascha’s typischer russischen Mehrfamilien-Hochhaus-Plattenbau-Siedlung-Wohnung quatschen wir noch lange bei mehreren Bier bis alle ins Bett fallen und wir uns in einen wohlverdienten Schlaf wiegen.



Tag 3.

Das Touren in Russland eine andere Sache ist und vieles zum Teil spontan und unter widrigen Umständen gelöst werden muss war mir ja schon von unserer letzten Tour im Winter 2010 bekannt, aber der heutige Tag ist das was man sich unter einem Tag auf Tour in Russland vorstellen kann. Eigentlich ging alles ganz ruhig los. Nach der kurzen Nacht bei Ksusha und Sascha wurden wir um 9.00 Uhr von unseren heutigen Fahrern Dennis und Luba auf einer der wenigen Autostrecken abgeholt. Die Sonne scheint und Moskau putzt sich raus für den 1. Mai und seine Feierlichkeiten, die natürlich in Russland einen höheren Stellenwert haben. Aber gut, davon werden wir uns später selbst überzeugen können. Dennis kämpft sich mühsam durch den Moskauer Dauerstau, was wirklich eine Kunst ist, da, soweit ich das beurteilen kann, Autofahren in Russland viel mit Anarchie zu tun hat und mir schon beim zusehen Angst und Bange wird, aber das Ganze ist auf seine Art auch wieder harmonisch, weil sich jeder an die umgänglichen Faustregeln hält. Der gefühlte 200 Jahre alte Van macht von Beginn an Geräusche, die ich so noch nicht von einem Auto gehört habe, dafür sind Sitzcomfort und Beinfreiheit 1 A und Luba bietet uns selbstgebackene Brötchen mit Reis und Pilzen gefüllt an. Nach mehr als 2 Stunden schaffen wir es endlich Moskau hinter uns zu lassen und die Umgebung wird immer ländlicher und meine Eindrücke vom letzten Russlandbesuch bei -20°C und einer dicken Schneedecke bekommen einen leichten Riss. Es ist immer noch schön und interessant, aber der Winter hat eine dicke braune Schicht aus Schlamm und Dreck hinterlassen und der Frühling kämpft sich nur mühsam durch. Ca. 100 km nach Moskau müssen wir öfter stoppen und Dennis friemelt kurz unter der Motorhaube rum und es geht weiter. Nebenbei bekomme ich mit, dass wir mit Autogas fahren, was noch mal billiger ist als das so schon billige Benzin (ca 50 Cent pro Liter). So tuckern wir Stück für Stück Nishnij Nowgorod entgegen und ich vertreibe mir die Zeit mit einem Mix aus Landschaft gucken, Musik hören und kleinen Nickerchen. Ca. 70 km vor unserm Ziel erzählt mir Dima das wir schon ziemlich hinter der Zeit sind und er sich Sorgen macht ob wir es rechtzeitig schaffen. Kaum ausgesprochen fängt der Motor an zu ächzen und Dennis biegt ab auf den Seitenstreifen. Wir stoppen ca. 250m vor einer kleinen Ortschaft, die sich wie schon viele davor lediglich um die Hauptstrasse ziehen und außerdem nur aus einigen alten Holzhäusern einer russischen Kirche und ein paar schmuddeligen 24/7 Cafes bestehen. Für mich eindeutig das Pardon zu den schon so oft in Filmen gesehenen kleinen Nestern. Dennis und Luba schrauben wie wild am Motor rum und machen sehr ernste Gesichter und nach gut einer Stunde Warten ist klar, dass die Einspritzpumpe kaputt ist und das Auto in eine Werkstatt muss. Mascha sagt mir, dass wenn wir das Problem nicht bald geregelt bekommen wir auf zwei Taxis umsatteln müssen. Allein die Erinnerung an gestern lässt mich da nicht gerade aufjubeln, aber gut, so ist Touren in Russland nun mal und solche Tage wie dieser werden mir einfach nur als „genial“ im Gedanken bleiben. Ein fremder Truckfahrer schleppt uns zur nächsten Werkstatt, an der wir erst mal einen komplett gekippten Lkw vorfinden. Es riecht nach verbranntem Gummi und jeder im Dorf hat irgendwelche alte Armeekleidung an. Der Mechaniker, mit den super russischen Knasttattoos auf beiden Händen, wirft einen kurzen blick unter die Haube und redet kurz mit Dennis und Luba. Danach steht fest das wir so nicht weiter kommen und eine Alternative finden müssen. Dimitrys gutem Organisationstalent und ein paar hilfreichen Locals sei dank, können wir 20 min später den Fahrer eines Überlandbusses, trotz viel zu viel Gepäck, überreden uns mitzunehmen. Alle Leute im Bus schauen uns argwöhnisch an und eine alte Frau beschimpft unsere russischen Begleiter als Sklaven, da sie sich mit uns in englisch unterhalten. Ich find ’s Klasse und sage mir nur „einmal Klassenfeind, immer Klassenfeind!“. Mir tut es wirklich Leid um Dennis und Luba, die nun mit unserem Trip wahrscheinlich mehr Unkosten als Einahmen haben werden und ich vermisse, dank 20 kg Merch auf dem Schoß, die Beinfreiheit des Vans sehr. Dimitry hat gerade mit dem Veranstalter gesprochen und so lange unserer jetziges Vehikel nicht auch noch zu Bruch geht, sollten wir die Show wohl schaffen.



Tag 4: Kirov

Es ist 7.00 Morgens und seit gut einer Stunde haben wir unsere Erste Zugfahrt angetreten. Nach dem wir am gestrigen Tag mit mehr als 4 Stunden Verspätung den Club ereicht hatten, mussten wir in Windeseile aufbauen. Die Leute, die wohl über 2 Stunden geduldig auf uns gewartet hatten, wussten unsere Ankunft zu schätzen und die Aufregung stieg merklich. Wie für HC-Shows in Russland typisch wurde zu allem gemosht was irgendwie einen Rhythmus hat. Der Abend ging schnell vorüber und hatte für mich noch einige unangenehme Neuigkeiten auf Lager. Während ich an unserem Merchstand war erfuhr ich vom Veranstalter das ca. eine Stunde bevor wir angekommen waren eine Gruppe Nazis versucht hatte das Konzert anzugreifen und es dabei wohl heftig zur Sache gegangen sei. Weiterhin mussten wir erfahren, dass sich in der Venue, die sich neben unserer morgigen befindet, ein Nazikonzert zur gleichen Zeit wie unsere Show stattfinden soll. Mir blieb erst mal kurz die Sprache weg. Zwar haben wir hier schon einiges in die Richtung sehen und erleben müssen, aber das roch für mich nach Ärger. Dimitry erzählte uns das wir uns keine sorgen machen sollen, da die lokale Szene kräftig und daran gewöhnt sei und man wisse sich zu verteidigen. Ich bin immer wieder fasziniert mit was für einer Gelassenheit die Leute hier unter solchen Bedingungen Shows auf die Beine stellen und versuchen gegen den Neonazi-Mainstream, der hier leider teilweise den Tag beherrscht, vorzugehen. Wir werden einfach schauen müssen was der Tag bringt und außerdem ist gerade mein größtes Problem, die Augen irgendwie offen zu halten. Der Zug mit dem wir heute reisen ist ein klassischer Regionalzug und daher wird die Fahrt wohl an die 6 Stunden dauern. Wir sitzen in der 3. Klasse um unser nicht gerade riesiges Budget einzuhalten und von daher ist an Schlaf nicht zu denken. Da der Zug bei unserer Ankunft schon gut gefüllt war, sitzen wir alle ein bisschen verteilt zwischen Pendlern und anderen Reisenden. Simon und ich haben zwei Plätze im Gang ergattert und können Dank einer vorher gekauften Tasse Kaffee, die ins glänzende Morgenlicht getauchte Landschaft beobachten. Ein Mix aus Eis, Birken und anscheinend ewigen brach liegenden Feldern. Wolli hat sich auf eine 6er Bank gesellt und schafft es, trotz minimalen Platz, irgendwie zu schlafen, während seine Banknachbarn schon genüsslich die erste Dose Morgenbier schlürfen. Ich habe mich inzwischen mit dem Gedanken angefreundet bis heute Nacht nicht mehr zu schlafen und versuche nicht zu viel an die bedrohliche Lage heute Abend zu denken...

Ein paar Stunden später stehen wir im Club und ich kann mit gutem Gewissen sagen: Ich fühle mich sicher. Der Laden platzt aus allen Nähten und mindestens die Hälfte der Besucher sieht so aus als könnten sie es mit einer ganzen Horde Nazis ohne Probleme aufnehmen. Die erste Band fängt an zu spielen und "erfreut" uns mit einer Mischung aus Melodic-Hc und Grindcore. Ich habe dank der kurzen Nacht kaum geschlafen und bin eigentlich null aufnahmefähig, versuche aber trotzdem kein langes Gesicht zu machen und führe ein paar wackelige Konversationen mit einigen Locals, als auf einmal die ganze Crowd nach draußen rennt. Mir wird gesagt, dass eine Gruppe Nazis vor der Tür steht, der aber viel zu unterbesetzt ist und beim Anblick der Konzertbesucher das Weite sucht. Nach dem mir erstmal kurz das Herz in die Hose gerutscht ist, frage ich mich ob die Leute bei uns genauso reagieren würden und komme dabei leider nicht wirklich auf eine eindeutige Antwort. Als wäre nichts gewesen geht das Konzert weiter und eine lokale Metalcore-Band zerlegt den Raum. Darauf folgen die, wie man mir sagt, älteste russische Hc-Band ( aktiv seit 1992 ) die klassischen NYC-HC spielen und damit auch nicht gerade die Crowd interessieren die wir normalerweise ansprechen. Mir wird ein bisschen unwohl, dass die Leute vielleicht null Bock auf uns haben könnten. Als wir dann anfangen werde ich zum Glück vom Gegenteil überzeugt, und wir spielen die bis dato intensivste Live Show. Ich kann mit Recht behaupten, dass ich nicht gerne Stagedives antrete und ich nicht gerade in Jubel ausbreche, wenn man mich trotzdem dazu "animiert". Schon beim letzten mal in Russland musste ich feststellen, dass das hier wohl einfach dazu gehört und habe es über mich ergehen lassen. Doch seit heute habe ich ein so simples wie effizientes Mittel gefunden dies abzuwehren: Such dir den Animator und heb ihn so schnell wie möglich hoch. Kurz gesagt dreh den Spieß um.

Nach dem Konzert sind wir alle ziemlich happy und die letzten Kids animieren Simon und Basti zum Vodka trinken, der Anfang vom Ende!

Während des Ausladens fällt mir auf das der Veranstalter und seine Freunde (allesamt gestandene Antifas) uns keine Sekunde aus den Augen lassen den schon beim Mittag (in einer Art öffentlichen Kantine) folgte mir sofort einer der Veranstalter als ich draußen eine Zigarette rauchen wollte. Wirklich crazy!

Ca. eine Stunde später sitzen wir alle in der Wohnung vom Veranstalter und sind bestens mit Bier und Vodka eingedeckt. Unser Zug geht um 5:30 Uhr und allen ist jetzt schon klar, dass heute Nacht nicht viel geschlafen wird. Nachdem im Wohnzimmer getanzt wurde und alle Teilnehmer richtig einen im Tee haben legen wir uns für zwei Stunden hin was allerdings kaum Abhilfe verschafft. Um 5:00Uhr raffen wir uns schwer verkatert auf und mit dem Taxi geht es zum Bahnhof und dann mit dem Nachtzug nach Ischevsk.



Tag 5: ischevsk

Heute Nacht hatten wir unsere Fahrt im Schlafabteil. Ganz so romantisch und chillig wie ich es mir vorgestellt hatte ist es zwar nicht, aber auf alle Fälle besser als klapprige Vans (die irgendwann kaputt gehen) und russische Strassen. In unserem Abteil befinden sich ca 40 Leute in kleinen Kojen a 5 Leute, mit zwei Doppelbetten und zwei Betten auf dem Gang. Am Ende des Ganges gibt es eine kleine Toilette sowie einen Samovar der ständig warmes Wasser für Tee bereitstellt und in den Durchgängen darf geraucht werden. Yeah!

Am Vormittag erreichen wir Balezino und von hier aus geht es mit dem heutigen Veranstalter Anthony via Van weiter nach Ischevsk. Die Strassen (falls man sie so nennen kann) sind grausam, den Fahrer hält das aber nicht davon ab, kräftig aufs Gas zu treten. Während der drei sehr wackeligen Stunden (Wolli schläft in der unmöglichsten Position, die ich je gesehen habe!) erzählt mir Anthony, das Ischevsk nur aus einem Grund erbaut wurde: die Produktion vom Kalashnikovs. Im Zentrum der Stadt an einem riesigen See steht die große Fabrik, die bis heute noch den Großteil der Bevölkerung mit Arbeit versorgt. Basti, Simon und Wolli bekommen sogar bei ihrer kurzen Stadtbesichtigung einen kleinen Einblick in das lokale Kalashnikov Museum. Der Club ist gut gefüllt und wir spielen als zweite Band, da wir direkt nach der Show weiterfahren müssen. Der Sound ist verhältnismäßig gut und die Show macht trotz Kater riesen viel Spaß. Danach müssen wir in Windeseile zum Zug. Vom Modell her das selbe wie in der Nacht davor (es gibt glaube ich auch nur das eine) haben wir diesmal etwas mehr Pech da unsere Bettnachbarn, wie Dima sie nennt 2 Sturz betrunkene "rednecks" sind, die einfach nicht einsehen wollen, dass wir kein Russisch sprechen. Nach einer kleinen hitzigen Diskussion verschafft Dima und der sehr nette Schaffner uns Ruhe und wir können uns unserem „Instant Noodle“-Abendbrot widmen, bevor sich jeder in seine Koje verkriecht.



Tag 6: Perm

Es ist 5:30 Uhr Ortszeit als wir in Perm ankommen und wir werden vom heutigen Veranstalter mit einem Bier in der Hand begrüßt. Drom ist ein kleiner, ein bißchen dicklicher Junge mit forschem Mundwerk und wie wir im Laufe des Tages feststellen einer ausgeprägten Passion für vorher schon erwähntes alkoholisches Gerstensaftgetränk. Wir fahren zu ihm in die Wohnung und versorgen uns mit Essen, Dusche und einer kräftigen Portion Schlaf. Am Nachmittag fahren wir in die Stadt und Drom ist mindestens schon beim dritten Liter Bier und unterhält uns alle mit seiner tapsigen Art. Ich will mich hier nicht über ihn lustig machen, aber kann ihn auch nicht besser beschreiben. Nach einer kleinen Stadttour durch Prem, das übrigens für russische Verhältnisse echt schön ist und durch eine menge Streetart hervorsticht, fahren wir zur Venue, eine alte Fabrik die als Bandproberaum und Venue genutzt wird. Es ist Montag Abend und meine Erwartungen an die Show sind aus der Erfahrung her (Montags hat meistens keiner Bock auf Shows, erst recht nicht auf Hardcore) sehr niedrig, aber da sollte ich eines besseren belehrt werden. Der kleine Raum ist randvoll und es scheint das Droms Passion hier vielen zu Gute steht. Mein Gedanke als ich auf die Bühne gehe, ist "hoffentlich verliere ich keinen Zahn oder so". Die leute rasten tierisch aus und wir kommen gut in Fahrt. Irgendwie bin ich in einer ziemlich guten Laune und habe eine Menge Spaß. Der ganze Raum tanzt und ich freue mich sehr darüber das nicht wie sonst nur vorne ein Pit sich etabliert hat, der reine „Männersache" ist, sondern wirklich alle tanzen und ihren Spaß haben. Als das Set zu Ende geht, kann ich mich kaum noch auf den Beinen halten und bin fix und alle, aber fühle mich einfach gut. Einige Kids wollen Autogramme auf ihre Jacken und Shirts, was ich zwar echt strange finde, aber gut ich will niemand etwas vorschreiben und sobald man hier jemandem etwas ausschlägt wird’s ruppig (ein bisschen wie wenn man von der Oma das Geld nicht annehmen will, sie aber trotzdem drauf beharrt), insofern werden alle Wünsche natürlich erfüllt. Der Tag geht zu Ende mit guten Erinnerungen und Erwartungen auf weitere drei Wochen in Russland.

Alte Kommentare

von anarcho 07.05.2011 20:14

anarchie bedeutet nicht chaos und ordnungslosigkeit. manmanman

von trg 07.05.2011 20:19

auf was für hardcore konzerte gehst du denn in deutschland ? in hamburg würden nazis keine 2 sekunden vor einem konzert überleben.

von Mitch 23.05.2011 07:40

geil! Macht richtig freue zu lesen. Sind die Jungs in Russland verloren gegangen oder warum gibt es keine Fortsetzung? haha