Interview Mit Choking On Illusions

 

Nachdem CHOKING ON ILLUSIONS ihren Hiatus verkündeten und ein superbes Album veröffentlichten, mussten wir ihnen ein paar Fragen stellen!

1. Ihr habt auf Facebook einen hiatus bekannt gegeben, den ihr nach VÖ des Albums angehen wollt. Warum das denn? Ihr startet doch jetzt erst so richtig durch?

Ich möchte es mal so sagen: es war nicht von Anfang an alles so geplant. Der letztendliche Ablauf mit Albumveröffentlichung und anschließendem Hiatus auf unbestimmte Zeit erscheint natürlich eher ungünstig, aber es macht im Moment so für uns leider doch am meisten Sinn. Das Album selbst ist ja schon seit geraumer Zeit in der Mache, lediglich hat die Fertigstellung und das Release im Endeffekt einfach so lange gedauert, dass es jetzt so gekommen ist, wie eben erklärt. Wenn wir es noch anders machen könnten, würden wir es tun, aber dafür ist es leider zu spät. Gerade in dem ganzen Prozess nach den Aufnahmen, der für meinen Geschmack stressiger ablief, als das Recording an sich, hat sich immer mehr abgezeichnet, dass es langsam aber sicher auf das (vorläufige) Ende hinläuft. Als es dann schlussendlich soweit kam, dass wir uns als Band zusammensetzen wollten und darüber reden wollten, wie es mit der Band weitergehen sollte, war ein Hiatus prinzipiell für alle die Beste Möglichkeit.

2. Euer neues Album „Rest/Less“ besticht zunächst durch ein nachdenkliches Artwork. Was genau wolltet ihr hiermit bezwecken?

Ich würde weniger nachdenklich als vielmehr atmosphärisch sagen. Das Booklet besteht im Ganzen ja aus Bildern, die zu einzelnen Songs gehören. Unser befreundeter Fotograf Chris Hieronimus (The Change is Me – Photography) hat die Songs mit Lyrics zu hören bekommen und dann war es Aufgabe, die Stimmung der jeweiligen Songs in Bildern festzuhalten, was ihm für meine Begriffe auch außerordentlich gut gelungen ist. Die feine Frage ist dann natürlich welches Bild zu welchem Song gehört, aber das soll mal schön jeder selbst rausfinden. Wäre ja langweilig sonst.

3. Auch der Albumname ist der Interpretation zugänglich. Kannst du uns deine verraten?

Für mich steckt in dem Albumnamen eine Ambivalenz, die das ganze menschliche Dasein ausmacht. Durch etwas Profanes wie einen Bindestrich ergibt sich bei einem Wort direkt eine komplett neue Deutung. An sich sehe ich es aber erst mal so: Jeder Mensch befindet sich manchmal an einem Punkt, an dem er hin- und hergerissen ist, zwischen dem Wunsch nach Veränderung und Bewegung und der Furcht vor dem Stillstand. Furcht davor, etwas zu verpassen oder nicht mitzubekommen. Der Trick ist wie bei allem im Leben eine Balance zu finden, mit der man selbst glücklich werden kann. Das ist, was für mich im Titel „Rest/less“ steckt.

4. „Rest/Less“ ist von der Grundstimmung melodischer Hardcore, klingt aber sehr zerbrechlich und hält den Hörer irgendwie ein wenig auf Distanz. Was genau war eure Intention beim Schreiben der Songs?

Unser Ziel war es, etwas zu schaffen was uns eigenständig macht. Jeder kann dieselben 3-4 Harmonien benutzen, etwas über Herzschmerz drüber schreien und klingen wie zig andere Bands dieses Genres. Unser Anspruch war es aber, das ganze hier und da noch mit ein paar Kniffen zu versehen, die vielleicht das Gesamtkonstrukt ein wenig sperriger machen, dafür aber auch den Hörer noch ein kleines bisschen fordern. Nicht dass wir jetzt besonders „technisch“ oder „kompliziert“ wären, aber es sind die Kleinigkeiten, die einen Song interessant machen, ohne ihm die Eingängigkeit zu nehmen.

5. Ihr klingt viel „erwachsener“ als noch auf euren letzten Releases. Meines Erachtens habt ihr auch eure Bühnenerfahrung mit in die Songs einfließen lassen, die rauh und bodenständig produziert wurden. Wie sehr ihr das?

Dankeschön, genauso wollen wir gesehen werden! Natürlich soll eine Weiterentwicklung auch im musikalischen Sinn hörbar sein. Freut mich, dass wir das rüber bringen konnten. Die gewisse „Roughness“ die sich in unserem Sound etabliert hat, ist mit Sicherheit unseren Live-Erfahrungen zuzuweisen. Über die Jahre haben wir uns für meine Begriffe auch  Live immer mehr als eine eher „kantige“ oder „rohe“ Band präsentiert. Dieses „Rohe“ wollten wir auch im Charakter des Albums wiederspiegeln. Was uns ja scheinbar ganz gut gelungen ist.

6. Ihr setzt auf „Rest/Less“ auf die Aneinanderreihung von harmonischen und disharmonischen Abschnitten, die m.E. viel Energie freisetzen. Auf der einen Seite seid ihr auch durch die klar gesungenen Refrains relativ schnell zugänglich, auf der anderen Seite aber auch sperrig. Diese Gegensätze habt ihr bewusst so gesucht, oder?

Genau, das war Sinn der Sache. Wie schon bei Frage 4 geschrieben, Ziel war es, interessante Musik zu machen, mit Tempowechseln, Tonartwechseln und dem ein oder anderen Part, mit dem man vielleicht nicht gerechnet hätte, ohne dabei unsere generell ja doch sehr „einfach“ oder „poppig“ gehaltenen Songstrukturen arg zu verhackstückeln. Ich bin der Meinung, dass uns das ganz gut gelungen ist und wenn du das auch ansprichst, denk ich mir doch: „Hat geklappt!“

7.  Wie geht es jetzt mit euch weiter?

So richtig konkrete Pläne hat soweit ich weiß noch keiner von uns. Was die Band angeht, sind wir alle im Moment erst mal ziemlich froh darüber, unsere Ruhe zu haben. Es wird sich mit Sicherheit das eine oder andere ergeben, aber wie gesagt: Konkretes gibt es noch nicht. Allzu lange kann das aber nicht dauern.

8. Ich danke euch und wünsche euch alles Gute. Das sollte auf eurem Grabstein stehen:

Vielen Dank für alles was ihr je für uns gemacht habt! Ich find solche Fragen ja ehrlich gesagt immer irgendwie seltsam. Wenn ich für die Band sprechen soll wäre es wahrscheinlich „Leap from Life.“