Discreation - Interview mit den hessischen Death Metallern

 

Zunächst einmal „Herzlichen Glückwunsch“ zu eurem neuen Album „Procreation Of The Wretched“! Das ist endlich mal wieder eine Death Metal Scheibe, die dem ursprünglichen Gedanken dieses Genres unterstützt und einfach nur straight die Rübe abdreht.

Vielen Dank. Freut mich sehr, dass es dir so gut gefällt!

Ihr seid ja längst keine Unbekannten mehr und habt auch schon vier Alben auf dem Buckel. Was habt ihr mit eurem neuen Album anders gemacht bzw. was ist eurer Meinung nach besonders gelungen?

Wir wollten, dass die Platte finsterer und härter wird. Wir wollten sozusagen die „schönen“ Melodien eliminieren. Darauf haben wir beim Komponieren geachtet und uns immer gefragt, ob die Riffs und Melodien auch wirklich einen düsteren Vibe transportieren. Das alles wollten wir außerdem mit einer natürlichen Produktion unterstützen, die so live wie möglich klingt. Das ist uns gelungen wie ich finde.

Meiner Meinung nach greift ihr sowohl die skandinavische als auch amerikanische Todesbleilandschaft nach den besten Zutaten ab und garniert das alles mit einem fetten Groove. Wo würdet ihr euch stilistisch einordnen?

So in etwa würde ich das auch beschreiben. Es ist immer schwer, sich selbst einzuordnen. Vor allem, weil wir von Anfang an unser eigenes Ding gemacht haben. Als Peter und ich die Band gegründet haben, konnten wir gerade so die Gitarren halten. Wir haben aber trotzdem von Anfang an eigene Songs geschrieben. Wenn wir erst Songs von anderen Bands gecovert hätten, dann hätten wir uns stilistisch vielleicht anders entwickelt. Wir standen damals vor allem auf God Dethroned („Into The Lungs Of Hell“), Vader („Litany“), Six Feet Under („Maximum Violence”) und Bolt Thrower (“Mercenary”). Aus diesen Einflüssen hat sich dann wohl unser Sound herausgebildet.

Ich war beim ersten Durchhören erstaunt, dass ihr euch so viel Zeit für einzelne Passagen in den Songs nehmt, damit diese wirken. Das klingt im ersten Augenblick ein wenig monoton, aber nach einigen Durchgängen offenbart dieses Vorgehen Durchschlagskraft. Wie seht ihr das bzw. wisst ihr, was ich meine?

Auf „The Silence Of The Gods“ wollten wir die Songs möglichst kompakt und auf den Punkt komponieren. Davon haben wir uns aber auf „Procreation Of The Wretched“ teilweise wieder verabschiedet. Wir finden es auch spannend, wenn sich ein Song entwickelt und auch in der Mitte noch mal was ganz neues passiert. Metallica machen das ja auch häufig so. Da kommt dann in der Mitte quasi ein Song im Song. Auf Dauer ist das auch spannender als ein Song, der sofort reingeht, aber dafür keine große Langzeitwirkung hat. Dazu gehört auch, manchen Passagen Raum zu Entfaltung zu geben. Wenn man immer nur schnell zwischen den Riffs hin und her springt, kommt nicht die Atmosphäre auf, die wir uns für „Procreation Of The Wretched“ gewünscht haben.

Sehr geil finde ich auch die Produktion, die die Drums ein wenig in den Vordergrund gemischt haben, was streckenweise wie ein zum Berserker mutierten Specht gleicht, der den Arsch eines Baumes versohlt. Des Weiteren ist der Sound schön trocken und hinterlässt Schmauchspuren. Wer ist dafür verantwortlich und seid ihr nach vier Alben mit eurem Sound zufrieden?

Wir waren diesmal bei Thilo Krieger im Desert Inn Studio. Die Entscheidung war goldrichtig, denn Thilo hat sofort verstanden was wir wollten. Unser Ziel war es einen natürlichen Sound zu bekommen, der einerseits klassisch klingt, aber auch zeitgemäß druckvoll ist. Die Herangehensweise war recht simpel: Uns mit unserem Equipment einfach in bester Qualität aufnehmen. Dass das Schlagzeug viel Raum hat, wollten wir auch so, schließlich ist das bei vielen der großen 80er und 90er Produktionen auch so. Insgesamt kann ich sagen, dass ich noch nie so zufrieden mit einer Aufnahme war. Natürlich findet man später immer Kleinigkeiten, die man vielleicht doch hätte anders machen können, aber das ist ja immer so. Aber ich glaube, dass wir die nächste Platte wieder auf diese Weise machen.

Was ich auch richtig gut finde ist ein Liebäugeln mit Black Metal Leads in den Blastparts, die eure Tracks dann episch werden lassen. In Deutschland bekommen das zurzeit eigentlich nur DER WEG EINER FREIHEIT hin.

Ich glaube das passiert unbewusst. Jedenfalls kam es eigentlich nie vor, dass wir den Eindruck hatten, dass etwas nach Black Metal klingt. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Beide Genres sind grundsätzlich miteinander verwandt, daher kann es da durchaus gerne Überschneidungen geben. Ich glaube, dass man sich schnell in Richtung Black Metal bewegt, wenn man mehr Wert auf Atmosphäre legt.

Der Groove erinnerte mich an Bands wie MONSTROSITY, die mit Alben wie „In Dark Purity“ alles zermalmen. Auch ihr habt das Talent, z.B. in Tracks wie „Megacorpse“ einen fetten Punch auszupacken.

Danke, Monstrosity sind ja schon eine tolle Referenz. Allerdings muss ich auch sagen, dass Monstrosity zumindest bei mir kein Haupteinfluss sind. Aber wenn du Parallelen zwischen dieser unterbewerteten US-Legende und uns siehst, freut mich das natürlich sehr.

Euer Coverartwork ist so old school, dass ich bereits ein Shirt von euch als bundle mit der CD bestellen musste. Wer war dafür verantwortlich?

Wie bei unserer letzten Platte zeichnet dafür Juanjo Castellano verantwortlich. Er ist ein großartiger Künstler der schon für viele Death Metal Bands tolle Arbeiten abgeliefert hat. Unter anderem für Unleashed, Revel In Flesh, Blaspherian, Nominon und viele mehr. Wir werden sicher auch zukünftig mit ihm zusammenarbeiten.

Ein richtig guter Gesang und diverse hakenschlagende Wendungen komplettieren ein fettes Album. Es dürfte schwer sein, dass noch einmal zu toppen! Dessen seid ihr euch bewusst, oder?

Besser und schlechter sind schwierige Kategorien wenn es um die eigene Musik geht. Bei fremder Musik fällt das immer leicht, da geht es nur darum ob es einem gefällt oder nicht. Bei den eigenen Songs geht es eher um die Frage, was hatte ich für eine Vision oder Idee, und wie gut wurde sie dann umgesetzt. Das gelingt manchmal besser und manchmal schlechter. Aber ich glaube, dass wir mit „Procreation Of The Wretched“ einen Weg eingeschlagen haben, auf dem es noch viel zu erkunden gibt. Und ob das was dabei rauskommt dann besser oder schlechter ist, dass müssen andere beurteilen. Aber trotzdem sind wir natürlich auch sehr zufrieden mit der Platte, keine Frage.

Wann ist mit euch tourtechnisch zu rechnen und wie sieht die nähere Zukunft der Band aus?

Wir haben für dieses Jahr noch einige Gigs in Vorbereitung die wir demnächst bekanntgeben werden. Was Touren angeht muss man abwarten, ob es entsprechende Angebote gibt und wie die dann konkret aussehen. Man muss wissen, dass bei einer Tour mitzufahren eine finanziell sehr aufwendige Sache ist. Grundsätzlich haben wir aber definitiv Bock drauf.

Könnt ihr unseren Lesern noch ein paar Tipps für das CD-Regal geben? Was läuft bei euch im Tourbus?

Wenn wir unterwegs sind landen wir früher oder später bei Klassikern wie Metallica, Black Sabbath oder auch Pink Floyd. Und wenn wir dann mal keinen Bock mehr auf Mucke haben, kommt schon auch mal ein Hörbuch in den Player. Ansonsten empfehle ich aktuell Dead Congregation, Eternal Solstice, Revel In Flesh, Hate und Septic Flesh.

Ich bedanke mich bei euch für das fette Album und überlasse euch die letzten Worte:

Vielen Dank für euren Support! Only Death Is Real!