Interview mit GREY SEASON

 

Mit Noizgate Records habt ihr eine Labelheimat gefunden, die eigentlich nicht so richtig zu eurer Musik passt. wie kam es zum Labeldeal?

Wir haben Noizgate Records zusammen mit anderen Labels die härteren Metal vertreten einfach eine CD per Post geschickt und Noizgate hat sich direkt bei uns gemeldet.

„Septem“ war eine Granate, „Invidia“ ist eine Atombombe. Wie könnt ihr euch diese Steigerung erklären?

Septem wurde über einen Zeitraum von etwa vier Jahren geschrieben. Invidia hingegen wurde innerhalb von nur sechs Monaten geschrieben. Einerseits haben wir uns musikalisch weiter entwickelt. Andererseits glauben wir, dass ein gewisser Grad Rohheit der Musik gut tut. Die Songs wurden nicht tot komponiert.

„Invidia“ transportiert vor allem Gefühle und Stimmungsschwankungen. seid ihr mit einem Konzept an das Album herangetreten oder entsprang es mehr einem schreiberischen Fluss?

Das Album entsprang mehr einem schreiberischen Fluss. Musik entsteht bei uns sehr spontan und wir mögen es, dass Elemente in mehreren Songs wiederholt werden und sich auf Albumlänge aufbauen.

Wie genau lief der Aufnahmeprozess ab bzw. wie schreibt ihr Songs?

Wir schreiben die Songs immer mit der Band gemeinsam bei den Proben. Während der Aufnahmen ändert sich sehr selten noch etwas. Wir haben kein festes Schema, das unseren Songs zugrunde liegt. Wir strukturieren sie so, wie es sich für uns richtig anfühlt. Das führt dann auch oft dazu, dass manche Songs wie z.B. Reclusive Years oder Meare nur im Kontext funktionieren und nicht für sich alleine stehend. Wir schreiben eher Alben als Songs die für sich stehen.

Wie seid ihr zu einer Band geworden? Kanntet ihr euch vorher oder hat euch die Musik zusammengeführt?

Bodo, Blazej und Roman sind zusammen in einer Klasse gewesen. Nach einer Menge Besetzungswechsel (und einem Haufen schlechter Musik) kamen Jan und Pascal in die Band. Seitdem sind Grey Season komplett.

Das Booklet ist eines der besten, was ich die letzten Jahre gesehen habe. Letztlich verbindet ihr eure Musik mit einem generellen Anspruch, etwas wertvolles zu erschaffen. Gilt das für das leben neben der Muisk auch? Was macht ihr neben GREY SEASON?

Wir sind erfolgreiche Studienabbrecher/-beginner, Arbeiter und leidenschaftliche Biertrinker.

Ich finde die Spannungsbögen innerhalb der Songs teilweise schon fast unangenehm (gut). Ihr lasst euch nicht festlegen und seid unberechenbar. Mal glaubte ich, jetzt muss noch eine moshpart kommen, aber der Song lief ruhig aus. Dann wiederum ging ich davon aus, dass eine gewisse Monotonie durchbrochen werden müsste, pustekuchen. Ihr wollt es dem Hörer nicht leicht machen. Euch aber irgendwie damit auch nicht, oder?

Das Songwriting kann bei uns schon extrem unerträglich werden und manchmal geraten wir auch aneinander. Am Ende behalten wir nur die Parts, mit denen sich jeder identifizieren kann. Auf dieser Weise entsteht zwar eine Menge musikalischer Abfall, aber immerhin sind wir glücklich mit dem was wir tun.

Ihr seid mit eurer Musik in einer individuellen Nische angelangt, die sich nur schwer zu kategorisieren lässt. Der Überbau ist wohl progressiver Metal. wie würdet ihr euch selber beschreiben?

Es gibt einfach zu viel gute Musik, als dass wir uns auf ein spezielles Genre einigen könnten. Jeder einzelne bringt seinen Einfluss mit. Das Ergebnis lässt sich dann am ehesten als progressive metal zusammenfassen. In den 60ger und 70ger Jahren wurden Bands als „progressive“ bezeichnet, die verschiedenste Musikrichtungen mit einander kombinierten. Das trifft auch eher auf uns zu.

Könnt ihr noch ein paar Worte zu den Lyrics loswerden, vielleicht zu dem roten Faden, der die Songs inhaltlich verbindet respektive zur Intention, was ihr mit euren Texten erreichen wollt?

Die Lyrics sind sehr persönlich und befassen sich mit negativen Erfahrungen, Emotionen und Ansichten. Sie dienen als eine Art Katharsis. „Captain Trips“ „Red Forest“ und „Pandemic Winter“ werden Beispielsweise durch einen roten Faden verbunden. Im Endeffekt soll der Hörer selber entscheiden was er/sie daraus interpretieren möchte.

Könnt ihr noch ein paar CD Tipps loswerden?

Alle Alben von 16 Horsepower und Wovenhand,
Sweet Oblivion - Screaming Trees,
The Beatles - Rubber Soul,
Fugees - The Score,
Massive Thunderfuck - Kill The Thunder,
alles von Chelsea Wolfe und Dead Can Dance,
Dream Theater – Scenes from a memory und Images and Words,
Swans – The Seer und The Great Annihilator,
Tool – Aenima,
Buddy Guy – Sweet Tea,
Type O Negative – Dead Again,
Maurizio Pollini – Chopin Etudes,
Converge – Jane Doe,
Eyehategod – Dopesick,
Friday Night in San Francisco – Al Di Meola/John McLaughlin/Paco de Lucia,
Pantera – The great southern Trendkill,
Nails – Unsilent Death

Danke für das interview. Die letzten Worte gebühren euch:

hier noch ein paar CD Empfehlungen:

Rose Kemp - Unholy Majesty,
Spinal Tap - Smell the glove
Cypress Hill – temples of boom.
The doors - l.a. Woman,
Steve Ray Vaughan - Couldn't Stand The Weather,
Led Zeppelin – II,
Black Sabbath – Black Sabbath/Sabotage/Masters of Reality,
Alice In Chains – Dirt,
Nirvana – In Utero.
Earth – Bees Made Honey in the Lions Skull,
Opeth – Watershed,
Meshuggah – Obzen,
Busta Rhymes - Genesis