Interview mit Adjudgement

 

Wir befinden uns im Backstagebereich des JuZ Verden/Aller. Vor mir die Jungs vom Hardcore-Urgestein ADJUDGEMENT, die soeben von der Bühne gekommen sind, wo sie u.a. für Rawside und Black Friday 29 eröffnet haben. Verschwitzt, doch gut gelaunt, stehen mir Marc (Gesang), Ruven (Schlagzeug), Markus (Gitarre) und Wilko (Bass) Rede und Antwort.

Lange habt ihr die Fans auf ein neues Album warten lassen, denn „At Two O´Clock“ erschien bereits 2003. Was hat sich seitdem bei ADJUDGEMENT getan und wie betrachtet ihr das Album im Nachhinein?

Wir sind immer noch sehr mit „At Two O´Clock“ zufrieden. Das war auch unser damaliges Hauptziel: Ein Album zu machen, dass uns gefällt und auf dem wir uns bewusst technisch an Grenzen treiben und es hatte auch als erstes Album ein musikalisches Grundkonzept, zudem hatten wir als Band zum ersten Mal keinen wirklichen Zeitdruck bezüglich der Produktion.

Das Album hat uns natürlich auch die eine oder andere Türe aufgestoßen und hat es uns ermöglicht zum Beispiel auf dem „With Full Force“ Festival zu spielen und dass wir es auch auf die dazugehörige Live-DVD geschafft haben.

„At Two O´Clock“ hat uns ausnahmslos gute Kritiken gebracht, obwohl oder gerade weil es etwas komplexere Songs enthält?! Leider konnte es nicht an die internationalen Erfolge der Vorgänger anknüpfen; fehlende Vertriebswege und Probleme bei der Promotion zeichnen hierfür verantwortlich.
Dennoch zählt diese Platte zu unseren Lieblingen. Wir machen in erster Linie Musik für uns. Es geht darum, unsere Standpunkte und Ideen zu verbreiten und nicht um Kommerz oder darum „everybody´s darling“ zu sein.

Wie hat sich die letzte Platte und der Ausstieg eures zweiten Gitarristen Maik auf euer Songwriting, Live-Performances und das nächste Album ausgewirkt. Steht ihr jetzt in irgendeiner Form unter Druck? Wie werden die neuen Songs klingen? Und wie kam es zum Split mit Maik?

Maik und wir wollten musikalisch einfach in verschiedene Richtungen. Mit „At Two O´Clock“ hatten wir, wie bereits gesagt, spielerisch mitunter unsere Grenzen erreicht, was uns auf der Bühne schon ein wenig behinderte. Wir wollten wieder zurück zu den Wurzeln, wir wollten zurück zur Bauchmucke, weniger komplex und wieder direkter ins Gesicht gehen und vor allem auch das „2“ Kapitel abschließen.

Maik hingegen wollte gerne den nächsten Schritt gehen und einen noch höheren Level anstreben, daher entschieden wir uns alle gemeinsam, dass wir derart nicht weiter zusammenarbeiten können und haben uns freundschaftlich getrennt.

Es ist also alles in Ordnung im Hause ADJUDGEMENT?

Ja.

Ihr habt heute Abend bereits neue Stücke gespielt. Wann, kann man was von euch erwarten?

Wir haben bereits fünf Stücke aufgenommen und wir haben auch einen Plan, der soll aber noch nicht verraten werden.

Folgt auch ihr dem Motto: „Ein guter HC-Song darf nicht länger als 1,25 Minuten dauern und das dazugehörige Album eine Spiellänge von 20 Minuten nicht überschreiten?“

Nein, wir sind der Meinung: Ein guter HC-Song darf nicht länger als 1,25 Minuten dauern und das dazugehörige Album darf nie enden!

Nun ist ja die Hardcore-Szene wieder einmal schwer im Kommen und man kann schon fast von einer Modeerscheinung sprechen, wie seht ihr den Hype?

Durch Leute die mit dem aktuellen Trend mitschwimmen, läuft die Szene Gefahr, oberflächlich zu werden. Es dreht sich oftmals zuviel um Images und Style und vor allem, sich selbst zu profilieren.
Der Pit bei einem Live-Konzert ist seit jeher dazu da, Aggressionen gemeinsam abzubauen und herauszulassen, aber er hatte nie den Sinn und Zweck, dass dort einige Individuen eine halbgare Capoeira-Show hinlegen, andere in Gefahr bringen und vielen den Spaß am Konzert nimmt. Wir haben auch schon mal eingegriffen, wenn es zu hart zuging. Aber wir fühlen uns nach wie vor in der Hardcore-Szene heimisch und reduzieren sie nicht auf diese negativ Beispiele.

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, den Hype zu eurem Vorteil zu nutzen und die Band zum Hauptaugenmerk eures Tagewerkes werden zu lassen?

Nein, wir wollten noch nie unsere Musik kommerzialisieren. Man müsste sich sehr anpassen um erfolgreich zu sein und einigermaßen von der Musik leben zu können. Wir möchten aber unseren Stil behalten. Die Musik ist schließlich ein Teil von uns und sollte nicht ständig angepasst werden um mehr Kohle damit verdienen zu können. Außerdem haben wir diesbezüglich eine Maxime: „Hardcore for life, playing it´s music as a hobby!“

Nun wurden einige Stimmen laut, dass man auf Grund der „WFF“-DVD gerne mehr AGDJUDGEMENT Bildmaterial zum heimischen Gebrauch zur Verfügung stehen hätte. Wie siehts aus, kann man von euch eine Homedvd oder ein Roadmovie erwarten?

Wir haben eine Tour-DVD zu unserem 15. Bandjubiläum geplant, was nicht mehr allzu lange hin ist.

Was wünscht ihr euch für das verbleibende Jahr?

„Ein schnelles Pferd auf der Prärie, ein Falke auf der Schulter und der Wind in unserem Haar…falsch…zu kämpfen und zu töten und sich zu erfreuen am Geschrei der Leute, denn Wir sind nichts als Sand im Wind und volle Kanne Hoschi!“


Linc