Interview mit Alex Amsterdam

 

Am 13.01. kommt das neue ALEX AMSTERDAM Album "Love is fiction" raus. Sänger und Gitarist Alex erzählt im Mail-Interview von seiner musikalischen Kindheit, mit wem er sich gerne mal die Bühne teilen würde und warum die neue Platte bewusst in Richtung Mainstream geht.

Dein Vater ist ein bekannter Kinderliedermacher. Bist Du also schon sehr musikalisch erzogen worden?

Alex: Nö, eigentlich nicht. Mir wurde hier immer selbst überlassen, ob ich Lust habe ein Instrument zu erlernen oder nicht. Ich hatte zwar die typische musikalische Früherziehung, hab Klavier und sogar Flöte gespielt. Aber das hat mich alles nicht so gekickt. Bis ich mit 15 die Gitarre entdeckt habe. Von Papa gab’s die Grundakkorde, der Rest kam durch Oasis-Songs schrammeln und Finger blutig üben. Noten kann ich zum Beispiel bis heute nicht lesen.

Hast Du Dich selbst für die Musik und das Musikmachen interessiert oder wurdest Du in diese Richtung eher von Deinen Eltern gedrängt?

Alex: Wie eben gesagt, hier hatte ich freien Entscheidungswillen. Ich denke auch, dass einem durch Zwang ein Instrument eher madig gemacht wird als dass man Begeisterung dafür auslösen würde.

Wenn der Vater Kinderliedermacher ist, muss man als Kind dann nur seine Lieder hören oder erinnerst Du Dich auch noch an andere?

Alex: Das ist ein absoluter Irrlaube. Aber das höre ich oft. Wir haben früher nie die Platten meines Vaters zu Hause gehört. Nur im Studio und wenn sie uns halt zum ersten Mal in vollendetem Zustand präsentiert wurden. Ich habe auch relativ früh angefangen Popmusik zu hören. Ich war ein typisches Bravo-Opfer. Ich hörte gerne New Kids On The Block, Roxette, David Hasselhoff. Meine erste Maxi-CD war glaub ich „More and More“ vom Captain Hollywood Project.

Würdest Du Dich selbst eher als Naturtalent bezeichnen, das die musikalischen Gene schon in die Wiege gelegt bekommen hat oder musstest Du dafür hart arbeiten und üben, üben, üben?

Alex: Ich bezeichne mich gar nicht als Talent, denn ich fühle mich nicht als solches. Genau wie ich, ist auch mein Vater kein besonders guter Gitarrist oder Sänger. Vielleicht hat er wie auch ich nur das ein oder andere richtig gemacht. Sprich, ich bin da eher der Autodidakt. Üben musste ich trotzdem. Aber nie aus Zwang oder mit Druck. Das war wohl das Geheimnis. Ich hatte halt Bock drauf.

Die erste Platte mit der Du Dich in Dein Zimmer eingeschlossen und sie bei voller Lautstärke mitgesungen hast?

Alex: Ich glaube ich nehme immer schon alles vorweg in meinen vorherigen Antworten, was? Haha. Also meine erste Maxi war halt Captain Hollywood. Erstes Album…puhhh. Weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaube diese Platte von 2 Unlimited mit der Alufolien-Optik vorne drauf. Trible Dance. Das fand ich obergeil! Davor hatte ich keine eigenen Platten. Aber Vattern hatte und hat noch immer eine riesige LP- und CD-Sammlung. Daher kam ich damit früh in Kontakt.

Welcher Deiner Auftritte war bisher der Aufregendste?

Alex: Hmm. Könnte ich nicht genau sagen. Natürlich waren die größeren Auftritte immer ziemlich spannend. Auch wenn man selbst „nur“ Support-Act war. Zum Beispiel das erste Mal in der Live Music Hall in Köln vor nicht allzu langer Zeit. Oder vor ein paar Jahren auf dem Kettcar Open Air in Trier. Ich bin seltsamerweise meist aber nicht besonders aufgeregt. Am meisten noch wenn ich zuhause spiele. Oder dann wenn viele Bekannte und Freunde da sind. Dann ist die Erwartungshaltung an mich selbst am Größten. Bei meiner Drummerin Sabrina ist es umgekehrt. Sie sagt sie fühlt sich dann sicherer. Wie auch immer.

Mit wem würdest Du Dir gerne mal eine Bühne teilen?

Alex: Ich könnte jetzt irgendwas cooles, hippes, indie-mäßiges schreiben. Aber ich bin einfach ehrlich. Daher nenne ich den Typ, der mich definitiv am Meisten beeinflusst hat: Der gute alte Noel Gallagher. Tja.

Dein neues Album, welches am 13.01. erscheint, heißt „Love is fiction“. Glaubst Du nicht an Liebe?

Alex: Der Titel ist eher ironisch gemeint. Aber ich habe mich sehr auf diese sicher noch oft kommende Frage gefreut. Es ist so: Ich verwirre gerne mit meinen Titeln und Songs. Natürlich wirft der Titel diese Frage grundsätzlich auf. Aber wer sich das Album in Gänze und auch bewusst anhört, wird zu einem anderen Schluss kommen.

Wie wird es auf dem Album textlich zugehen?

Alex: Liebe, Liebe, Liebelei…morgen ist es vielleicht vorbei! :)

Wie wird das Album musikalisch? Sind darauf Töne, wie man sie von Dir kennt oder gibt es eine neue Seite von Alex Amsterdam zu hören?

Alex: Neu sind die drei Musiker an meiner Seite. Plus einige weitere Gäste auf dem Album. Der Sound hat sich im Gegensatz zu den Akustik-Platten von früher natürlich verändert. Er ist lauter. Tanzbarer. Intensiver. Aber auch bewußt mehr in Richtung Mainstream. Jedenfalls werden es so viele wahrnehmen. Aber das ist, wie auch der Titel, eher ironisch anzusehen. Ich mache einfach die Musik, die ich geil finde und mir selbst gerne anhöre. Auch wenn ich nicht zu den Musikern gehöre, die ihre eigenen Platte dauernd rauf und runter hören. Auch wenn ich es nicht peinlich fände. Wenn man sie geil findet? Dann auf geht’s. Ich mach das nur manchmal, wenn ich beispielsweise betrunken nach Hause komme und schauen will, wie sie in diesem Zustand so ankommt. Haha.

In welcher Gefühlslage kannst Du am besten schreiben?

Alex: Fröhliche Songs, wenn ich traurig bin und traurige Songs, wenn ich fröhlich bin.

Gibt es von der Umgebung her eine bestimmte Atmosphäre in der es sich leichter schreiben lässt?

Alex: Ich schreibe so gut wie immer in meinem Wohnzimmer wenn ich auf meinem durchgesessenen, alten Sofa sitze. Manchmal auch in Hotelzimmern, wenn ich mit meinem Vater auf Tour bin. Sonst eigentlich nirgendwo. Aber ich schreibe auch nicht besonders viele Songs. Ich bringe nur etwas zu Papier, wenn ich sicher bin, dass es gut ist. Ich gehe auch nicht mit 40 Songs ins Studio um dann am Ende 10 aufzunehmen. Das hieße ja, dass 30 nicht gut genug wären. So funktioniert das bei mir nicht. Was ich rauslasse, muss auch meinem eigenen Anspruch gerecht werden.

Ab und zu bist Du auch solo unterwegs. Was ist der Reiz am alleine auf der Bühne stehen?

Alex: Totaler Ego-Push! Spaß. Obwohl…schon ein bisschen. Es ist halt intimer und manchmal intensiver, weil die Last alleine auf deinen Schultern liegt. Ich mag das. Aber ich mag auch die Band. Ich mag halt vieles. Und das eine schließt das andere nicht aus. Daher mache ich beides gern.

Ist es mit der Band auf der Bühne angenehmer?

Alex: Anders. Nicht unbedingt angenehmer. Wie gesagt: Man hat die Last nicht mehr alleine zu tragen. Auf der anderen Seite muss man auch konzentrierter zu Werke gehen, da man sich auf die anderen verläßt und sie sich auf dich. Es muss eine Einheit sein und harmonieren. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Band, die nicht tight ist. Passiert uns aber auch ab und an. Haha…

Du hast gesagt, dass Du gelernt hast Pause zu machen, Dinge abzugeben und nicht alles mehr selbst machst. Was hast Du vorher alles selbst gemacht und wem gibst Du diese Dinge jetzt an die Hand?

Alex: Das hat sich mittlerweile schon wieder akklimatisiert. Das war so als wir im Sommer im Studio waren, wenig Gigs gespielt und wenig Promo gemacht haben. Aber jetzt im ganzen Release- und Tourvorbereitungsstress ist Pause nicht mehr angesagt. Aber ich brauch das auch, habe ich gemerkt. Ich bin einfach ein Macher. Ich will nicht einfach nur Künstler, sondern am ganzen Prozess beteiligt sein. Mir macht das Spaß. Ein paar Dinge habe ich aber dann doch abgegeben. Mein Label Redfield Records nimmt mir einiges ab wie beispielsweise die ganze Abwicklung der Album-Herstellung, Promo-Anfragen etc. Dazu haben wir externe Radio- und auch Print-Promotoren, die für Alex Amsterdam rackern und schuften. Das ist schon angenehm. Allerdings muss ich sagen, dass die Arbeit trotz alldem nicht nachgelassen hat. Seltsam.

Was ist Dein ultimativer Entspannungs-Tipp?

Alex: Kein ambitionierter Musiker werden!

Da das Jahr noch ganz frisch ist, gib uns doch eine kleine Vorschau auf das Jahr: Was erwartet uns neben Deiner neuen Platte noch?

Alex: Erwartungen werden überbewertet. Ich schaue immer von Tag zu Tag. Jetzt kommt erstmal die Platte und dann die Tour. Wenn wir zurück sind ist es Anfang Februar. Dann werden wir wissen wo wir stehen. Dann wird das erste Mal abgerechnet. Frag dann noch mal!