Interview mit Amon Amarth

 

Hallo Johan! Erst einmal natürlich Glückwunsch zu eurem neuen Meisterwerk "With Oden On Our Side!"

Danke danke!


Ich bin verwundert, dich als Interviewpartner zu bekommen. Im vorfeld hieß es, du gibst keine, um deine Stimme zu schonen.

Ja, das ist richtig, aber hier in Stuttgart ist soviel los, da müssen wir alle mal ran.


Wie verläuft die Tour bis jetzt?

Fantastisch, wirklich super. Wir hatten ja durch die "Fate of Norns-Tour" (Vorgängeralbum, Anm. d. Verf.) einen gewissen Anhaltspunkt, was uns erwarten würde, doch die Reaktionen und die Zuschauerzahlen auf dieser Tour hatten wir nicht erwartet.


Das wird nicht zu letzt daran liegen, dass "With Oden On Our Side" eine absolute Killerplatte ist, die von nicht wenigen Medien bereits jetzt als Album des Jahres gezählt wird.

(lacht) Tut ihr das? Freut mich zu hören!


Ich zum Beispiel!

Jaja...


Vergleicht man nun "With Oden On Our Side" mit dem direkten Vergleichswerk "Fate Of Norns", so stellt man fest, dass eure Songs generell wesentlich abwechslungsreicher klingen, als die Songs auf der "Fate Of Norns"

Das stimmt sicherlich völlig, diesmal gingen wir an die ganze Sache auch wesentlich motivierter zu Werke. Ich und wir alle stehen nach wie vor voll und ganz hinter der "Fate Of Norns", und dass soll auch nicht heissen, wir hätten keine Lust auf diese Scheibe gehabt, aber es fehlte auch an Zeit.


Der Weg in Richtung mehr Abwechslung hatte also nichts damit zu tun, dass euch einige Fans vorwarfen, in eine Sackgasse zu laufen?

Nein. Wie gesagt, "Fate Of Norns" ist 100% Amon Amarth und genau so ist es bei "With Oden On Our Side" auch. Aber wir gingen konzentrierter, energischer zu Werke, hatten wesentlich mehr Zeit, und waren wochenlang von Morgens bis Abends am Proben. Ich weiß, auf was du hinauswillst. Es gab einige Kritik, wir seien nicht mehr fähig, schnelle Songs zu schreiben. Diese hatten wir durchaus, aber die haben unseren eigenen Ansprüchen nicht genügt. Und wie ihr jetzt seht, haben wir eben wieder welche, mit denen wir völlig zufrieden sind.


Thema Zeit, hier würde ich gerne nachhaken. Habt ihr eigentlich überhaupt noch so etwas wie Freizeit? Ihr hattet die "Fate Of Norns" lange getourt, und danach direkt wieder ans Songwriting samt allem gemacht?

Jo naja, nicht ganz, aber die Richtung stimmt. Wir hatten schon eine längere Ruhepause bevor wir uns Anfang dieses Frühjahr mit voller Kraft ans neue Album machen. Ich denke, genau das kann man auch heraushören.


Wann seid ihr dann ins Studio?

Wie gesagt, unsere Songs entstanden im Frühjahr, ehe wir uns Mai und Juni ins Studio begaben.


Hat sich bei euren Songwriting-Gewohnheiten etwas verändert?

Prinzipiell nicht. 90 % aller Songideen bringt Olavi (Mikkonen, Gitarrist) an, die arbeitet er mit Johan (Söderberg, zweiter Gitarrist) dann soweit aus. Fredrik (Andersson, Drums) und Ted (Ljungström, Bass) haben mittlerweile auch mehr Freiheiten als zuvor. Das gesamte Bandklima ist besser geworden, wir fühlen uns mehr als Einheit denn je. Das jeder aktiv am Songwritingprozess teilnehmen kann, war da sicher hilfreich. Ausser mir, ich habe damit nichts zu tun, ich kümmere mich nach wie vor um meine Texte haha!

Was generell auch auffällt, ist die starke Produktion. Ich finde, das neue Album drückt mehr als alle früheren Amon Amarth-Werke, und das will was heissen.

Absolut! "Versus The World" nahmen wir noch bei Peter Tätgren auf, die Fate Of Norns im Berno Studio. Diesmal gingen wir auf Jens Bogren in seinen "Fascination Street Studios" zu. Er hat eine wunderbare Arbeit geliefert, aber ich denke, was auch enorm geholfen hat war, dass wir recht viel gemeinsam eingespielt hatten. "Versus The World" nahmen wir fast völlig getrennt voneinander auf, das war damals schlecht für die Motivation und das Bandklima.


Apropos Jens Bogren: Hat er dich bei deinem Urgegrunze bei "Asator" tiefer gemischt?

Nein, er hat nur immer und immer wieder gesagt: Tiefer! Noch tiefer!


Könnt ihr eigentlich von der Musik mittlerweile leben oder geht ihr noch euren Jobs nach?

Seit Ende der "Fate Of Norns"-Tour können wir ganz gut von der Musik leben. Das hat natürlich immense Vorteile. Wir konnten uns voll auf Amon Amarth konzentrieren. Und wenn ich sehe, wie die Tour momentan läuft, habe ich keine großen Bedenken, das wieder ändern zu müssen.


Welches Land ist denn für euch das gewinnträchtigste, beziehungsweise wo seid ihr am erfolgreichsten?

Mh, lass mich überlegen. Ich habe da keine Zahlen im Kopf, aber eigentlich müsste es Deutschland sein. Zumindest kommt es mir so vor. Die Konzerte sind restlos ausverkauft, die Alben gehen mittlerweile recht hoch in die Charts. Das tun sie in Schweden zwar auch, aber wir haben ja nicht ganz so viele Menschen wie ihr. Deutschland ist stets unsere zweite Heimat. Unser nächstes großes Ziel ist es dann endlich, in Nordamerika Fuss zu fassen.


Das trifft sich ja.

Ja, wir werden im Anschluss an die Europa Tournee Children Of Bodom in den Staaten supporten. Wir sind alle sehr gespannt, wie populär wir da sind.


Man sagt ja oft, ein Künstler ist von seinem aktuellen Schaffen zu hundert Prozent überzeugt, "das letzte ist das beste".

Tja, klingt komisch, aber in unserem Fall ist es wirklich auch so. Während wir auf unseren vorigen Releases immer noch Kleinigkeiten fanden, die uns im Nachhinein störten, so ist das nun nicht mehr der Fall.


Ihr bedient auf "With Oden On Our Side" beiderlei Extreme: Mit "Asator" habt ihr das brutalste Lied eurer Karriere geschrieben, mit "Under The Northern Star" das vielleicht "Softeste".

Meinst du? Gut, du hast recht, allerdings hatten wir eh und je gewisse "Ausreißer". "Thousand Years Of Oppression" (von der Versus The World") hatte für uns auch eine Art Balladencharakter. Ich sehe diese Songs als Teil eines Gesamtwerkes, dass uns gelungen ist.


Du hast neulich gesagt, es könnte sein, dass dir irgendwann die Texte ausgehen könnten.

Ach, das passt soweit schon. Ich beschäftige mich ja nach wie vor mit der ganzen Nordischen Mythologie. Da gibts noch einiges.


Wirst du erkannt, wenn du durch die Stadt läufst?

Wenn ich in Stockholm abends in Szenekneipen abhänge, dann des öfteren schon. Wenn ich nun beispielsweise durch Stuttgart laufe, dann schauen die Leute mich an wegen meinem Bart, aber nicht weil ich einer von Amon Amarth bin haha!


Was wäre das perfekte Line-Up für deine Traumband?

Mmh. Das ist recht einfach: Slayer!


Johan, es war mir eine große Ehre mit dir sprechen zu dürfen!

Gerne! Sehen uns nachher zur Show!