Interview mit Bane

 

Über ein viertel Jahr ist „The Note“ von BANE nun auf dem Markt. Nachdem aus unbekannten Gründen ein Email-Interview damals scheiterte, nutzen Torben und ich die Chance dies auf deren aktuellen Tour mit COMEBACK KID und FC FIVE nachzuholen.

In Bremen angekommen ging es dann auch gleich ans Interview. Nachdem wir über Zach an Aaron verwiesen wurden und von diesem sehr freundlich begrüßt wurden startete das Fragespiel kurz darauf im Tourbus mit der Standardfrage:

Wie läuft die Tour soweit? Ihr seit schon etwas über eine Woche hier in Europa, oder?

Es läuft großartig. Wir sind wie gesagt seit 8 Tagen hier und haben in Deutschland, Belgien und UK schon ein paar Shows gespielt, die zumeist besser waren, als bei den anderen Europa-Touren. Jede Show war besser als wir es erwartet haben.

Zwischen „Give Blood“ und „The Note“ liegen vier Jahre. Was eine ziemlich lange Zeit ist... War der Hauptgrund für diese Pause, dass Drummer Nick die Band verlassen hat?

Es war sicherlich einer der Hauptgründe. Danach mussten wir uns erstmal etwas Zeit nehmen um zu entscheiden wie wir weitermachen. Dann musste ein neuer Drummer her, dem mussten wir erst noch alle Songs beibringen. Das dauerte schon alles seine Zeit. Als wir uns dann mit ihm sicher fühlen war unsere Priorität ganz klar Touren.
Dazu kam noch, dass einige der BANE-Mitglieder Nebenprojekte gründeten SILENT DRIVE und ONLY CRIME. Für BANE hieß das ein Jahr lang zurücktreten um den Bands die Möglichkeit zu geben zu Touren und aufzunehmen. Ende letzten Jahres haben wir dann entschieden ein BANE-Album zu schreiben und 2005 sollte das BANE-Jahr werden.

Warum hat Nick die Band verlassen?

Ich denke er hat solange in der Band gespielt und hat einfach nichtmehr das Gefühl gehabt, das ihn damals mit der Band vorrangebracht hat. Er wollte weder sich selbst noch uns was vorlügen. Wenn man in einer Band wie BANE ist muss man viel opfern... das Touren und die Proben. Das wurde ihm zeitlich irgendwann einfach zu viel.

Die Nebenprojekte liefen ja beide ziemlich gut. Vor allem SILENT DRIVE haben ein großartiges Album gemacht...

Ja , das denke ich auch.

Stand dann jemals die Frage im Raum mit Bane vielleicht nicht mehr weiterzumachen?

Nein. Als Nick die Band verlassen hatte waren wir uns nicht sicher. Da war ein Moment, ich weiss nicht mehr wie lange, in dem wir dachten, dass wir vielleicht ohne ihn nicht weitermachen können. Denn er war so ein besonderer Schlagzeuger. Es waren auch immer wir fünf, egal ob auf Tour im Studio oder sonst wo, von Beginn an.
Jedoch haben wir dann festgestellt, dass wir es so lieben zu reisen, live zu spielen, dass wir das nicht aufgeben wollten. Und als wir uns dann dazu entschieden haben weiterzumachen, war immer klar, dass SILENT DRIVE and ONLY CRIME nur Nebenprojekte sind. Anscheinend reicht ihnen BANE nicht um ihr Bedürfnis nach Touren zu befriedigen. BANE hat da einfach die Priorität.

Um zurück zum neuen Album zu kommen, was denkst Du persönlich von „The Note“?

Ich bin ziemlich glücklich mit dem Album. Im Nachhinein wünsche ich mir einen besseren Klang doch was die Songs und Texte angeht bin ich sehr zufrieden.

Genauso denken ja auch viele Fans, wie man in Foren lesen kann. Wie kam es dazu, wo ihr doch wieder mit Brian in den Salad Days Studios gewesen seid?

Ich denke es klingt jetzt nicht so schlecht, wie es vielleicht gerade den Eindruck macht, doch bin ich der festen Überzeugung, dass „Give Blood“ einfach großartig (sehr betont!) geklungen hat. Irgendwas ganz gesonderes ist da bei „Give Blood“ passiert. Eigentlich wollten wir genau das wieder einfangen. Wenn ich heute noch „Give Blood“ höre denke ich einfach „Wow“.

Ist „The Note“ vielleicht der perfekter Nachfolger für ein Hardcore-Album? Ich meine es ist immernoch so sehr BANE, aber irgendwie ist da auch etwas gewachsen. Zum Beispiel der „Swan Song“ ein wirklich tolles Stück... Nebenbei denke ich ihr werdet mit dem Song heute enden, weil es einfach ein tolles dramatisches Ende wäre.

(lacht) Denkst Du? Wir werden ihn definitiv spielen, ob es der letzte sein wird, werden wir sehen. Wir beenden häufiger unser Set mit dem Song, aber da wir versuchen ausreichend Abwechslung zu bringen, kann es auch sein, dass er woanders landet.

„The Note“ - der perfekte Nachfolger? Es ist ja einfach so, dass gerade im Hardcore die Leute immer den alten Zeiten nachweinen...

Es ist definitiv ein sehr natürlicher Nachfolger, ob es der Perfekte ist, kann ich nicht sagen. Aber ich denke es zeigt perfekt, wie wir musikalisch gewachsen sind. Wir haben ein paar Chancen genutzt, um Songs zu schreiben die nicht wie jeder andere Hardcore-Song klingen. Wir waren alle so zufrieden mit „Give Blood“ und seinem Erfolg: sadurch haben wir Vertrauen darin bekommen vielleicht etwas offener an das nächste Album heranzu gehen. Da hat auch Brian (der Produzent) einen großen Anteil dran. Er fodert uns jedesmal und bringt uns auf neue Höhen.

Bevor „The Note“ in meinen Besitz überging habe ich viel SILENT DRIVE gehört. Und ich muss sagen ich höre da ein paar Parallelen raus auf „The Note“, die ich auf „Give Blood“ noch garnicht erkenne. Ich würde daraus schließen, dass Zach sehr viel an dem Album gemacht hat.

Es ist sowas von richtig und schön das Du das bemerkt hast. Dieses Album ist Zach! Er hat die Kontrolle übernommen beim schreiben und aufnehmen.

Zum ersten Mal?

Genau! „Give Blood“ war ein Gemeinschaftsalbum. Die Band hat sich getroffen und drei, vier mal in der Woche geprobt und das über Monate. Und jetzt hat Zach viele der Songs allein geschrieben oder kam zumindest mit den Riffs zu den Proben. Bei den Aufnahmen war er immer dabei egal ob es das Schlagzeug war oder meine Vocals aufgenommen wurden... bis zum Schluß war er immer da. Deswegen haben wir ihm auch den Co-Producer Posten gegeben.

Auch textlich gibt es einige Unterschiede... Mehr denn je scheinen die Songs über Hardcore und die Szene zu handeln. In den letzten vier Jahren hat sich viel getan z.B. Metalcore und wie die ganze Sache dann in den Mainstream abgerutscht ist. Ist „The Note“ deine „Abrechnung“ zu diesen Änderungen?

Schwierige Frage... Selbstverständlich übermittele ich über meine Texte meine Gefühle, gerade auch bezogen auf die Hardcore-Szene. Klar hat sich viel getan in den letzten Jahren und viele Sachen kann ich auch nicht nachvollziehen. Aber ich würde es nicht direkt eine „Abrechnung“ nennen. Es ist einfach das was ich fühle, eine höhere Gesamtbedeutung hatte ich nicht im Sinn.

Der Albumtitel, das Artwork und die Namen die in roten Buchstaben in jedem Song stehen. Das alles schreit doch nach einer tieferen Bedeutung. Ich habe aber gelesen, dass ihr mehr den Leuten die Interpretation überlassen wolltet. Wie stehen die drei Dinge dann im Zusammenhang?

Die Namen sind Personen die uns nahe standen und gestorben sind. Sei es nun in der Hardcore-Szene oder in der Familie. Wir wollten einfach so Tribut zollen und die Songs diesen Personen widmen. Jedoch gibt es nicht wirklich eine Verbindung zwischen den Namen und dem Layout. Das Layout sollte nur über diese mysteriöse „Note“ sein, die ihn sein Leben überdenken lässt. Was auf dem Zettel steht... diese Entscheidung wollten wir den Kids selbst überlassen. Sie sollten sich die Bilder mehr als nur einmal ansehen, wie es vermutlich bei Livepics gewesen wäre.

FC FIVE sind mit euch auf Tour. Und Du hast für sie auch ein paar Guestvocals gemacht. Sind sie auf eurer Empfehlung mit?

Wir sind gute Freunde, seit dem wir zusammen in Japan waren. Letzten Sommer haben wir sie dann mit in die USA genommen und sind seit dem eigentlich immer in Kontakt geblieben. Als wir dann wussten, dass wir nach Europa kommen und uns dazu entschieden haben es mit COMEBACK KID zu tun, hatten wir die Möglicheit eine weitere Band mitzunehmen um in einem großen Bus zu reisen.

In einem Interview mit Pete habe ich gelesen, dass ihr euch gerne von der Bostoner Hardcore-Szene so ein bisschen distanziert. Auch werdet ihr häufig als eine Bostoner Band bezeichnet, obwohl ihr garnicht wirklich von dort kommt. Doch auf eurer Homepage beginnt und endet die „History“ quasi mit den Worten „Boston Hardcore“. Wir kommts?

Ich denke der Begriff „Boston Hardcore“ hat eine zurückreichende Geschichte: Bands wie SSD... Die Person, die den Text für die Homepage damals schrieb wollte einfach deutlich machen, dass wir uns auf diese Wurzeln berufen. Doch BANE ist mehr als nur eine Hardcore-Band aus irgendeiner Stadt. Keiner von uns lebt dort, jedoch ist es einfacher zu sagen, wir sind von Boston, wenn man irgendwo weit weg ist. So können die Leute es besser lokalisieren. Wir wollen aber nicht durch diesen Boston Hardcore und den damit verbundenen Stil eingeengt werden.

BANE ist eine Band von der jede Note, jedes Wort aufgesogen wird von den Kids. Was denkst Du, wenn vielleicht mal jemand mehr in etwas reininterpretiert, als Du Dir vielleicht ursprünglich gedacht hast?

Ich denke es ist auch das großartig. Jedesmal wenn jemand durch meine Texte über etwas nachdenkt und sich seine eigene Meinung bildet, selbst wenn sie von meiner abweicht, macht mich das glücklich auf eine Art. Das jeder sich seine eigenen Gedanken macht, aufgrund der Band in der ich spiele ist toll.

Als ich diese Fragen niedergeschrieben habe musste ich kurz daran denken was wohl wäre, wenn die Band sich vielleicht auflöst. Was würdest Du dann machen. Wenn man deine Texte liest kann man sich nur schwer vorstellen, dass Du das Live spielen etc. Aufgeben könntest.

Ich weiss es nicht. Genau die Frage stelle ich mir die ganze Zeit. Und ich kenne die Antwort nicht. Ich wäre sehr traurig für eine gewisse Zeit, das ist sicher. Doch danach muss es weitergehen in einem Leben ohne Band... nicht als Teil von etwas auf das ich so stolz bin. Das hier ist das Beste was ich in meinem Leben gemacht habe und vermutlich machen werde und irgendwann, vielleicht auch bald, wird es zuende gehen. Ich habe auch andere Interessen und mit der Zeit habe ich viele Freunde gemacht. Das ich reise und auf Shows gehe wird nicht enden... Bisher hat es mich immer aufgebaut, wenn ich wusste irgendwann wieder auf Tour gehen zu können. Das war immer ein wichtiger Ausgleich.

Habt ihr einen gewissen Druck? Zum Beispiel Verkaufszahlen oder Ähnliches?

Gerade verkaufen viele Bands ziemlich viele Platten. Dadurch hatte unser Label auch hohe Erwartungen. Dabei waren wir aber noch nie eine Band der das wichtig war. Das Album wurde gemacht um weiter zu touren...
Die Songs werden durch hohe Verkaufszahlen nicht besser oder schlechter. Das Label würde sich natürlich freuen und manches wäre einfacher für uns, doch uns geht es um die Songs und nicht ein Video das man bräuchte um mehr Platten zu verkaufen. Dadurch müssen wir uns zwar mit anderen Jobs am Leben halten, doch das ist es zumindest mir mehr als Wert. Nur von Bane würde ich vermutlich verhungern.

Was denkst Du wie wird sich Hardcore ändern in den nächsten Jahren? Zurück zu den Wurzel durch Bands wie VERSE oder geht’s weiter Richtung Mainstream?

Das ich keine Antwort darauf habe ist vermutlich klar, doch ist für mich klar, dass sich was ändern muss. All das wie „Beauty and Integrity“ geht verloren. Doch vielleicht wird dann daraus etwas neues entspringen. Etwas in dem es wieder egal ist welche Mode trendy ist oder wieviele Cds man verkauft. Etwas kleines und bodenständiges.
Es macht mir in gewisser Weise Angst wie alles verloren geht, doch solange ich das mit BANE ausleben kann geht es mir ja quasi gut. Doch in gewisser Weise spüre ich wie es mit BANE zuende geht. Doch dann gibt es immernoch viele gute junge Bands, in die ich viel Hoffnung und Vertrauen habe. VERSE ist da ein gutes Beispiel. Also ich denke nicht, dass man das Ehrliche totkiregen kann.

Danach gleitet das Interview langsam in ein privates Gespräch ab. Wir bedanken uns daraufhin beieinander und gehen zurück in den Club...

-Christian

Alte Kommentare

von pointz 29.11.2005 11:10

geiles interview - sehr informativ