Interview mit Biohazard

 

Unterhält man sich mit Leuten aus der Hardcore Szene über Biohazard erkennt man sofort, dass sich an dieser Band die Geister scheiden. Für die einen sind Biohazard das Innbild des kriegsgeilen, George W. Bush liebenden Amis, für die anderen stellen Biohazard das Innbild einer guten live Band dar, die zudem einige wegweisende Alben mit lyrisch weniger hochwertigen Texten hervorbringen konnte. Auf die Thematik angesprochen stellt Schlagzeuger Danny Schuler gleich von Anfang an klar, was die Jungs aus Brooklyn von dem ganzen Geschwätz und Gedisse um ihre Band halten: nichts. Man mag den Jungs zwar vorhalten streckenweise recht fragliche und deftige Lyrics zu haben, in eine Ecke mit George W. darf man sie auch nicht stellen. Auf die Frage nach der derzeitigen Situation in NY in Bezug auf die Terroranschläge und den bevorstehenden Irak Krieg tönt ein eindeutiges „It sucks“ aus dem Telefonhörer. Danny berichtet von zahlreichen Anti-Kriegs Demos in New York, davon dass er und seine Mitstreiter den deutschen Kurs für sehr mutig und gut halten. Die von der Bush Administration heraufbeschworene Irak Krise kommentiert Danny damit, dass es seiner Meinung nach nicht um Frieden sondern nur um Geld und Öl geht und beteuert dabei wieder, dass Biohazard diesen Krieg nicht gutheißen.

Aus musikalischer Sicht waren die letzten Ergüsse aus den Niederungen von Brooklyn nicht gerade das was man von einer Band, die mit legendären Alben wie Urban Discipline oder State Of The World Address ein ganzes Genre aufmischten, erwarten würde. Diese Sicht teilt auch Danny der aber durchaus damit zufrieden ist, jetzt wieder kleinere Brötchen zu backen: „Damals bei Urban Discipline stimmte einfach alles: die Produktion, das Timing, die Stimmung unter den Bandmitgliedern, die derzeitige Lebenssituation... wir hatten einfach zur richtigen Zeit die richtige Platte rausgebracht“. Weniger erfreut waren und sind die Jungs allerdings über die Zeit danach: Mehr und mehr Bands begannen den Biohazard typischen mix aus Hardcore und Metal zu kopieren, es gab Zwistigkeiten mit diversen Plattenfirmen und ständige Besetzungswechsel an der Gitarre. Um so überraschender war es für zahlreiche Besucher der letzten Resistance Tour, die gemeint hatten dass Hatebreed alle an die Wand spielen würden (der Schreiber dieser Zeilen gehörte übrigens zu eben jener Gruppe): Biohazard spielten bei eben jener Tour ihre besten Shows seit Jahren und zeigten den Jungspunden von Hatebreed und Konsorten wo der Hammer hängt. Dem stimmt auch Danny zu, der meinte, dass sie eine verdammt gute Zeit hatten und es auch genossen haben mal wieder mit alten Freunden aus der Hardcore Szene wie Agnostic Front oder Discipline zu touren. Die Stimmung war gut, die Chemie in der Band stimmte, auch das Verhältnis zu den anderen Bands war sehr positiv. Mit MAD als Tourbooker haben die Jungs nicht nur einen neuen Geschäftspartner sondern in Marc auch einen Freund gefunden, den Danny aufgrund seiner Arbeitprinzipien sehr schätzt. Die Vorfreude auf die kommende Tour, die übrigens von Allschools präsentiert wird, ist auch schon entsprechend groß, zum einen weil es wieder mal in kleinere Clubs geht und zum anderen weil Europa laut Danny für Biohazard weitaus besser ist als die USA. Auf die Vorband Caliban angesprochen war Danny relativ blank, die kannte er noch nicht, wird sich aber überraschen lassen. Momentan sind da eher Sworn Enemy und Killswitch Engage im Hause Biohazard angesagt. Des weiteren ist Danny der Meinung, dass die letzten Jahre in Sachen guter, innovativer Hardcore Musik alles andere als fruchtbar waren, weshalb er auch ein wenig desinteressiert auf neue Veröffentlichungen reagierte. Allerdings kann sich der von The Who, Led Zepplin und Black Sabbath beeinflusste Drummer für die neuen Bands sehr begeistern, die wieder etwas experimentierfreudiger sind.

Die Zukunft scheint wieder sehr gut auszusehen für die ewigen Underdogs aus New York, zwar ist man sich bewusst, dass sich der große Erfolg wohl nicht einstellen wird, aber es ist dennoch geplant jedes Jahr eine neue Platte zu veröffentlichen.