Interview mit Caliban

 

Wenn wir bei Allschools eine Review, News oder ein Interview mit euch posten, dann explodieren immer gleich die Kommentare, dann überschlagen sich die Meinungen und es gibt ein Hin und Her. Hast du eine Ahnung woran das liegen könnte? Warum ist das bei eurer Band so extrem?

Es gibt halt einfach zu viele Leute die sich gerne das Maul zerreißen. Das hat sich irgendwann einmal so eingegroovt würde ich sagen. Das hat wahrscheinlich angefangen, weil der Andy früher Eyeliner getragen hat, was er jetzt schon seit zehn Jahren nicht mehr macht. Es wird aber trotzdem immer noch gesagt: „Nee, das ist scheiße, weil der Eyeliner trägt“. Als ob die Stimme durch Schminke verändert werden würde. Andere Bands haben das auch gemacht und da war das kein Problem, aber bei uns haben sich immer alle darauf eingeschossen und das werden die Leute auch nicht mehr sein lassen, denke ich. Das ist sehr wahrscheinlich so eine Art Gruppendynamik. Einer fängt an und dann springt der nächste auf. Ich habe auch letztens mal etwas gelesen über eine Umfrage, wer im Metalcore die beste Stimme hätte und dann ging es darum ob der Markus von Heaven Shall Burn das wäre, oder der Andy von Caliban. Da hat einer gesagt, die Stimme vom Andy findet er geiler als die vom Markus, aber dadurch dass er Eyeliner trägt ist die Stimme doch wieder scheiße. Was genau hat das mit der Stimme zu tun? Das verstehe ich nicht.

Euer neues Album ist im Bezug auf das letzte Album ziemlich kohärent. Das schließt ja quasi von der Stilistik an „I Am Nemesis“ an. War es beabsichtigt einen Nachfolger zu schreiben?

Ja, mehr oder weniger. Wir haben ja mit „I am Nemesis“ einen neuen, etwas anderen Weg eingeschlagen, den wir gut finden und den Stil wollten wir noch ein bisschen ausweiten. Ein bisschen perfektionieren und ein bisschen verfeinern. Wir haben schon versucht, einige neue Sachen zu integrieren. Die neue Platte ist quasi die Nemesis Platte, nur noch ein bisschen konsequenter in diese Richtung gedrückt. Das war auch ein bisschen so beabsichtigt.

Früher haben die Kritiker öfter gesagt, dass ihr euch an KILLSWITCH ENGAGE oder dann später an AS I LAY DYING angelehnt habt. Neuerdings sagen sie, dass ihr nach ARCHITECTS oder BRING ME THE HORIZON klingen würdet. Kannst du diesen Vergleich sehen?

Früher kann ich den schon sehen. Von allem was man so hört wird man irgendwie beeinflusst. Das mag bei älteren Sachen der Fall gewesen sein, aber spätestens seit der Nemesis, eigentlich schon davor, finde ich das nicht mehr. Ich als Hauptsongwriter versuche mich von jeglicher Musik aus unserem Bereich abzuschotten. Ich höre kaum Musik in diesem Genre, da man doch immer etwas behält und dann unterbewusst in die eigenen Songs einbaut. Wirklich neue Sachen macht ja keiner mehr, zumindest nicht so richtig.

Was hörst du denn stattdessen? Was läuft momentan in deinem MP3 Player?

Ich höre vieles wie MUSE, DREDG, oder auch ganz andere Sachen, zum Beispiel DEPECHE MODE, das fließt dann natürlich auch ein. Ich höre wenn ich ein Album schreibe generell fast überhaupt keine Musik. Ich hab dann sowieso schon genug Musik um mich rum, da schaue ich dann lieber einen Film oder mach die Playstation an, anstatt mich musikalisch unterhalten zu lassen.

Die größte Änderung auf dem neuen Album ist meiner Meinung, dass Andy jetzt auch clean singt. Ich glaube das hat er auf dem „I am Nemesis“ nicht gemacht, richtig? Wie kam es dazu? Hattet ihr das schon länger vor, dass ihr jetzt auch mal ausprobieren möchtet Klargesang zu benutzen, oder warum habt ihr das gemacht?

Wir hatten das beim letzten Album schon angedacht, aber da hat das nicht richtig funktioniert, weil die Stimme noch nicht so weit war. Aber dann haben wir gesagt, beim nächsten Album werden wir das auf jeden Fall bringen, weil wir das unbedingt wollten. Er singt ja nicht richtig clean, er schreit eher melodisch wenn man so will. Ich finde das ist ein guter Kontrast zu Dennis und vor allem, das wird beim ersten Track sehr deutlich, wollten wir nicht, dass immer wenn die Melodie im Gesang ins Spiel kommt, dass es direkt so ruhig wird. Beim Opening-Track schreit er ja auch eine Melodie und es kommt aber nicht total soft und melodisch rüber, weil er die Melodie eben schreit. Ich finde das ergänzt sich gut, dass man nicht diesen Cut hat und dass die Melodien ein bisschen mehr Energie haben.

Wie wird das in der Live-Umsetzung sein? Meinst du da gibt es Probleme oder denkst du das wird reibungslos ablaufen?

So in dieser Form haben wir das noch nicht geprobt, weil der Gesang teilweise erst im Studio entsteht. Es sind ja auch nicht so krass komplexe Melodien und es kam relativ natürlich, dass wir gesagt haben: „Hier, das ist die Melodie, versuch das doch mal“ und es hat meistens direkt beim ersten Mal geklappt. Das war zwar für seine Stimme anstrengend und das ist auf jeden Fall etwas woran er arbeiten muss, weil das sehr auf die Stimmbänder geht, aber es war für ihn kein Problem, die Töne zu treffen. Die ersten paar Male wie als das gesungen hat, haben wir gesagt: „Versuch es mal ein bisschen anders“. Er singt ja auch nicht bei jedem Song. Es sind glaube ich vier oder fünf. Ich glaube nicht, dass das Live ein Problem wird.

Mit „nebeL“ habt ihr einen komplett deutschen Song drauf. Wie kam es denn dazu? Auf dem vorherigen Album hattet ihr mit „Dein R31ch“ einen teilweise deutschen Text, da war auch ein bisschen Englisch drauf. Könnt ihr euch vorstellen auf neueren Alben noch mehr in diese Richtung zu gehen? Vielleicht mal mehrere Songs auf Deutsch zu machen?

Da haben wir uns noch keine Gedanken darüber gemacht. Generell sind wir darauf gekommen, als wir damals den RAMMSTEIN-Coversong gemacht haben und festgestellt haben, dass Andys Stimme auf deutsch ganz gut klingt, wenn er schreit. Dadurch kam das „Dein R31ch“, da hat sich der Text auch ganz gut angeboten, dass wir das in zwei Sprachen machen. Wir fanden, dass das gut klang und dann haben wir uns gesagt, wir machen auf diesem Album einfach mal einen ganzen Song auf Deutsch. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass wir in Zukunft wieder ein oder zwei Songs auf Deutsch machen werden, aber es wird auf jeden Fall nicht der Schwerpunkt. Es wird definitiv nie so sein, dass wir acht deutsche und nur noch vier englische Songs haben. Ich würde sagen, das Maximum werden wahrscheinlich zwei sein - wenn überhaupt. Vielleicht machen wir aber auch gar nichts auf Deutsch, mal schauen wie es kommt. Als ich jedenfalls den Song geschrieben habe, hatte ich direkt deutsche Wörter im Kopf, die ich da gehört hab.

Auf dem Song ist auch noch Basti von CALLEJON zu hören. Gibt es denn auf dem Album noch weitere Feature Gäste?

Es gibt ja von der CD zwei Versionen, einmal die normale und dann gibt es diese Digipack-Version, bei der eine DVD dabei ist und da ist auch ein Bonustrack drauf, da singt der Matt von TRIVIUM mit.

Wie kam es dazu? Weil ihr letztes Jahr mit ihnen getourt seid?

Als wir mit ihnen getourt sind, da hatten wir schon angefangen an Songs zu arbeiten und die waren ja auch gerade dabei deren Album zu machen. Wir haben immer mal wieder darüber gesprochen und Matt hat gesagt, dass er in seinen frühen Jahren schon CALIBAN-Fan war und auf irgendeinem Konzert hat er in der ersten Reihe gestanden. Im Sommer haben wir sie auf einem Festival wieder getroffen und da waren wir so gut wie fertig. Irgendwie sind wir darauf gekommen, dass wir ihn gefragt haben, ob er denn gerne etwas mit machen würde. Das fand er direkt super und dann kam das halt so.

Warum ist das auf der Bonus-CD gelandet? Mit einem Sticker „Mit Matt von TRIVIUM“ hätte man doch sicher noch mehr von den normalen verkaufen können, oder?

Wir machen keine Features - auch wenn das viele wieder nicht glauben – um mehr CDs zu verkaufen. Uns kommt es mehr auf die künstlerische Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Leuten und Bands, die andere Musik machen, an. Das gibt dem Song etwas Eigenes und treibt ihn in eine andere Richtung. Es kann sein, dass dann auf der Digipack-Version ein Sticker klebt, aber das weiß ich nicht wie das dann zum Schluss aussieht. Der Hauptgrund, warum der Song auf der Digipack-Version ist, ist dass der Song ein bisschen anders geraten ist. Wenn man die dreizehn Songs hört, dann hat man schon das Gefühl, dass die alle zusammen passen, aber irgendwie sticht der ein bisschen raus. Er ist auch relativ ruhig und hat so eine elektronische Strophe und fällt einfach im Vergleich mit den anderen Songs raus. Dreizehn Lieder auf einer Platte war auch schon relativ lange und dadurch, dass der Song ein bisschen anders ist, bietet er sich auch als Bonus Track an und wertet die Digipack-Version auf.

Du hast gerade schon elektronische Elemente im Zusatzsong angesprochen. Auf dem letzten Album hat ja Marcel Neumann von WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER solcherlei Dinge übernommen. Hat der denn auch wieder mitgearbeitet?

Ja, er hat wieder ein bisschen was mitgearbeitet, aber dass er beim letzten Album die ganzen elektronischen Sachen gemacht hat ist nicht richtig. Beim letzten Album hat er bei drei Songs ein paar Keyboardsachen mit beigesteuert, aber der ganze Rest ist nicht von ihm gewesen. Er hat nur ein paar Sachen gemacht. Beim neuen Album ist das wieder ähnlich. Da hab ich mich, bei ein paar Songs die bereits grob standen, mit ihm zusammen gesetzt und ein paar Sachen mit ihm gemacht. Er hat, glaube ich, bei zwei Songs das Keyboard hinzugefügt.

Wie läuft das ab? Du bist ja der Hauptsongwriter, schreibst du dann das Grundlied, also Gitarre, Bass, Schlagzeug, vor und überlegst dann noch, okay hier könnte man noch ein Keyboard, irgendwelche Samples, oder irgendetwas anderes einfügen? Oder baust du das schon gleich ein? Wie entsteht ein Song bei euch?

Das ist immer unterschiedlich. Generell kann man sagen, dass ich mir Riffs, Melodien, was auch immer, überlege. Dann setze ich mich hin und programmiere grobe Drums, weil man dann ein Gefühl dafür bekommt ob der Song wirklich groovt, ob er cool ist oder nicht. Wenn ich dann was zusammen hab, eine grobe Songstruktur, dann kann ich manchmal sagen, wo ich gerne etwas einfügen möchte. Wenn diese Ideen da sind dann schick ich sie dem Benny (Richter, a.d.R.) und der gibt dann als Produzent sein Feedback dazu. Es entstehen auch immer wesentlich mehr Songs als eigentlich benötigt werden. Meistens überlegen wir uns dann alle zusammen, welche Songs es denn wert sind weiter bearbeitet zu werden und welche nicht. Dann fängt es an, dass es ins Detail geht, wir entscheiden, ob wir das Keyboard hinzufügen, oder ob wir ein paar Gitarrensachen auswechseln, oder ob wir noch eine Bridge einbauen. Das kommt dann so langsam nach und nach.

Du hast für die Produktion wieder mit Benny zusammengearbeitet. Ich muss sagen mir gefällt das Album von den Songs her super, aber mit der Produktion kann ich – wie bei vielen so modernen Alben – gar nichts anfangen. Das ist mir alles zu gepresst, zu frontal. Ich mag lieber ein organisches Soundbild. Warum seid ihr denn wieder auf dieses Laute, Brutale raus gegangen? Warum habt ihr nicht eine andere Herangehensweise gewählt?

In erster Linie weil es uns gefällt. Das ist der Hauptgrund. Findest du denn die Nemesis anders, oder findest du die auch so gepresst und nach vorne wie die neue Platte?

Ich hab die lange nicht mehr gehört, aber ich würde behaupten, die Neue ist ein bisschen organischer. Aber es kann auch sein, dass mich meine Erinnerung trügt.

Ich finde auch, dass die neue Platte generell natürlicher klingt, da haben wir auch darauf geachtet. Bei den Drums haben wir aufgepasst, dass die nicht so getriggert sind und natürlicher rüber kommen, aber trotzdem ist es noch frontaler als die letzte Platte. Es ist aber darauf geachtet worden, dass es beim Mastern so übermastert wird. Die Meisten komprimieren das ja bis ins allerletzte, dass da nur noch eine Matschwand ist. Da hört man dann keine Details mehr raus und die Kick Drum pumpt alles weg. Das machen viele Moshbands ganz gerne, da wird dann die Kick Drum so fett gemacht, dass alle anderen Instrumente an die Seite gedrückt werden. Das haben wir nicht gemacht, aber trotzdem ist es natürlich ein sehr frontaler, brutaler Sound. Uns gefällt das so, wir finden das gut wenn es schön drückt. Ich finde auch wir haben so viele Details da drauf – seien es die vielen hohen Gitarrenmelodien, Streicher, ein paar andere Keyboardsachen noch – irgendwann wird es dann zu undeutlich. Für uns ist es halt wichtig, wenn da so viele Details sind, dass auch alles schön hörbar ist. Das mag vielleicht auch noch ein Grund sein. Ich kann auch verstehen was du damit sagst, dass wir zu unorganisch sind. Von welcher Band in unserem Genre gefällt dir denn die Produktion?

Das ist schwierig. Ich höre ziemlich viel Death Metal und da auch eher das, was früher aus Schweden kam, oder was heute daran angelehnt ist. Die haben halt ein ziemlich organisches Soundbild, das finde ich gut. Vor kurzem kam die neue BEHEMOTH-Platte rein und bei denen habe ich früher genau das selbe beanstandet, wie jetzt auf eurer Platte. Das war auch immer gedrückt. Das neue Album ist total differenziert und hat aber immer noch seine Brutalität. In eurem Genre fand ich das letzte PARKWAY-DRIVE-Album von der Produktion her sehr gut. Vor allem hat man das Schlagzeug auch mal als solches wahrgenommen. Ich finde, auch bei eurem Album, und das soll keine Beleidigung sein, es könnte auch ein Computer sein. Ich finde da fehlt irgendwie die menschliche Komponente.

Ich finde die aktuelle Platte von ihnen auch wesentlich besser als die davor, die war nämlich viel zu verwaschen und viel zu undeutlich gewesen. Aber es ist halt Geschmackssache. Uns gefällt unsere Musik so und deswegen ist das so geworden. Wir finden die vielen Details müssen schön klar sein. Bei der Nemesis-Platte haben wir viele Leute für einen Testmix gefragt und da hat Alex (Dietz, a.d.R.) von HEAVEN SHALL BURN auch einen Testmix eingeschickt. Der klang halt vom Sound her so wie HEAVEN SHALL BURN und das hört sich bei unserer Musik sowas von fürchterlich an, das ging gar nicht. Das war natürlich auch nur ein Testmix, die sind ja immer nur so 60% von dem, wie es sich dann zum Schluss anhört, aber das hat einfach überhaupt nicht gepasst. Das ist alles Geschmackssache.

Wir waren gerade schon bei HEAVEN SHALL BURN. Ihr habt 2005 mit ihnen die zweite Split rausgebracht, seither gar nichts mehr. Kommt da denn in Zukunft mal wieder was? Gibt es denn mal wieder so ein Split Program mit HEAVEN SHALL BURN?

Das kommt immer mal wieder auf. Entweder kommt das von uns, dass wir sagen wir müssten mal wieder was machen, oder auch von HSB. Da ist nur das Problem, dass immer irgendjemand gerade etwas macht. Da wird schon seit drei oder vier Jahren darüber gesprochen und wir hoffen, dass wir das irgendwann hinbekommen. Deswegen haben wir auch schon die Fünfzehn-Jahre-Show zusammen gemacht, das war schon der erste Schritt. Aber ob das 100% sicher passiert kann ich dir nicht sagen. Es ist auf jeden Fall immer mal wieder im Gespräch und nicht aus der Welt. Ich würde es geil finden wenn wir das machen, aber genaue Planungen gibt es da bis jetzt nicht.

Ich bin dann mit meinen Fragen durch und bedanke mich für die Zeit, die du dir genommen hast. Wenn du noch etwas hinzufügen willst kannst du das jetzt tun!

Danke für das Interview! Ich bin gespannt auf die Hass Kommentare und ich hoffe, den Leuten gefällt die neue Platte.

Alte Kommentare

von sehr... 24.01.2014 19:01

...geiles Interview

von redRAt2k6 25.01.2014 13:42

Schön das auch mal erwähnt wird mit welchem bandmitglied man das interview geführt hat. ich nehme mal an mit marc. der song heisst glaub ich dein reich und nicht steinreich aber ansonsten ein interessantes interview.

von Steht doch auf der 26.01.2014 09:26

Der Interviewshauptseite, dass es mit Marc ist...

von redRAt2k6 26.01.2014 12:30

Upps, da war ich wohl zu voreilig. schande über mich... ;)