Interview mit Caliber

 

Hallo CALIBER. Stellt doch bitte die Herkunft eures Bandnamens und natürlich euch vor:

Karsten: Hallo, wir sind Steffen(Git), Ralf (Voc), Micha(Git), Thorsten(Drums) und Karsten(Bass). Die ersten 3 sind aus Jena, wo wir auch unseren Proberaum haben, Thorsten aus Eisfeld und ich aus Gotha. Unser Bandname basiert auf der Idee etwas einprägsames, aussagekräftiges und doch zur Musik passendes zu interpretieren. Nach einigen Überlegungen sind wir dann auf den Namen CALIBER gekommen.


Euer Album handelt „Vom Hier Und Jetzt“. Zählt für euch weder die Vergangenheit noch die Zukunft?

Karsten: Die Vergangenheit die aufgrund von persönlichen, als auch allgemeinen Erfahrungen, den Grundstein für das Denken und Handeln eines jeden Individuums darstellt sollte ebenso wenig außer Acht gelassen werden wie das Denken an die Zukunft. Von daher muss ich die Frage verneinen, gerade vor dem Hintergrund das die Perspektivlosigkeit in breiten der Gesellschaft immer weiter zunimmt. Außerdem sind zu viele schlimme Sachen in der Vergangenheit passiert, dass diese einfach vergessen werden sollten. Vielmehr sollten wir es besser machen als vergangene Generationen.


Revolution: „Ich kann noch immer nicht vergessen, was wir alles wollten. Ich halte immer noch an unseren alten Träumen fest“ Warum ist es so schwer, loszulassen?

Karsten: Es ist nicht schwer loszulassen, vielmehr wollen wir gar nicht loslassen. Wie oben schon geschrieben ist der Wunsch und Drang nach Veränderung fest in uns verankert. Zudem geht es darum gewisse Missstände aufzudecken und diesen mit Aktionismus und Idealismus entgegenzuwirken.


Beauty: „Wie lang bist du jung? Wie lang bist du perfekt? Beauty! Deine Scheinwelt zerbricht! Beauty! Zeig dein wahres Gesicht“ Warum dieser Anschrei gegen die Glitzerwelt? Seid ihr sicher, dass die Scheinwelt irgendwann einmal zerbrechen wird?

Karsten: Der Text von „Beauty“ richtet sich vor Allem an Teile der selbst ernannten „Hardcore“- Szene, denen es wichtiger ist in Großraumdiskotheken zu gehen als lokale HC-Shows zu supporten. Dieses Phänomen tritt in letzter Zeit des Öfteren in Erscheinung. Natürlich wollen wir niemanden vorschreiben wo er wann hinzugehen hat, allerdings steht der Lifestyle einer Diskothek in keinem Verhältnis zu dem Besuch einer kleineren DIY-HC Show.


Zwei Uhr Acht: „Und es tut weh! Sie hat geweint, gekämpft und verloren, alles was so wichtig ist. Erzähl mir nichts von Liebe – ich weiß genau, es ist nicht wahr“ Allem Ende wohnt auch ein neuer Anfang inne. Gilt das nicht auch für die Liebe? Oder ist hier der Sprung aus dem Fenster der einzig konsequente Schritt, wenn die Liebe verloren zu sein scheint?


Karsten: Ich weiß zwar nicht wo du jetzt genau dem Sprung aus dem Fenster liest, allerdings ist es definitiv möglich so tief verletzt zu werden um erstmal eine Weile aus dem Gleichgewicht zu kommen und den Glauben an die Liebe komplett zu verlieren. Ob und wann dieser Glaube oder das Gefühl zu einem anderen Zeitpunkt wieder auftaucht ist sicherlich individuell verschieden.


Versprechen: „Eine letzte Chance! Du musst dich jetzt entscheiden! Willst du unter geh’n? Willst du ewig leiden? Versprechen...“ Die letzte Chance zeigt Endgültigkeit. Entweder es wird richtig oder falsch gehandelt. Eine Mitte gibt es nicht mehr. Eine Situation, in der ein klarer Kopf bewahrt werden muss. Wie präsentiert das Leben solche Augenblicke?

Karsten: Viele Menschen nehmen sich Entscheidungen einfach zu leicht selbst ab, in dem sie Kompromisse eingehen. Klar, sind Kompromisse nicht immer schlecht und oft sehr hilfreich, doch schränken sie die Meinung des Einzelnen oft ein, aufgrund von Angst oder Antriebslosigkeit. Es gibt sehr oft nur ein „Nein“ oder „Ja“. Sei es in der Politik, im Leben oder auch in der Liebe.


Werte: „Den Aufstand nur in Kellern proben – Depressiv zu sein, macht keinen Sinn“ Macht es überhaupt noch Sinn, für Werte auf die Straße zu gehen und seinen Unmut wegen ihres Fehlens herauszuschreien? Ist es dafür nicht längst zu spät? Ist der Wert objektivierbar? Welche Werte wollt ihr transportieren, auf welche Werte kommt es euch an?

Karsten: In jedem Fall macht es Sinn auf die Straße zu gehen! Ich denke wer keinen Willen zeigt sich für etwas einzusetzen hat auch keine Rechtfertigung rumzumeckern. Leider werden die eigenen Ideale mit der Zeit oft vergessen oder Menschen sind einfach zu faul etwas zu tun. Werte die wir mit unserer Musik und Texten vermitteln wollen sind Liebe, Gerechtigkeit und Toleranz. Ein antifaschistisches Weltbild versteht sich von selbst, auch wenn das in gewissen Teilen der HC-Szene oft vergessen wird bzw. gar nicht mehr vorhanden ist.


Es Tut So Weh: „Wie weit ist Unendlichkeit, wie oft können wir das ertragen? Kannst du leben, kannst du fühlen ohne Herz – mir gelingt das nicht?“ Erst wenn der Schmerz einmal empfunden wurde, kann die Normalität geschätzt werden. Wie tief können Schmerzen gehen?

Karsten: Schmerzen können wie du zitiert hast bis zur Unendlichkeit gehen. Ich denke das hat jeder von uns schon einmal auf irgendeine Art und Weise mitbekommen. In diesem Fall gibt es scheinbar keinen Grund mehr aufzustehen und weiter zu machen. Leider lassen sich solche Gefühle im Lauft eines Lebens aber kaum vermeiden, und leider denke ich auch nicht das jeder im Laufe seines Lebens in der Hinsicht ein Happy End hat.


Einsamkeit: „Einsamkeit...Ein kleiner Schritt – aufeinander zu! Ein kleiner Schritt – Ein kleiner Schritt, der so schwierig ist“ Warum ist dieser Schritt so schwierig? Warum wird er so selten gemacht?

Karsten: Um es hier mal kurz zu halten: aus Angst und Verzweiflung.


Alles Ist Gesagt: „Leih mir dein Schwert ein letztes Mal, so könnt ich mein Gesicht wahren. Eine Linie vom Nabel bis zur Brust – ein letzter Gruß“ Wenn alles gesagt, alles aus ist, dann bleibt doch nur noch der Schritt in den Abgrund...

Karsten: Das, oder man reißt sich zusammen und klettert wieder hoch. Kommt immer auf die Situation an.


Ich Will!: „…ich werd wohl immer deine Grenzen überschreiten, die du vorgibst und die mir nichts bedeuten – eure Grenzen überschreiten die ihr vorgebt und die mir nichts bedeuten!“ Mit anderen Worten: Die Gesetze der Obrigkeit interessieren mich nicht, ich lebe mein eigenes Leben!

Karsten: Das in etwa bedeutet es, allerdings sind wir alle keine Anarchisten. Zumindest dürfte sich diese Gesellschaftsform, die sicherlich an sich nicht schlecht gedacht ist, in unserer Zeit und diesem Land nicht funktionieren da hier einfach zu viele Idioten leben. So z.B. will ich gar nicht wissen wie groß der Einfluss faschistischer Organisationen und Gruppierungen wäre, wenn das rassistische, antisemitische und nazistische Gedankengut gar nicht mehr durch das Grundgesetz eingedämmt wäre. Leider sind diese Denkweisen viel weiter verbreitet als einige wahrhaben wollen, und schon lange über den Rand der Naziszene in die breite Bevölkerungsmasse übergeschwappt.


Augenblick: „Doch wenn du mir sagst es lohnt sich! Dann tu ich es – ein letztes Mal“ Ist es besser, auf sein Herz zu vertrauen oder seinem Kopf zu folgen?

Karsten: Grundsätzlich wäre die einfache Antwort hier das Herz. Allerdings hat der Kopf den Vorteil dass er einfach ein Gehirn hat, mit dem nachgedacht werden kann. Das kann schlimme Folgen in den meisten Fällen verhindern oder zumindest eindämmen.


Was ist Hardcore für euch?

Karsten: Hier zitiere ich auch einmal: „Never trust a hardcore kid that has not listenend to punk!“ Der Rest ist im Prinzip schon mit den Antworten zu „Beauty“ und „Werte“ gesagt worden. Hardcore sollte sich immer gegen Faschismus, Antisemitismus, Sexismus und Rassismus aussprechen! Das HC überhaupt politisch ist haben viele Hörer leider komplett vergessen oder wussten es noch nie. Das liegt allerdings auch an vielen Bands, die so was in ihren Lyrics überhaupt nicht mehr transportieren. Jogginghosen und Caps sind da inzwischen wichtiger geworden.

Alte Kommentare

von Arndt 08.03.2010 00:24

sehr interessantes Interview, Danke!