Interview mit Dan Lambton und Kyle Fasel (REAL FRIENDS)

 

Es ist fast ein Jahr vergangen, seitdem euer zweites Album „The Home Inside My Head“ veröffentlicht wurde. Wie war das Jahr für euch?

Kyle: Es war gut. Es war sehr aufregend, unser zweites Album zu veröffentlichen. Wir haben eine Menge Arbeit da reingesteckt. Es war auch das erste Mal, dass wir in einem anderen Studio als sonst aufgenommen haben. Davor haben wir unsere Platten in einem Studio in Indiana aufgenommen, das ist nicht sehr weit von Illinois entfernt, von wo wir herkommen. Wir haben also viele neue Erfahrungen gemacht, auch mit neuen Produzenten zu arbeiten. Es war sehr cool das Album dann zu veröffentlichen. Wir sind sehr glücklich damit.

Dan: Es war auch das erste Mal für uns, dass wir jeden Teil eines jeden Songs durchgehen konnten und dass jemand von außerhalb der Band seine Perspektive einbrachte. So bekamen wir Ratschläge, was man noch verbessern könnte, im Gegensatz zu davor, als nur wir selbst immer wieder unsere eigenen Songs bewertet haben. Jemanden zu haben, der Vorschläge macht und Veränderungen anregt, auf die wir selbst vielleicht gar nicht gekommen wären, hat dem Album sehr geholfen.

Letztes Jahr habt ihr gesagt, dass die Songs auf dem Album euch mehr bedeuten als alle Anderen, die ihr davor gemacht habt und dass es sich einfach richtig anfühlte sie zu spielen. Ist das immer noch so oder haben sich eure Gefühle gegenüber den Songs inzwischen verändert?

Dan: Um ehrlich zu sein, denke ich, dass meine Performance auf dem Album die Beste ist, die ich jemals für die REAL FRIENDS geliefert habe. Das gilt bestimmt auch für meine Bandkollegen, denn wir hatten einen Produzenten, der uns immer wieder gepusht hat, besser zu klingen als jemals zuvor.

Hattet ihr Bedenken, wie eure Fans das Album aufnehmen werden? Und wie war es dann wirklich?

Dan: Das Feedback war toll. Ich fürchte mich immer vor einem Release, weil man will, dass die Leute das Album mögen, aber man will natürlich selbst auch das Album mögen. Diesen Kompromiss zu finden kann nervenaufreiben sein. Es ist schwierig alle glücklich zu machen. Ich denke am Ende ist es großartig von den Fans aufgenommen worden und wir lieben die Platte auch.

Ihr ward letztes Jahr viel auf Tour. War es eine andere Erfahrung die Songs vom Album zu performen, weil sie eine besondere Bedeutung für euch haben?

Kyle: Ich denke, es fühlt sich gleich an. Natürlich war es zuerst anders als davor, weil die Reaktion von Fans auf neue Songs immer anders ist. Sie haben noch keine Beziehung zu den Liedern. Es ist also schwierig die neuen Songs mit den Alten, welche die Leute schon kennen und liebgewonnen haben, zu mixen. Es ist definitiv, was Liveshows betrifft, anders. Aber jetzt, besonders auf dieser Tour, fühlt es sich schon so an, als ob die neuen Songs dazugehören. Das ist gut.

Das Album heißt ja „The Home Inside My Head“. Was bedeutet denn „zu Hause“ für euch?

Kyle: Für mich persönlich bedeutet zu Hause, vertraute Dinge um mich herum zu haben. Auch mit Leuten zusammen zu sein, mit denen man eine starke Verbindung hat. Das ist meine Definition von zu Hause.

Dan: Für mich ist es ein Umstand, wie Kyle gesagt hat, in dem man sich wohl fühlt und sich selbst sein kann. Ich versuche gerade an Sachen zu denken, die Kyle nicht gesagt hat, weil er mir quasi die Worte aus dem Mund genommen hat. Ich stimme ihm zu. Ich weiß nicht, was ich sonst noch sagen könnte.

Ihr habt seit Ende November keine Shows mehr gespielt. Wie fühlt es sich an jetzt wieder auf der Bühne zu stehen?

Dan: Es ist gut. Es ist erfrischend. Es ist schön die Möglichkeit zu haben wieder hier in Deutschland, Europa und England zu sein, nachdem wir die Tour verschieben mussten. Es ist toll, dass die Leute trotzdem zu den Shows kommen wollen und die Geduld hatten darauf zu warten. Das ist fantastisch. Wie du schon gesagt hattest, es ist vier Monate her, dass wir Shows gespielt haben und jetzt zurück zu sein ist toll.

Kyle: Es ist sehr cool. Es ist natürlich nicht so, dass wir jemals nicht auf Tour hätten gehen wollen, aber es gab eine Zeit, in der es wirklich hart für uns war. In solchen Zeiten, ein paar Tage bevor die Tour losging, fühlte es sich manchmal so an, als bräuchte man noch mehr Zeit daheim, um verschiedenste Dinge zu erledigen. Auf diese Tour wollten wir alle aber wirklich. Wir dachten alle „Ja, lasst uns loslegen. Wir sind bereit“. Wir waren für vier Monate daheim. Das war für uns seit 2013 die längste Zeit daheim. Das ist verrückt. Man fängt an sich zu fragen, was man noch zu Hause macht, weil wir ja eigentlich da sind, um zu touren und Leute zu treffen. Wie Dan schon sagte, es ist cool die Leute hier zu sehen, obwohl die Tour verschoben wurde. Sie hatten alle die Möglichkeit die Tickets zurückzugeben. Es gab zwar manche, die das in Anspruch genommen haben, aber es ist schön zu sehen, dass die meisten Leute das nicht gemacht haben und jetzt da sind. Es wäre einfach für die Fans gewesen, ihr Geld zurückzubekommen und es abzuhaken. Dass der Großteil das nicht gemacht hat ist echt toll.

Was habt ihr denn daheim gemacht? Habt ihr euch irgendwann gelangweilt?

Kyle: Ich habe versucht eine normale Person zu sein, einen geregelten Tagesablauf zu haben und so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie, Freunden und meiner Freundin zu verbringen. Wir sind alle in langjährigen festen Beziehungen. Es ist immer schön Zeit daheim zu haben.

Dan: Wir haben auch damit angefangen an neuer Musik zu arbeiten.

Das hätte ich euch sowieso noch gefragt: Ihr geht nach der Europatour auf eine lange US-Tour und seid dann in Australien. Wann habt ihr da Zeit, an einem neuen Album zu arbeiten?

Dan: Wir werden jeweils nach der US-Tour und nach Australien etwas Zeit haben. Wir haben uns schon einige Zeit freigehalten, um an neuer Musik zu arbeiten. Jedes Mal wenn wir etwas veröffentlichen, versuchen wir zu analysieren für welchen Schritt wir mehr Zeit gebraucht hätten. Dadurch können wir uns dann beim nächsten Mal mehr Zeit für eben diese Schritte nehmen, um am Schluss die best-möglichen Songs zu haben, mit denen wir dann ins Studio gehen.

Ihr beide schreibt die Songtexte. Ist es deshalb manchmal schwerer am Ende Lyrics zu haben, die sich thematisch ähnlich sind. Oder ist das etwas, mit dem ihr euch gar nicht beschäftigt?

Dan: Darüber haben wir sogar gestern geredet. „The Home Inside My Head“ war die erste Platte, auf der ich mehr als nur ein paar vereinzelte Lieder geschrieben habe. Es hat sich einfach so gefügt. Wir haben uns darüber nicht wirklich unterhalten. Die Inhalte haben thematisch gepasst und sich ergänzt, obwohl wir uns davor nicht abgesprochen haben, worum es auf dem Album gehen soll.

Kyle: Ich denke, wenn man Menschen in seiner Umgebung hat, die in etwa gleich ticken wie man selbst, passiert das. Das ist auch beim Musik schreiben so. Oft ging es mir schon so, dass ich zusammen mit unserem Gitarristen Dave an neuer Musik gearbeitet habe und er schlägt Dinge vor, die auch ich im selben Moment gedacht habe. Wir sind jetzt schon seit fast sieben Jahren in einer Band. Das ist seltsam und verrückt. Es ist natürlich, dass dann so etwas passiert. Wir sind wie eine Familie. Man weiß ja auch, was die eigenen Geschwister in einer bestimmten Situation sagen oder machen würden.

Gibt es denn bestimmte Themen, die bei euch immer wieder auftauchen, wenn ihr Songtexte schreibt?

Kyle: Bei den Sachen, die ich seit dem letzten Album geschrieben habe, habe ich mich versucht mehr auf familiäre Dinge zu konzentrieren. Ich denke, das ist ein Thema, mit dem ich mich noch nicht genug beschäftigt habe, aber das mich sehr berührt. Ich denke dabei an verschiedene Dinge, egal ob Konflikte oder Liebe. Ich versuche also mich da etwas reinzuhängen und nicht einfach nur zu sagen „Ich fühle mich so und so“ oder mich in eine andere Person hineinzuversetzen und von seiner Perspektive aus zu schreiben.

Bevor ihr zu dieser Tour aufgebrochen seid, habt ihr ein Video auf Facebook gepostet, in dem euer Drummer Brian ziemlich Angst hatte wieder auf der Bühne zu sein. Wie geht ihr mit Nervosität um?

Dan: Ich für mich kann sagen, dass ich mich nicht zu 100% darauf vorbereiten kann. Wenn es darum geht die Nervosität loszuwerden, ist es meistens so, dass sie weg ist, wenn ich erst mal auf der Bühne stehe. Die Musik gibt mir Kraft und die Angst verschwindet. Die Performance lenkt einen ab.

Kyle: Es ist selten, dass ich nervös werde. Aber wenn es doch mal passiert, versuche ich daran zu denken, wie lange wir das alles schon machen. Dann sage ich innerlich zu mir selbst: „Komm schon, du machst das seit sechs Jahren. Wieso bist du nervös?“

Habt ihr als Band irgendwelche Ziele, die ihr erreichen wollt?

Dan: Ehrlich gesagt haben wir schon alle Ziele, die wir hatten, erreicht. Wir haben schon mit den meisten unserer Lieblingsbands gespielt. Wir waren oft auf der Warped Tour, haben oft in Europa gespielt, sind schon in Japan und Australien gewesen. Wir haben die Welt bereist.

Also könnt ihr eigentlich in Rente gehen.

Dan: Eigentlich schon. Wir machen nach den anstehenden Touren Schluss (lacht). Das ist ein Witz.

Kyle: Vor zwei oder drei Jahren haben wir schon gesagt, dass wir unsere Ziele erreicht haben. Es geht eher um die Aufrechterhaltung. Wir sind nicht die Art von Band, die sagt „wir wollen super berühmt werden“. Es gibt viele Bands da draußen, die das wollen und immer größer und größer werden. Das wollen wir zwar auch, aber wir wollen uns dabei selbst treu bleiben. Wir würden nie etwas machen, mit dem wir uns nicht wohlfühlen. Ich wäre glücklich, wenn wir solche Shows wie heute für den Rest unserer Karriere spielen würden. Viele Bands würden das wahrscheinlich nicht von sich sagen können. Aber wir sind so wie wir sind und das hat uns hier her gebracht. Damit bin ich glücklich. Als wir die Band gegründet haben, hätten wir nie gedacht, dass das mal unser Beruf sein würde. Es ist immer noch erstaunlich. An manchen Tagen wache ich auf und denke „das ist wahnsinnig“. Es ist verrückt.

Würdet ihr nicht mal gerne mit einer bestimmten Band auf Tour gehen?

Kyle: Die Frage haben wir schon öfter gestellt bekommen und wir können sie nie beantworten.

Dan: Wir würden grundsätzlich gerne mit allen touren, solange sie nett und cool sind. Wenn das gegeben ist, touren wir auch gerne mit ihnen.

Was ist denn euer Eindruck von den deutschen Fans?

Dan: Die deutschen Fans sind großartig. Sehr energetisch und eifrig. Alle sind so nett und so toll. Jedes Mal wenn wir hier sind, sind die Leute spitze.

Kyle: Sie sind auch sehr respektvoll. Wenn wir zwischen den Songs reden, hören sie uns auch zu. Es gibt einen Fan, der bis jetzt bei jeder Show dieser Tour war. Ich habe ihn gefragt, ob er es nicht satt hat uns zu sehen. Er hat verneint und gesagt, dass wir ja schließlich nicht so oft hier spielen. Solche Sachen sind echt toll. Die Shows in Deutschland auf dieser Tour waren für mich persönlich die Besten hier. Ich fühle eine starke Verbindung zu den Fans. Sie sind so gespannt und mit Eifer dabei. Das ist toll.

In eurem Song „Mess“ heißt es „last year I was a train wreck now I’m just a mess“. Wie sieht es dieses Jahr aus? Wie geht es euch?

Dan: Kyle hat den Text geschrieben, also lasse ich ihn antworten.

Kyle: Dieses Jahr geht es mir gut. Der Song sagt aus, dass Dinge besser werden, aber dass sie nicht perfekt sind. So fühle ich mich auch. Es wird nie alles perfekt werden. Es wird immer Probleme geben.