Interview mit Dean Fairhurst und Louis Menguy (SLYDIGS)

 

Es heißt, nachdem ihr mit der Schule fertig gewesen seid, hattet ihr die Möglichkeit entweder Bauarbeiter zu werden oder arbeitslos zu sein. Wie kam es, dass ihr Musiker wurdet?

Louis: Ja, so ungefähr sah es aus. Musik war schon immer unsere Leidenschaft. Wir haben uns alle in der Schule kennengelernt. Als wir mit der Schule fertig waren, empfanden wir alle die selbe Leidenschaft für die Musik und dachten wir versuchen es einfach mal. Es kommen eine Menge guter Bands, wie die BEATLES, THE STONE ROSES und OASIS, aus der Gegend in der wir groß wurden, im Nordwesten von England. Wir dachten, warum nicht? Wir wollten lieber etwas Produktives machen, als Arbeitslosenhilfe zu beziehen oder auf dem Bau zu arbeiten.

Dean: Die beiden Alternativen hörten sich nicht nach Spaß an. Das sind aber die besten Arbeitsmöglichkeiten, die man hat ohne studiert zu haben.

Wie lange hat es dann gedauert bis ihr von der Musik leben konntet?

Dean: Das hat lange gedauert. Es dauert eigentlich immer noch an, denn wir sind nicht reich. Eigentlich sind wir genau das Gegenteil.

Louis: Man muss eine lange Zeit dran bleiben ohne überhaupt Geld zu verdienen.

Dean: Aber wir machen das auch nicht wegen des Geldes. Wir machen es wegen der Musik. So kitschig sich das auch anhört. Wir kommen aber langsam da hin wo wir sein wollen. Im Moment denken wir nicht an Geld. Und wenn es mal da ist, ist es hoffentlich nur ein Teil des Erfolgs.

Die Art von Musik, die ihr macht, scheint für Leute eurer Generation vielleicht etwas altmodisch zu sein. Wieso habt ihr euch dazu entschlossen gerade solche Musik zu machen?

Dean: Der Ursprung liegt in der Beziehung, die wir zu der Musik haben, die wir zuerst gehört haben und mit der wir aufgewachsen sind. Wir haben die Musik von den BEATLES, den ROLLING STONES, LED ZEPPELIN und von frühen Blues Bands aufgesogen. Das prägt einen. Ich denke deshalb sind wir auch Freunde geworden. Wir hörten die Musik der selben Bands, die unsere Helden waren und Ikonen für uns wurden.

Louis: Deshalb hat es sich für uns auch nicht ungewöhnlich angefühlt. Es fühlte sich natürlich an, dass wir auch diese Art von Musik spielten. Alle unsere Freunde mochten ebenfalls diese Musik, also hat es sich ganz normal angefühlt. Für uns als Band war es deshalb auch normal. Wir hatten nicht das Ziel etwas ganz Anderes zu machen.

Dean: Der Musikstil harmonisiert auch gut mit Songs, die Substanz haben. Viele der Songs von Bands, die wir mögen, haben eine Menge Inhalt. Es geht nicht nur um die Musik sondern auch um die Idee an etwas zu glauben und was es heißt ein Künstler zu sein, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Es scheint so als geht es für die Bands um alles oder nichts. Damit können wir uns auch identifizieren, denn diese Bands haben genau so angefangen wie wir.

Wen wollt ihr denn mit eurer Musik erreichen? Fällt es euch schwer jüngere Leute als Fans zu gewinnen?

Dean: Wir wollen jeden der Ohren hat erreichen.

Louis: Wir haben eine große Spannweite an Zuhörern. Das fängt bei Kindern an, die so um die 10 Jahre alt sind bis hin zu alten Leuten. Wir möchten einfach so viele Leute wie möglich erreichen.

Dean: Normalerweise mögen die Leute, die unsere Musik mögen auch die Musik, die wir mögen. Sie kennen sich also aus und wissen eine Menge über Musik. Also ja, die Spannweite unserer Fanbase ist ziemlich groß. Wir haben keine richtige Zielgruppe. Die Altersspanne ist ziemlich groß. Die älteren Leute verbinden mit der Musik ein Gefühl des mitgerissen-werdens, während jüngere Leute unsere Musik mögen, weil niemand mehr solche Musik spielt wie wir. Ich kenne zumindest keine andere Band, die Musik aus den 60ern und 70ern mit einem modernen Hauch ausstattet.

Mir hat sich die Frage besonders deshalb gestellt, weil ihr mit THE WHO tourt und diese ein älteres Publikum ansprechen

Dean: Ja, das ist richtig. Wir haben in England ein bisschen getourt und da kamen viele junge Leute. In Amerika war es ein sehr gemischtes Publikum, auch viele jüngere Menschen. Das ist toll. Aber eigentlich interessiert uns das Alter gar nicht. Alter bedeutet uns nichts. Es geht nur darum wie jung man sich fühlt.

Wie war es denn bisher mit THE WHO zu touren?

Dean: Es war großartig, wirklich fantastisch. Wenn man einmal damit angefangen hat, kann man nicht mehr damit aufhören. Man will immer mehr. Man wird ziemlich süchtig. Es ist toll, dass wir mit unseren Helden spielen können. THE WHO sind eine der Auslöser, weshalb wir eine Band gegründet haben. Es dauert eine Weile bis man verarbeitet hat, dass wir als Support für sie auftreten und was wir eigentlich machen. Man realisiert es wahrscheinlich erst richtig, wenn es vorbei ist.

Ihr habt gerade eure EP „Suburban Confinement“ veröffentlicht. Wie unterscheiden sich die Lieder darauf von euren bisherigen?

 Louis: Wir haben schon mal eine EP veröffentlicht. Als wir anfingen mit THE WHO zu touren, haben wir dann festgestellt, dass viele Lieder unseres Sets aber nicht auf CD verfügbar waren. Also haben wir uns dazu entschlossen „Suburban Confinement“ herauszubringen, auf der mehr Songs drauf sind, die wir auch live spielen. Es unterscheidet sich also eher nicht von den vorherigen Sachen. Die Lieder haben immer noch den Rock’n’Roll Sound, aber es ist eben eine andere Songauswahl. Wir hatten eine Menge Lieder zur Auswahl und es ist schwer sich zu entscheiden welche man aufnimmt. Wir haben uns dann dazu entschlossen genau diese Lieder auf „Suburban Confinement“ zu veröffentlichen, damit die Fans sich eine CD kaufen können, die sie an die Live Shows erinnert.

Dean: Das fügt sich gut zusammen mit dem, was wir gemacht haben, als wir in Amerika getourt sind. Wir haben eine Dokumentation über unsere bisherige Bandgeschichte gefilmt, die zur selben Zeit raus kam wie „Suburban Confinement“. Der Titel ist außerdem ein Bezug zu etwas, das Louis’ Bruder vor einer Weile über uns geschrieben hat. Darin spricht er über die Beengtheit in Vororten (engl. Suburban Confinement). Es bezieht sich darauf, wie und wo wir aufgewachsen sind. Also die Leute können in diesem Sinne definitiv etwas in die Texte hineininterpretieren, wenn sie wollen.

Würdet ihr also sagen, dass „Suburban Confinement“ persönlichere Songs enthält als eure letzte EP?

Louis: Ich denke, wir versuchen mit all unseren Liedern etwas Persönliches auszudrücken, weil sich die Leute mit solcher Musik besser identifizieren können. Wenn die Lieder persönlich sind, sind sie ehrlicher.

Dean: Und es ist leichter sie zu schreiben. Das kommt von ganz alleine. Wir denken nicht allzu viel darüber nach, dass ein Song persönlich sein muss.

 

Ein Lied, „Catch A Fading Light“, ist viel ruhiger als alle anderen Songs. Hat es eine spezielle Bedeutung für euch?

Louis: Ja, ich denke schon. Es war eher ein Akustik-Lied als ich es letztes Jahr schrieb. Ich habe es mit ins Studio gebracht. Dort haben wir festgestellt, dass es nicht mehr braucht als nur eine akustische Begleitung. Ein bisschen Klavier, ein bisschen Gitarre. Es ist also in dem Sinne speziell, weil es einer der reduzierteren Lieder ist.

Dean: Es zeigt die Bandbreite der Songs, die wir schreiben und die der Musik, die wir selbst hören. Wir sind nicht eine reine Rock’n’Roll Band. Das ist zwar unsere Hauptrichtung, aber wir haben auch einige Folk-Einflüsse. Wir mögen auch eine gewisse lyrische Bedeutung.

Ihr arbeitet gerade an eurer ersten LP. Wie kommt ihr voran?

Louis: Wenn man heutzutage in einer Band ist, muss man zunächst einmal Musik im Internet verfügbar machen damit die Leute auf einen aufmerksam werden. Wir haben Gigs bekommen, weil unsere Musik online verfügbar war. Sobald man also Leute auf die Band aufmerksam gemacht hat, sind schon Lieder da draußen, die man aber nicht unbedingt auf einem Debüt Album haben will. Wenn wir jetzt also unser Debüt Album zusammenstellen, wollen wir die besten Songs aus einer ganzen Menge heraussuchen.

Dean: Wir haben noch nicht mit Aufnahmen begonnen. Wir schauen uns hoffentlich bald nach Produzenten um. Im Moment versuchen wir uns erst einen Überblick zu verschaffen und zu entscheiden in welche Richtung wir gehen wollen. Wir haben einige Anfragen von Labels. Falls wir darauf eingehen, oder auch wenn nicht, werden wir vermutlich Anfang des nächsten Jahres ein Album veröffentlichen. 

Ihr beide schreibt ja zusammen. Anscheinend lasst ihr euch dabei von verschiedenen Autoren und literarischen Werken beeinflussen. Wie genau wirkt sich das auf eure Texte auf?

Dean: Wir werden eigentlich von allem beeinflusst. Ich denke als junger Mensch habe ich mich sehr für verschiedene Autoren interessiert – egal ob es Gedichte oder Theaterstücke waren, die ich mir angesehen habe. Das berührte mich dann in etwa so wie als ich zum ersten Mal Bob Dylan oder die BEATLES gehört habe.

Aber wie genau beeinflusst das eure Art Texte zu schreiben?

Dean: Ich weiß es nicht. Es geht um die Art und Weise wie diese Songwriter es schaffen ein Bild mit den Lyrics zu malen. So wie sie es machen führt es meistens dazu, dass man alles in Frage stellt. Ich war und bin immer noch der Meinung, dass man das als Künstler machen sollte. Es ist eine Kunstform genauso wie Musik es ist. Als Autor hat man allerdings mehr Freiheiten als ein Songwriter. Es ist immer eine Herausforderung genügend Bedeutung in nur einen Songtext zu packen.

Werdet ihr also mal ein Konzeptalbum schreiben?

Dean: Ich weiß nicht, vielleicht. Ich habe schon darüber nachgedacht.

Louis: Wir wollen auf jeden Fall eine der Bands werden, die verschiedenste Alben machen, auf die man zurückblicken kann. Es gibt eine Menge Bands die ein oder zwei Alben herausbringen und dann verschwinden sie wieder. Wir wollen aber eine lange Karriere haben.

Ich habe im Vorfeld versucht ein paar Informationen über euch herauszufinden. Ihr habt aber keine Wikipedia Seite. Weder auf Deutsch noch auf Englisch. Was glaubt ihr woran das liegt?

Dean: Oh nein, das bedeutet wir existieren gar nicht.

Louis: Anscheinend können Leute ja einfach eine schreiben. Du solltest uns eine schreiben.

Was würdet ihr denn gerne über euch lesen?

Dean: Nur Mythen. Oder „eine Band, die das Gesicht der Welt verändert“.

Vielleicht eine kleine Anekdote? Etwas, das euch passiert ist und das ihr weitererzählen wollt?

Louis: Es ist viel passiert, aber ich weiß nicht, ob wir das erzählen können.

Dean: Wir haben hart gearbeitet. Als wir anfingen hatten wir diese Vision, wie viele andere Bands sie haben. Was mich stolz macht ist, dass wir immer zusammengehalten haben, auch in Zeiten in denen es hieß Rock sei tot und viele Bands sich aufgelöst haben. In diesem Sinne sind wir wirklich unerschütterlich. Dafür können wir jetzt zumindest schon in Erinnerung behalten werden. Wir sind aber nicht annähernd da wo wir hin wollen.

Louis: Es wäre schön eine der Bands zu werden, die andere Leute dazu bringt auch Musik zu machen. Die Zeit wird es zeigen.

Dean: Wir machen das alles für uns selbst, für jedes Mitglied in der Band. Wir sind Freunde, wir sind zusammen aufgewachsen. Wir leben zusammen und wir werden zusammen sterben.

Was bedeutet denn euer Bandname SLYDIGS? Das darf auf einer Wikipedia Seite natürlich nicht fehlen.

Dean: Ich weiß nicht, ob es dafür eine Übersetzung im Deutschen gibt. Wir haben darüber eigentlich gar nicht viel nachgedacht, sondern ihn uns einfach ausgedacht. Er sah auf Papier gut aus und der Klang bleibt einem im Gedächtnis.

Louis: Die Leute fragen uns öfter was der Name bedeutet, aber er kam eigentlich wirklich aus dem Nichts. Heutzutage muss man einen einzigartigen und ungewöhnlichen Bandnamen haben. Nimmt man einen gewöhnlichen, gibt es noch sieben andere Bands auf der Welt, die den selben haben.

Dean: Es ist ziemlich schwer zu erklären. Wir wollten uns erst „Mud“ nennen, aber das hat sich nicht durchgesetzt.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Dean: Ich wünsche mir mehr Gitarren.

Louis: Dass wir ein größtmögliches Publikum erreichen und unsere Musik in die Welt hinaustragen können. Dass wir mit unserem Debütalbum ein Zeichen setzten. Ich denke wir machen im Moment etwas, das die Leute hören wollen. Zumindest spricht das Feedback, das wir bekommen, dafür. Wir würden unsere Musik auch hören wollen. Im Moment ist das hart, weil es viel RnB und Pop Musik gibt gegen die wir uns durchsetzen müssen. Aber wenn wir es schaffen unsere Musik in den Mainstream zu integrieren, dann wäre das ein echter Erfolg.

Ihr spielt Ende September noch ein paar Headliner Shows in Deutschland und ward auch in der Vergangenheit schon hier unterwegs. Wie hat euch das deutsche Publikum behandelt?

Louis: Fantastisch. Das deutsche Publikum ist wirklich eines der besten für das wir jemals gespielt haben. Wir haben so ziemlich überall in Europa und Amerika gespielt und ich denke Deutschland gehört mit Schottland und Amerika zum besten Publikum. Die Deutschen gehen mit und hoffen immer auf eine gute Party.

Dean: Ja, die Headliner Shows sind ziemlich toll. Wir freuen uns darauf ein komplettes Set zu spielen. Im Moment spielen wir als Support ja nur um die 30 Minuten. Bei unseren eigenen Shows haben wir dann die Möglichkeit Songs zu spielen, die wir vorher noch nicht Live gespielt haben oder die neu sind. So können wir auch gut ausprobieren, welche Songs gut beim Publikum ankommen und welche nicht. Wir freuen uns darauf.