Interview mit Dew-Scented

 

1. Hallo Leif! Ich hoffe, bei dir ist alles gut?

D-S: Hi Clement & Allschools.de Leser! Ich bin Leif, der Sänger von der Thrash-Kapelle DEW-SCENTED und ja, mir geht es gerade blendend. Wir haben gerade einige tolle Shows mit Bolt Thrower absolviert und es ist gerade sowohl spannend als auch sehr angenehm, die Promo für unser neues Album „Invocation“ zu machen…

2. Ein neuer i-Akt wird am 21.05. auf die Thrash Metal Gemeinde eurerseits losgelassen. Warum hat es euch eigentlich das "i" in den Albumnamen so angetan?

D-S: Leider aus keinen religiösen, politischen oder sozio-kulturellen Gründen, hahaha. Das hätte die Antwort sicher jetzt interessanter gestaltet, aber die Wahrheit ist die, dass wir uns zirka ab dem zweiten Album bloß eine Eigenart für die Betitelung unserer Alben einfallen lassen haben, um eine Konstante und etwas Eingängigkeit zu präsentieren, nachdem der Name der Band nicht der ‚einfachste’ war. Wir hätten allerdings nie gedacht, dass wir so langfristig am Start bleiben und inzwischen bereits bei unserem achten Album angelangt sind. Irgendwie haben wir es dennoch immer wieder geschafft, ausreichend gute und konzeptionell passende Ideen für neue Titel zu finden, so dass wir der Tradition einfach treu geblieben sind. „Invocation“ entwickelte sich relativ spontan als Kandidat, nachdem wir einige andere Überlegungen durch hatten und unser Gitarrist den bereits feststehenden Songtitel „The Invocation“ ansprach und bemerkte, dass dies ein kräftiger und bedeutungsrichtiger Ausdruck sein könnte…

3. Eine Frage zum Lineup: Du bist über die Jahre die einzige Konstante bei DEW-SCENTED gewesen. Bist du eigentlich Gründungsmitglied? Auf Wikipedia steht, das du 1992 nach Gründung der Band dazu gestoßen bist.

D-S: Echt, so steht das auf Wikipedia? Wow, dann muss es ja stimmen!!! Hahaha, nee, war jetzt nur ein kleiner Seitenhieb, denn obwohl ich selber auch Fan dieses Online-Lexikons bin, ist Wikipedia auch alles andere als fehlerfrei, also immer schon aufpassen! ;-) Ich bin irgendwie schon ein Gründungsmitglied, denn die Band hatte noch keine richtige Form, Namen oder Zielsetzung, als ich dazu gestoßen bin. Aber faktisch hatten die Instrumentalisten Jörg, Tarek, Shotte und Patrick mit Bands wir Slow Decay, Freedom Begins und Mind Peppers bereits eine musikalische Vorgeschichte und auch einen gewissen regionalen Bekanntheitsgrad in Norddeutschland, als sie sich für eine neue Band zusammenfanden. Ein anderer lokaler Freund (Tobbi) sollte bei denen singen, aber irgendwie kam er nicht zum Proben, so dass sie mich mal auf einem Rock-Gig in Walsrode angesprochen haben, um zu schauen ob ich zu so was Lust hätte. Ich kam also im Proberaum vorbei und hörte mir die 2-3 neuen Songs an, die bis dahin in Arbeit waren (ein Song war sogar noch ein später Slow Decay Song namens „Black Rain“, glaube ich!?) und fand es gut genug um zu bleiben. Irgendwie schaffte ich es sogar, in der ersten Probe gar nicht das Mikrofon zu benutzen (ich hatte eh noch nie vorher gesungen!), was echt ein Vorteil war angesichts meiner Nervosität, haha. Den Bandnamen habe ich dann später auch angeschleppt…tja, und dann ging es halt Schritt für Schritt weiter mit mehr Songs, erste Gigs, einem Demo, mehr Gigs, das Angebot ein Album zu machen, erste Tour, pensum-bedingte Line-Up Wechsel, mehr Gigs, nächstes Album, usw. Ich glaube ich war 15-16 als wir anfingen und jetzt bin ich halt 33 und es macht immer noch Spaß…

4. Im Promowisch war zu lesen, dass die Gitarrenfraktion und der Schlagzeuger 2008 ausgewechselt wurden, damit diese signifikanten Besetzungswechsel das langfristige Überleben der Band sichern sollten. Kannst du das ein wenig präzisieren?

D-S: Naja, ich denke das sagt doch eigentlich genug aus, oder? Aber wenn du es genauer wissen musst: Die Stimmung und Atmosphäre innerhalb der Band war einfach nicht mehr die Beste. Wir hatten keinen festen Drummer mehr, nachdem Uwe „Incinerate“ eingespielt hatte und so half uns der Andi aus Berlin netterweise als Live-Session-Drummer aus. Die Entfernung war allerdings recht stressig, da unser Proberaum in Braunschweig war und wir bemerkten auch, dass die Zusammenarbeit mit den Gitarristen (die ja in Braunschweig wohnten) immer schwieriger wurde. Die Motivation, aber auch die Kreativität und teilweise auch die Live-Shows mussten darunter leiden. Entweder kam die Band also auf ein klangloses Ende zu, oder man würde versuchen sich neu aufzustellen. Anfang 2008 spielten wir ein paar Gigs auf Malta und wir kamen mit dem Fazit zurück, dass wir uns endgültig nach neuen Mitgliedern umschauen müssten. Zum Glück haben wir relativ zügig sehr motivierte neue Gitarristen gefunden und auch vom Marc-Andree als Drummer endlich das „Ja-Wort“ bekommen (er hatte ja schon mal zu „Impact“ Zeiten bei uns ein halbes Jahr live ausgeholfen, aber wegen Verpflichtungen mit seiner damaligen Band Obscenity nicht mehr Engagement zeigen können…), so dass wir einfach nahtlos und quasi hinter den Kulissen weitergearbeitet haben. Die Band fühlt sich jetzt frischer, ehrgeiziger und fokussierter als seit langen Jahren an und ich denke das kann man auch „Invocation“ anhören!

5. Das neue Lineup hat auf jeden Fall eine enorme Durchschlagskraft. "Invocation" ist sehr hart geworden und besinnt sich ein wenig mehr an den Thrash Metal Tugenden der Band (und geht m. E. weniger Richtung Death). Als direkten Vergleich könnte fast euer bisher bestes (aus meiner Sicht!) Album "Inwards" herangeführt werden, wobei "Invocation" etwas abwechslungsreicher vorgeht.

D-S: Wow, das sind nette Worte…und ich würde es definitiv so unterschreiben! Mir war im Rückblick das letzte Album „Incinerate“ etwas zu eindimensional in Punkto Härte und es hatte auch einiges an Death Metal Schlagseite, was ja nicht schlecht an sich ist, aber mir sagt Thrash-Riffing und höhere Dynamik mehr zu. Es spricht an sich schon für sich, dass immer weniger Songs von „Incinerate“ im Live-Set auftauchten und wir z.B. von „Inwards“ und besonders „Impact“ immer noch die größte Menge an Live-Tracks schöpfen! Auf der anderen Seite bedingt ja ein Album das nächste, also war „Incinerate“ (an sich ja auch kein schlechtes Album!) sogar sehr wichtig für die jetzige Band und auch für die Entstehung von „Invocation“! Wir haben beim Songwriting dieses mal definitiv auf mehr Abwechslung, mehr Dynamik, mehr Melodie und mehr Details geachtet, ohne unseren urtypischen Klang und vor allem das effektive Songwriting aus den Augen zu lassen. Ich bin persönlich sehr von dem Ergebnis des neuen Albums begeistert und dementsprechend motiviert! Ich denke dein Vergleich mit „Inwards“ kommt in Punkto Frische und Riffing-Kaliber sicher hin! Danke dafür! ;-)

6. Auffällig auch, das sich deine Gesangsleistung (auch meiner Meinung nach!) im Vergleich zu den direkten Vorgängern gesteigert hat. Du klingst aggressiver, abwechslungsreicher und scheinst eine Menge Wut über das Album zu transportieren. Was macht dich so rasend?

D-S: Haha, auch hier danke für die Blumen! Ja, aber ich sehe das genauso und selbst die Band und engere Freunde kommentierten es ähnlich, als wir das erste Mal die neuen Aufnahmen herumgereicht haben! Ich denke, dass auf „Invocation“ durch das präzisere Songwriting auch mehr Struktur und Raum für Gesangsakzente entstanden ist. Außerdem haben wir uns gut vorbereitet und neben viel Proben auch sogar eine Vorproduktion als Demo im letzten Sommer gemacht, um nicht nur das neue Line-Up zu testen, sondern auch die neuen Tracks und das Studio. Ich habe härter als zuvor an der Durchschlagskraft des Gesangtons und der ‚Hooklines’ gearbeitet, wobei wir sogar auch wieder verstärkt mit Back-Ups (Michael macht viele der tiefen Growls…) experimentiert haben. Und ja, ich denke der Frust der letzten Jahre, sowie der gesunde Arschtritt der hochqualitativen Songs hat mich dann zu einem besseren Ergebnis als zuletzt katapultiert. Ich bin selber auch zufriedener mit dem Gesang als auf den letzten beiden Alben und ich freue mich, dass es andere aus so sehen, denn der Gesang war schon immer Hauptkritikpunkt bei DEW-SCENTED. Und sein wir mal ehrlich, das wird er auch bleiben, denn diese Art von aggressiven Vocals wird niemals jedem gefallen…und das ist auch fein so. Auf jeden Fall wird sich bei DEW-SCENTED nach so vielen Jahren nicht auf einmal eine Tür für melodische Parts oder andere Elemente in Sachen Gesang öffnen, nur weil manche es dann vielleicht „Weiterentwicklung“ nennen. Nee, das ist nicht mein Ding! Love it or hate it - Take it or leave it, hahaha!

7. Kannst du ein wenig den Inhalt deiner Texte erläutern? Kann das Album mit einer Hauptaussage unterlegt werden?

D-S: Uuurgh, schwieriges Thema um es generell und kurz zu beantworten! Eine Hauptaussage gibt es nicht, aber die Thematiken der einzelnen Songs sind natürlich in ihren kritischen Aussagen und der allgegenwärtigen Negativität natürlich irgendwie miteinander verbunden. Ich benutze die Texte als Ventil für meine Wut und schreibe ja nach dem, was mich im Alltag berührt und anstößt. Die Inspiration ist also teilweise recht unterschiedlich, aber der Tenor ein ähnlicher. Prinzipiell ist ja bei DEW-SCENTED der harte Gesang als eine Art Instrument eingesetzt und soll vorrangig die Stimmung und die Ausrichtung der Songs ein weiteres Mal unterstreichen und unterstützen! Deswegen wird man auch wohl kaum bei uns sehr sonnige Texte oder liebliche Töne erwarten können…

8. Wer schreibt bei DEW-SCENTED die Musik? Wie läuft der Prozess bei Entstehung eines Albums ab?

D-S: Wir waren alle an der Entstehung der neuen Platte beteiligt und haben auf old-school Weise im Proberaum die Tracks gemeinsam ausgearbeitet. Die Initial-Impulse kommen bei unserer Musikrichtung traditionell von den Gitarristen, denn die Songs bauen sich auf kraftvolle Riffs auf und somit muss aus dieser Richtung die erste Idee stammen. Wir haben uns aber alle beim Arrangieren und Optimieren eingebracht, was man meiner Meinung nach dem Album auch als homogeneres Ganzes und tatsächliche Bandleistung anhören kann. Es wurde für „Invocation“ wirklich sehr viel geprobt dieses mal und die Songs etliche Male umgeschmissen, da wir selber auch extrem kritisch mit unserer Musik umgehen! Nachdem wir uns im neuen Line-Up erstmal besser als Musiker kennengelernt hatten und quasi eine gemeinsame Sprache gefunden hatten, hat sich das Schreiben eigentlich recht organisch und flott entwickelt…

9. Wie würdest du den Stellenwert deiner Band innerhalb der deutschen bzw. europäischen Thrash Metal Szene einordnen. Meiner Meinung müsstet ihr aufgrund der Beständigkeit und Qualität eurer Alben viel bekannter sein.

D-S: Ach, solche Überlegungen überlasse ich lieber Anderen, aber ich weiß deine Worte zu schätzen! Naja, DEW-SCENTED ist halt schon immer eine sehr zielstrebige und engagierte Band gewesen. Wir hatten zwar auch einiges an Glück im Laufe der Jahre, aber wir haben uns zeitlgleich auch sehr viel selber erarbeitet, wofür andere Bands zu bequem gewesen wären. Ich kann mich über unsere Situation nicht beschweren, denn immerhin sind wir nicht am Rockstar-Traum zerplatzt, können international solide live spielen, bekommen sehr gesundes Feedback innerhalb unseres Thrash-Mikrokosmos und sitzen irgendwie auch gemütlich zwischen den 80er old school Bands und der neuen Generation an Thrash-Acts. Ich bin zwar auch immer noch etwas verwundert, wenn ich auf einem Konzert nach so vielen Jahren Sachen höre wie „Ich habe heute das erste Mal von euch gehört….“, aber das zeigt ja zugleich auch, dass wir uns immer wieder ein neues, breiteres Publikum erspielen. Ich denke es wäre großartig, wenn sich sowohl bisherige Supporter von DEW-SCENTED wieder genauer mit der Band und „Invocation“ beschäftigen, aber auch neue Hörer auf die Band jetzt aufmerksam werden können. Ich denke dieses Album hat die Aufmerksamkeit und eine sorgfältige Chance auch wirklich verdient…

10. Als ich dieses Interview verfasste, ereilte mich die Meldung über den Tod Ronnie James Dios. Kannst du dich mit dem Schaffen des kleinen Mannes identifizieren? Wo liegen deine/eure Haupteinflüsse?

D-S: Ja, klar kann ich mich mit Dio identifizieren und die Nachricht seines Todes hat mich auch stark bewegt! Ronnie James hatte eine prägende und einflussreiche Stimme, auch wenn man es in unserer Musik natürlich nicht direkt hört! Ich bin großer Fan seiner Arbeit mit Rainbow, Black Sabbath, den Dio Solo-Alben und fand auch das Heaven & Hell Debüt großartig! Dio war vor allem ein wunderbarer Live-Performer und sehr sympathischer Mensch. Ich hatte das Vergnügen im Jahr 1999 an dem Dio-Tribute Sampler „Holy Dio – A Tribute To The Voice Of Metal“ für Century Media Records zu arbeiten und ja, ich denke, dass er den Titel „The Voice Of Metal“ wahrlich verdient hat! R.I.P., Ronnie James Dio! DEW-SCENTEDs Haupteinflüsse liegen sicherlich im 80er Thrash Metal und der ersten Death Metal Welle Anfang der 90er. Alle Bands und Alben, die wir als junge Fans und aufstrebende Musiker gerne gehört haben waren sicher wichtig als Inspiration für uns! Ich höre ja teilweise jetzt noch die gleichen Alben wie vor 20 Jahren, also spricht das ja definitiv für die Relevanz dieser Bands für mich!

11. Wie sieht die nahe Zukunft von DEW-SCENTED aus?

D-S: Ich denke gut, hahaha! Es stehen demnächst unsere „Invocation“ CD-Release Show in Bremen sowie einige coole Sommer-Festivals an. Außerdem schauen wir uns gerade nach guten Support-Tour Optionen für später in 2010 um, aber ich denke wir werden so oder so fleißig an der Live-Front arbeiten. Und klar, so bald ausreichend neue Ideen sich ansammeln, werden wir wieder anfangen, Songs zu schreiben, denn jetzt haben wir einiges an Rückenwind, aber auch eine hohe Meßlatte durch „Invocation“ vorgelegt bekommen!

12. Vielen Dank! Ich wünsche dir und DEW-SCENTED alles Gute!

D-S: Danke sehr! Vielen Dank auch für die Unterstützung und weiterhin alles Beste mit Allschools.de. Besucht uns mal auf www.dew-scented.net oder www.myspace.com/dewscented und gebt uns Feedback zu den neuen Songs! Man sieht sich…