Interview mit Disbelief

 

Das Interview führte ich telefonisch mit DISBELIEF Sänger Jagger:

1. DISBELIEF gaben erst kürzlich bekannt, in Alejandroâ "Alexâ" Varela aus Lugo/Galicia/Espana einen neuen Mann an der Gitarre gefunden zu haben. Ihr seid wahrscheinlich erleichtert, oder?

Natürlich, denn für uns ist ein gefestigtes Lineup ein wesentlicher Bestandteil der Band. Jetzt können wir aufgrund des spielerischen Könnens des Kerls auch an das Element Sologitarre denken. Dieses wollten wir schon immer mal einbringen. Vor allem aber gebührt dem neuen Mann Respekt für seinen Schritt, mit DISBELIEF ein Risiko einzugehen und nach VÖ-Termin von „Protected Hell“ (17.04.2009) nach Deutschland zu kommen und mit uns über die Bühnen zu ziehen.

2. Warum gerade ein Spanier? Gab es keinen Musiker aus dem Umfeld?

Wir haben den Posten an der Gitarre ausgeschrieben und er hat sich u. a. gemeldet und uns bei einem 5-tägigen Aufenthalt sowohl musikalisch als auch menschlich überzeugt. Auch als wir ihm unsere Gehaltsvorstellungen mitteilten, hat sich der Kerl nicht abschrecken lassen und wollte unbedingt Mitglied von DISBELIEF werden. Der hat sich einfach nicht kleinkriegen lassen...

3. Wie steht es im DISBELIEF Lager kurz vor VÖ von „Protected Hell“?

Wir sind alles sehr gespannt, wie es anläuft. Wir machen diesen Prozess nun schon des Öfteren mit und es jedes Mal sehr spannend, zumal wir immer sehr viel Hoffnung in die neuen Songs gesteckt haben.

4. Habt ihr schon Reaktionen auf euer neues Werk einfahren können?

Bisher sind die Reaktionen durchweg positiv und wir sind sowohl im Rock Hard, Metal Hammer und Legacy sehr weit vorn in den Rankings. Natürlich hätten wir auch verdient, mit dem neuen Album auf Nr. 1 zu stehen, haha, aber dennoch sind wir mit unserem Abschneiden mehr als zufrieben. Und diese über Jahre gezeigte Kontinuität (immerhin ist „Protected Hell unser achtes Album) soll uns erst einmal eine Band nachmachen.

5. Wenn du dir euren Backkatalog anschaust, mit welchem Album würdest du „Protected Hell“ am ehesten vergleichen?

Verglichen werden miteinander können die Alben nicht. Aber der Aufnahmeprozess zum letzten Album „Navigator“ war viel besser und letztlich entspannender. Denn das Arrangieren des Sounds und der Songwritingprozess waren gut wie noch nie, da unser Gitarrist ein Studio besitzt und wir im Vorfeld (vor dem eigentlichen Studioaufenthalt) dort das Gerüst bereits gebaut hatten. Wir mussten beim eigentlichen Aufnehmen den Gitarrensound und das Arrangieren meiner Vocals nicht erst suchen, denn dies hatten wir bereits ausgetüftelt und sehr gut aufbereitet. Das gab uns innere Sicherheit und für den weiteren Studioaufenthalt und letztlich war der ganze Aufnahmeprozess viel produktiver als bei „Navigator“. Weiterhin war vorteilhaft, wieder im gleichen Studio mit dem gleichen Produzenten zu arbeiten, denn das Umfeld und das ganze Procedere waren uns noch vom letzten Album bekannt. Letztlich konnten wir unsere gesamte Kraft in „Protected Hell“ stecken, ohne uns auf Nebenkriegsschauplätzen aufzureiben.

6. Wo liegen die größten Unterschiede deiner Meinung nach zum direkten Vorgänger „Navigator“?

Das neue Album ist eine Einheit. Du musst dir das so vorstellen, als ob du auf einer unendlich langen Straße entlang fährst. Bei „Navigator“ haben wir rechts und links geguckt, sind abgebogen, haben halt gemacht. Bei „Protected Hell“ sind wir nicht von einer vorher festgelegten Route abgewichen und haben die Straße nicht verlassen. Songs, die die Straße verlassen wollten, mussten weichen. Wir haben uns ein Ziel gesteckt und dieses auch erreicht.

7. Meiner Meinung nach seid ihr sehr stark, wenn es um die Schaffung von Intensität geht. Wo siehst du die Stärken von DISBELIEF?

Bevor ich diesmal meine Vocals aufgenommen habe, waren diese allein durch die Instrumente mit Atmosphäre gefüllt. Sie erzählen eine Geschichte und bei DISBELIEF harmonisieren jetzt Sound, Instrumente, Texte und Vocals. Diesmal bin ich auch anders an die Sache herangegangen, zum Beispiel habe ich meine Worte besser akzentuiert und somit versucht, die Texte besser zu transportieren.

8. Welchen Stil spielt ihr eigentlich? Ist es Death Metal, modern Metal oder einfach nur Metal?

Sludge Death Metal! Den Begriff habe ich mir nicht selber ausgedacht, sondern er ist mehrmals an mich herangetragen worden. Aber irgendwie passt es genau auf DISBELIEF.

9. Euer neues Album ist etwas geschliffener, ruhiger und geradliniger geworden. Dennoch seit ihr immer eine Bestie. Was treibt euch an?

Unsere Prämisse hat sich nicht verändert, unsere Motivation ist möglichst aggressiv zu sein! Wir benutzen unsere Musik als Ventil, am Besten live vor Publikum. Aber auf „Protected Hell“ sind wir leichter zu hören und schneller zu erfassen als in der Vergangenheit. Ich denke, es wäre nicht förderlich, zu sperrig zu sein.

10. Verfolgst du das aktuelle Zeitgeschehen und wenn ja, welche Trends bewunderst/verachtest du?

Für uns ist zum Beispiel Myspace sehr wichtig. Wir benutzen diese Plattform als Tool, um in der ganzen Welt zu rühren, gerade was den Live-Sektor betrifft. Ich verteufel die neuen Medien nicht, sondern versuche so, Kontakt mit den Fans zu bekommen und unsere Musik zu verbreiten. Natürlich lese ich mir auch immer noch regelmäßig die einschlägigen Gazetten durch, um auf dem Laufenden zu sein. Neuere Musikstile wie Metalcore finde ich nicht so spannend, da mir die Sänger viel zu gleich anhören und die Musik oftmals austauschbar ist.

11. Auch ist deine Stimme unter allen anderen sofort erkennbar. Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, in einer erfolgreicheren/bekannteren Band einzusteigen. Aufgrund deines Organs müsstest du doch schon Avancen bekommen haben.

Nein, 100%ige Anfragen gab es bisher nicht. Ich habe mal mitbekommen, dass BOLT THROWER Interesse an mir bekundet haben, aber letztlich gab es keine direkte Anfrage. Aber warum sollte ich auch DISBELIEF verlassen?

Aber ich versuche seit Jahren, ein DEATH METAL Projekt auf die Beine zu stellen, das sich etwas von DISBELIEF absetzt. Aber es ist sehr schwierig, gute Musiker dafür zu finden. Denn wichtig dafür wären: Klarer Kopf, keine Psychos!

12. Bist du das eigentlich, der den nervigen Massacre Records Text auf der Promo runterdudelt?

Haha, nein, das ist unser Merchandiser. Der Mann ist 60 und Rentner, und da wir nicht dieses Standard auf unserer Promo haben wollten, musste er ran. Er wusste nichts von seinem Glück und hat die Sache dafür sehr gut gemacht, haha.

13. Kannst du euer Label nicht mal beschwören, diese Samples von den Promos zu verbannen?

Nein, aber ich durfte die Stellen aussuchen und habe versucht, diese möglichst musikdienlich zu platzieren.

14. Seid ihr mit eurem Label zufrieden. Welche Labels durchkreuzten bisher eure Laufbahn?

Bei „66Sick“ waren wir auf Nuclear Blast, aber die haben uns keine zweite Chance gegeben, da sie nicht an uns geglaubt haben. Wir hatten einfach dort keine Fürsprecher, und dann wird es bei jedem Label schwer. Mit Massacre Records sind wir sehr zufrieden, zumal sie auch mit der Zeit gehen, was zum Beispiel Downloadportale und die Online-Arbeit betrifft. Wir hatten auch mehrere Meetings im Vorfeld der Veröffentlichung von „Protected Hell“ und sprachen uns zusammen mit dem Label ab, wie wir das neue Album auf den Markt werfen. Massacre Records sind ein sehr routiniertes Label und wir können uns 100% auf sie verlassen.

15. Wie steht es mit einer ausgedehnten DISBELIEF Tour 2009?

Nach Release sind alle Wochenenden mit Shows vollgepackt, die teilweise mit 3 Bands besetzt sind. Wir sind Headliner und wenn alles gut läuft, können wir auch Geld verdienen, haha. Weiterhin sind wir auch europaweit auf diversen großen Festivals vertreten, um das neue Album zu promoten. Im Herbst folgt dann eine ausgedehnte Tour, wenn es sich lohnt, dann auch als Support. Aber die Feinheiten dazu stehen noch nicht fest.

16. Jagger, einsame Insel, drei Alben. Sprich:

1. POTHEAD (die gesammte Sammlung)
2. METALLICA (Master Of Puppets)
3. BOLT THROWER (die ersten Scheiben)

17. Wie wird „Protected Hell“ erscheinen?:

Das Album kommt in normaler Form und erstmals als limitiertes Digipack plus Bonus DVD mit 85 Minuten DISBELIEF. Die Live Sachen sind mit super Sound und Bildqualität ausgestattet und zeigen Auftritte auf dem „Fuck The Commerce“, einem Auftritt in Spanien und ein ganzes Konzert des „Sundown Festivals 2008“. Dazu der „Navigator“ Clip und ein Making Of mit englischen Untertiteln, auf dem alle Musiker und der Produzent zu Wort kommen. Also: Value for money!

18. Danke Jagger für das Interview und alles Gute für DISBELIEF!