Interview mit Distance In Embrace

 

DISTANCE IN EMBRACE haben bereits mit ihrem ehrgeizigen Debüt "The consequence of Illusions" sehr viel Anerkennung aus dem HC/Emo-Lager erhalten und sind vollkommen zu recht von vielen Magazinen und Menschen gelobt worden. Nun steht der zweite Longplayer in den Startlöchern, der mit "Utopia Versus Archetype" betitelt ist und im Vergleich zu dem bereits guten Vorgänger einfach nur als großartig zu bezeichnen ist. Grund genug sich mal mit den Jungs ein wenig näher zu beschäftigen:

Hallo zusammen, stellt euch doch als erstes mal vor! Wie lange gibt es DISTANCE IN EMBRACE schon und wer hat welche Aufgabe bei euch inne?

Niko: Hi, ich bin Niko, zuständig für die Lead-Gitarre und den Schreigesang.

Robin: Robin, Schlagzeug!

Sören: Ich bin Sören und spiele Bass bei Distance In Embrace.

Adrian: ...und ich bin Adrian, Rhythmus-Gitarre und Gesang. Die Band gibt es seit 2004 unter dem Namen Distance In Embrace. In der jetzigen Besetzung spielen wir seit gut einem Jahr.

Ich bin mal dreist und behaupte ihr könnt nicht von der Musik leben! Also, was macht ihr neben der Band. Arbeiten oder studieren?

Adrian: Das ist nicht dreist sondern realistisch. Wir sind alle Studenten.

Wo seht ihr eure Haupteinflüsse?

Robin: Jeder von uns favorisiert unterschiedliche Bands aus verschiedenen
Musikrichtungen. Wirkliche Haupteinflüsse lassen sich da nicht benennen.

Adrian: Wir teilen natürlich alle die Leidenschaft für Musik aus dem HC-Bereich, hören privat allerdings auch Bands aus ganz anderen Genres.

Sören: Jeder hat da seinen persönlichen Background und bringt seine Einflüsse in unsere Musik mit ein... so wie es denke ich mal in jeder Band ist.

Wie habt ihr zu Punk/Hardcore/Emo gefunden?

Adrian: Ich glaube ich habe irgendwann mit 12 angefangen Green Day und so zu hören. Das war so zu der „Dookie“-Zeit. Später kamen dann Skatepunkbands wie NOFX und Konsorten dazu. Die ersten Hardcorebands für mich waren sicherlich Raised Fist, Ignite und Snapcase. Und irgendwann entdeckte man dann Bands wie Thrice für sich...

Ich kann mich noch vage daran erinnern mal eine Band mit dem Namen Rent-A-Tent im JZ Yellowstone gesehen zu haben, um dann zwei Jahre später dann festzustellen, dass es sich um euch gehandelt hat. Wie seht ihr selbst rückblickend eure musikalischen Anfangstage?

Robin: Rent-A-Tent war damals mehr als Hobby neben der Schule gedacht. Wir standen damals halt voll auf Skatepunk und wollten schnellen Punkrock spielen.

Sören: Ich als jemand, der noch nicht solange dabei ist, muss sagen, dass man aber schon auf den alten Platten merkt, dass es nicht nur in die Punkrichtung geht sondern dass auch in die Hardcore Richtung. Das sagen auch viele Leute rückblickend über die Band.


Euer Bassist Sören wurde ja vor etwas längerer Zeit nachträglich in die Band integriert. Was ist mit dem alten Bassisten passiert? Gab es Unstimmigkeiten, oder seid ihr immer noch befreundet?

Niko: Unser alter Bassist Steffen hat sich neuen Projekten zugewendet und spielt derzeit bei der Band Pull A Star Trip.

Robin: Anfangs war das nur ein Nebenprojekt von ihm und Bart, dem ehem. Sänger von Diatribe, gewesen. Mit der Zeit konnte er sich jedoch mit der Musik von Pull A Star Trip mehr identifizieren, als mit seinem musikalischen Schaffen bei Distance In Embrace. Das hat beidseitig zu der Einsicht geführt, das es besser sei getrennte Wege zu gehen, da sich jeder bei dem verwirklichen sollte, was ihm am meisten Spaß macht und wo man sich am besten einbringen kann.

Adrian: Wir haben aber auf jeden Fall noch ein gutes Verhältnis zueinander und weiterhin Kontakt. Wir sind damals ja auch nicht im Streit auseinander gegangen. Steffen hat solange bei uns Bass gespielt, bis wir in Sören einen Nachfolger gefunden hatten. Glücklicherweise ist damals für eine Tour Alli, der Bassist der befreundeten Band Television Timeout eingesprungen.

Euer Debüt „The Consequence Of Illusions“ war bereits eine sehr starke Platte, aber mit eurem aktuellen Album „Utopia Versus Archetype“ ist euch wirklich ein sehr starkes Zweitwerk gelungen. Wie seht ihr selbst die Weiterentwicklung?

Adrian: Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis, aber sicherlich gibt es einiges, was wir jetzt anders machen würden und wo wir uns noch weiter entwickeln möchten. Das ist auch gut so.

Robin: Unserer Ansicht nach sind die neuen Songs auch runder und ausgereifter als die Songs der „The Consequence Of Illusions“. Der Anteil der Schreiparts ist ein wenig gestiegen, denn mit dem Weggang von Steffen haben sich nicht mehr drei sondern nur noch zwei Leute die Vocals geteilt. Mit Sörens Einstieg hat die Musik natürlich auch noch neue Einflüsse erfahren.


Habt ihr eigentlich einen gewissen Erwartungsdruck gespürt, als ihr euch an die Arbeit für die neue Platte gemacht habt?

Adrian: Eigentlich nicht. Erwartungsdruck habe ich nur von uns selbst gespürt.

Robin: Ja genau, der größte Erwartungsdruck kam von einem selbst. Es liegt ja immer im eigenen Interesse, sein vorheriges Werk zu toppen. Man hat ja auch lange daraufhin gearbeitet.

Niko: Naja, wir haben schon von vielen Außenstehenden gehört, dass sie sich sehr auf das neue Album freuen und gefragt haben wann es endlich kommt. Das übt natürlich schon eine Art von Druck aus, aber im Prinzip haben wir uns selbst den meisten Stress gemacht.

Sören: An sich haben wir versucht, unbeeinflusst und unvoreingenommen an die Sache ranzugehen.

Ihr werdet ja durch namhafte Firmen gesponsert! Bringt das eigentlich handfeste Vorteile für euch, oder ist die Tatsache das Eastpak und die VW Sound Foundation einen sponsern eher zu vernachlässigen?

Adrian: Das Sponsoring ist auf jeden Fall eine große Unterstützung für uns. Eastpak hat uns mit vielen schönen Dingen versorgt, die das Tourleben angenehmer machen. Die VW Soundfoundation stellt uns für unsere Touren kostenlos einen Van zur Verfügung, den wir sonst für viel Geld mieten müssten. Das ist viel wert und wir sind dankbar für den Support.

Wie seid ihr an das Songwriting herangegangen? Versucht ihr alles zusammen zu arrangieren, oder werkelt jeder für sich erstmal an einer bestimmten Idee?

Niko: Die Grundstruktur für die Songs kommt von Adrian und mir. Wir arbeiten die ersten Ideen aus und dann geht es in den Proberaum, um diese Ideen zu konkretisieren. Oft kommt dabei dann etwas komplett anderes heraus.

Adrian: Das zeigt, dass jeder für sich sehr im Entstehungsprozess der Songs eingebunden ist.

Habt ihr eigentlich ein Konzept bei „Utopia Versus Archetype“ im Hintergrund stehen, oder stehen das Artwork und die einzelnen Songs für sich selbst?

Adrian: Es steckt schon ein Konzept dahinter. Wir haben ja auch mit Samples auf dem Album gearbeitet, mit Ausschnitten aus einem Vortrag über Utopien. Wie Utopien unser alltägliches Leben beeinflussen und welchen Stellenwert Wunschvorstellungen in der Gesellschaft haben.
Auch hinter dem Titel steht ein weiterer Sinn: Auf der einen Seite steht die Utopie für das Neue, das Unbekannte und auf der anderen Seite der Archetyp für das Altbewährte, das Bekannte. Wir sehen uns mit unserer Musik zwischen diesen beiden Extremen. Auch das Artwork hängt damit zusammen: es spielt ein bisschen ins Surreale, und soll damit das Traumhafte und Unwirkliche der Utopie darstellen. Wenn man in das Booklet schaut, sieht man Detailaufnahmen von Maschinen, von denen man aber nicht zu erkennen vermag, um welche Art von Maschinen es sich handelt. Man sieht aber, dass es keine High-tech-Maschinen sind, denn sie muten eher sogar etwas alt und unmodern an, was man wiederum auf das Wirkliche und Bekannte, also den Archetypus beziehen kann.

Wie kam es, dass ihr in dem Rape of Harmonies eure neue Platte aufgenommen habt? Wie kam der Kontakt zustande?

Adrian: Uns waren schon viele Produktionen aus dem hause Rape Of Harmonies bekannt, allen voran die letzten HSB Alben und die Platten von Narziss. Die Jungs machen wirklich eine hervorragende Arbeit im Studio und hängen sich richtig rein. Von daher war für uns die Sache relativ schnell klar. Ich denke, vom Preis/Leistungsverhältnis ist es das beste Studio hierzulande.

Ihr seid ja hauptsächlich bei Horror Business Records beheimatet, was ja eigentlich noch ein kleines Label darstellt. Gab es auch Angebote von anderen Plattenfirmen/Labels, die Interesse an euch hatten? Warum haltet ihr ausgerechnet HBR die Treue?

Adrian: Ja, es gab auch Angebote von anderen Labels, die meisten waren für uns aber relativ uninteressant. Der Grund warum wir uns entschieden haben, das Album in Deutschland auf Horror Business Records zu veröffentlichen, ist, dass es ein sehr familiäres Verhältnis mit dem Label ist. Mit Dave haben wir jemanden gefunden, der zu 100% zu unserer Musik steht. Er veröffentlicht uns nicht, weil die Musik vielleicht gerade trendy oder hip ist, sondern weil ihm wirklich gefällt was wir da fabrizieren. So sind wir sicher, dass er sein gesamtes Herzblut in unsere Musik steckt, so wie wir es selber auch tun. Wir arbeiten lieber mit Leuten zusammen, von denen wir wissen, dass sie hinter unserer Band stehen und auch persönlich damit etwas verbinden. Außerdem haben wir ein sehr offenes Verhältnis zu Dave; als klar war, dass der Deal mit Lockjaw/ MSK Records zustande kommen würde, hat er uns sofort unterstützt und mit Jack von Lockjaw Records kooperiert.

Sören: Ja, man muss dazu sagen dass Dave ja nicht auch einfach nur unser Labelboss ist, sondern mittlerweile auch ein sehr guter Freund.

Ihr gebt euch zwar textlich nicht politisch, aber trotzdem habt ihr diverse Soli-Konzerte gespielt. Wie wichtig ist es für euch so was? Unterstützt ihr die bestimmte Organisationen und/oder Kampagnen?

Adrian: Uns ist so was schon wichtig. Gerade in letzter Zeit merkt man, dass die rechte Szene immer mehr Zulauf erhält. Selbst in unserer Heimatstadt Minden gibt es neuerdings regelmäßig Naziaufmärsche. Auch die Entwicklung in der Hardcoreszene halte ich für bedenklich, es gibt immer mehr Rechte die versuchen, dort Fuß zu fassen. Vor kurzem habe ich im Internet auf so einer Nazi-Seite ein Live-Review über uns gefunden, das hat mich wirklich geschockt. Gerade die Inhalte und Ideale der Hardcorebewegung stehen ja im krassen Gegensatz zu dem rechten Gedankengut. Offensichtlich sind das nicht mehr die leicht zu erkennenden Skinheads mit Bomberjacke, Springerstiefeln und weißen Schnürsenkeln, sondern viele laufen auch „alternativ“ rum. Da ist es wichtig, Stellung zu beziehen. In diesem Sinne sollte man Kampagnen wie „Let’s Fight White Pride“ (www.letsfightwhitepride.de) oder „Kein Bock auf Nazis“ (www.keinbockaufnazis.de) unterstützen!

Anderes Thema. Führt ihr euch eigentlich die Reviews eurer eigenen Alben zu Gemüte? Und wenn ja, was war das bisher gemeinste (oder witzigste) was ihr über euch lesen musstet?

Adrian: Klar führen wir die uns zu Gemüte. Wir wollen ja schon wissen was man von unserer Musik hält. Dabei geht es aber nicht darum, das wir nur Gutes lesen wollen. Oftmals ist wirklich konstruktive Kritik dabei, dass ist sehr wichtig für uns. Was mich nervt ist, wenn man merkt das der Schreiber sich überhaupt nicht mit dem Album beschäftigt hat. Dann steht da: „Richtig geiles Album, wo alle 14 Songs gut sind“ obwohl das Album nur 11 Songs beinhaltet. Dann schon lieber eine negative Kritik von jemandem, der sich wirklich mit der Musik auseinandergesetzt hat.

Robin: Es ist vor allen Dingen interessant zu sehen, welche Empfindungen die Platte bei den unterschiedlichen Menschen auslöst.

Sören: Auf der anderen Seite beeinflussen uns Reviews aber nicht in unserer musikalischen Entwicklung, egal ob sie nun positive oder negative Kritik aufweisen.

Emo wird ja immer populärer und natürlich ist mit dem Begriff immer ein bestimmtes Schubladendenken verbunden. Wie seht ihr das? Nervt es euch wenn die Leute euch einfach nur als noch eine Emo-Band bezeichnen, die für sie nichts Besonderes darstellt?

Adrian: Im Grunde ist uns das egal. Diese Debatte gibt es doch in jedem Musikgenre. Warum es bei Emo gerade so ausgeprägt ist weiß ich auch nicht. Es gibt da sicherlich nicht mehr Einheitsbrei als in anderen Richtungen auch. Wir versuchen natürlich, unseren eigenen Stil zu entwickeln, trotzdem wird es immer Leute geben, die das anders sehen. Früher hieß es immer „Oh nein, nicht schon wieder eine Melodypunkband.“ Also was solls?

Was bringt die Zukunft für DISTANCE IN EMBRACE?

Adrian: Als nächstes stehen einige Shows und eine Tour im August an, die uns auch durch Frankreich und England führen wird. Dort wird das Album im Juni auf Lockjaw/MSK Records Wir freuen uns schon sehr darauf und sind gespannt, wie die Leute auf der Insel darauf reagieren werden.

Robin: Wir möchten natürlich versuchen, live so präsent wie möglich zu sein und Konzerte in Gegenden zu geben, wo wir bisher noch nicht waren, um neues Publikum zu gewinnen. Wir freuen uns darauf, neue Erfahrungen zu machen und „Utopia Versus Archetype“ unters Volk zu bringen

Wollt ihr noch letzte Worte zum Abschluss an unsere Leser richten?

Robin: Wir bedanken uns bei allen, die zum Auftakt unserer Albumveröffentlichung zu den Releaseshows gekommen sind mit uns eine supercoole Zeit verbracht haben. Wir freuen uns, dass unser neues Album bisher so gut aufgenommen wurde.