Interview mit Equilibrium

 

Hey René, hast du denn schon viele Interviews zum Album gegeben?

Es sind mittlerweile schon so einige. Heute noch nicht, aber in den letzten Wochen hat sich einiges angesammelt.

Mögen die Leute das Album mehr als das letzte, oder wie sind die Reaktionen der Presse?

Soweit ich das entnehmen konnte fanden sie es schon ziemlich cool. Ob jetzt besser oder schlechter kann ich nicht sagen, aber ich habe das Gefühl, dass die meisten doch ziemlich davon angetan waren.

Wie hast du denn allgemein die Reaktionen zum letzten Album empfunden?

Der Großteil der Leute fand es schon ziemlich cool, aber es gab viele, die mit “Sagas” mehr anfangen konnten. Das kann ich auch verstehen, es gab ja einiges an Änderungen. Zum Beispiel den neuen Sänger und das macht dann natürlich schon einiges aus. Das war bei “Sagas” aber glaube ich auch so, da fanden alle das erste Album besser. Insgesamt kam es aber doch recht gut an.

Ich würde jetzt die These in den Raum stellen, dass “Erdentempel” das bessere “Rekreatur” ist. Was sagst du dazu?

Ich denke, dass man es mit “Rekreatur” nicht so vergleichen kann. Ich kann es natürlich nur aus der Perspektive beurteilen, dass ich es geschrieben habe und dass im Kopf ganz andere Gedanken waren als zu Zeiten von “Rekreatur” und dass es in einem ganz anderem Zusammenhang und unter ganz anderen Umständen entstanden ist und auch mit dem Bewusstsein kompaktere Songs zu schreiben. Nicht mehr so viel durcheinander, sondern zielgerichteter. Das war eigentlich die Herangehensweise bei dem Album. “Rekreatur” ist viel mehr in gestressten Situationen entstanden, auch durch den Sängerwechsel, das war ja alles noch mittendrin. “Erdentempel” hat richtig Spaß gemacht beim Schreiben und auch jetzt wenn ich es mit anhöre bin ich noch sehr zufrieden, aber das sind natürlich immer unterschiedliche Ansichten.

Genau so wie du das beschrieben hast empfinde ich das auch. “Rekreatur” war ein bisschen zerfahren und ziellos. Ich weiß nicht, wie ich das am besten beschreiben soll. “Erdentempel” hat zwar auch die selbe Vielfalt wie „Rekreatur”, aber es hat in sich doch eine klarere Linie und ist kompakter.

Ja, genau, das kann man auf jeden Fall sagen. Bei “Rekreatur” sind ja doch einige Songs die ziemlich viele unterschiedliche Stimmungen aufweisen, das wollten wir dieses mal vermeiden. Es ist schon noch abwechslungsreich, aber jeder Song bewegt sich in eine Richtung, anstatt, dass man so viele einzelne Informationen in einem Song hat.

Dann lass uns doch gleich mal auf ein paar einzelne Songs eingehen. Zum Beispiel hätte ich da „Freiflug“, „Heavy Chill“ und „Apokalypse“. Da sind neuerdings vermehrt klare Chöre oder klarer Gesang drin. Wie kam es, dass ihr dieses Stilmittel auf dem neuen Album vermehrt eingesetzt habt?

Weil ich immer schon den Drang hatte auch mal Neues auszuprobieren, neue Elemente mit einzubauen. Früher hatten wir das ja, wenn es melodischer Gesang war, nur in Form von weiblichem Gesang. Irgendwie kam das bei diesem Album irgendwie nicht in Frage. Aber mit männlichem melodischem Gesang dagegen schon. Gerade wenn man sich die Refrains anhört ist mir aufgefallen, dass die Melodien auch ziemlich Synchron mit den Refraintexten vom Robse sind. Und irgendwo ist es dann auch nur noch ein kurzer Schritt das dann auch mal melodisch zu singen. Das hatten wir ja auch bei Waldschrein schon mal gehabt und irgendwie hat es uns gefallen.

Ihr habt wieder zwei Sauflieder, „Wirtshaus Gaudi“ und „Unser Flöten Klang“, auf dem Album. Jetzt frage ich mich, ob es nach „Met“ noch weitere Sauflieder von EQUILIBRIUM geben muss? Für mich ist Met eines der Sauflieder, die im Pagan Metal herausstechen.

Anscheinend ja schon. Met ist jetzt schon uralt, das stimmt schon. Für mich sind es in erster Linie Partysongs, auf die man mit den Leuten abgehen kann. Klar, in den meisten Fällen passiert es auch, dass man dabei ein Bier in der Hand hat. Gerade bei Unser Flöten Klang ist es gar nicht die primäre Aussage, dass es ein Sauflied ist, sondern da geht es einfach auch um Freundschaft und Dinge, die man zusammen erlebt hat und dass man gemeinsam zusammen sitzt und sich sozusagen daran erinnert. Das ganze natürlich im Rahmen eines Bieres, das kann man schon so sehen. Aber es ist nicht so, dass man sagt wir hauen uns jetzt die Hucke voll und das wars dann. Es ist schon alles wieder in einem gewissen Kontext gemeint.
Die Party- und Feiersongs haben bei ”Rekreatur” auch ein bisschen gefehlt, muss ich sagen. Deswegen gab es diesmal dann gleich zwei.

Bei „Wirtshaus Gaudi“ ist ein Akkordeon dabei. Wie kam es dazu? War dieser bayerische Einschlag schon vorgeplant? Hattest du das schon im Hinterkopf als du das Lied geschrieben hast, oder kam das dann erst zusätzlich dazu?

Den Song habe ich schon angefangen zu schreiben mit dem Gedanken, jetzt wird es mal bayerisch. Wir haben ja viele Songs, die allerlei Einflüsse aus anderen Ländern haben und irgendwie war es mal an der Zeit etwas bayerisches zu verwenden. Ich wohne nunmal in Bayern und die Musik bietet es ja auch an.

Mich erinnert das einfach an ein Bierzelt, auch wenn das Lied jetzt im Wirtshaus spielt.

Ja, das stimmt. Wenn man den Gesang und die Gitarren weglässt würde das da auch ganz gut hinpassen.

Der für mich epischste Song auf dem Album, der mich von den Melodien her auch an das alte Material wie „Turis Fratyr“ erinnert, ist „Apokalypse“. Dann habt ihr da auch Robses Tochter untergebracht. Erzähl doch was über den Song.

Neben den fröhlichen Titeln haben wir dann eben auch solche, wo es darum geht, was ja auch immer mal wieder Thema ist und was mich auch ganz einfach beschäftigt, dass es die Menschheit einfach nicht verdient hat hier noch weiter auf dem Planeten zu leben, oder was sie daraus macht. Das Thema wird in dem Song eben ein bisschen verarbeitet. Da hat es mit der Tochter vom Robse eben auch wunderbar gepasst. Wir hatten schon die Idee eine Frauenstimme, am besten eine jüngere für diese Passage zu verwenden und da Robsen eben eine Tochter hat ist es umso schöner wenn man familiäre Leute noch mit einbeziehen kann. Ich finde die Nummer recht cool. Ich habe jetzt auch gar nicht die Verbindung zu „Turis Fratyr“ gesehen, aber jetzt wo du es ansprichst kann man das schon so sagen, gerade wenn man an „Nordheim“ denkt.
Ich finde es einfach auch eine schöne Bandbreite am gesamten Album, vor allem, da es auch ein bisschen gitarrenlastiger ist. Wir haben ja sonst viel Orchester mit drin, da ist es schön, wenn die Gitarren mal wieder ein bisschen im Vordergrund stehen.

Jetzt sprichst du schon die Orchestration an. Wenn euch jemand nicht sehr wohlgesonnen ist, werdet ihr ja oft als klinisch und aufgepumpt, mit Keyboardorchester hinten dran bezeichnet. Trifft das einen?

Naja, es ist sicher aufgepumpt, aber ich sehe das ehrlich gesagt immer positiv, weil es ist bei vielen Songs, nicht bei jedem, mein Ziel, dass das möglichst bombastisch und groß klingt. Da braucht es einfach diesen Sound und wenn jemand sagt, dass das zu viel ist, ist es für mich genau das, was ich erreichen wollte. Ein aufgepumpter Song ist natürlich noch nicht automatisch ein guter Song, es ist immer wichtig, dass auch die Komposition, die Melodien stimmen. Deswegen habe ich früher auch immer mit richtig minimalistischem Sound komponiert. Wenn ich das dann noch mit Orchestration aufblase habe ich mein Ziel erreicht. Da gibt es natürlich einen Haufen Leute, die damit nichts anfangen können, aber es gibt auch genauso viele die das eben wollen.

Lass uns weiter über die Songs reden! „The Unknown Episode“, der letzte Song, ist auf Englisch. Ich habe in eurem Videoblog gehört, dass das auf Englisch ist, weil es sonst textlich zu kitschig gewesen wäre. Könnt ihr euch vorstellen, dass in Zukunft öfter auf Englisch gesungen wird, oder ist das jetzt nur eine Ausnahme?

Ich würde nicht behaupten, dass es das letzte Lied mit englischem Text ist. Das kann sicherlich nochmal vorkommen, weil irgendwie hat es auch Spaß gemacht. Einerseits von der textlichen Komponente her, weil man doch ganz anders an das Schreiben herangeht als an einen deutschen. Da ist man ja, vor allem wenn man nicht mit englischer Sprache aufgewachsen ist, dann muss man gleich zweimal nachdenken. Genauso auch beim Einsingen, es hat einfach Spaß gemacht, einen anderen Klang in einem Song zu haben. Wir werden auf jeden Fall weiterhin hauptsächlich deutsche Texte schreiben, aber ab und zu kann schon mal ein englisches Lied dabei sein.

Steht der Song deshalb am Ende, dass er das Album nicht bricht, oder ist das einfach zufällig?

Das war eigentlich einer der ersten Songs die ich geschrieben habe und schon damals hatte ich das Gefühl, dass er das Album relativ gut abschließen kann. Auf der endgültigen CD ist noch ein Song drauf, der auf der Promoversion nicht dabei ist und der ist der eigentliche Abschluss des Albums.

Genau, der nächste Punkt den ich ansprechen wollte ist das Instrumental, das auf der Promo nicht drauf ist. Es ist ja quasi schon zur Tradition geworden, dass das letzte Stück immer ein Instrumental ist. Erzähl doch mal was darüber! Ist das wieder in die Richtung epochal-instrumental, oder ist das anders?

Ich denke man kann das schon gewissermaßen mit den letzten beiden vergleichen. Das ist einfach so eine Sache, wenn man das ganze Album geschrieben hat und die Songs soweit alle fertig hat, ist es für mich einfach ein schöner Ausklang, mich nochmal ein paar Tage hinzusetzen und alles einfach fließen zu lassen. Ohne näher über Songstrukturen nachzudenken, weil das ist dann wirklich sehr improvisatorisch sag ich mal. Das hat einen ganz eigenen Reiz das so zu schreiben, aber es würde natürlich keinen Sinn machen ein ganzes Album mit solchen Nummern zu schreiben, weil man will schließlich live spielen und man braucht ja auch die Texte, aber am Ende ist das immer ein richtig schöner Ausklang. Bei dem jetzigen Album hat die Zeit einfach nicht mehr gereicht um das bis zur Promo fertig zu haben, aber auf dem eigentlichen Album ist es dann drauf. Das Lied hat auch wieder Überlänge, allerdings nicht so krass wie bei Mana. Man kann es schon mit den letzten beiden vergleichen. Ich mag es immer dabei mit Sounds zu experimentieren und manchmal finde ich bei den Instrumental-Stücken Inspiration für die Songs des kommenden Albums. Da bekommt man dann Lust, gleich mit dem nächsten Album zu starten.

Welchen Titel trägt der Song?

Er heißt „Aufbruch“.

Das passt ja dann auch wieder dazu, dass er Inspiration für das nächste Werk bieten könnte und es ist natürlich die Abrundung, weil das erste Stück heißt „Ankunft“.

Ja, genau so kann man das interpretieren.

Dann habt ihr das ganze in den Helion Studios Studios aufgenommen, und in den Finnvox Studios mastern lassen. Warum habt ihr die Finnvox Studios ausgewählt? Das ist ja nicht das naheliegendste wenn man aus Deutschland kommt.

Das stimmt. Früher war es so, dass wir die Alben selbst gemastert haben, was nicht immer das schlaueste war, weil irgendwo braucht man erst mal ein paar Wochen Abstand. Dieses Mal habe ich mir gedacht, lassen wir es einfach andere Studios machen und Finnvox, gerade Mikka Jussila, hat Erfahrung mit unserer Art von Musik. Die haben ja zum Beispiel auch schon Nightwish gemastert. Er hat erst mal eine Nummer gemacht und das hat uns gut gefallen. Beim Mastern müssen wir ja auch nicht unbedingt anwesend sein, da reicht es ja, wenn man sich die Sachen zuschickt. Deswegen haben wir uns dann für Finnvox entschieden.
Den Mix haben wir selbst gemacht. Einen Großteil haben wir bei mir zu Hause aufgenommen, zum Teil eben in den Helion Studios in München, da wurde auch ein Großteil gemischt. Ich habe früher ja auch jahrelang in den Studios gearbeitet und seit ich umgezogen bin nur noch ab und zu.

Für das letzte Album hat Andreas die Texte geschrieben. Beim aktuellen Album hast du die Texte geschrieben. Wie ist das für dich als Neutexter?

Das war schon zu Zeiten von „”Rekreatur”“ so, dass während ich die Musik geschrieben habe sich in meinem Kopf Wörter und Zeilen zur Melodie gebildet haben, wo ich eigentlich gedacht habe das wird der Text werden. Ich habe gemerkt, dass das immer mehr wird, gerade auch bei diesem Album. Wenn die Zeilen schon da sind ist es ja eigentlich schwachsinnig, die wieder weg zu schmeißen und von daher war es ein natürlicher Entschluss, dann einfach die Texte aufzuschreiben. Was auch ganz schön ist, da dadurch die Aussagen der Musik und der einzelnen Songs mit dem Text übereinstimmen. Das macht einen Song meiner Meinung nach auch ein bisschen stärker.

Versuchst du dann auch den Spirit von EQUILIBRIUM in den Texten weiterhin wieder zu geben? Also nicht komplett auszubrechen und über Autos und Geld zu schreiben? Lässt du die Kontexte in denen die alten Alben entstanden sind mit einfließen, oder lässt du deine Texte frei raus?

Die ersten Alben waren natürlich noch sehr inspiriert von germanischer Mythologie, das waren natürlich nicht so persönliche Inhalte. Bei “Sagas” hat sich das ein bisschen geändert und bei “Rekreatur” dann auch. Da war das dann nicht mehr nordische Mythologie, sondern Allgemeine. Dieses mal ist es so, dass es sich nicht wirklich auf irgendwelche Sagen oder Geschichten bezieht, sondern es besteht eigentlich aus eigenen Gedanken. Aber was bei allen gleich bleibt ist der Bezug zur Natur und generell mit Natursymbolen zu arbeiten. Von den Inhalten her ist es einfach ein bisschen persönlicher.

Du bist jetzt ja das einzige Gründungsmitglied das noch übrig ist. Wie würdest du sagen ist der Spirit früher zu Turis Fratyr Zeiten und jetzt? Ist das vergleichbar, oder sind das zwei komplett verschiedene Bands?

Auf eine gewisse Art und Weise ist es natürlich anders, es sind ja andere Menschen und jeder Mensch bringt ein eigenes Feeling mit rein. Die Veränderung, dass vor kurzem zwei Mitglieder gegangen sind hat sich von einer Depriphase in einen Push verwandelt, wir sehen das als ganz neue Herausforderung. Es ist zum Teil vergleichbar mit früheren Zeiten, weil einfach die Energie und Spannung da ist. Nach anfänglichem Wehmut ist es jetzt ein ziemlich angenehmes Gefühl.

Also wäre es gut, wenn ihr vor jedem Album ein oder zwei Mitglieder verlieren würdet, um den Spirit frisch zu halten?

Das ist ein interessanter Gedanke, aber wenn man das im Vorfeld weiß, ist es natürlich nicht mehr so spannend. Optimalfall ist natürlich, dass bei jedem Album die Leute genauso dahinter sind. Schauen wir mal wie es weitergeht.