Interview mit Everest

 

Hallo Jungs. Bei Euch gab es ja kleinere Änderungen in der Besetzung. Stellt Euch bitte kurz vor.
Christian: Wir sind Oli "DER NEUE" am Keyboard, Hadl "DER ALTE KEYBOARDER" jetzt neu am Bass, Erik immer noch an der Gitarre, Baku nach wie vor am Schlagzeug und ich Christian an Gesang und Gitarre.

EVEREST ist ja komplett nach Berlin verzogen. Wieso der Ortswechsel und warum die Abkehr von Darmstadt?
Erik: Naja, eine ,Abkehr' geht anders. Wir mögen Darmstadt und das Rhein-Main Gebiet auch noch sehr gerne und sind auch noch oft da. Aber ansonsten ist Berlin eben zur Zeit der spannendste Ort in Deutschland und dazu noch unheimlich billig. Wir zahlen weniger Miete, weniger für Essen und die Atmosphäre in der Stadt inspiriert uns auf jeden Fall auch. Dazu gibt es noch ein optimales Umfeld. Labels, Verlage, Agenturen und Booker sitzen hier und die Wege sind kurz. Vieles ergibt sich zufällig und es macht Spaß hier zu leben.

Auf dem aktuellen EVEREST Album "Demons For Company" habt Ihr Euch ja gewaltig weiterentwickelt. Wie würdet ihr Euren aktuellen Sound beschreiben und wie kam es zu der Entwicklung in die entsprechende Richtung?
Christian: Zum einen gibt es Lieder, die wieder mehr in Richtung Punkrock Wurzeln gehen und zum anderen welche wie "Living In Circles", wo wir was Neues ausprobieren. Wir hatten Lust wieder härter zu klingen und gleichzeitig etwas zu experimentieren.

In Eurem Info steht, dass Ihr häufig und gerne mit Bands wie JIMMY EAT WORLD, GET UP KIDS oder SAVES THE DAY verglichen werdet. Seht Ihr Euch immer noch in dieser Schublade?
Christian: Naja, wenn jemand unbedingt eine Schublade benutzen will, landen wir wohl in dieser. ich selbst sehe diese Genregrenzen und Schubladen nicht so deutlich. Ich interessiere mich für die Lieder an sich und da gibt es in jedem Genre interessante Sachen. Mit dem Sound den wir auf dem aktuellen Album haben, konnten wir einfach die Songs am besten rüberbringen. Und ich bin mir sicher, dass sich unser Sound in Zukunft ständig ändern wird, entsprechend der Stimmung und der Art der Songs die da kommen werden.

Welche Bands beeinflussen Euch?
Christian: Immer weniger die Kollegen aus der Schublade... Je nach dem was ein Lied verlangt, inspirieren uns im Grunde alle Bands: Von Minor Threat über JR Ewing bis Beatles und Air. ach. komische Beispiele. Naja, einfach alle Bands die uns beeindrucken - egal aus welchem Genre.

Welchen Song auf "Demons For Company" würdet Ihr am meisten hervorheben bzw. welchen spielt ihr besonders gerne und warum?

Christian: Jedes Bandmitglied hat da andere Favoriten. Ich persönlich mag "Wake Up Get Real" sehr gerne, weil der Song rockt und mir der Text sehr gut gefällt. In dem Text geht es darum, dass sich viel zu viele Leute den ganzen Tag über unzählige Sachen die auf der Welt schief laufen lauthals aufregen, ohne jemals zu versuchen was zu ändern. Natürlich ist es schwer als kleiner Mensch etwas Großes zu ändern, aber es gibt so viele kleine Sachen, die sehr viel bewirken können. Wie zum Beispiel Blut spenden, Organspender sein, auf Fleisch verzichten, mit dem Fahrrad fahren, den Fernseher ausschalten.

Besonders hervorheben werden wir allerdings "Next Stop Hell", weil wir dazu noch diesen Monat ein Video drehen.


Wie kam es zu dem französischen Intro bei "Living In Circles"?
Christian: Nachdem die Platte schon fertig gemischt war und nur noch zum Mastern weg musste, habe ich den Film »Les Amants du Pont Neuf« (Die Liebenden von Pont Neuf) gesehen. (Soviel zum Thema Fernseher ausschalten :-) In einer Szene dachte ich, wow, was der gerade gesagt hat passt genau zu meinem Text. Dann haben wir uns die DVD ausgeliehen und haben das Zitat in Originalsprache vor "Living In Circles" gepackt. In dieser Szene unterhalten sich zwei Obdachlose. Der ältere der beiden sagt ungefähr: "Wie alle Anderen sucht du nach Liebe, was? Aber die Liebe, die gibt es hier nicht! Also vergiss es! Vergiss es!" Seitdem hat der Obdachlose aus meinem Text ein neues Gesicht.


Die Songs von "Demons For Company" waren ja bereits im April 2004 aufgenommen. Es kam zu einigen Eskapaden mit Majors und nun wird Euer Album auf dem Bandeigenen Label veröffentlicht. Könnt ihr uns von der Erfahrung mit dem Major Label berichten?

Erik: Es scheint tatsächlich so zu sein, als ob alle Vorurteile die man so hat stimmen. Es geht tatsächlich ausschließlich um Geld - darum möglichst viele Platten zu verkaufen. Und die verkauft man eben zur Zeit wenn man auf deutsch singt. Und sich am besten noch einen tollen Singlehit schreiben lässt. Künstlerisch waren wir aber nicht bereit so viele Kompromisse einzugehen und nach langen Diskussionen haben wir dann den Deal platzen lassen und uns gesagt, dass wir selber am besten wissen was gut für uns ist.


Es wurde ja eine Menge Geld und Zeit in die Gründung des eigenen Labels sowie den Rückkauf der Rechte an Euren Songs gesteckt. Wie steht ihr nun da?
Erik: "Pleite" ist glaube ich der Fachausdruck dafür... Dafür ist es ein gutes Gefühl die Dinge selbst in der Hand zu haben, die Entscheidungen selber treffen zu können und von niemandem abhängig zu sein!

Um über die Runden zu kommen, geht Ihr ja diversen interessanten Tätigkeiten nach. Was macht Ihr so genau?
Christian: Ich bin Hausmeister in einem Hotel, Erik schreibt Erotik-SMS, Hadl schreibt Straßenbeläge für die Stadt auf, Baku ist Regalauffüller und Oli gibt Klarinettenunterricht. Ich glaube jeder von uns würde gerne mit einem anderen Bandmitglied tauschen. das wäre eigentlich mal einen Versuch wert.



Was für Möglichkeiten seht Ihr mit Eurem kleinen Label in Bezug auf die Vermarktung und den Vertrieb von "Demons For Company" und was für Ziele habt Ihr Euch mit dem Album gesteckt?
Erik: Also vertrieben wird die Platte von Alive und sie wird zumindest theoretisch überall zu bekommen sein. Ansonsten sind wir entspannter denn je und sehen mal was auf uns zukommt. Riesige Ziele haben wir uns nicht gesteckt. Der Spaß am Touren und am Musikmachen steht wieder im Mittelpunkt - da wo er hingehört!

Ihr seid ja auch recht politisch motiviert. Ein Teil Eurer Einnahmen gehen an die Aktion "Kein Mensch ist illegal" und Ihr sagt Ihr suportet den vegetarischen/veganen Lifestyle. Bitte erzählt uns etwas darüber.
Erik: Also die Aktion "Kein Mensch ist illegal" unterstützen wir, weil wir persönlich Erfahrungen mit einem illegal in Deutschland lebenden Menschen gemacht haben. Dieser wird gezwungen ein Leben voll Angst zu führen und sich zu verstecken. Dieses Leben ist absolut menschenunwürdig und die von uns unterstützte Organisation setzt sich für die Rechte der Flüchtlinge ein. Jeden Mensch muß es möglich sein sich frei und ohne Angst bewegen zu können!

Die Entscheidung vegan oder vegetarisch zu leben ist eine persönliche, aber eben eine mit der man sein persönliches Umfeld direkt beeinflussen kann. Wir möchten natürlich diesbezüglich niemandem vorschreiben was er zu tun hat, aber auf jeden fall klarstellen wo wir stehen.


Ihr seid ja schon eine Menge durch die heimischen Gefilde getourt. Mit wem ward Ihr so unterwegs und mit wem hat das touren besonders Spaß gemacht?
Christian: Es gibt da eine wunderbare Band namens Jupiter Jones, mit den Jungs unterwegs zu sein, macht immer unglaublich viel Spaß. Vor allem wenn Kasel noch mit dabei ist. Wie du kennst Kasel nicht? Den solltest du dringend kennen lernen. Kasel kocht uns dann immer was, wenn nicht genug zu essen da ist. Er macht dann Spaghetti mit Tomatensoße. Und wenn die Soße leer ist, ungefähr nach 3 Tellern, dann gibt's Nudeln mit Nudeln ala Kasel. In Muff Potter sind wir ja auch verliebt! Also in die Typen, nicht in die Musik. Naja, vielleicht auch ein bisschen in die Musik, aber viel mehr in die Boys. Mein lieblings-Potter ist ja Shredder und zwar seitdem er mich volltrunken geküsst hat. ob er das noch weiß? Ich hoffe das!

Wie sieht das Jahr 2005 für EVEREST aus und wo seht Ihr Euch in 5 Jahren?
Christian: 2005 wird soviel getourt wie möglich um die neue Platte vorzustellen. Und in 5 Jahren? Mann oh Mann, Interviews können so hart sein. Man muss ständig über sein Leben nachdenken und stellt fest, dass alles immer konfuser wird, statt vielleicht mal ein bisschen klarer und einfacher. Die Frage kann ich nicht beantworten ohne zu kollabieren. Du Erik?

Erik: Ich glaube wir machen ganz entspannt Musik von der wir uns jetzt noch nicht vorstellen können wie die sich so anhört. Also in fünf Jahren jetzt...
Ansonsten hoffen wir mal, dass wir 2005 in vielen Ländern touren können und wir viel Spaß mit der Band haben!


Vielen Dank für Eure Zeit. Das letzte Wort gehört Euch.
Christian: Danke für dein Interesse!