Interview mit Final Prayer

 


Stell Dich doch erst einmal kurz vor und erzähl uns ein paar Eckpunkte Eurer Bandhistorie?

Hi, ich bin Felix, spiele Bass in der Band und beantworte deine Fragen. Wir sind FP aus Berlin und spielen seit Ende 2003 zusammen. Bisher haben wir ein Demotape auf Our World Rec. veröffentlicht, eine Split MCD mit Crisis Never Ends und jetzt brandneu ein Album auf Let it Burn (Vinyl Version auf I.C. Records).

Wie steht’s mit Eurem Bandnamen? Wie kam er zustande und steht er in irgendeinem Zusammenhang zu Eurer Musik?

Der Bandname ist Resultat eines demokratischen Prozesses der Namensfindung könnte man sagen… Wir hatten die Demo-Veröffentlichung und einen ersten Gig in Planung und brauchten einen Namen, haben daher eine Liste mit Namen aufgeschrieben, die irgendwie zu unserer Musik gepasst haben, und Final Prayer hat einfach die meisten Stimmen bekommen. Eine spezielle inhaltliche Bedeutung hat der Name daher für uns nicht, er passt in erster Linie zur Musik.

Auf Eurem jüngsten Longplayer "Right Here, Right Now" zeigt ihr Euch einerseits roh und metallisch offenbart auf der anderen Seite jedoch eine ausgesprochene Affinität zum Oldschool Sound. Wie würdet ihr Euch positionieren und welchen Stellenwert hat Oldschool HC für Euch?

Wir verwenden beim Songwriting auf jeden Fall viele verschiedene Einflüssen – da hast du auf jeden Fall recht – von daher würde ich uns auch nicht als wirklichen Old School bezeichnen. So wirklich puristisch ist ja unser Sound nicht, allerdings ist traditioneller HC sicherlich die Grundlage unseres Sounds. Ich persönlich mag HC (heutzutage muss man wohl „Old School“ davor setzen, damit die Leute wissen was gemeint ist, weil HC als Musikrichtung so unglaublich vielfältig geworden ist) aufgrund seiner Direktheit, Energie und größtenteils positiven Attitude. Zudem ist es die Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Ich habe immer auch Punk, Metal oder Hip-Hop gehört, aber so wirklich zugehörig fühle ich mich nur zur HC-Szene.

Euer neues Album scheint trotz Kritik an Missständen in der Gesellschaft einen positiven Grundtenor zu haben, was wollt ihr mit der Scheibe vermitteln?

In erster Linie beziehen einige Texte auf der Platte zu politischen oder sozialen Themen Stellung, weil ich Lust hatte darüber zu schreiben. Mir ist vollkommen bewusst, dass ich damit nicht die Welt verändern kann o.ä., aber Texte über Dungeons & Dragons oder das Leben auf der Strasse kann ich nicht gut schreiben, weil ich mich weder für das eine interessiere noch authentisch über das andere schreiben könnte. Von daher drücke ich mit den Texten in erster Linie meine Gedanken bzw. Kritik an bestimmten Missständen aus und hoffe natürlich das es den einen oder anderen zum nachdenken anregt. Ich würde uns aber nicht dezidiert als politische Band sehen, aber laufen einfach alle mit offenen Augen durch die Welt: der Masse an Ungerechtigkeit, Armut, Kriegstreiberei und Ausbeutung bietet sich einfach für Textinhalte an.

Wie viel Zeit habt Ihr Euch für die Aufnahmen von "Right Here, Right Now" genommen?

Wir waren insgesamt 14 Tage in den Kohlekeller Studios in Darmstadt. Für die Songschreiberei haben wir ca. 9 Monate gebraucht, weil wir immer wieder live gespielt und getourt sind und daher nicht wirklich nur auf das Songwriting fokussiert waren.

Würdet Ihr im Nachhinein irgendetwas ändern wollen an den Aufnahmen?

Kleinigkeiten gibt es immer, aber im großen und ganzen sind wir sehr zufrieden mit der Aufnahme und können Kai und das Kohlekeller Studio nur weiter empfehlen.

Wie bewertet ihr die deutsche Hardcore Landschaft und wie ist Eure Einstellung zum Metalcore Hype?

HC in Deutschland ist so lebendig wie selten. Es gibt unzählige Labels, Gigs, Bands, Zines etc. und es macht einfach total viel Spaß gerade Konzerte zu spielen. Aufgrund der Ausdifferenzierung von HC in so viele Sub-Szenen wie Screamo, Emo, Metalcore etc. ist es allerdings immer seltener mit verschieden klingenden Bands zusammen zu spielen. Wir spielen gerne Shows zusammen mit Metalbands oder Punkbands, aber das ist sehr selten geworden. Ansonsten ist die Szene aber so gut wie lange nicht mehr… Zu Metalcore kann ich nicht viel sagen – interessiert mit musikalisch nicht wirklich. Gibt einige gute Bands, deren Wurzeln auch in der HC-Szene liegen wie HSB oder Maroon, die dann auch was zu sagen haben; gibt aber auch tonnenweise Stylo-Spacken, die eine auf Rockstar machen, sich schick anziehen und schminken und außer Style und so einem mittlerweile MTV/ H&M-kompatiblen Image nichts zu bieten haben. Aber deren „Szene“ hat sich mittlerweile so weit von der HC-Szene entfernt, dass man so Leute eh auf unseren Shows sowieso nicht sieht.

Ich hab das Gefühl, das die Kids da draußen gerade lieber mal zu einer heimischen Band greifen als die nächste Band zu feiern, die aus den USA kommt. Wird „support your local scene“ wieder gelebt?

Na ja, „gelebt“ klingt etwas hochgestochen, aber ich denke von der Grundtendenz stimmt das schon. Wobei man sagen muss, das viele EU-Bands einfach auch saugut sind und viele US-Bands an die Wand spielen. Es liegt daher eher an der Qualität und nicht an der Herkunft der Bands. Woher Musik/ Kunst kommt ist ja erstmal egal, gute Musik ist gute Musik – da sollte es scheißegal sein woher die Band kommt. Nationalismus und Musik passen für mich nicht zusammen, besonders nicht in Deutschland.

Was gibt es Szenetechnisch so aus Berlin zu berichten?

Hmm, hier gibt es eigentlich immer viel zu viele Gigs, so mindestens 2 pro Woche, so dass vor allem Shows unter der Woche oft nicht so gut besucht sind. Schlecht besucht in Berlin heißt allerdings so 80-100 Leute – das muss man dazu sagen. Sonst gibt es ne Masse guter Bands: checkt mal: Make it Count, Prohibited, Wrath of Sanity, Ivan Drago, Alithia, Shortage, Anticops, Battle Royale…

Welche Bands beeinflussen Euren Sound?

Hmm, da würde jetzt jeder in der Band eine andere Antwort drauf geben… Ich persönlich würde sagen älteres NY-Zeugs, dann Sache wie All Out War und Integrity und so neuer Kram wie Terror haben „Spuren“ hinterlassen.

Was rotiert denn momentan bei Euch im Player?

Bei mir die Champion/ Betrayed split 7“, die Rise & Fall LP, die Wrong Side LP, die Bad Brains „i against i“ und eigentlich immer The Streets…

Was macht Ihr alle neben der Musik? Was habt Ihr für Jobs?

Stephan, Flo und Mac studieren noch, Pascal arbeitet als freier Mitarbeiter bei TV-Produktionen als Cutter und in der Redaktion und ich mache meinen Doktor in Politikwissenschaft. Final Prayer ist unser Hobby und das ist auch gut so, die Band fulltime zu betreiben schwebt uns nicht vor.

Und wohin soll’s mit FINAL PRAYER gehen, wie sieht Euer 5-Jahresplan aus?

Erstmal viel Touren, dann neue Songs schreiben, Ende des Jahres ne split 7“ auf Vendetta Records und im nächsten Jahr hoffentlich ein neues Album… Was wir in fünf Jahren machen weiss ich nicht, das ist so ne lange Zeit – da möchte ich keine Vorhersagen treffen…

Shoutouts?

Gehen raus an dich für das Interview, an Simone und Ploedi, die das Allschools früher gemacht haben und alle die uns bisher in irgendeiner Form unterstützt haben – besonders Heuler-Chris von Let it burn.

Torben