Interview mit Ghost Of Tom Joad

 

Hallo, wie geht es euch?

Christoph: Jetzt gerade im Moment bin ich ein bisschen müde, aber das legt sich gleich. Nach dem Spielen hab ich total Bock auf ne ordentliche Letzter-Tour-Abend-Party.

Oh, heute letzter Gig der Tour?

Henrik: Ja, in der Tat. Haben dann ein bisschen Ruhe und dann geht es nochmal mit TOMTE auf Tour. Und zu deiner Frage: Mir geht es endlich wieder besser und ich freu mich tierisch auf heute Abend.

Geht es dir wirklich wieder besser oder kämpfst du ein wenig mit dir selbst?

Henrik: Ich bin schon ein wenig am kämpfen aber es ist so ein Abwägen: „Brechen wir das jetzt ab weil es mir schlecht geht und dann hängen die anderen da oder zieh ich es jetzt wo durch?“ von daher freuen wir uns alle, dass wir weiter machen können.

Wie läuft denn, oder eher gefragt, wie war die Tour denn?

Jens: Geil !

Christoph: Echt gut, besser als erwartet

Henrik: Man rechnet ja eigentlich mit nix wenn man als Band wie wir es sind losfährt auf die erste eigene „Headliner-Tour“. Man denkt sich wer denn in Schweinfurt oder Hannover unbedingt uns sehen will und dann sieht man, dass gerade die da Hütten total voll sind und dann auch noch die Leute deine Songs mitsingen.. das ist schon cool.

Wie war es in den großen Städten wie Berlin etc. wo man ja eh denkt, dass viele Leute kommen?

Christoph: Hamburg, Berlin – Rappelvoll. Supergeil. Stuttgart war auch schön voll. Man merkt aber auch schön, wo wir schon waren wie beispielsweise heute Köln, wo wir zum 9ten Mal spielen. Da sieht man dann alte Bekannte und die Locations werden größer und ja, man sieht halt einfach, dass es gut ist.

Euer Matterhorn ist schon eine Zeit draußen. Wie sind bisher die Resonanzen von Presse, Fans und so weiter?

Henrik: Schwierig. Es kommt ja niemand und ruft dich an und sagt „Übrigens „Matterhorn“ ist geil“. Das ist eher selten, dass du da Bescheid bekommst oder du liest halt was durch Zufall. Von daher kann ich dir nun gar nicht sagen, was da konkret an Pressestimmen etc. durch das Netz schwirrt.

Christoph: Was mich gefreut hat waren die Reviews in denen man sah, dass die Leute sich Gedanken gemacht haben und schrieben, dass es ne große Weiterentwicklung ist vom ersten Album zu „Matterhorn“. Das find ich immer recht schön.

Henrik: Mit dem Status den wir derzeit als Band haben, haben wir ja auch Glück, dass die Leute noch immer ehrlich zu uns sein können und uns Honig um den Bart schmieren müssen um sich Vorteile zu erhoffen.

Wenn ihr vergleicht, „Matterhorn“ vs. „No Sleep until Ostkreuz“, welche Platte hat euch mehr Nerven gekostet im Hinblick auf die Veröffentlichung? Das Debüt, weil es halt das Debüt ist oder „Matterhorn“ weil es halt die Platte nach einem exzellenten Debüt ist?

Henrik: Bei mir auf jedenfall bei der „Ostkreuz“. Ich wusste nicht wie alles abläuft und was schreibt wer und überhaupt. Es war halt komplett neu und beispielsweise Kritik hat noch ganz schön an meinem Ego gekratzt. Inzwischen war das dann nicht mehr so und ich habe die Platte halt für uns bzw. für mich gemacht.

Christoph: Mir fehlt da auch an Einschätzung. „Matterhorn“ war halt eine harte Sache weil ich mir sicher war, dass es ein ganz schöner Umbruch war. Mögen die Leute das noch etc. Daher war es bei mir eindeutig „Matterhorn“. Was das Aufnehmen angeht war es bei der ersten Platte glaube ich wirklich spannender weil man da wie Henrik schon sagte gar nicht wusste was passiert und wie das funktioniert etc.

Also war keinerlei Druck zu verspüren von irgendwelchen Seiten?

Henrik: Nee, das ist ja das Geile wenn du weder was zu gewinnen noch was zu verlieren hast. Wir haben keine Kohle zu verlieren und von daher..

Christoph: Die ARCTIC MONKEYS standen unter Druck .

Jens: Wir haben uns die Kohle komplett zusammen gespart und dafür gearbeitet und wie andere ins Ferienlager fahren so fuhren wir ins Studio unser Album aufnehmen.

Henrik: So ist das.

Christoph: Wäre die Platte ein solcher Erfolg gewesen, dass wir vor 2000 Leuten spielen DANN wäre da vielleicht Druck. Aber so nicht.

Mir scheint, als wäret ihr mit eurem Wohnsitz nicht all zu zufrieden. Die Songs handeln vom Abhauen, schneiden unfassbar viele Referenzthemen an wie beispielsweise „Into the Wild“ usw. usw. Wie kommt es, dass ihr so sehr von dem „weg hier“ singt?

Henrik: Das liegt natürlich im Auge des Hörers oder dem, der die Texte liest und sich damit beschäftigt. Ein Thema in der Band war schon immer raus zu kommen und was anderes zu machen aber inhaltlich haben wir nicht explizit versucht das zu steuern, dass da so ein Roter Faden zum Thema „Weg hier“ ist. Inhaltlich wollen wir da auch gar nicht soviel sagen. Das muss der Hörer selbst für sich entscheiden.

Welcher Song steht wohl repräsentativ für „Matterhorn“ bzw. welcher Song ist das Aushängeschild?

Jens: Das ist das Problem am Album. Man kann gar nicht nur einen Song herauspicken. Dadurch, dass das Album ein Konzept-Album geworden ist ohne eins gewollt zu sein ist das viel zu schwierig. Man darf keinesfalls „Into the Wild“ als das Oberthema vom Album verstehen.

Christoph: Vor allem weil die Songs ja auch musikalisch weit auseinander gehen und keiner wie der andere klingt.

Also wäre es für euch sehr schwer jemandem zu erklären „Unsere Musik ist so und so“?

Henrik: Es ist ja klar, dass man gerne die Dinge verstehen will, so schnell wie möglich im Besten Falle. Niemand legt sich eine LP auf um heraus zu finden wer GHOST OF TOM JOAD ist und welche Musik die machen. Allenfalls hört man sich auf Myspace ein Stück an und dann ist die Meinung da. Aber leider reicht das in manchen Fällen nicht aus.

„Matterhorn“ kam sehr schnell heraus. Wart ihr von Anfang an damit zufrieden?

Henrik: Man ist nie zufrieden.

Christoph: Ich muss sagen, als die Platte komplett aufgenommen und fertig war und ich sie immer und immer wieder gehört habe war ich quasi Fan unserer eigenen Platte. Ich war durchweg zufrieden.

An wen ist „Through Every Organ“ gerichtet?

Henrik: Das ist an Nina Persson von den Cardigans. Das ist ja schon lange einer meiner Lieblingsbands und ich fand halt es ist an der Zeit ein Song über sie zu schreiben. Und es ist ein sehr ehrliches Lied geworden und ich finde das ist authentisch und das find ich ganz geil.

Christoph: Mein Anfang mit dem Schlagzeug ist ja auch an einen Cardigans Song gerichtet. Quasi eine Hommage, aber ich weiß gerade nicht wie er heißt.

Henrik: Ja, das ist „You losing a Friend“.

Jens: Ich hab die schon live gesehen und hab während dem Gig Currywurst-Pommes gegessen.

Hattet ihr nicht Angst beim Aufnehmen von „Matterhorn“ dass ihr zuviele Referenz Themen auf das Album packt? Oder gar zuviel Hommage an irgendwelche Dinge?

Henrik: Ach an sowas darf man gar nicht denken. Einfach machen und wenn es gut ist ist es gut wenn nicht dann neu machen. Und ob das jetzt zuviel Hommage ist oder sonst was, darüber sollen sich andere Leute den Kopf zerbrechen.

Stimmt es, dass ihr auf einem BRUCE SPRINGSTEEN Konzert auf dem Parkplatz vor der Halle gespielt habt?

Christoph: Ja, wir wollten, die Ordner haben uns aber nicht hingelassen.

Wisst ihr, ob er sich vielleicht mal dazu geäußert hat oder ob er von euch Kenntnis genommen hat ?

Jens: Das hatten wir ja gehofft. Aber ich glaube nicht, dass er das mitbekommt aber vll. Schreiben wir mal Fanpost.

Christoph: Wenn er uns dann nicht verklagt, sind wir froh.

Jetzt wo ich die Springsteen Fragen gestellt habe: Nervt es euch eigentlich, dass ihr ständig auf ihn angesprochen werdet?

Alle: Ja !

Henrik: Kannst du ja nicht wissen, ist ja kein Ding.

Christoph: Außerdem sind wir alle selbst schuld, dass wir auf ihn angesprochen werden.

Jens: Schlimmer sind die Leute, die nach Rage against the Machine fragen und wir denen dann erklären, dass die das auch bloß gecovert haben. Dann kommt „Jetzt echt?“

Henrik: Das ist dann so der Moment in dem ich im Kopf ne Faust ausfahre.

Christoph: Kennst du die Version von Nickelback? Musst du auf Youtube schauen. Supergeil. Die labern dann so sachen wie „we are the biggest fans and this is for our idols“ bla bla bla und spielen dann „Ghost of tom Joad“. Unfassbar.
Henrik: Aber es gibt ne saugeile Cover-Version von der Band von JOSE GONZALEZ. Sehr zu empfehlen.

Christoph: Daher kennen wir den Song ja auch.

Wie ist es mit Dennis zu produzieren? Und wie ist seine Unterstützung von der Label Seite? Hatte er überhaupt genügend Zeit für euch? Ich meine, er hat gerade mit MUFF POTTER auch viel um die Ohren.

Henrik: Ne, also unter Stress war er auf keinen Fall. Man wusste worauf wir uns einlassen und das war konzentriertes, gutes Arbeiten. Sehr kollegial, demokratisch etc. Das war halt sehr schön.

Ich habe in einem Interview, welches ihr vor eurer ersten Platte gegeben habt etwas witziges gelesen. Es ging um Vergleiche. Der Interviewer sagte er vergleicht euch mit den ganzen britischen Bands. Ihr beharrt auf Jimmy Eat World etc.. Am Ende zählt er auf, dass für eine britische Band sowieso die Arroganz und zwei Jahre Airplay fehlen. Ihr antwortet „Das kommt nächstes Jahr.“ Und, ist es so?

Alle: Ja!

Henrik: Kannst dir ja überlegen was dazu kam. Ob Arroganz oder Mädchen, eines von beiden ist definitiv eingetroffen. In dem Moment wo ich das sage verrate ich ja auch eigentlich, dass beides eingetreten ist. Aber Spaß beiseite – Es gibt nichts langweiligeres als Bands die britisch klingen. Es gibt halt soviel Scheiße da.

So wie heute im Palladium ?

Henrik: Genau.

Jens: Vielleicht ist ja schon was Arroganz dabei gekommen. Früher hätten wir nie gesagt: „Scheiß auf diese arroganten britischen Bands“.

Christoph: Aber hör dir doch mal die neue Franz Ferdinand an. Furchtbar langweilig.

Henrik: Hab ich noch nicht gehört.

Christoph: Aber dieser Jimmy Eat World Vergleich verfolgt uns derzeit wieder sehr.

Henrik: Ja, weil es leider in der Presseinfo steht.

Ihr wart jetzt sehr lange auf Tour und das Album ist seit Februar draußen. Wie sieht es mit den nächsten Plänen für euch aus? Schon was in Sicht?

Henrik: Tour, Festivals, Tour, Neue Platte aufnehmen.

Super, ich danke euch.