Interview mit Hardcore Schweinfurt - Würzburg

 

Wer kennt sie nicht, all die großen Festivals und Shows mit tonnenweise namhaften Bands samt prominentem Sponsoring durch Merch- und Energiebrause-Firmen. Aber wer hält die Szene eigentlich am Leben und sorgt als erstes Sprungbrett für Auftrittschancen klein(st)er Bands? Lokale Veranstalter, die Shows in ihrer Freizeit, aus eigener Tasche und mit viel Herzblut neben dem täglichen Job durchziehen. Kürzlich hatte die Veranstaltergruppe Hardcore Schweinfurt - Würzburg einen Aufruf publiziert in dem die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, angeprangert werden und dazu aufgerufen wurde wieder mehr auf kleine Shows zu gehen. Wir haben uns mit Johanna und David unterhalten...

 Johanna und David von Hardcore Schweinfurt Würzburg

Hallo zusammen, stellt Euch doch mal kurz vor. Wer seid ihr, was macht ihr beruflich und wie engagiert Ihr Euch in "der Szene"?

Johanna: Ich wohne und studiere in Würzburg und bin mit Hardcore und Punk groß geworden und mir liegt es am Herzen die Szene weiter aufrecht zu erhalten.

David: Ich bin aus Schweinfurt und ziehe voraussichtlich nach München zum Studieren. Ich habe schon selbst in verschiedenen Bands gespielt und weiß daher wie schwer es ist an Shows ran zu kommen.  Deshalb versuchen wir unbekannten und DIY Bands eine Chance zu geben sich zu präsentieren! 

Ihr veranstaltet ja im Raum Schweinfurt ab und an Shows. Was für Shows sind das, welche habt ihr bisher veranstaltet und nach welchen Kriterien wählt ihr Eure Bands aus?

Beide: Grundsätzlich nehmen wir Bands die wir selber gut finden, damit wir selber voll hinter dem Line Up stehen können. Bisher hatten wir einige kleine lokale und überregionale Bands und größere Headliner wie Empty Handed, Showyourteeth oder Rising Anger bei uns. Am 25. September haben wir dann zum ersten mal mit Lock and Key eine Band aus UK zu Gast. Daraus haben sich auch einige Gute Freundschaften entwickelt!

Kürzlich hattet ihr online eine Art Hilferuf gestartet in dem ihr darauf hingewiesen habt, dass Eure letzten Shows nicht so gut liefen und dass ihr das mit eurem Kapital als Privatleute, die das in ihrer Freizeit machen, nicht mehr sonderlich lange aufrechterhalten könnt. Erklärt doch mal wie es dazu kam und in welcher Situation man sich als Klein(st)veranstalter abseits der Großstädte wie Berlin, München, Hamburg oder Köln befindet.

David: Naja, ich war in letzter Zeit recht oft auf Konzerten in München und die Szenen kann man nicht richtig vergleichen. In so einer großen Stadt hat man viel öfter Konzerte, deswegen fahren die Leute (wie ich das jetzt mitbekommen habe) selten weiter weg zu Shows. Unsere Konzerte leben aber davon, dass Leute aus anderen Städten zu uns fahren. Da muss man sich dann halt auch mal eine Stunde in sein Auto setzen um coole Bands zu sehen! Die Szene in Schweinfurt oder Würzburg wäre niemals groß genug um einen Saal zu füllen. 

Ihr habt in Eurer Mitteilung ja auch ganz konkret die "grossen Impericon Bands" erwähnt, die ihr nicht buchen könnt und wollt. Wie seht ihr denn den derzeitigen Zustand der Szene? (Anmerkung: In meinen Augen wird der Spagath zwischen Musik / Kunst und Kommerz in Form von beispielsweise Merch, Facebook Likes, Monster Energy Sponsoring für alle Beteiligten immer krasser und auch schwieriger)

Johanna: Ja da stimme ich dir zu. Meiner Meinung nach wird es immer schwieriger für kleine/neue Bands den Absprung zu schaffen ohne den großen Bruder Impericon. Das ist auch eine Frage der Einstellung. Wenn du von der Musik leben willst, bist du dadrauf angewiesen viel Merch zu verkaufen oder dir Sponsoren zu holen. Für die Bands die diesen Weg nicht gehen wollen haben wir eine offene Bühne. 

Allschools wurde ja vor vielen vielen vielen Jahren auf einer Earth Crisis Show in Alten Stattbahnhof in Schweinfurt ins Leben gerufen, von daher besteht für uns natürlich eine gewisse Bindung an die Stadt. Wie seid ihr mit der Gegend und der Szene in Schweinfurt / Würzburg verbunden und was motiviert Euch, hier Shows zu veranstalten?

Beide: Wir sind beide hier groß geworden, sind hier auf unsere ersten Hardcore Konzerte gegangen und waren auch in unserer Freizeit oft im Statti. Damals gab es noch mehr kleine Konzerte und mehr Leute die dahin gegangen sind. Wir versuchen einfach so gut es geht wieder kleine Shows zu veranstalten um die Leute wieder her zu holen! Wäre wirklich schade wenn eine Szene mit so viel Tradition ausstirbt. Wer einmal im Backstage vom Stattbahnhof war und sich die Bandtags durchgelesen hat weiß wovon wir reden ;) 

Welche Shows stehen denn nun in den nächsten Wochen / Monaten noch an?

Beide: Wir haben momentan zwei Shows geplant: 

Am 25. September Lock and Key aus England, The Way Home aus München und Mindwrecked aus Coburg.  

https://www.facebook.com/events/1633046593689764/

Und am 21. Oktober planen wir noch ein Benefizkonzert bei dem alle Gewinne an Krebspatienten auf der Palliativstation gehen! Mit dem werden wir bald in die Werbung gehen. Kleiner peak: Es ist bisher das Line Up auf das wir am meisten Stolz sind ;) 

Ihr hattet ja angekündigt, dass ihr unentschlossen seid ob ihr mit dem Veranstalten von Shows weitermachen wollt. Was müsste denn passieren, dass ihr weitermacht?

Beide: Wie gesagt sind wir sehr motiviert weiter zu machen. Das Problem ist nur, dass momentan nicht genügend Leute kommen um unsere Kosten zu decken! Kommen mehr Leute, kommen mehr Shows nach! 

Habt ihr noch ein paar abschließende Worte für uns?

Beide: Wie ein Freundin von uns mal sagte: „Mimimidieszeneisttot, mimimiesgibtkeineshows. Geht auf Shows, kauft Merch und hört bitte auf von eurem Sofa aus rumzuheulen, dass nix geht. Dann muss man halt auch mal ne Stunde wo hinfahren bzw die meisten müssten sich einfach nur auf ne Rückbank setzen. Support your fucking Scene. Stop crying, stop hiding (lol)“