Interview mit Là Par Force

 

Hey hallo Oise. Schön dass dieses Interview doch noch zu stande gekommen ist. Stell doch kurz vor und erzähl den Lesern warum wir heute hier versammelt sind?

Hey Werner. Meine Name ist Oise Ronsberger und ich spiele Bass bei Là Par Force. Zudem mache ich das Dancing In The Dark Label und wir befinden und grade hier in Hannover zusammen mit den Jungs von den Lonely Kings um eine Show der gemeinsamen Tour zu spielen. Nebenbei versuche ich so Rock´n Roll wie möglich zu sein und einen Haufen Kaffee in mich hinein zu schütten. Das ist die einzige Droge die mir noch bleibt.

Das erste was ich von dir gesehen habe bevor ich deinen Namen wusste, warst du vor der Bar mit einem Kaffee in der Hand. Erzähl uns doch eben wie die Tour bis jetzt läuft und ob ihr zufrieden seid.

Wir waren bereits in Süddeutschland unterwegs und haben auch schon in der Schweiz sowie in Österreich gespielt. Wir sind mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden und verstehen uns wie erwartet super mit den Lonely Kings. Es ist natürlich schwer wenn zwei so kleine Bands zusammen auf Tour sind, weil keine der beiden Bands mit einem festen Stammpublikum rechnen kann. Zudem haben die Lonely Kings auch seit längerem keine neue Platte veröffentlicht. Ein weiterer Punkt der es erschwert ist dass keine der beiden Bands Musik spielt, die grade in irgendeiner Form hip und angesagt ist. Das ist wenig reizvoll für dieses immer wieder beobachtete "Schubladen-Konsumieren" und Leute lassen sich selten auf neue und vor allem unbekannte Bands ein. Trotzdem sind wir froh über jeden einzelnen Besucher und bis jetzt ist jedes Konzert im großen und ganzen super gelaufen.

Lass uns mal auf euer aktuelles Release "Work Ethic" zu sprechen kommen. Warum habt ihr den Namen gewählt und vor allem: warum ist auf der Ep ein komplettes Liveset mit untergebracht?

Das Ding war so: wir befinden uns als Band grade mal wieder in einer Art Umbruchstimmung. Das passiert alle 2-3 Monate mal wieder und Mitglieder kommen und gehen. Dadurch war es uns auch nur schwer möglich neues Material für ein Album aufzunehmen. Jedoch wollten wir den Leuten etwas für die Tour mitgeben können, dass uns zum jetzigen Zeitpunkt besser repräsentiert. Deswegen wollten wir diese Ep machen. Und da die Herstellungskosten einer Ep und eines Longplayers die selben sind, wollten wir den verbleibenden Platz nicht verschwenden. Ein weiterer Gedanke ist es den Menschen möglichst viel für wenig Geld geben. (Die Ep wird für 5 Euro verkauft). Là Par Force als Studioband und Là Par Force live ist ein völlig anderes Erlebnis und mit dem Livematerial auf der Ep hoffen wir dem Hörer ein besseres Verständnis von uns als Band vermitteln zu können. Auf Platte klingen wir eher ruhig und gesetzt während wir auf der Bühne schon etwas rauher ans Werk gehen und wesentlich lauter sind. Deswegen war es für uns einfach wichtig auf beide Seiten der Band zu verweisen, was uns hoffentlich mit "Work Ethic" gelungen ist. Eines Tages hatten wir die Möglichkeit durch einen Freund der Band im Münchener Backstage das besagte Liveset aufzunehmen und sind mit dem Resultat sehr zufrieden.

Der Titel der Ep...Hm. Wir als Band arbeiten schon sehr hart. Arbeiten ist in diesem Sinne allerdings nicht negativ behaftet. Die meisten Menschen verbinden mit Arbeit einen "Nine To Five" Job, bei dem sie sich jeden morgen aufs Neue aus dem Bett quälen müssen um Arbeiten zu verrichten, die keinen Spaß machen. Auch wir müssen diese Arbeiten machen. Allerdings gibt es da noch die Art von Arbeit, die einem selber Spaß macht. An etwas Arbeiten...es zu verbessern und Dinge selber zu gestalten und sich selber dabei zusehen wie sich etwas aufbaut, wächst und funktioniert. Das ist der befriedigende Teil der Arbeit. Das ist eigentlich der Grundgedanke des Titels, der allerdings auch etwas zwiespaltig erscheinen mag, wenn man ihn auf amerikanische Umstände überträgt. Dort verbindet man eher Identifikation mit der Firma mit diesem Begriff. Sogesehen identifizieren wir uns wiederum mit der Band in der wir spielen. Macht das Sinn?

Das macht Sinn. So oder so ähnlich hätte ich es mir vielleicht auch zusammengereimt. War das Liveset vielleicht unterbewusst auch als Appetizer für die jetzige Tour gedacht? Wolltet ihr den Leuten einen kleinen Vorgeschmack geben auf das was sie erwartet?

Wenn Leute uns live sehen, die uns zuvor nur von Platte kannten sind sie meist doch schon verwundert wie anders es klingen kann. meistens finden sie es sogar besser. Deswegen war es für uns einfach interessant die Band von beiden Seiten zu beleuchten. Ich denke es ist eine Illusion, dass man die Liveenergie die man produziert in gleichen Maßen ins Studio übertragen kann. Die Band ist sehr viel facettenreicher als man denkt und die Ep zeigt das.

Ist die Ep auch als Teaser auf das zu sehen, was uns von Là Par Force in Zukunft erwarten wird?

Das ist schwer zu sagen. Der Drummer, mit dem wir die Ep eingespielt haben ist mitlerweile auch schon nicht mehr aktuell und wir haben bereits einen neuen mit auf Tour. Deswegen weiß ich nicht ob man "Work Ethic" so sehen kann wie du meintest. Als Band hat man ja immer eine musikalische Richtung im Kopf, die man versucht zu verfolgen. So war es auch bei Work Ethic und während ich dachte wir werden noch ruhiger und leiser, sind doch wieder drei mid-tempo Nummern auf der Platte, von denen ich vorher nicht dachte, dass sie in dieser Form Bestandteil des Ganzen werden. Deswegen ist es schwer zu sagen wie wir auf dem nächsten Release klingen, was wir in Zukunft fabrizieren werden und ob sich das annähernd so anhören wird wie "Work Ethic". Doch es gibt generelle immer Konstanten in der Musik. Bei uns ist es Christinas Stimme, der wir etwas mehr Platz geschaffen haben, indem wir die neuen Songs transparenter gestaltet haben. Das war in der Form bei unserem vorigen Release "Fallen Leaves" nicht der Fall; es gab viele Gitarrenwände und die Platte war rockiger. Heute nehmen wir uns lieber ein Stück zurück und gehen es minimaler an.

Bist du neben deiner Position als Bassist auch für die Texte verantwortlich?

Ja. Es ist so, dass ich alle Texte schreibe und sie danach an Christina weiter reiche. Sie geht dann meist drüber und bringt sie in "singbare" Form.

Und korrigiert sie zudem...

(lacht) Genau. Mit den ganzen Rechtschreibfehlern hat sie ordentlich zu tun. Aber im Grunde läuft es so wie ich anfangs sagte: Ich schreibe die Texte und wir erarbeiten dann zusammen den fertigen Song.

Was motiviert dich beim Texte schreiben bzw was inspiriert dich dabei? Wenn ich mir die Lyrics der Work Ethic durchlese stoße ich immer wieder auf das Motiv der ländlichen Langeweile und der Unzufriedenheit über den Alltag in einer langweiligen Stadt. Liege ich da richtig?

Es ist natürlich so, dass wir allesamt aus der totalen Pampa kommen, aus einer echten Öde. Hier ist es so, dass nichts passieren wird wenn du es nicht selber startest. Das ist schon ein Motiv, dass sich sowohl durch die Texte als auch durch mein Leben zieht. Wenn du im bayrischen Wald kannst du einfach nicht darauf warten dass irgendwas passiert. Da wird nichts passieren. Du gehts entweder zum lokalen Fussballverein oder zur Feuerwehr. Du wirst mit deiner Band nie außerhalb von Regensburg spielen wenn du den Telfonhörer nicht selber in die Hand nimmst und dich um Abhilfe bemühst. Du wirst deine Lieblingsbands nicht in deiner Stadt spielen sehen wenn du sie nicht selber buchst. Das ist auch wieder so ein Ding was Rückschlüße auf die Arbeitshaltung der Band ziehen lässt. Wir sind eine Band die nach wie vor alles komplett selber macht.

Auf die Texte bezogen...ich kann schwer sagen wie sowas entsteht. Ich schreibe in der Regel Textfetzen auf und sobald wir die Musik für einen Song fertig haben, bemühe ich mich diese Textfetzen und Ideen zu einem schlüssigen Text zusammen zufügen. Dinge die mich dazu bringen das zu schreiben was der Hörer nachher im Booklet wiederfindet sind unterchiedlichster Natur. Es kann das Anschauen des Weltspiegels sein oder andere Kleinigkeiten. Mir selber fällt auf, dass sich im Verlauf der Ep das Motiv der Isolation immer wieder finden lässt. Es muss nicht mal eine langweilige Stadt sein....Auffällig ist, dass Menschen teilweise mehr "Freunde" auf irgendwelchen Internetboards haben als im wirklichen Leben. Ich finde es bedenklich, wenn mir Leute erzählen wollen, dass sie in der eigenen Stadt keine Freunde finden und sich lieber welche im Internet suchen! Auch dieses Konzept von Heimat ging mir durch den Kopf als ich die Songs schrieb. Was ist Heimat und was macht einen Ort zu deiner Heimat? Wo gehört man hin? Das sind Fragen die sich in einem Song wie "You Can Burn Them" wiederfinden. Allerdings ist nicht alles persönlicher Natur. Du findest auch poilitisch motivierte Lyrics in unseren Songs.

Wenn wir Aktivismus sprechen und Bezug auf eure Heimatstadt Regensburg nehmen, drängt sich mir die Frage auf was ihr persönlich für eine "Szene" tut, falls es so etwas überhaupt gibt. Existiert ein Netzwerk von aktiven Menschen?

Ich betone es immer wieder gern das dafür das Regensburg so eine kleine Stadt ist es jedoch eine Menge aktiver Leute gibt: Bands wie BEIGE GT, SPRUCE, JENNY LUND, ZWEI TAGE OHNE SCHNUPFTABAK, EUROPEAN TRANSLATION OF, RUD und und und.
Labels wie Schinderwies oder eben unser Dancing In The Dark. Fanzines wie Pitti Platsch 3000 und Punk Is Dad.
Was es in Regensburg jedoch nur in geringem Masse gibt ist Unterstützung der lokalen Szene durch sogennante "Konsumenten". Die Konzerte lokaler Bands sind meistens nicht besonders gut besucht, es fehlt dieser gewisse Lokalpatriotismus, dieses gewisse loyale Zusammengehörigkeitsgefühl das von Nöten wäre um eine starke "Szene" aufzubauen.
Jeder kocht so sein eigenes Süppchen, aber so einen Nischen übergreifenden Zusammenhalt kann man natürlich nicht erzwingen, der muss von alleine entstehen.
Was wir für die lokale Szene tun?
Ich bin Mitbesitzer des Eldorado Plattenladens, Mailorders und Grosshandels. Der Laden hat sich über die Zeit auch zu einem Anlauf- und Treffpunkt für Musikbegeisterte und Aktive in der Stadt entwickelt.
Ansonsten veranstalte ich bei Zeiten Konzerte mit Bands die ich richtig gut finde - z.B. demnächst die neue Band von meinem Überhelden Ian MacKaye - THE EVENS!
Ich denke das wir momentan auch ohne Zweifel die aktivste und spielfreudigste Band Regensburg´s sind, auch wenn das auf die "Szene" wohl wenig Einfluss hat.

Warum klingen Là Par Force wie sie heute klingen`? Vielleicht erzählst du uns etwas über die Entwicklung der Band bishin zum heutigen Standpunkt.

Là Par Force waren anfangs die Nachfolgeband von der Hardcore Band "Static 84". Wir kommen allesamt aus dieser DIY Hardcore-Ecke. Jedoch entwickelten wir uns zusammen mit unserem sich veränderden Musikgeschmack in eine wesentlich andere Richtung, weg vom typischen Hardcore. Uns war es aber immer wichtig unseren Idealismus, der im Punk verwurzelt ist beizubehalten. Für mich definiert sich Punk nicht über drei Akkorde. Punk ist für mich....(kleine Gedenkpause) Sagen wir es so: Punk ist ein offenes Forum für alle möglichen Arten von Kreativität oder Kunst. Sei es Fotografie, seien es Fanzines....Siebdruck. Wir wollten nach wie vor eine Punkband sein, ohne jedoch die gängigen Klischees anzuwenden.

Du hast grade schon DIY gesagt. Deswegen passend hier die nächste Frage zu deinem Label "Dancing In The Dark Records". Wie kam es dazu das Label zu machen?

Static 84 hatten eine ausverkaufte 7´´ , die ihr damaliges Label nicht nachpressen konnte. Ich persönlich bin großer Bruce Springsteen Fan und damit war auch schnell der Name des Labels zur Hand. Dann noch schnell ein Logo zeichnen lassen und das Master ins Presswerk....Das war der Anfang von DITD. Dann ging es dazu über Freunde von mir und Menschen und Bands zu unterstützen, mit deren Kram ich mich identifizieren konnte. Ich war damals sehr von Kitty Empire begeistert und musste einfach was von ihnen veröffentlichen. Natürlich hatte ich keine Ahnung wie man ein Label macht, aber ich habe es gemacht, denn ich wollte einfach die Platte in den Händen halten. Das ist doch wieder genau das Ding, was ich vorhin sagte: Du wirst keine Kitty Empire Platte bekommen wenn du sie nicht selber rausbringst. Leider sind Kitty Empire damals ein wenig eingeschlafen, wodurch sich bei mir die Motivation das Label weiter zu machen senkte, bis irgendwann Là Par Force kamen. Wir wollten nicht tausende von Demos verschicken um einen Plattenvertrag zu bekommen, sondern schnell und auf direktem Weg was veröffentlichen. Deswegen reaktivierten wir das Label und so ging es weiter. Là Par Force wurden immer aktiver und veröffentlichten zusammen mit Millipede Records das "Fallen Leaves" Album. Später kam es dazu, dass sich unsere Freunde von Tagtraum bei Vitaminpillen Records nicht mehr ausreichend repräsentiert sahen und wir sie veröffentlichten. Wir bringen zudem zusammen mit Defiance die Darmstädter von The Data Break raus, deren Bassist André auch immer unsere Artworks macht. Und so geht es Schritt für Schritt immer weiter. Es ist nicht so, dass das Label ein zweites Karrierestandbein sein soll, es ist lediglich ein kleines mit Idealismus betriebenes Etwas, was mir sehr viel Spaß macht. Es ist allerdings auch immer ein Spagat zwischen Finanzierbarkeit und der Pleite. Aber irgendwie geht es dann soch immer weiter zum nächsten Projekt.

Du erwähntest grade Milliepede Records. Wo ist die Connection?

Stubi und Frank von Millipede Records aus Nürnberg sind langjährige Freunde, die mit ihrem Label mit genausoviel Idealismus und Enthusiasmus an die Sache herangehen.
Sie haben gemeinsam mit uns das LÀ PAR FORCE Album "fallen leaves" und die "There is a light" Benefiz Compilation veröffentlicht.
Die beiden sind sowas wie die gute, unprätentiöse Seele der Nürnberger Szene und haben mit den GENETIKS ein verdammt heisses Eisen am Start. Eine Band nach der man Ausschau halten sollte!

Lass uns noch mal bei deinem Label ansetzen: Erzähl uns doch eben was du für aktuelle Releases rausbringst und was uns in naher Zukunft erwarten wird. Und wie kam es zum Tagtraum Signing?

Also mit Tagtraum haben wir eine Single namens "Ich Bin" veröffentlicht auf der sich auch ein Video zu dem Song befindet. Wir wollen ihren ungerechtfertigten Ruf als Deutschpunkband revidieren. Durch das Vitapillenlabel lastete ihnen immer dieser Ruf einer "Deutschpunkband" an, was sie aber wie wir wissen einfach nicht sind. Das war vielleicht in der Anfangszeit der Band so, aber mit jeder Platte wuchsen Tagtraum und kamen davon weg. Wir wollten ihnen einfach helfen einen Neustart zu machen und den Leuten zu zeigen, dass Tagtraum einfach nicht mehr das sind was die Hörerschaft denkt.Scheinbar hat jeder den Namen der Band schon mal gehört, aber jeder ordnet sie falsch ein. Zudem haben wir die "Komm lass es echt sein" CD noch mal aufgelegt, die ja schon bei Vitapillen veröffentlicht wurde, weil ich denke dass diese Songs bei uns besser aufgehoben sind.

Zeitgleich haben wir die "There Is A Light That Never Goes Out" Benefiz Ep veröffentlicht, die die Suizidpräventivhotline in Regensburg unterstützt. Dazu begetragen haben Tomte, Muff Potter, Robocop Kraus Kraus und Là Par Force, die hier Songs covern, die mit dem Thema Suizid in Verbindung stehen.

Dann haben wir die besagte "Work Ethic" Ep gemacht. Bald kommt die Databreak Lp, bei denen es sich um Ex-Acheborn Leute handelt. Dieses Release machen wir zusammen mit Defiance Records. Und als besonders Schmankerl kommt Ende des Jahres die My Hero Died Today Discography, die bei dieser Gelegenheit auch noch mal ein Konzert spielen werden.

Das ist wahrscheinlich komplett auf deinem Mist gewachsen weil du damit persönlich etwas verbindest?

(Oise lacht) Genau! Das ist kommerzieller Selbstmord ! Das ist wahrscheinlich das dümmste was ich mir die letzten Jahre ausgedacht habe. (lautes Gelächter) My Hero Died Today haben sich ja leider im Zenith ihres Schaffens aufgelöst und haben eigentlich das gesäht was andere Bands dann später geerntet haben, und in München wird man sich für eine Show wieder zusammenfinden.Es ist halt eine dieser Herzenangelegenheit. Wir waren viel mit den Jungs unterwegs und haben gemeinsam viel erlebt. Mein zukünftiger Trauzeuge hat auch bei Ihnen gespielt.

Das ist es erstmal mit meiner Planung. Das Label ist ein Kleinbetrieb der sich von einem Release zum nächsten wurschtelt. DITD ist und soll kein professionelles Label werden und ich will auch garnicht an die Zukunft denken.

Lass mich noch einmal kurz auf die Benefiz Ep zurückkommen. Ich habe versucht es selber rauszubekommen und auch auf die Gefahr hin dass du die Frage schon viel zu oft gehört hast: was hat der Milli Vanilli Song mit Suizid zu tun?

(fängt wieder herzhaft an zu lachen) Na dann hättest du mal auf Pro Sieben "Die peinlichsten Popmomente" gucken sollen, das wurde es aufgeklärt. Die Beschäftigung mit dem Thema kam mir als es zwei Selbstmorde in meinem Umfeld gab. Die erste Idee war einen Sampler rauszubringer der nur aus Elliott Smith Stücken bestehen sollte (Der ja bekanntlich ebenfalls das zeitliche gesegnet hat). Dann rief ich Thees von Tomte an und er sagte nur trocken zu der Idee: "Gott kann man nicht covern". Wir wollten aber das Konzept nicht aufgeben und sagten uns nun, dass jeder Song inhaltlich etwas mit dem Thema zu tun haben muss. Und im Falle des Milli Vanilli Songs, den Robocop Kraus covern, war es so dass sich das eine Mitglied der Band nach dem Zusammenbruch und der Erfolglosigkeit umbrachte.

Beim Hören euer Platte ist mir aufgefallen, dass ihr offenbar bewusst versucht, mit wenig Mitteln viel zu erreichen. Ihr versucht nicht etwas krampfhaft hippes zu erschaffen oder auf fremde Züge aufzuspringen. War es jemals ein Gedanke genau dies zu tun?

Wir sind sehr bauchbedacht, und wir denken nicht viel über die Wirkung unserer Musik nach. Ich persönlich bin in letzter Zeit ein Freund von ruhiger Musik. PJ Harvey, New Order, Joy Division....sehr reduzierte und transparente Sachen. Ich bin der Meinung, dass viele Leute Lautstärke missbrauchen um sich dahinter zu verstecken. Schau dir eine Band wie Hatebreed an, die zweifelos einen guten Job machen, aber die Band hat einfach nichts mehr zu bieten wenn man die Lautstärke und die Agressivität subtrahiert. Bei uns geht es darum mit möglichst wenig Mitteln viel zu erreichen. Das ist live oft ein Problem, weil es doppelt so schwer ist wenn Leute reden, biertrinken, oder lachen wollen - was natürlich völlig in Ordnung ist. Wir wollen uns nicht hinter Lautstärke verstecken und den Verstärker noch weiter aufreissen bis nichts mehr geht. Je weniger von solchen Ballast , desto wohler fühlen wir uns als Liveband.

Würdest du meiner dieser These zustimmen: Là Par Force sind eine Band mit der man sich beschäftigen muss, damit sie sich einem "öffnet" ?

Es ist sicher nicht der einfachste Weg den wir gehen. Als wir aus dieser Hardcore / Punk Geschichte rauskamen, wollten uns die Leute nicht verzeihen, dass wir jetzt Indierock spielen, oder dass wir keinen verrückten zutätowierten Sänger mehr haben, der sich am Microkabel aufhängt. Wir wissen dass wir sprerrige, schwer zugängliche Musik spielen, und wir wissen auch dass diese Mischung aus Gitarre und klarem Gesang in der Punk Szene nicht auf viel Zustimmung stößt, aber genau das ist es was wir spielen wollen. Wir können es sicher nicht jedem Recht machen, aber freuen uns natürlich über jeden der die Musik mag. Als wir uns zu dem entwickelt haben was wir wir heute sind dachte ich immer, dass sich die Leute mit uns entwickeln und das sie dies Entwicklung nachvollziehen können. Aber offenbar taten sie es nicht. Als es mit Static 84 zu Ende ging, waren die Zeiten in denen wir jeden Tag Black Flag oder Good Riddance hörten einfach vorbei. Da liefen plötzlich ganz andere Sachen im Bandbus und ich dachte die Leute gehen da mit. Die Leute waren jedoch total vor den Kopf gestoßen und wussten nicht was das ganze soll. Man kann aber auch einfach nicht erwarten, dass die Menschen die gleiche Entwicklung mitmachen wie man selbst. Es ist auch völlig okay wenn Leute ihr Leben lang Gefallen an Hardcore und Punk finden.

Ein Schlüßelerlebnis für mich war ein Strike Anywhere Konzert vor 3 oder 4 Jahren, als ich mich in einer tobenden Masse wiederfand, die die Band völlig abfeierte, während ich daneben Stand und mir dachte: "Wow das ist wahnsinnig gut, aber im Grunde genau das was Good Riddance schon vor 10 Jahren gemacht haben". In diesem Moment habe ich erkannt, dass mich diese Band da oben einfach nicht mehr berührt. Irgendwann ist es Zeit loszulassen. Das war mein Aha- Erlebnis zu diesem Thema

Oise... das war von meiner Seite aus. Hab vielen Dank für das Interview und wie sich das gehört gehören dir die letzten Worte!

Oh da bin ich immer echt schlecht drin. Auf unserer Webseite findet ihr die ganze Ep zum Download, also wer die 5 Euro nicht hat, der kann sich die 5 Studiosongs auch umsonst runterladen. Und ich würde mich freuen wenn dieser Dienst massig in Anspruch genommen werden würde!

www.parforce.net
www.dancinginthedark.de