Interview mit Life.Labour.Lost

 

Allschools: Die Frage werdet ihr irgendwann nicht mehr hören wollen und sie wird euch auch (hoffentlich) auch nicht gestellt. In eurer Anfangsphase kann man sie aber ruhig noch stellen: Wieso heißt ihr so, wie ihr heißt?

Lasse: Dann versuchen wir mal eine Paradeantwort zu schaffen. Ursprünglich hießen wir WAYFARER. Unter dem Namen haben wir unsere ersten Konzerte gespielt. Als wir uns dann entschlossen haben ins Studio zu gehen, haben wir den Namen mit dem Großteil der alten Songs begraben und etwas Neues musste her. Marcel kam dann irgendwann mit dem Titel eines Shakespeare Stückes: Love's Labour's Lost. Grob übersetzt heißt das so viel wie "Verlorene Liebesmüh". Uns gefiel der Klang, haben allerdings Love durch Life ersetzt um den Interpretationspielraum noch weiter zu fassen. Von "Life's Labour's Lost" zu "Life.Labour.Lost" kam es eigentlich nur aus kosmetischen Gründen. Hat uns einfach besser gefallen.


Allschools: Ihr erinnert mich enorm an die ARCHITECTS und ich weiß auch, dass ihr alle große Fans von denen seid, richtig? Welche anderen Einflüsse habt ihr?

Marcel: Eine gewisse Inspiration der Briten ist sicher mit dabei, und unsere Musik lässt sich wohl auch in ein ähnliches Genre packen, aber wir versuchen natürlich auch unseren eigenen Sound zu entwickeln. Grundsätzliche Einflüsse kommen aus dem Melodic Hardcore á la HEART IN HAND, etc. Welche wir dann mit Metalcore-Riffs verbinden. Wir sehen uns auch eher als „metalcorelastige Melodic Hardcore Band“, da wir nicht viel auf ein Meer aus Breakdowns und ähnliche Genreklischees geben.



Allschools: Besonders euer Video "Small Towns" lehnt ziemlich an "These Colours Don´t Run" von den Briten an. Gewollt? Oder was war die Idee hinter dem Video?

Lasse: Lyric-Videos sind im Moment einfach ein Marketingtrend. Wir persönlich finden die Vorstellung, dass unsere Texte durch Schnee, Regen und den Weltraum fliegen (wie man es häufig sieht) einfach lächerlich. Daher haben wir uns dazu entschlossen passendes Footage zur Unterstützung der Textzeilen zusammen zu suchen, woraus dieses DIY Lyric-Video von mir und Marcel entstanden ist. Parallelen zu "These Colours Don't Run" sind einfach Zufall, welche vielleicht auf eine gleiche Denkart über die Herangehensweise zurückzuführen sind.



Allschools:Vor kurzem habt ihr eure erste EP "Everthrone" eigenständig auf den Markt gebracht. Wie ist die Resonanz bisher?

Jan: Wir halten uns nicht für eine leicht zugängliche Band und das ist auch gut so. Daraus resultiert natürlich, dass - gerade auch online - die Leute möglicherweise etwas länger brauchen, um sich ein Bild von uns zu machen. Live können wir uns jedoch jedes Mal auf ein Neues über positive Resonanz freuen. Was für uns das Wichtigste ist! Gerade weil es viele sehr breakdownlastige Bands gibt, stechen wir an so einem Abend halt mehr heraus.



Allschools: Aufgenommen habt ihr die Platte bei den Pitchback Studios. Wie muss man sich euer Songwriting und die Produktion der EP vorstellen?

Ein neuer Life.Labour.Lost Song entsteht i.d.R. bei mir zu Hause. Meistens reicht mir ein Riff und ich hab schon die genaue Songstruktur im Kopf. Frag mich nicht warum. Haha. Dann schreib ich das Ganze auf und werkele solange daran rum bis es mir gefällt. Ich mach das prinzipiell ohne Gitarre, damit ich mich von meinen bescheidenen Gitarrenskills nicht einschränken lassen muss. Wenn der Song dann fertig ist, check ich ihn noch auf Spielbarkeit und schicke den anderen Jungs eine Demo. Die geben dann ihren Senf dazu und es wird nochmal ein Feinschliff vorgenommen. Dann schließ ich mich mit Rolf im Proberaum ein und wir entwickeln die Lyrics direkt beim Aufnehmen. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass wir meist schon eine fertige Demo des Songs haben ohne ihn einmal gespielt zu haben, wodurch wir dann nur noch ein oder zwei Proben brauchen um ihn drauf zu haben. So hatten wir vor unserem Besuch bei Aljoscha in den Pitchback Studios schon eine gut ausgeklügelte Preproduction der Platte. Dadurch waren wir mit den Aufnahmen ziemlich fix durch. Ich erinner mich ehrlich gesagt nicht daran, dass wir während der Studiozeit irgendwas an den Songs großartig umgeschrieben haben.



Allschools: Was kann man an Shows oder sogar Touren von euch erwarten? Schon was konkretes geplant?

Marcel: Da Rolf im Moment im sechsmonatigen Auslandseinsatz in Afghanistan ist, ist es etwas still geworden. Wir nutzen die Zeit, um schon neue Songs zu schreiben und ab Ende 2014 geben wir dann wieder Gas.



Allschools: Was wollt ihr den Leuten mitgeben mit euer Musik? Life.Labour.Lost klingt ja erstmal nicht sehr optimistisch. Gehen die Lyrics in eine andere Richtung?

Lasse: Wir lassen uns bei den Texten einen großen Spielraum. Manchmal wollen wir was Positives vermitteln, manchmal etwas Negatives. Manchmal kann man die Message direkt auf den Punkt bringen, manchmal mit Metaphern o.Ä. ausschmücken. Im Prinzip schreit man aber eher weil man angepisst oder verletzt ist und nicht weil man gerade eine Dreier-Kombi-Wette gewonnen hat oder weil das Wetter so geil ist.