Interview mit Mantar

 

In den letzten Jahren gab es auf Svart Records immer wieder Bands, die es geschafft haben aus dem erlesenen Kreis des Labels auszubrechen und eine weitere Öffentlichkeit zu erreichen. Habt ihr damit gerechnet, dass MANTAR das dieses Jahr sein könnten?

Hanno/ Mantar: Wenn man bedenkt dass unser eigentliches Ziel letztes Jahr war ein Tape in einer 50er-Auflage für Freunde und Bekannte zu machen, dann muss ich die Fragen definitiv verneinen. Wir haben uns über all das Feedback extrem gefreut und es wird immer noch mehr. Wir haben uns über ein paar Shows gefreut und jetzt ist das Jahr schon unglaublich voll mit Touren und Festivals. Es ist ein etwas unwirkliches Gefühl zu zweit im Proberaum zu sein und zu jammen und ein Jahr später in irgendwelchen Flugzeugen.

Habt ihr Angst, dass euer „Erfolg“, eure Aufmerksamkeit nur ein temporärer Hype sein könnte? Inwiefern geht man sicher, dass die Aufmerksamkeit auch über mittlere oder gar längere Distanz erhalten bleibt?

Mantar: Wir gehen da gar nicht sicher. Wir können es eh nicht ändern. Wir machen Musik aus Spaß und verdienen damit kein Geld. Ich habe keine Lust mir das mit solchen Fragen kaputt zu machen. Wir haben niemanden versprochen überhaupt ein 2. Album aufzunehmen. Wir haben und hatten keinen Masterplan. Ich bin mir sicher sonst würde die Platte auch nicht so gut ankommen.

Was sagst du zu dem Vorwurf, dass MANTARs Aufmerksamkeit nicht nur an der Musik, sondern auch an der Tatsache liegt, dass ihr nur zwei Bandmitglieder habt?

Mantar: Blödsinn. Duos sind mittlerweile alles andere als selten. Ich persönlich habe diesen Vorwurf noch nie gehört. Kann aber jedem anbieten sich live zu überzeugen, dass wir auch zu zweit Stress hoch 10 machen. Und jeden den das 2 Mann ding stört soll einfach die Augen schließen. Er wird es nicht bemerken.

Inwiefern schränkt die Anzahl der Musiker euch im kreativen Schaffen ein? Gibt es beim Songwriting manchmal die Situation, dass ihr euch denkt „Dies oder jenes würden wir gerne machen, aber das ist in der Live-Situation keinesfalls umsetzbar“?

Mantar: Nein. Wir machen grundsätzlich keine Sachen, die nicht reproduzierbar sind. Das ist nicht Sinn der Sache. Die Songs sind aus dem Jammen im Proberaum heraus entstanden. Wir wollten immer live spielen. Wir wissen schon sehr genau welche Mittel wir haben und wie wir selbige nutzen. Ich empfinde die Beschränkung als Bereicherung und als klaren Vorteil. Wir müssen uns 2 mal überlegen ob ein Riff, Beat, etc geil ist oder nicht.

Könnt ihr euch vorstellen das Line-Up in Zukunft aufzustocken und für bestimmte Zwecke mehr Musiker mit an Bord zu nehmen?

Mantar: Nein. Das würde die sehr spezielle Energie zwischen Erinc und mir verwässern. Wir beide sind keine Mitmusiker sondern eine Einheit.

Stilistisch sind MANTAR relativ schwer einzuordnen, was den Schreiber meist dazu bewegt zu Vergleichen oder die Genre-Mischung darzustellen. Inwiefern freut euch, dass ihr zwischen den Stühlen sitzt oder ist das für Künstler (erst einmal) egal?

Mantar: Der Grund dafür ist einfach. Wir kommen aus keiner bestimmten Szene und versuchen demnach auch keine in irgendeiner Form zu bedienen. Ich meine es ernst: uns ist das sehr egal. Wir waren nie coole Szene Typen oder Konzerthipster mit den neusten Patches auf der Jacke. Wir gehen wenig auf Konzerte und bleiben gern unter uns. Wir sind auch nicht sonderlich gut informiert über das was gerade cool oder uncool ist. Wir hatten immer nur eine Agenda: Sich zu treffen und so hart zu spielen wie wir können. Erinc (Drums) kennt glaube ich nicht mal den Unterschied zwischen Death und Black-Metal. Es ist ihm egal. Das macht die Band ziemlich unangreifbar denke ich.

Den Begriff „Sludge“ wollt ihr mit eurer Musik eigentlich nicht in Verbindung gebracht wissen. Wieso nicht, trifft dieser in seiner ursprünglichen (musikalischen) Verwendung euren Stil doch recht gut?

Mantar: Siehe oben. Keine Ahnung ob das so ist. Wenn du das sagst soll es so ein. Ich empfinde diesen Begriff irgendwie als potenziell langweilig und ausgelutscht. Viele sehr sehr mittelmäßige Bands verstecken sich heutzutage dahinter. Aber für mich ist dieses Label kein Qualitätsmerkmal. Ohne Frage jedoch mag ich viele Bands die als Sludge betitelt werden. Namen sind eh Schall und Rauch. Wenn es die Leute glücklich macht sollen sie und nennen wie sie wollen. Ich behaupte in keinster Weise, dass wir besser und origineller sind als andere Bands. Nur: Uns ist das ganze Drumherum glaube ich ein Stück weit egaler.

Durch eure stilistische Offenheit ist es euch möglich auf den unterschiedlichsten Festival-/ Konzertmöglichkeiten zu spielen. Inwiefern unterscheidet sich beispielsweise die Reaktion des Publikums eines „Hell Over Hammaburg“ zu denen eines „Desertfest“ – oder gibt’s da kaum Unterschiede?

Mantar: Nun ja, HOH war schon geil. Da hast du halt zu 90 % nur absolute True Schooler. Sowas war schon lustig zu sehen und wir haben Merch verkauft wie bekloppt. Da freut man sich schon, wenn Leute die so verschworen auf bestimmte Sounds trotzdem deine Band feiern. Beim Roadburn oder Desertfest hast du halt echt einfaches Spiel. Das ist wie ne Hair Metal Band auf dem Sunset Strip. Die Leute dort wissen was sie wollen und das bekommen sie auch. Beides ohne Frage geile Festivals. Gerade Roadburn war natürlich für ne Band wie uns ein großer Ritterschlag. Immer wieder gern. Es war unser 8. Konzert glaube ich, haha. Aber auch hier: 50 % der Band hatte den Begriff Roadburn noch nie gehört. Vielleicht ist das genau der Grund warum man eingeladen wird. Wir versuchen einfach nicht ein bestimmtes Klientel zu bedienen. Das gefällt den Leuten.

Welche Ziele möchtet ihr mit MANTAR in Zukunft noch erreichen? Gibt es in Sachen „Entwicklungspotential“ überhaupt noch viele Möglichkeiten, wenn man mit dem Debüt bereits auf dem Roadburn auftreten konnte und nahezu überall gut angekommen ist?

Mantar: Nun ja. Wir wollen vor allem den Spaß an der Sache bewahren. Die Leidenschaft. Und im ernst: Danke an alle für alle die Blumen. Aber wir reden hier nicht über Iron Maiden, sondern über eine kleine Proberaum Band, die ein PlAtte gemacht hat, die eben gut ist. Punkt. Man muss die Kirche im Dorf lassen. Wir freuen uns über all das Lob, haben aber auch viel dafür gearbeitet. Wir haben noch sehr viel vor uns werden dieses Jahr viele Länder bereisen. Auch das erste Festival in den USA ist bestätigt. Sowas ist natürlich geil.
Wir freuen und über alles was kommt. Wir nehmen es als Geschenk. Und die einfachste Art ein Wunder zu beenden ist zu fragen warum, es da ist. Das gilt übrigens für alles im Leben.

Danke fürs Beantworten meiner Fragen! Falls ihr noch etwas loswerden wollt, dürft ihr dies gerne noch tun! ☺

Mantar: Wir haben zu danken. Danke für euren Support. Checkt "Death By Burning". Vielleicht hasst ihr die Platte ja. Wenn nicht: kauft sie. Oder klaut sie. Was auch immer.
Auf bald!