Interview mit Michael Amott von ARCH ENEMY

 

Hallo Michael, euer neues Album "Will To Power" steht in den Startlöchern. Der Vorgänger "War Eternal" hat jetzt drei Jahre auf dem Buckel und war ein riesiger Erfolg, auch eure neue Sängerin Alissa White-Gluz ist von den Fans gut aufgenommen worden. Wie siehst du die letzten drei Jahre retrospektiv betrachtet?

 

Natürlich haben wir zuerst einmal gehofft, dass die Fans Alissa als neue Sängerin annehmen würden, was ja zum Glück auch der Fall war. Ich habe aber auch von Anfang an an Alissa und das Album geglaubt, weswegen mich der riesige Erfolg natürlich sehr gefreut hat. Der Rest der Zeit bestand größtenteils aus einer Tour nach der anderen.

 

Hattet ihr überhaupt Zeit, zwischen "War Eternal", den vielen Touren, eurer Live-DVD und den Aufnahmen zum neuen Album mal Pause zu machen und Luft zu schnappen?

 

Hier und da, aber wir hatten schon ziemlich viel zu tun (lacht).

 

Wie haben denn die Aufnahmen zum neuen Album funktioniert? Alissa lebt ja immer noch in Kanada, Jeff in den USA und der Rest von euch in Schweden. Oder wart ihr wegen der vielen Touren eh ständig zusammen?

 

Natürlich waren wir auf Tour viel zusammen. Ich schreibe aber den Großteil der Songs zu Hause in Schweden und arbeite eng mit unserem Drummer Daniel zusammen. Das haben wir bisher eigentlich bei jedem Album so gemacht. Später sind dann Alissa und Jeff für die Aufnahmen nach Schweden gekommen.

 

Wie stark waren Alissa und Jeff denn diesmal ins Songwriting involviert? Auf "War Eternal" hatte Alissa ja etwa die Hälfte der Texte beigesteuert und du die andere Hälfte, war das diesmal auch so?

 

Ja, das war diesmal in etwa genauso. Jeff hat sich auf diesem Album allerdings noch nicht am Songwriting beteiligt.

 

Ich habe mir das neue Album natürlich schon angehört und ich mag vor allem das hohe Energielevel. Es fühlt sich auch ein wenig wie eine direkte Fortsetzung von "War Eternal" an, war das auch euer Ziel?

 

Mit einem direkten Ziel gehen wir eigentlich nicht ans Songwriting heran, wir schauen uns erst mal alle Ideen an, gucken , was gut passt und machen uns dann ans Feintuning. Ich würde aber auch sagen, dass "Will To Power" noch etwas direkter als "War Eternal" geworden ist, aber stellenweise auch verspielter.

 

Mit "Reason To Believe" habt ihr ja auch einen Song, der besonders hervorsticht. Alissa benutzt hier Klargesang, was für ARCH ENEMY neu und ungewöhnlich ist; gleichzeitig beinhaltet der Song viele eurer typischen Trademarks. Wie ist dieses Stück entstanden?

 

Nun, wir wollten eine Ballade schreiben, also eine Heavy Ballade. Viele unserer Lieblingsbands kommen aus dem klassischen Heavy Metal und diese Einflüsse finden sich natürlich auch in unserer Musik wieder. Bands wie Iron Maiden oder Judas Priest haben ihre großen Balladen und wir wollten den Kreis nun eben schließen. "Reason To Believe" habe ich tatsächlich zusammen mit meinem Bruder Christopher geschrieben und dann Alissa präsentiert, die auch ganz begeistert davon war. Ich finde die Nummer sehr cool, mal was andres.

 

Einige Fans hatten ja schon beim Einstieg von Alissa Bedenken, ob sie nun den Klargesang zu ARCH ENEMY bringen würde und ob das denn funktionieren könne. Ich finde die Mischung funktioniert gut und hoffe, dass man so was ähnliches auch in Zukunft noch mal von euch hört.

 

Das freut mich, wenn es sich ergibt und passt werden wir natürlich auch in Zukunft wieder etwas in der Richtung machen.

 

Ich hatte ohnehin den Eindruck, dass ihr auf "Will To Power" musikalisch mehr in Richtung Heavy Metal tendiert, grade die ersten Songs haben so einen latenten "Painkiller"-Vibe, würdest du da zustimmen?

 

Definitiv, Judas Priest mag ich ja allgemein, nicht nur "Painkiller", aber ja, klassischer Heavy Metal findet sich verstärkt auf dem neuen Album wieder.

 

Wie sehen denn eure Tourpläne mit dem neuen Album aus? Ich wette da kommt einiges auf euch zu.

 

Ja, mit dem neuen Album stehen natürlich wieder einige Touren an, die weltweite Nachfrage ist schon ziemlich hoch (lacht). Wir haben ja grade erst angefangen Tourdaten zu veröffentlichen, aber da steht noch einiges aus.

 

Also werdet ihr wieder konstant auf Tour sein?

 

Ja, die Pressemitteilung hat von ca. 200 Konzerten zu "War Eternal" gesprochen, aber ich denke es waren 300 (lacht). Aber wir genießen das und es ist ganz natürlich für uns, auf Tour zu sein.

 

Gibt es denn irgendwelche Orte, auf die ihr euch besonders freut?

 

Das ist ganz unterschiedlich, wir haben natürlich alle unsere eigenen Favoriten, aber ich freue mich immer besonders, wenn wir an neuen Orten spielen können, wo wir vorher noch nicht waren.

 

Habt ihr denn auf Tour Zeit, diese Orte auch tatsächlich etwas kennenzulernen?

 

Das ist unterschiedlich aber ja, zwischendurch haben wir Zeit und dann gehe ich gerne raus und schaue mir die jeweilige Stadt oder die Umgebung an. Das Touren bietet schließlich eine wunderbare Gelegenheit, die Welt kennenzulernen (lacht).

 

Bist du eher der Festival- oder der Indoor-Typ?

 

Naja, beides hat Vor- und Nachteile. Festivals bieten einem natürlich eine große Bühne und damit die Möglichkeit einer großen Produktion. Außerdem erreicht man ein breites Publikum und so ein großes Festivalpublikum ist natürlich immer wieder einmalig. Aber ich mag auch kleine Indoor-Shows, es ist heiß und verschwitzt und man ist einfach viel näher am Publikum. Das bevorzuge ich an kleineren Shows, denn auf Festivals hat man natürlich immer einen riesigen Security- und Fotograben zwischen sich und den Fans.

 

Ihr habt ja am Anfang des Jahres eure Wacken-DVD veröffentlicht, war das eure bisher größte und teuerste Show? Und habt ihr schon etwas Spezielles für die kommende Tour geplant?

 

Wacken war definitiv unsere bisher größte und aufwendigste Bühnenproduktion und ich hoffe, dass wir in Zukunft mehr davon liefern können. Für die kommende Tour haben wir eine neue Bühnenproduktion und den Einsatz neuer Technologien geplant, da dürft ihr also gespannt sein.

 

Kannst du schon etwas zur Setlist verraten? Wie wird die Gewichtung zwischen alten und neuen Songs sein?

 

Weißt du, es wird langsam wirklich schwierig (lacht). Wir haben inzwischen zehn Alben draußen und die Auswahl ist entsprechend groß. Bei vielen Bands ist es so, dass die Fans die alten Klassiker hören wollen und sagen: "Ich hoffe sie spielen nicht zu viele neue Songs". Bei uns ist es allerdings fast schon das Gegenteil; viele Fans wollen lieber die neueren Songs hören, weil "War Eternal" so ein enormer Erfolg war. Einige Songs von diesem Album müssen also auf jeden Fall bevorzugt eingeplant werden.

 

Ist dieser Fokus auf neueres Material auch einer der Gründe für dein kleines Nebenprojekt? Du hast dich ja für ein paar Shows mit den Gründungsmitgliedern von ARCH ENEMY unter dem Namen BLACK EARTH zusammengetan und ihr spielt nur Songs der ersten drei Alben. Ist da auch mehr geplant?

 

Nein, das ist ein reines Fun-Projekt. Wir haben im Prinzip das alte Neunziger-Line-Up von ARCH ENEMY zusammengetrommelt und ein paar Shows mit Songs aus der frühen Phase unserer Karriere gespielt. Das hat sehr viel Spaß gemacht, aber größere Pläne haben wir damit nicht.

 

Wie lassen sich denn deine sonstigen Projekte mit dem Erfolg und dem Terminplan von ARCH ENEMY vereinbaren, findest du da überhaupt noch Zeit für? Mit den Spiritual Beggars bist du ja z. B. auch noch aktiv.

 

Mit den SPIRITUAL BEGGARS haben wir auch erst kürzlich ein Album veröffentlicht und eine Tour durch Europa und Japan gemacht. Weißt du, andere Leute gehen in ihrer Freizeit an den Strand, ich setze mich mit Freunden hin und schreiben ein Album (lacht).

 

Du bist also zu 100% Musiker.

 

(Stöhnt etwas gespielt) Ja, traurig aber wahr.

 

Das kommende Jahr ist mit Sicherheit komplett ARCH ENEMY gewidmet, kommt ihr zwischen all den Touren und Terminen überhaupt mal nach Hause und könnt ausspannen?

 

Es ist viel zu tun, aber die Zeit nehmen wir uns zwischendurch.

 

Zum Abschluss noch eine letzte Frage. Welcher ist dein Lieblingssong auf "Will To Power"?

 

Ich bin natürlich mit allen Nummern sehr zufrieden, besonders stolz bin ich aber auf "Dreams Of Retribution". Das kann sich aber wieder ändern, mir fehlt momentan noch der Abstand zum neuen Material.

 

Dann danke ich dir für das Interview und drücke euch ganz feste die Daumen für einen erfolgreichen Release, das letzte Wort gehört dir.

 

Danke dir auch und wir freuen uns jetzt erst mal auf die kommende Europatour und besonders darauf, die neuen Songs live zu spielen.