Interview mit Notes From Maelis

 






Hey! Stellt doch bitte eure Band NOTES FROM MAELIS und euch kurz den Lesern vor.

Jay: Hi, wir sind Notes from Maelis aus Gießen und Marburg und wir bestehen seit Ende 2006, machen in der aktuellen und hoffentlich endgültigen Besetzung aber erst seit gut 16 Monaten Musik zusammen. Dabei ist Mo für das Schlagwerk zuständig, Rob zupft den 6-Saiter-Bass, Sven und ich übernehmen das Gitarren-Gebretter und Chris brüllt sich die Seele aus dem Leib.

Ungewöhnlicher Bandname, der förmlich nach einer Erläuterung riecht:

Jay: Ja, der Bandname… Der entstand recht spontan, nachdem wir alles Mögliche schon durchgekaut hatten. Wir wussten zuerst nicht so recht in welche Richtung der Name gehen sollte und da wir auch große Freunde von Konzepten und Dingen sind, die einen gewissen Bedeutungshintergrund haben, dauerte es auch bis wir auf den Namen kamen. Letztlich fiel mir die Wortkonstellation beim Proben ein und alle waren einverstanden.
Ich denke auch, dass der Name für jeden eine individuelle Bedeutung hat und man durchaus unterschiedliche Interpretationsmaßstäbe anlegen kann. Das ist von uns auch bewusst so offen gelassen.
Wenn ich jetzt nur aus meiner Sicht sprechen soll, dann sehe ich in dem Bandnamen alles, was die Band ausmacht: Noten, die sowohl hart als auch zart daher kommen können – die Ambivalenz von Maelis – und Texte, die aus einer persönlichen Motivation übergreifende Sachverhalte behandeln – wie Briefe oder Notizen. Ich sehe die Band und so auch den Bandnamen als ein Sprachrohr auf sinnlicher und textueller Ebene; wie Botschaften die von oder aus „Maelis“ versendet werden. Ob das jetzt nun eine Person, ein Ort oder sonst was ist, bleibt jedem selbst überlassen. Der Name ist gewollt mehrdeutig, egal, ob man jetzt wörtlich oder metaphorisch an ihn heran geht.

Bevor wir zur Musik eurer neuen EP "The Scars We Share" kommen, muss ich auf das ausgesprochen gute Artwork eingehen. Von wem stammt es und was
steckt hinter dem Cover?


Chris: Ja, von diesem Artwork waren wir auch sehr begeistert! Es stammt von Jens Bachmayer, ein guter Freund von mir aus der alten Heimat, mit dem ich auch schon Musik gemacht habe. Ich wusste dass er ein begnadeter Zeichner ist und so hab ich unsere Konzeptgedanken und Vorstellungen zu ihm getragen. Wir wollten einen visuellen Oberbegriff für unsere Texte, nämlich eine Person in einer Gruppe von Menschen, die die gleichen Schicksale tragen und diese Person aus ihrer ganz persönlichen Sicht und der der andern erzählt. So kam dann auch der Titel „The scars we share“ zustande, denn wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Menschen auf dem Cover zugenähte Augen haben. Ja und so hat uns dann Jens zwei Monate später mit diesem, ich will mal sagen Meisterwerk in Acryl, überrascht.

Musikalisch seid ihr in keine Schubladen zu pressen. Ihr erzählt Geschichten im Bereich der modernen Musik, bedient euch zahlreicher Stilmittel. Wie würdet ihr euren Output bezeichnen?

Sven: Die eigene Musik zu beschreiben ist immer eine undankbare und schwierige Sache. Floskeln wie „anders, individuell oder einzigartig“ wollen wir uns an dieser Stelle sparen. Anfängliche Devise war atmosphärischen Metalcore zu machen. Wir haben alle unseren musikalischen Backround, den man zwar auf Metal, Hardcore und Punk eingrenzen kann, aber innerhalb dieser Grenze bringt jeder seinen Geschmack und seinen Input rein. Diese Freiheit müssen und wollen, wir uns als Band nehmen, weil wir versuchen so demokratisch wie möglich Musik zu machen. Scheuklappen gibt es bei uns nicht, wir verarbeiten alles was geht, Spaß macht und in den Song passt. Da kommt natürlich einiges zusammen. Viele Facetten des Metal, neueren Hardcore, Post Rock und 3-2-1 Grind (grins). Die Blast Anteile sind seit Mo dabei ist besorgniserregend gestiegen.





Auf jeden Fall seid ihr jederzeit melodisch und aggressiv zugleich, reiht Atmosphäre an Abgehparts und verschweißt diese Gegensätze zu einem homogenen Haufen. Stimmt ihr mir zu, dass ihr einen Drang zur Individualität, aber auch zur Nachvollziehbarkeit besitzt?

Sven: Da hast du es gut getroffen. Songs müssen für uns Sinn machen, d.h. musikalisch sollen sie nicht nur von einem Part in den nächsten führen um dann am Ende eine Patchwork Ansammlung von fetten Riffs zu haben, dem einen Namen geben und fertig. Allerdings wollen wir auch nicht auf ausgelatschten Pfaden vorwärts. Die überstrapaziertesten Stereotype versuchen wir bewusst zu umgehen. Wir suchen uns in den seltensten Fällen den einfachsten Weg sondern versuchen immer sinnvolle Umwege zu gehen ohne uns dabei zu verlaufen.

Rob: Wir sind stets bemüht den Songs eine komplexe Mischung an atmosphärischen und moshigen Parts zu verleihen, sie müssen jedoch auch gut verdaulich für den Hörer sein. Es nützt die geilste Fricklerei nichts, wenn es schnell nervig und nicht mehr nachvollziehbar wird, daher achten wir immer darauf einen Hybrid zu schmieden. Also kurz: Ja ich stimme dir zu!^^

Wie geht ihr beim Songwriting vor? Wie lief der Aufnahmeprozess mit Thilo Krieger?

Sven: Songwriting ist bei uns sehr demokratisch geregelt. Jeder gibt seinen Senf dazu. Natürlich kommen meist Jakob oder ich mit einem Riff an, das dann diskutiert und anschließend zerhackt, gedreht, gevierteilt und am Ende genau rückwärts gespielt wird. Das kostet viel Zeit und Nerven. Aber wenn wir dann wieder einen Song zusammenhaben, können wir sicher sein, das wir alle mit dem Resultat unserer Mühen zufrieden sind.

Mit Thilo im Desert Inn war es eine tolle Erfahrung, wir konnten sehr von seiner Erfahrung profitieren. Einige Dinge haben im Studio doch nicht so toll funktioniert wie wir uns das vorstellten, doch Thilo gab uns genügend Raum das in Ordnung zu bringen.

Jay: Die Studio-Erfahrung war sehr wichtig für uns und es war auch eine coole gemeinsame Zeit. Allerdings war es für die Meisten von uns auch der erste Kontakt mit einer professionellen Aufnahme-Situation. Daher konnte man vieles nicht voraus ahnen und man wurde mit Situationen konfrontiert, die man sich lieber erspart hätte. Aus diesen Erfahrungen schöpfen wir aber für den nächsten Studio-Aufenthalt, da wir jetzt wissen, was funktioniert und was wahrscheinlich nicht. Thilo hat seine Aufgabe aber bravourös gemeistert, ist auf jeden gleichermaßen eingegangen und ist so versiert, in dem was er tut, dass auch unsere Chaos-Truppe ihn nicht aus der Ruhe bringen konnte! ;)

Interessant auch, dass ihr in dieser Besetzung erst seit letztem Jahr zusammen zockt. Dafür hört sich "The Scars We Share" sehr aufeinander
eingespielt an. Ihr scheint euch gefunden zu haben, oder?


Sven: Ja, das Schicksal hat es so gewollt und es bekommen. Seit letztem Jahr haben wir ein musikalisches Niveau erreicht, mit dem glaub ich keiner vorher gerechnet hat. Das Zusammenspiel klappt nicht nur großartig, es macht auch unheimlich viel Spaß. Ich persönlich bin der Meinung, dass diese Combo einiges an Potential hat, das noch nicht ausgeschöpft ist.

Rob: Wir haben wirklich Glück in dieser Formation spielen zu können. Jeder einzelne ist richtig gut in dem, was er macht. In der Tat haben wir uns sehr schnell aufeinander eingestellt, was auch daran liegt das wir uns spieltechnisch immer mehr vornehmen, als wir eigentlich können, was uns zu intensiven Übungs-Sessions zwingt. Wichtig ist natürlich auch die Chemie zwischen uns, würde die nicht stimmen, würde sich unsere Musik wahrscheinlich anders anhören.

Vor allem ist der Gesang mit Klasse ausgestattet, da er Emotionen transportieren kann und für mich wie ein weiteres Instrument klingt.

Chris: Phu…vielen Dank. Was soll ich da sagen, ich kann doch so schlecht mit Komplimenten. Ich denke ich mache nicht viel anders als andere Sänger. Ich stecke einfach meinen ganzen Spaß am Musikmachen in mein Instrument und das kommt dann bei mir dabei raus. Dass es wie ein weiteres Instrument klingt freut mich dann noch mehr zu hören, nicht nur weil es das erste mal ist, sondern weil es beim Songwriting ein ganz besonderer Anspruch an mich selbst ist. Und da ist es schön zu hören, dass es funktioniert. J

Könnt ihr die Texte erläutern? Was steckt hinter den einzelnen Songs?

Chris: Wie gesagt steckt ja ein Gesamtkonzept dahinter. Ein emotionaler Werdegang, die eine Person stellvertretend für eine Gruppe erzählt. „An oath to a lie“ ist ein gedankliches Selbstgespräch, das die ersten inneren Konflikte zu Tage bringen soll. Der Konflikt, sich wohl wissend einer Lüge zu verpflichten. Deutlicher wird dieser aber erst, wenn man „of hate and misery“ unter dem Hintergrund liest, dass diese Person sich im Krieg befindet und dort seine Emotionen und Eindrücke beschreibt. „Your fiery eyes“ bewegt sich weiter in diesem Kriegszustand. Ob dieser nun ein realer, oder ein innerer Zustand ist, wollte ich dem Leser bewusst offen halten. Die Texte sollen in beide Richtungen funktionieren, sodass sich vielleicht der ein oder andere in der ein oder anderen Situation wieder erkennen kann. „Choking on razor wire“ beschreibt eigentlich ein düsteres Seelenleben, dem man so sehr entfliehen möchte, dass man sogar dessen Grenzen, bildlich durch den Stacheldraht verdeutlicht, verschlingen will. Bei „Fall into oblivion“ wird es dann schon wieder Realitätsnäher. Ich will nicht jeden Satz erläutern, aber lest den Text einfach mal als eine Beschreibung eines Obdachlosen, der der Protagonist nach dieser Erlebnis- und Gefühlsodyssee geworden ist.
Das war jetzt zwar nur ein kurzer Abriss. Aber ich möchte dem Leser auch nicht zuviel vorweg nehmen. Ich wollte die Texte bewusst, in einem gewissen Maße, interpretationsoffen gestalten, sodass man sie in verschiedene Richtungen lesen kann.

Wann veröffentlicht ihr euer erstes Album und über welches Wunschlabel?

Sven: Im Herbst werden wir erstmal unsere zweite EP aufnehmen. Das macht in unserer Situation mehr Sinn, vor allem finanziell. Damit werden wir aber wieder ordentlich um uns schmeißen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Vielleicht beißt dann ja mal ein Fisch an. Toll wäre es natürlich auf Bastardized unterzukommen.

Jay: Ich kann Svens Aussage nur unterstreichen: Wir scheinen eine EP-Band zu sein.
Ansonsten fände ich vom Label noch Lifeforce oder auch Denovali interessant, wobei wir ins Raster von letzterem wohl leider nicht wirklich reinpassen. Von den ganzen Giganten wie Century Media, Metal Blade, Ferret etc. braucht man ja gar nicht erst anfangen… ;)

Habt ihr noch Tipps für unsere Leser? Welche Alben, welche Bücher und welche Filme sind zu empfehlen?

Jay: Die mit uns gut befreundeten Bands Create.Use.Shatter und Atka sind definitiv zwei Ohren wert. Ansonsten höre ich noch immer das hierzulande leider viel zu sehr untergegangene „Ley Lines“ von Embrace the End hoch und runter und kann den Scorsese-Film „Shutter Island“ sehr empfehlen, auch wenn der Twist einem erfahrenen Psycho-Thriller-Liebhaber recht schnell offenkundig wird. Abgesehen davon sollte meiner Meinung nach jeder „Stay“ von Marc Forster mindestens zweimal gesehen haben…

Letzte Frage: Welche Ziele verfolgt ihr mit NOTES FROM MAELIS?

Sven: Wir rocken was geht, ohne dabei zu naiv vom Erfolg zu träumen. Wir wollen musikalisch noch deutlich weiter kommen und wenn sich ein gewisser Erfolg einstellt wäre das natürlich schön, aber damit rechnen wir jetzt nicht, denn das Business ist nicht nur knallhart, es funktioniert auch nach seinen eigenen Regeln.

Rob: Natürlich wäre ein kommerzieller Erfolg schön, jedoch ist das heutzutage mit dieser Musik ein hartes Brot. Es ist jedoch immer schön positives Feedback aus dem Publikum und von anderen Bands zu bekommen. Wenn uns das zu mehr und größeren Gigs führen würde, können wir, glaube ich, schon von einem Erfolg sprechen, mit dem wir gut leben können (grins).

Was soll auf eurem letzten Myspace-Abschiedstext stehen:

Sven: Vielen Dank für die Weltherrschaft ihr Trottel ;-)

Nee vielleicht: NfM is dead yet. Bitte für den Sound. Geldbringende Coverbands bitte melden! ;-)

Rob: "Das wars!"


Vielen Dank für das Interview, ich wünsche euch und der Band alles Gute!

Wir danken für die Möglichkeit und grüßen alle Leser.

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von 02.09.2010 02:36

von 02.09.2010 15:08