Interview mit Only Crime

 


Only Crime sind momentan als Support für No Use For A Name auf Europa-Tour. In Münster, vor ihrem Auftritt in der Sputnikhalle, ergab sich die Gelegenheit Russ, Aaron und Dan ein paar Fragen zu stellen.

Im Vergleich zu Eurem ersten Release “To The Nines” ist “Virulence” noch ein Stückchen härter und dissonanter ausgefallen. Was waren die Unterschiede im Songwriting- und Aufnahmeprozess?

Aaron: Als wir “To The Nines” aufnahmen, haben wir gerade erst angefangen zusammen zu spielen. Bevor wir aufnahmen, haben wir fünf noch nie zusammen gespielt. Jeder schrieb individuell Songs für das Album, es passierte nicht als Band. Aus diesem Grund klangen die Stücke ähnlich, wie die unserer alten Bands. Insbesondere Russ schrieb einen Großteil der Musik, weshalb manche Stücke sehr an Good Riddance erinnern. Bei “Virulence“ war es anders, da schrieben wir alle Songs zusammen. Wir trafen uns alle im Blasting Room, dem Studio von Bill Stevenson, für ein paar Wochen und spielten zehn Stunden am Tag und das jeden Tag.

Nach der Aufnahme zu “Virulence” haben Euch die Blair-Brüder verlassen. Zach hat sich Rise Against angeschlossen und Doni wollte sich mehr den familiären Dingen widmen. Wie groß war die Enttäuschung, vor allem weil Ihr Euch mit dem Sound von “Virulence“ von Euren alten Bands emanzipiert hattet?

Aaron: Es war schon eine Enttäuschung, aber ich denke im Endeffekt war es besser so. Unser Sound ist nun einfach ein bisschen unterschiedlicher. Zach and Doni haben ihr ganzes Leben lang zusammen gespielt, sie haben genau denselben musikalischen Hintergrund und die gleichen musikalischen Einflüsse. Als sie aufwuchsen wurden sie insbesondere von Bill Stevenson (Black Flag, Descendents, Only Crime) sehr geprägt, was bedeutete, dass wir drei Leute mit denselben musikalischen Wurzeln in der Band hatten. Jetzt ist es so, dass jeder unterschiedliche musikalische Erfahrungen gemacht hat. Dan, unser neuer Bassist, hat ganz andere Einflüsse, genauso wie Matt, unser neuer Gitarrist, der vorher bei Modern Life Is War aktiv war.

Vor rund zwei Jahren habt ihr “Virulence” veröffentlicht. Arbeitet ihr mittlerweile an neuem Material und gibt es schon konkrete Pläne für ein Release?

Dan: Ja, wir planen nach dieser Tour direkt in den Blasting Room nach Fort Collins zu fahren und unsere neuen Ideen auszuprobieren, die wir alle im Kopf haben. Das ist ein wichtiger Punkt in der ganzen Sache. Manches Parts klingen gut, wenn man sie Zuhause für sich schreibt, aber wenn sie dann zusammen gespielt werden, passt es halt nicht immer. Wir müssen also schauen was dabei herauskommt.

Aaron: Wir hoffen, dass wir zu Beginn des Sommers soweit sind, dass wir anfangen neue Songs aufzunehmen und sie dann Endes des Jahres veröffentlichen können.

Ihr spielt jetzt seit rund fünf Jahren zusammen. Seid ihr zufrieden mit der Entwicklung bis hier hin?

Aaron: Ja, auf jeden Fall! Es nur ein bisschen schade, dass Bill immer soviel zu tun hat oder ich mit Bane zeitweise sehr eingespannt war, so dass wir viel zu selten auf Tour gehen konnten. Mittlerweile ist es aber so, dass wir für Bill einen Ersatzmann am Schlagzeug haben, so wie auf dieser Tour, und deswegen ein wenig flexibler sind. Ich hatte Bill wirklich gerne hier, aber es macht auch Spaß zu touren und wenn beides nicht geht, muss man nach einer Lösung suchen.

Dan: Das Ding mit Only Crime ist, dass Aaron ein vollen Terminplan hat durch Bane, Russ hat immer etwas in Santa Cruz zu tun und ich bin Ingenieur. Zusätzlich leben wir auch noch in verschiedenen Staaten der USA. Aber es ist ok, denn bei Only Crime geht es nicht darum so viel wie nur möglich zu touren und sich eine riesige Fanbasis und einen hohen Status zu erspielen. Es basiert alles etwas mehr auf Spaß. Natürlich nehmen wir die ganze Sache ernst, aber wir machen uns keinen unnötigen Stress.

Russ, Du hast immer gesagt, ein Grund warum sich Good Riddance sich aufgelöst haben war die fehlende Nachfrage in den letzten Jahren. Eure Alben haben sich nicht mehr gut verkauft und Eure Shows wurden nicht mehr so gut besucht. Ist die Resonanz mit Only Crime positiver?

Russ: Es ist keine Frage der Resonanz. Diese beiden Bands sind komplett unterschiedliche Angelegenheiten. Bei Only Crime geht es vor allem darum als Musiker zu wachsen und nicht darum erfolgreich zu sein.

Dann nehmt ihr es wahrscheinlich auch nicht ganz so Ernst, wenn ihr vom Publikum mal nicht so angenommen werdet. Gerade bei dieser Tour ist es doch bestimmt schon vorgekommen, dass viele Leute nur wegen No Use For A Name kommen und euch eher links liegen lassen, oder?

Aaron: Doch, es ist trotzdem hart manches Mal!

Dan: Ja, das stimmt, aber es ist immer jemand im Publikum, der auch unsere Musik mag und abgeht und das gibt der ganzen Sache den nötigen Sinn.

Russ, Seit 1987 bist Du Straight Edge. Als einen Grund dafür hast Du massive Alkoholprobleme zur damaligen Zeit angegeben. Ab wann hast Du gemerkt, dass es über den normalen Konsum hinausgeht und zum Problem geworden ist und wie viel hast Du zu damaligen Zeit getrunken?

Russ: Es war auf jeden Fall schlimm genug…

Trotz allem bist Du häufig umgeben von Leuten, die teilweise exzessiv trinken. Zum Beispiel wenn Du auf Tour bist. Wie gehst Du mit solchen Situationen um?

Russ: Die meisten Leute respektieren meine Situation und ich gehe (hoffentlich) respektvoll mit ihrer um.

Du bist ja seit jeher für Deine politische Aktivität bekannt, so bist Du z.B. registriertes Mitglied der Grünen in den USA. Leider haben diese auf bundesweiter Ebene keinen Einfluss auf politische Entscheidungen. Was ist für Dich da der Hauptgrund?

Russ: Die USA haben leider keine freie Presse und das Kommunikationssystem dort gehört einer kleinen reichen Minderheit (Anm. d. Red. z.B. Ted Turner oder Rupert Murdoch), die nicht von einem freieren Markt profitieren würden.

In Deutschland bildete die SPD zusammen mit den Grünen von 1998 bis 2005 die Regierung. Bereits 1999 haben die Grünen damals einen ihrer Grundwerte über den Haufen geworfen und Soldaten in den Krieg im Kosovo geschickt. Wenn jemals der Tag kommt, an dem die Grünen ein Land wie die USA regieren, glaubst Du, dass sie dann ihren Werten treu bleiben können?

Russ: Sicherlich würden die Grünen die Armee beibehalten, sie allerdings nur im Falle der Verteidigung nutzen. Ich glaube die Grundwerte der Grünen, also soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit, sind Werte an die viele Amerikaner glauben. Das Problem ist, dass die meisten Amerikaner noch nie etwas von dieser Partei gehört haben.

Der Neoliberilsmus hat dieser Tage, zum Glück, ein wenig abgedankt. Unglücklicherweise sind mit ihm auch viele Jobs verloren gegangen und die ärmeren de Welt- und US-Bevölkerung leiden unter den Konsequenzen. Glaubst Du es gibt so etwas wie Mitgefühl und Solidarität, z.B. für die Arbeiter der Automobilindustrie in Michigan?

Russ: Ich glaube Amerikaner sind viel zu egoistisch und habgierig, als dass es wahre Solidarität geben könnte. Der heutigen Gesellschaft fehlt es eindeutig an zivilgesellschaftlichem und sozialem Bewusstsein. Ich würde es gut finden, wenn ein wenig mehr an die Mitmenschen gedacht würde.

Nun ist Obama im Amt. Welche Art des Wechsels versprecht Ihr Euch davon?

Aaron: Es wird definitiv einen Wechsel geben, aber es wird eine ganze Zeit dauern, um das Chaos, was aktuell herrscht zu beseitigen.

Russ: Ich hoffe, dass er ein wenig die Luft aus unserem aufgeblähten Regierungsapparat lässt und die Leute, die ihre Jobs verloren haben schnellstmöglich wieder integrieren kann.

Dan: Wir haben ein praktisch ein Zwei-Parteien-System, theoretisch gibt es zwar noch andere, aber diese anderen Parteien werden von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen. Es läuft also auf die Republikaner und die Demokraten hinaus und ehrlicherweise muss man sagen, dass sie sich kaum unterscheiden. Was ich also in erster Linie gut finde ist, dass wir wieder einen Präsidenten haben, der in ganzen Sätzen spricht und das ganze Land repräsentiert und nicht nur den Staat Texas. In jedem Fall ist er eine charismatische Person und seine Ansätze sind die richtigen und vielleicht ist er in der Lage, die Gedanken der Amerikaner zu verändern, so dass in der Zukunft mal eine andere Partei die Möglichkeit bekommt zu regieren. Eines steht auf jeden Fall fest: Es kann eigentlich nur besser werden, denn alles ist besser als das, was wir aktuell haben.

Aaron: Keinen Präsidenten zu haben, wäre besser als den jetzigen zu behalten!

Alte Kommentare

von bruce 23.01.2009 10:17

schönes inti!!