Interview mit Pale

 

PALE – Interview mit Schlagzeuger Stephan

Hallo zusammen. Euer Album „Brother Sister Bores!“ ist nun bereits seit einigen Tagen in den Regalen der Plattenläden. Wie hat sich Eure Stimmungskurve seit dem Release des Albums denn so verhalten?

Ach, da ging es ja in den letzten 8 Wochen eigentlich immer weiter und wir hatten gar nicht so die Luft um mal über unsere eigene Stimmung nachzudenken. Allerdings war innerhalb der Band die Stimmung nie besser. Das hat glaube ich weniger mit dem neuen Album, sondern viel mit der Entwicklung von uns Fünfen zu tun. Den Stress haben wir jedenfalls bei der 2002er Platte schlechter weggesteckt und uns zu sehr an Dingen aufgerieben die außerhalb der Musik lagen.

Im Moment gibt es jeden Tag neue Sachen im Bandumfeld über die wir uns freuen: Sei es erste Reaktionen aus Japan, dem VÖ der Platte in England, Kurz-Auftritte in Wien und sowas. Zudem lernen wir mal wieder eine Menge neuer Menschen kennen und sehen neue Orte – Das ist immer ein Grund zur Freude...

PALE ist eigentlich schon länger eine Band die sehr von der Presse gemocht wird und meist gute Kritiken erntet. Auch „Brother Sister Bores!“ wurde in der Presse gelobt. Wie läuft es denn kommerziell für das Scheibchen?

Eine gute Frage... Das wissen wir selbst auch nicht. Wir haben darum gebeten, dass wir erst Ende des Jahres genaue Verkaufszahlen bekommen. Hat vielleicht auch ein wenig was mit dem „Künstlerseelchen“ zu tun, aber letztendlich ist das für uns nur eine Sache die eher für das Label, den Vertrieb und das Management als für uns interessant ist. Das ganze Downloaden und Durchreichen der Musik verfälscht das Ganze ja sowieso auch nochmal - Die direkten Verkäufe auf den Konzerten sind jedenfalls schonmal sehr, sehr gut gewesen bisher.

Ich persönlich glaube ja, dass das neue Album zwar auch unser intensivstes und vielleicht auch das – sagen wir mal – melancholischste ist, aber es ist auch eher eine Publikumsplatte als alle anderen geworden. Aber man selbst kann das ja immer so schwer beurteilen


Jetzt, wo eine ganze Reihe an US Bands, die gemeinhin als „Emo“ bezeichnet werden, Charterfolge feiern, habt ihr da schon mal drüber nachgedacht ein wenig mehr „Emo“ und weniger „Indie“ zu sein (bitte nicht ganz ernst nehmen)?

Gut, dann nehme ich die Frage mal nicht so ernst... Nein natürlich nicht. Das EMO-Etikett war aus unserer Sicht ja nie relevant für uns und wir haben immer versucht das ein wenig zu brechen. Wahrscheinlich würde sich die „Razzmatazz“ CD – wenn man die denn als das bezeichnen will, was heute EMO ist – im Jahre 2006 auch gut verkaufen. Aber daran braucht man ja gar nicht zu denken. Die Songs entstehen ja nicht aus einer Überlegung heraus, sondern aus uns Fünfen, soviel bewussten Drive kann man als Band schwer beim Songwriting reinlegen.

In Eurem Promotext gibt es so eine schöne Passage, die man auch in vielen der Reviews wieder findet. Sie besagt: „Auf unseren früheren Platten gab es immer noch ein Augenzwinkern oder eine ironische Ebene. Damit ist jetzt Schluss“ Was genau wollt ihr damit zum Ausdruck bringen?

Wir hatten schon immer diese etwas melancholische Stimmung in den Songs und den Texten drin. Jetzt keine negative, welttraurige Intention, sondern eher eine melancholische Aufbruchstimmung. Bei vielen Songs auf den vorangegangen Alben haben wir das ganze mit Ironie und einem Augenzwinkern vermengt, wir sind viel jugendhafter an die Sache und die Songs rangegangen. Man selbst und das Leben um einen herum ändert sich einfach wenn man Älter wird und so geht man auch als Band nicht mehr genauso wie mit 25 an die Dinge ran. Ich will jetzt nicht sagen, dass man dann Ernsthafter wird, aber man stellt sich einfach andere Fragen und kann über vieles nicht mehr so einfach hinwegsehen – oder seiht es zumindest anders. Das spiegelt sich dann auch im Tenor einer Platte wieder.
Für uns war das augenzwinkernde Zitieren oder die ironische Zwischenebene einfach fehl am Platz dieses Mal – Wir wollten und mussten auch für uns selbst klarstellen wo wir stehen und was für uns wichtig ist. Daher ist „Brother.Sister.Bores!“ ein Album mit dem wir uns beschäftigen mussten und über Dinge die uns beschäftigt haben. So kann man das wohl sagen.


Ihr habt ja tatsächlich einige Shows mit PANIC! AT THE DISCO gespielt. Wie passen PALE zu PANIC! AT THE DISCO?

Ach, eigentlich ganz gut offensichtlich: Die Konzerte waren super und ich glaube wir sind den ganzen Leuten da nicht auf den Nerv gegangen Ha... Im Ernst, die Reaktionen darauf waren überall äußerst positiv, also passt das doch mehr, als man vielleicht im ersten Moment denken mag.

Wie kam es zu den Support Shows?

Wir wussten ja, dass wir eine zweite Single rausbringen werden und als wir mit den Planungen rund um die Veröffentlichung von „I Am Sorry (You Are Not)“ begonnen hatten, kam das Angebot rein, dass wir die Deutschland-Konzerte mitspielen sollen. Ehrlich gesagt, haben wir dann gar nicht großartig überlegt, es war für uns klar, dass wir da auf der Bühne stehen werden.

Wie waren die Shows? Wie seid ihr bei dem doch sehr jungen Publikum angekommen? Ich stelle mir das ähnlich wie die SAMIAM Support Shows von BILLY TALENT vor.

Wie ich eben schon meinte, die Reaktionen waren super. Und nur, weil wir jetzt ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, passt das doch immer noch zusammen. Ich glaube nicht, dass da irgendjemand von uns und den Leuten groß drüber nachgedacht hat – Vielleicht haben wir uns auch nur so gut gehalten, dass es niemandem auffällt Ha ha...


Ich hatte kürzlich das zweifelhafte Vergnügen eine nächtliche Autofahrt im Sprinter neben 8 besoffenen und unangenehm ausdünstenden Musikern zu erleben. Kann man sich den PALE Touralltag ähnlich vorstellen?

Ha, wahrscheinlich schon ähnlich. Aber seien wir ehrlich: Der alte Spruch von „Musikmachen besteht zu 90% aus Warten und Rumsitzen“ stimmt ja erschreckenderweise. Der Touralltag ist eben bis auf die 75 Minuten auf der Bühne eigentlich immer gleich. Man hat den ganzen Tag nicht viel zu tun und wenn man dann von der Bühne kommt, dann geht der Tag eigentlich erst los – Danach ist man zum ersten Mal richtig „wach“. Dass man dann nicht direkt wieder ins Bett geht und auch mal das eine oder andere Bier trinkt, versteht sich von fast selbst. Na gut, vielleicht nicht bei Straight-Edge Bands, aber da sind wir ja nicht.

Vier Jahre sind seit „How To Survive Chance“ vergangen, wie hat sich Euer Leben in der Zeit verändert?

Im Grunde eigentlich sehr viel und dann auch wieder sehr wenig. Heute sind zwei von uns verheiratet, fast alle leben mit jemandem zusammen und haben feste Beziehungen, man hat Jobs oder bringt gerade sein Studium endlich hinter sich... Soetwas eben. Aber andererseits, ist vieles auch noch gleich geblieben. Die z.B. Jobs macht man nicht, um da weiter zu kommen, sondern damit die einem das Musik-Machen ermöglichen.

Ein Grossteil des Albums geht ja auch um solche Dinge: Das Entdecken das andere Leute in deinem Alter etwas ganz anderes machen, dass Leute aufgehört haben sich allzu intensiv mit Musik zu beschäftigen, dass Menschen auf dich zukommen und dir das was du liebst ausreden wollen. Und das muss man sich ja nicht einreden lassen, man kann seinen Weg gehen und mit dem dagegen halten. Dass man eben versucht den Stereotypen zu entfliehen und etwas Eigenständiges dagegen zu setzen.

Letztendlich hat das auch den „Sound“ von Pale verändert und es war uns wichtig, dass alles was in uns und um uns herum passiert ist, auch in allen Elementen der Platte Einzug findet.

Die Sache mit dem „Mehr an Streichern“ und dem veränderten Songwriting hat da zum Beispiel seinen Ursprung – Damit die entsprechende Atmosphäre eben auch da ist und wahrgenommen wird.

Euer Album war komplett im Kasten bevor Ihr Euch mit verschieden Labels in Verbindung gesetzt habt. Mit wem habt ihr denn alles so gesprochen und warum viel die finale Entscheidung auf das Grand Hotel?

Ach wir haben die fertigen Aufnahmen an vielleicht Fünf Menschen in Deutschland geschickt. Da wo man wusste, dass es vielleicht passen könnte, bzw. wo man schon vorher auf ein Interesse gestossen ist. Wir haben ja nie an irgendwelche Bandwettbewerben teilgenommen oder grossartig Demos für die Platten verschickt – Wir haben uns immer auf den Zufall und die eigene Kraft verlassen.

Bei einigen Leuten ist es halt nicht über ein erstes Gespräch hinaus gekommen, weil man gemerkt hat, dass man doch nicht so gut zusammen passt. Letztendlich war nach dem Gespräch mit Reimer, Thees und Marcus klar, dass wir gut zusammen können. Also jetzt nicht nur auf menschlicher Ebene – das wussten wir ja vorher schon – sondern eben auf der musikalischen und promotechnischen Seite. Zudem finden wir ja persönliche die Bands auf GhvC auch selbst gut und haben und wahnsinnig gefreut, dass die Platte bei eben diesem Label herauskommen wird.

Wie geht es weiter mit PALE?

Im Moment ist noch eine Menge rund um die Platte zu machen: Gerade ist das Album nochmal extra in Österreich und Japan veröffentlicht worden, England und Benelux steht kurz bevor, wir werden im Dezember noch ein paar Konzerte spielen und eine Abschlussparty in Aachen feiern. Dann geht es im Januar auch eigentlich schon direkt weiter und wir spielen auf der Eurosonic in Groningen, vielleicht noch ein paar Konzerte drumherum mehr, die nächste Tour ist schon für Ostern in der Planung, etc... sowas eben.

Denke, wir werden auch direkt im Januar anfangen neue Stücke für das kommende Album zu schreiben – Nochmal 4 Jahre wird es jedenfalls nicht dauern...