Interview mit Pandorium

 

Eine klassische Frage vorab: Wer ist auf den Bandnamen PANDORIUM gekommen und was bedeutet er?

Zunächst hießen wir „Hell´s Breath“, benannt nach dem gleichnamigen, uralten Song von Exodus. Wir merkten allerdings schnell, dass der Name zu stereotyp klingt und nicht grad viel Raum für Interpretation lässt. Ich wollte etwas mit mehr Athmosphäre und Kreativität und schlug etwas in Richtung „Büchse der Pandora“ vor. Nun, da das Internet nur so von „Pandora“,“Pandora´s Box“ und „Pandorum“ wimmelt, quetschten allen voran ich und unser ehemaliger Schlagzeuger den Buchstaben „i“ zwischen. Schon war „Pandorium“ geboren.
Natürlich steht „Pandorium“ in einem gewissen Zusammenhang mit der Legende von Pandora´s Büchse, im Grunde kann allerdings jeder in diesen Namen hineininterpretieren was er mag: Pandorium kann ein unheilvoller Ort, ein Gebäude oder ein Wesen sein. Zumindest…Solange es keinen selbstbetitelten Song gibt, in dem der Name lyrisch eindeutig behandelt wird! (Lach)

Stellt euch doch einmal kurz vor. Was macht ihr neben der Band?

Ich bin gelernter Elektroniker für Geräte und Systeme und arbeite als Facharbeiter in der Fertigungsabteilung einer kleinen Firma. Unser Basser Schlotti studiert Mechatronik, unser Gitarrist Marvin Elektrotechnik, und unser Schlagzeuger Jannik schlägt die Informationstechnische Richtung ein. Alles in allem schaffen wir es sehr gut, unsere Hauptbeschäftigungen mit der Band im Einklang zu bringen.

Euer Debütalbum „The Human Art Of Depression“ ist ein lupenreines DIY-Produkt. Erzählt mal ein
bisschen zur Entstehung und wie lange der Prozess von der Planung bis zum Anfassen des Endprodukts gedauert hat. Würdet ihr noch einmal genau so alles machen?


Pandorium existierte 2012 eine ganze Weile lang nur noch zu 50%, da unser ehemaliger Schlagzeuger und Gitarrist aus zeitlichen Gründen ausstiegen. Diese Zeit nutzte ich um Songs zu schreiben und ein sorgfältig durchdachtes Projekt für 2013 zu planen, was „The Human Art Of Depression“ heißen sollte. Die Studioaufnahmen im mir wärmstens und zu Recht empfohlenen Metalsound-Studio in Osterode am Harz begannen am 20. April 2013 und dauerten bis Anfang August an, da sich die Studioaufenthalte durch unsere Hauptbeschäftigungen und die Entfernung größtenteils auf das Wochenende beschränkten. Danach gab es so das ein oder andere Hin-und-her mit dem Artwork Designer und dem Presswerk, bis ich die Schätzchen schließlich am 21. Oktober bei mir Zuhause vorfand.
Ob wir noch einmal alles genau so machen würden? Dieses spezielle Projekt genau so, ja.
Beim nächsten Mal sehen wir allerdings zu, dass wir uns Zeiträume suchen, in denen wir mehr Material an einem Stück aufnehmen können und uns etwas intensiver auf die Studioarbeit vorbereiten…wir wollen den Sauer ja nicht sauer machen! (lach)

Seid ihr eigentlich auf Labelsuche bzw. was wäre euer Lieblingslabel?

Ich bin dabei uns für diverse Festivals zu bewerben, da ja jetzt im Augenblick die heiße Phase am Laufen ist. Spätestens zu Anfang nächsten Jahres werde ich mich auf Label-Suche begeben. Ich würde mich freuen, wenn wir ein Label finden, das an uns glaubt, gute Band-Arbeit leistet und uns einen großen Schritt nach vorn bringt. Denn dann kann ich mich auf das wesentliche konzentrieren: GUTE MUSIK ZU KOMPONIEREN!
Wir würden uns über seriöse Labels freuen, die nicht unbedingt an eine bestimmte Stil-Richtung gebunden sind, da unsere Musik meiner bisherigen Erfahrung nach zu urteilen recht viele Geschmäcker trifft. Absolutes Wunsch-Label wäre Century Media Records. Aber da wir hier nicht bei „wünsch dir was“ sind, werden wir sehen, wie sich das entwickelt.

Wie ist das Album bisher aufgenommen worden? Wie vertreibt ihr es und gibt es euch auch auf Vinyl?

Es ist meines Wissens nach bisher durchweg positiv aufgenommen worden und es hat auch schon eine ordentliche Zahl den Besitzer gewechselt – vom Elternteil bis zum jungen Hüpfer. Dafür sind wir sehr dankbar und es gibt mir das Gefühl trotz hoher Selbstkosten für das Studio, das Artwork und die Produktion des Packages, von Anfang bis Ende alles richtig gemacht zu haben.
Bisher vertreiben wir es selbstständig, hoffen aber natürlich, dass sich das im nächsten Jahr ändern wird. Auf Vinyl wird es uns auch evtl. nächstes Jahr geben, zusammen mit ordentlich Merchandise.

Ihr klingt unaufgesetzt amerikanisch. Euer technisch progressiver Thrash Metal erinnert an Bands wie EXODUS, HEATHEN, FORBIDDEN oder die späten DEATH. Der Hörer spürt, dass da Leidenschaft am Werk ist. Wie seid ihr auf den Geschmack gekommen, ein gitarrenlastiges Werk zu schreiben und wie sah der Songwritingprozess aus?

Bis auf die Werke „When Darkness Falls“ und „Marvel:Synthetics“ stammen alle Songs ausschließlich von mir und entstanden teilweise sogar vor der Bandgründung 2009.
Ich bin Gitarrist von ganzem Herzen, somit brauche ich die Gitarrenlastigkeit wohl kaum weiter zu erklären (lach). Neben den von dir bereits erwähnten Bands sind es vor allem musikalische Schätze von DEATH, TESTAMENT oder NEVERMORE die mich bis in alle Ewigkeit begleiten werden. Diese Bands waren der entscheidende Zünder für meinen Entschluss, nicht mehr zuhause rumzusitzen und vor mich stundenlang hinzudaddeln, sondern einen Beitrag zur Zukunft dieser Musik zu leisten und diese mit anderen Menschen zu teilen. Dabei lasse ich mich lediglich von der Philosophie dieser Bands inspirieren, es reizt mich aber kein bisschen, sie und ihr Image stumpf nachzuahmen.
Ich habe keine Scheuklappen auf, probiere sehr gerne neue Möglichkeiten aus und bin schon gespannt, wie sich von der Handschrift meiner Allround-Talente um mich herum gekennzeichnete Werke anhören werden. Im Kern, ist die Thrash-Komponente aber natürlich schwer zu übersehen und das soll auch so bleiben.
Der Prozess selbst war recht gewöhnlich, Riffs und Licks gespielt, aufgenommen und dazu interessante Drum-Lines programmiert, von Zeit zu Zeit reingehört, neue Dinge hinzugedichtet, einige abgeändert und nach einem langen Reifeprozess ein Demo draus gemacht. Die Hauptsoli und die Lyrics entstanden im Nachhinein.

Euer Album ist auch durchgängig aggressiv. Das steht im Gesamtkontext zum thematischen Inhalt, schließlich geht es um die Schwächen der Menschheit bzw. um die Schwächen jedes einzelnen Individuums. Was genau hat dich dabei inspiriert? Gab es ein Ereignis, dass dir besonders am Herzen lag, in eure Musik einfließen zu lassen?

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass es ein relativ persönliches Album ist. Ich habe über mehrere Jahre hinweg sehr viele seltsam melancholische und dunkle Phasen gehabt, welche hinsichtlich der Häufigkeit die positiven bei weitem übertrafen. Speziell als das Album „The Sound Of Perseverance“ von DEATH oder „Dreaming Neon Black“ von NEVERMORE zum ersten Mal aus meinem CD-Player ertönten, spürte ich: Genau das, was diese Musik in mir weckt, soll meine Musik auch in anderen Menschen wecken.
Nie im Leben möchte ich mich oder uns mit diesen Genies vergleichen, aber sie gaben mir den entscheidenden Antrieb.
Soviel zu Kapitel 2…Was Kapitel 1 angeht: Nun…“Mankind Has Failed“ und „Desert Eagle“ sind sehr alte Werke und typische sozialkritische Texte passen nun mal zu solchen Thrashern wie Arsch auf Eimer (lach).

„The Human Art Of Depression“ ist ein Konzeptalbum mit 3 Kapiteln. Zwei davon stehen in Frage
7., das dritte ist der Hoffnungsschimmer. Wo genau muss deiner Meinung nach der Hebel angesetzt werden, um diese Welt wieder gerade zu biegen?


Oh, der letzte Song „Restrain and Sustain“ beschreibt eher eine pessimistische „Augen zu und durch“-Taktik für das Individuum selbst, um sich von den negativen Einflüssen von außen zu schützen, und dem Leben seinen Lauf zu lassen. Hierbei ist dem „?“ im Kapitel-Titel eine sehr hohe Aufmerksamkeit zu schenken (lach). Aber wäre ja nicht das erste Mal, dass wir in unserer Musik 2-deutig in Erscheinung treten.
Was meine persönliche Meinung angeht: Ich glaube nicht daran, dass sich die Menschheit im Allgemeinen entscheidend bessern kann. Es ist natürlich theoretisch möglich, aber das sind der „Warp-Antrieb“ in Star-Trek oder die Wurmlöcher gemäß Einstein´s Relativitätstheorie im modernen Science-Fiction auch – nur mit der Praxis hapert´s gewaltig.
Es haben sich über abertausende von Jahren einfach zu viele negative Eigenschaften des Menschen in der ganzen Welt manifestiert - die positiven Eigenschaften haben sich dabei in nur mäßiger Kraft und regional stark begrenzt durchgesetzt. Sicher, wir haben viele unserer Urtriebe abgelegt…aber um entscheidende Veränderungen zu bewirken, scheint es mir zu spät und das Gesamtbild des Menschen ist das, was wir Derzeit wahrnehmen. Ich gehe in diese Thematik übrigens ganz besonders in meinem Text zu „From Entirety to Individual“ ein, da sie ein gutes Schmiermittel zwischen „Menschheit im Allgemeinen“ und „Das Individuum“ bildet.
Das ganze klingt jetzt sehr pessimistisch und ist definitiv keine Lösung des Problems, aber es ist auch nicht die Aufgabe des Albums eine zu finden – selbst im sogenannten „Hoffnungsschimmer?“ soll die pessimistische Note durchdringen.

Durchgängig begleitet die Musik ein brachiales Shouting. Ich hatte das Gefühl, hier ist ein weiteres Instrument eingesetzt worden. Ich möchte jetzt nicht das Wort „monoton“ in den Mund nehmen, aber es sollte doch ein Kontrast zur filigranen Gitarrenarbeit geschaffen werden, oder?

Ich nehme an du spielst auf die kleinen Experimente mit verschiedenen Tonhöhen an. Ich nehme dabei jedenfalls gern das Wort „monoton“ in den Mund, da ich genau das empfand, als ich mir vorstellte, alles nur in einer Tonlage zu brüllen. Hier kommt der Einfluss von Chuck Billy oder Peavy Wagner zum Tragen, die das Ganze natürlich 1000 mal besser hinbekommen als ich. Aber ich kann mir gut vorstellen, diese Technik in späteren Werken zu verfeinern und auszubauen.

Wann geht ihr mit dem Album auf Tour, um es live vorzustellen?

Wir haben vor kurzem unsere Release-Party und ein weiteres Konzert in Bad-Oeynhausen gespielt – Beides wurde sehr gut von unserem lokalen Publikum aufgenommen. Für das Jahr 2014 erstellen wir gemeinsam einen Business-Plan und spielen Konzerte was das Zeug hält.

Die letzten Worte gebühren euch:

Wir danken jedem Einzelnen, der an uns glaubt und dessen Leben wir mit unserer Musik bereichern. Gemeinsam können wir etwas außergewöhnliches schaffen und dieser Szene eine gewisse Note verleihen, ohne sie krampfhaft neu erfinden zu müssen. Damit sich dieses Wort verbreitet, brauchen wir eure Unterstützung! m/