Interview mit Paradise Lost

 

Wer ist das „tragische Idol“?

„Man kann diese Frage nicht so einfach beantworten und 'Amy Winehouse' oder 'Whitney Houston' sagen. Es ist eher eine Art Bild für 'Es ist nicht alles Gold, was glänzt'. Man sollte eigentlich keine Idole haben, denn seien es religiöse oder andere, schlussendlich werden sie dich enttäuschen.“

Und wie steht dieses Thema mit eurem Cover-Artwork in Verbindung?

„Wir haben dem französischen Designer Valnoir ein paar Ideen geschickt und ihm gesagt, dass es sich um den Titel 'Tragic Idol' drehen soll. Er kam dann auf die Idee mit den Masken. Es gibt auf dem Album ein Lied namens 'Honesty In Death' – auf das passt das Cover sehr gut. Am Ende des Lebens kommt meistens die Wahrheit zutage.“

Mich erinnert es sehr stark an das Cover von „Icon“. Darauf gibt’s auch eine Maske.

„Ich hatte das gar nicht vor Augen, bis es jemand vor ein paar Wochen in einem anderen Interview festgestellt hat. Ich hab sie mir dann beide angeschaut und ich verstehe genau was du meinst. Das 'Tragic Idol'-Cover ist eine stilisiertere Version des 'Icon'-Covers würde ich sagen.“

Wenn wir jetzt das Album musikalisch betrachten, wo sind die größten Veränderungen zum Vorgänger? Meiner Meinung nach ist „Tragic Idol“ eine abgespecktere Variante von „Faith Divides Us - Death Unites Us“ - stimmst du mir da zu?

„Ja, auf jeden Fall. 'Faith Divides Us' war ein dunkleres Album und hatte definitiv mehr Spuren. Als ich das neue Album geschrieben hab, war es eine bewusste Entscheidung, weil ich dies nicht noch einmal tun wollte. Ich hab alles so herunter gebrochen, dass man den Kern, die Essenz die Paradise Lost ausmacht, sehen kann. Dafür musste man aber mehr Melodie hinzufügen um es interessanter zu machen. Das Resultat ist ein melodischeres Album.“

Hatte denn die Anniversary-Tour rund um „Draconian Times“ auch ein wenig Einfluss auf „Tragic Idol“?

„Ich denke schon. Das hat mich auch selbst ein wenig überrascht. Als wir alle Lieder von damals noch einmal gelernt haben, haben wir festgestellt, dass sich unsere Herangehensweise an einen Song aus unbestimmten Gründen geändert hat. Auch mein Art Gitarre zu spielen hat sich ein wenig geändert. Ich war mitten im Songwriting zu 'Tragic Idol' als wir die 'Draconian Times'-Songs geprobt haben, daher hatte dies sicher einen Einfluss.“

Wenn man sich beide Alben anhört fällt auf, dass beide eine ähnliche Atmosphäre haben.

„Ja, zu einem gewissen Grad schon. Auf einigen Lieder fühlt es sich für mich aber eher nach 'Icon' an – es ist ein wenig unpolierter als 'Draconian Times'.

Kommen wir zur Produktion. Ich finde, dass sie der von „Faith Divides Us - Death Unites Us“ ziemlich ähnelt.

„Wir haben wieder Jens Bogren als Produzenten gewählt. In unseren Augen hat er eine tolle Leistung bei 'Faith Divides Us' erbracht. Wenn er schon bei einem Album wie diesem so eine gute Arbeit abgeliefert hat, dann wird diese bei einem weniger komplexen Werk wie 'Tragic Idol' fantastisch sein.
Eine Veränderung ist, dass wir dieses Mal ziemlich viel live eingespielt haben. Vor gut 15 Jahren konnte man noch nicht alles nach der Aufnahme noch einmal reparieren, du musstest dich auf dein Können verlassen. Wir haben dieses Mal vorher die Gitarren- oder Schlagzeugeinstellungen getroffen und diese danach auch nicht mehr verändert. Wir haben es so aufgenommen, wie man es vor 15 Jahren gemacht hätte, würde ich sagen.

Wo wird es mit Paradise Lost nun in der Zukunft hingehen? Hast du da schon Vorstellungen?

„Nein, noch gar keine. Wer kann das schon sagen. Ich könnte morgen von einem Bus angefahren werden -“

- Das hoffe ich mal nicht -

„-Ich auch nicht.“ (lacht)

Ihr werdet nun mit Swallow The Sun und Insomnium unterwegs sein. Werdet ihr den Fokus auf das neue Album legen?

„Ja, wir werden so 4-5 Lieder vom neuen Album spielen – welche wissen wir nicht. Wir werden die nehmen, die sich unserer Meinung am besten eignen und dann schauen wir, wie die Resonanz ist. Du weißt eigentlich nie wie die neuen Lieder live funktionieren, deshalb nehmen wir erstmal die, bei denen das am wahrscheinlichsten ist. Der Rest wird aus Material bestehen, das gut zum neuen Album passt - ein paar von 'Draconian', ein paar von 'Icon'.“

Danke für das Interview! Ich hoffe ihr habt Erfolg mit eurem neuen Album!