Interview mit Portugal The Man

 

PORTUGAL THE MAN haben spätestens mit ihrem ersten Studioalbum „Waiter: You Vultures“ beeindruckend gezeigt, wie leichtfüssig und tanzbar progrssiver Rock sein kann. Nun steht das ambitionierte Zweitwerk vor der Tür, dass auf den schlichten Namen „Church Mouth“ hört und die Band erneut von einer anderen Facette aus präsentiert, die sicherlich nicht jeder so erwartet hätte. Im gemütlichen Biergarten des Dortmunder FZW bietete sich mir die Gelegenheit an eine kleine Plausch mit den optisch in den 70er verhafteten Bandmitglieder zu führen.

Erste Frage: Wie läuft die Tour? Wie liefen die bisherigen Shows?

Zachary: Die Shows waren bisher unglaublich! Sie waren wirklich ein Erlebnis, denn es sind sehr viele Leute zu den Shows gekommen und alle behandeln uns sehr gut.

Habt ihr schon neue Songs von eurem bald erscheinenden Album „Church Mouth“ gespielt?

John: Wir haben gestern ungefähr drei neue Songs gespielt, aber wir haben erst mit sechs gestartet, was sich nicht als sehr clever herausgestellt hat. Wir haben recht schnell die Anzahl an neuen Songs in unserem Set heruntergeschraubt…

Sind die Leute nicht so drauf abgegangen, oder woran lag das?

John: Ich würde noch nicht mal sagen, dass es den Leuten nicht gefallen hat, aber es war irgendwie komisch für uns so viele neue Songs zu spielen. Live spielte sich das Ganze dann ungefähr so ab: Alter Song – Neuer Song – Alter Song und das fanden wir natürlich nicht so toll. Bei sechszehn Songs in unserem Set kommt das schon ein wenig komisch rüber.

Wie fühlt es sich an, mit dem neuen Album im Gepäck auf Tour zu sein? Es kommt ja in Deutschland am 24.07.2007 heraus und ihr seid ja gerade im Moment auf Tour mit dem Album in der Hinterhand!

John: Ich meine sogar es kommt in Europa ein paar Tage früher heraus, so um den 20.07.2007, ich bin mir da gerade nicht ganz sicher…

Zachary: Wir fühlen uns echt gut mit dem neuen Album. Unser Produzent, Casey Batts, hat wirklich einen guten Job gemacht und unser Freund Kyle, der auf unserer Tour derzeit die Keyboards spielt, hatte einige coole Ideen was die Drums und Percussions anging. Wir hatten einige coole Ideen im Studio und vor allem hatten wir eine großartige Zeit im Studio. Es war der Hammer! – Stimmt Jungs?

John: Es war der Hammer! Wir hatten wirklich Spaß! (lacht) Es war sehr witzig, als wir aus dem Studio endlich rauskamen stellte sich heraus, dass unser neues Album weniger experimentell war als unser letztes Album, auf dem es unterschiedliche Drum-Machines zu hören gab und so weiter, aber durch das ganze Drumherum und die lustigen Vorkommnisse während der Studio-Zeit wirkt das neue Album rückblickend betrachtet ebenfalls sehr kreativ.

Zachary: Wir haben diesmal wieder viel mit dem Drumsound herumgespielt und Jason hat super viele gute Beats gespielt und uns echt viele Ideen geliefert.

Als ich das neue Album gehört habe ist mir ebenfalls aufgefallen das euer neues Album sehr viel konventioneller ausgefallen ist, als ich es erwartet hatte nach „Waiter: You Vultures“. Aber trotzdem ist immer noch so ein dezenter progressiver Touch vorhanden!

John: Ja, genau! Einerseits hat „Church Mouth“ diesen Retro-Rock Einschlag, aber andererseits ist das Album immer noch sehr abgedreht und kreativ und grenzt sich schon von der Masse ab. Zwar werden wir gerne in die 70er Ecke gesteckt, aber ehrlich gesagt sind wir eine Band die gerade in der Gegenwart Musik produziert und warum einfach etwas aufwärmen was bereits zuvor existiert und funktioniert hat? Man muss die Möglichkeiten nutzen. Die neue Platte ist vor allem so „Seventies-mässig“ vom Klang geworden, weil wir auf unserer ersten Tour in Deutschland das erste Mal damit konfrontiert waren auf einmal über eine Stunde zu spielen. Damals haben wir angefangen auf der Bühne zu jammen und daher resultiert der Wandel von den Sixties-, hin zu den Seventies-Einflüssen. Drums and Bass stehen bei uns immer an erster Stelle wenn wir einen neuen Song arrangieren.

Fühlt ihr euch angegriffen, wenn man euren Sound als Retro-Rock bezeichnet? Ich mein ihr seid eine Band die sich stetig fortentwickelt und diese Bezeichnung würde eurem jetzigen Werdegang ziemlich schmälern!

John: Das stimmt, klar. Wir sind anders als Bands, die immer nur nach dem gleichen Schema spielen! Ich werde jetzt keine Namen nennen, da es die perfekten Touren für uns sind (lacht). Es ist wirklich komisch, es gibt so viele gute Bands, die wirklich gute Musik machen, aber es ist eben Musik die man schon mal gehört hat. Es klingt zwar modern, aber eigentlich ist es nichts Neues.

Immer am gleichen Schema orientiert…

John: Ja genau, neue Songs klingen einfach wie die alten Songs aus der entsprechenden Ära. Ich erinnere mich noch an einen älteren Song von Jet, der ruhiger war und ich hab es auf dem College gehört und ich hab gedacht, warum kenne ich diesen Beatles-Song noch nicht, der muss irgendwie neu sein… Das ist echt komisch, denn es war wirklich Jet! (lacht)

Ihr seid eine sehr ambitionierte Band, ihr habt ja eine Menge an EPs veröffentlicht und erst vor knapp einem Jahr euer erstes Album. Woher nehmt ihr die Ideen? Wie geht ihr an neue Songs ran?

John: Keine Ahnung…

Zachary: Es fühlt sich auf jeden Fall an wie zwei Jahre harter Arbeit (allgemeines Gelächter)

John: Es fühlt sich echt nach einer langen Zeit an, ich mein sechs Monate nach dem wir unser erstes Album fertig aufgenommen haben, haben wir schon wieder Lust verspürt ins Studio zu gehen. Ich denke das ist sehr natürlich für eine Band. Eine Band sollte kontinuierlich arbeiten und wenn ich sage, dass Rock-Musik progressiv, oder Musik im Allgemeinen progressiv sein soll, dann mein ich eben das man immer neuen Ideen ausprobieren muss. Man muss halt viel arbeit interessieren. Major-Labels rücken den Fokus gerne auf ein Album und bezeichnen dies dann als „Record of a life“ und ich denke es dass es nicht so einfach ist.

Fühlt ihr euch nach den guten Reaktionen auf euer erstes Album unter Druck gesetzt?

Zachary: Ich denke darüber gar nicht so sehr nach. Das würde einen nur beim Schreiben und Komponieren hemmen.

John: Ich würde das gar nicht als Druck bezeichnen. Wenn wir unsere Songs hören entdecken wir immer wieder Kleinigkeiten die wir anders machen würden, noch nicht mal weil sie schlecht sind, sondern weil uns dann neue Ideen in den Sinn kommen, die wir verwirklichen wollen. Immer wenn wir in das Studio gehen, wollen wir etwas Neues entwickeln. Natürlich haben wir eine super Situation mit unserem Label, denn Fearless Records mag unsere Musik und wir dürfen machen was wir wollen. Würden wir auf bei jedem Album zwanghaft irgendwie nach irgendwas klingen wollen, würde es kein gutes Album werden.

Ist es mit einem Label wie Fearless Records im Rücken, einfacher neue Alben zu produzieren? Bei dem ersten Album habt ihr noch das Geld zusammengespart um euch die Studiozeit zu leisten. Wie war es bei dem neuen Album?

John: Es ist immer noch das Gleiche! Wir touren nonstop durch die Welt und wir hatten die gleiche finanzielle Ausgangssituation wie bei unserem ersten Album! Wir mussten und müssen konstant touren, denn sonst könnten wir die Band nicht aufrechterhalten. Es war im Endeffekt wie bei dem ersten Album. Nicht anders haben die Beatles oder John Lennon ihre Alben aufgenommen am Anfang. Sie sind ins Studio gegangen und haben das Beste aus ihrer Zeit gemacht. „Wir brauchen 15 Songs, also lass ins Studio und diese 15 Songs aufnehmen!“ – Das ist genau die richtige Einstellung um ein Album aufzunehmen.

Wie lange ward ihr denn diesmal im Studio?

Zachary: Einen Monat vielleicht.

John: Doch das kommt wohl hin…

Zachary: Wir sind eine sehr faule Band und haben viel nebenher gemacht, wenn man ganz ehrlich ist, haben wir…

John: Dass verraten wir besser nicht (allgemeines Gelächter)! Aber es braucht halt seine Zeit wenn man so viele Gedanken hat, die einem durch den Kopf surren und die unbedingt realisiert werden müssen. Vor allem die Drums haben lange gedauert und haben echt den Hauptteil der Aufnahmezeit eingenommen.

Müsst ihr eigentlich noch regulären Jobs nachgehen?

Zachary: Wir leben nur für die Band. Für alles andere haben wir keine Zeit.

John: Die Band finanziert uns und es ist eigentlich nicht mehr so die große Nummer.

Zachary: Wir haben Benzin, wir haben einen Van und wir haben sogar noch Geld für McDonalds (lacht). Aber das ist auch nur so in den USA, denn hier in Europa und vor allem in Deutschland ist es echt einfach nur großartig! Wir haben sogar Frühstück gehabt im Hotel und dann sind wir hier angekommen und es gab Snacks und Drinks und das muss einfach so viel Geld kosten. Die meinten, dass sie das echt mit jeder Band machen (schüttelt ungläubig den Kopf). Das ist echt Unglaublich…

John: Es kann einfach nicht so viel billiger sein als in den USA. Dort muss man froh sein, wenn man etwas zu trinken bekommt. Von Essen sollten wir nicht reden.
Zachary: Ich denke auch das hat was damit zu tun, dass man in Deutschland schon mit 16 Jahren trinken darf. Die Clubs machen bestimmt einen riesigen Gewinn mit Alkohol. In den USA verdienen die ja so gut wie nichts in den All Ages-Clubs. Vielleicht verkaufen die ein paar Flaschen Wasser. Das ist hier natürlich anders, aber an für sich ist das natürlich auch kein Argument. Ich glaube die Leute hier sind einfach verantwortungsbewusster in dieser Hinsicht. Es ist einfach unglaublich, denn alle Bands werden so viel besser behandelt. Es ist fast wie Urlaub (grinst zufrieden)

Das sagen viele Bands!

Zachary: Und fernab von dem Essen: Die Leute sind einfach furchtbar nett. Die grüßen dich und reden nett mit dir. Einfach erfrischend hier. Ich liebe es hier.

Vielleicht liegt es ja daran, dass Deutschland so klein ist im Vergleich zu den USA?

John: Ich könnte mir ja vorstellen, dass die Manschen in Alaska ebenfalls so drauf sind wie hier.

Hab ihr schon mal in Alaska gespielt?

John: Wir haben leider noch nicht in Alaska gespielt. Unsere eigentliche Intention war es ja mit der Band aus Alaska heraus bekannt zu werden und zu touren. Na ja, nach zwei Monaten haben wir gemerkt das daraus nichts wird und so sind wir in Portland, Oregon gelandet. Dafür haben wir dort Jason kennen gelernt. Wir haben mit ihm so einen guten Drummer, er ist echt unglaublich. Es ist halt besser so, als dass wir uns mit den ca. drei Drummern die es in Alaska gibt zusammengetan hätten. (lacht)

Wie ist es denn so in Alaska aufzuwachsen? Ich stelle mir das ja schön öde ab einem gewissen Alter vor. Oder hatten ihr Clubs in die ihr gehen konntet?

Zachary: Oh, ignorance is a bless! (lacht) Wenn man keine Ahnung hat, was man machen könnte, reizen einen diese Sachen gar nicht so sehr. Wir wussten nichts, es gab keine kleinen Clubs, vielleicht einen, aber der geht eigentlich auch nicht als Club durch. Davon mal ab, kamen nur bekannte, große Bands nach Alaska, oder eben dir, die vor zehn Jahren groß und berühmt waren (lacht).

John: Egal was du in Alaska machst, wenn du von der Norm abweichst bist du durch! Jeder kennt jeden und es ist eine echt kleine Musikszene. Portland ist echt das Gegenteil von dem. Wir haben dort eine riesige Musikszene, vor allem die Indie-Szene ist eine besten die ich kenne dort!

Euer letzter Titel hat an den Drehbuchautor von Fear and Loathing in Las Vegas erinnert. Wie verhält es sich mit dem neuen Titel?

John: Es gibt kein spezielles Konzept dahinter, oder eine Referenz. Titel sind eh immer so eine Sache. Unsere letzte EP war zum Beispiel die Aussage von einem Freund von uns und wir dachten das klingt einfach cool. Bei der neuen Platte kann man am ehesten heraushören, dass wir damit die Vermischung von Politik und Religion kritisieren und in Frage stellen wollen.

Was in den USA ja gerade sehr deutlich wird!

John: Genau! Wir verstehen uns aber deswegen noch lange nicht als eine politische Band. Das sollten und können andere Bands viel besser machen. Denk zum Beispiel an Rage Against The Machine. Diese band kann eine Message transportieren und die können Massen in Bewegung setzen. Wir sind nicht dafür geeignet, aber natürlich interessiert uns schon was in der Welt passiert. Zum Beispiel die Heirat von Homosexuellen. Dieses Thema wird so kontrovers in den USA diskutiert. Dabei ist es doch eines der Grundrechte eines jeden Menschen, denn oder die zu lieben, die er oder sie will.

Ich hab übrigens gestern noch Tom Morello in Köln live gesehen.

Zachary: Echt? Unglaublich, wie war es? Erzähl mal!



Zachary: (mit gewissem Stolz in der Stimme): Ich war vor der Tour noch auf dem Festival, wo sie ihre Reunion-Show gespielt haben und es war einfach unglaublich. Überall waren Cops und es war einfach genial…

John: Es scheint so Egoistisch zu sein, wenn solche Bands sich auflösen…(allgemeines Gelächter)

Zachary: Die Leute sind bei dem Konzert einfach ausgerastet, aber zum Glück ist nichts passiert. Einfach nur wild, tausende von Leuten waren dort.

John: genau das ist was ich meine: So Band kann eine Message transportieren. Die wissen was sie wollen!

Zachary: Ich kann so was nicht. Ich bin gar nicht selbstbewusst genug, um über bestimmte Themen vor einer riesigen Menschenmasse zu reden. Ich bin mir gar nicht so sicher über bestimmte Sachverhalte in der Welt, um diese so straight und klar an große Menschenmassen weiterzubringen.

John: Aber wir sind halt keine politische Band. Wir haben natürlich was zu sagen, aber unsere Musik ist einfach nicht das richtige Medium um eine politische Message zu verbreiten!

Okay, kommen wir zu der letzten Frage: ist eure Musikbezeichnung bei MySpace eine Art Verbeugung vor Weird Al Yankovic?

John: Ist es! Gut erkannt. Wir alle lieben diesen Typen und er ist ein bedeutender Einfluss für unsere Musik gewesen. Durch ihn habe ich so viele Band kennen gelernt, da er sie alle parodiert hat. Als ich dann älter wurde, hab ich dann auch seine richtigen Stücke gehört und bin bis heute begeistert.

Danke für das Interview!