Interview mit QUEEN KWONG

 

Queen Kwong als Band entstand primär durch Solo Auftritte der US Multi Instrumentalistin Carré (Kwong) Callaway. Selbige wurde im zarten Alter von 17 durch NINE INCH NAILS Mastermind Trent Reznor in New Orleans entdeckt. Damals trat Carré noch als Solo Künstlerin auf und wurde als Support von NIN bei den Warm Up Shows für die With Teeth Tour 2005 heftigst kritisiert und niedergemacht. Dennoch blieb Carré der Musik treu und gründete ihre eigene Band namens QUEEN KWONG, welche im Jahre 2009 nochmals von Trent Reznor als Support für einige Dates der herausragenden Wave Goodbye Tour eingeladen wurde.

Die derzeitige Besetzung von Queen Kwong besteht aus Carré Callaway, Wes Borland (LIMP BIZKIT), Fred Sablan (u.a. MARILYN MANSON) und Scott Hayden (AWOLNATION).

QUEEN KWONG werden demnächst in Deutschland auf Tour sein und Allschools präsentiert Euch die folgenden Dates:

06.12.2015 Köln - MTC

07.12.2015 Hamburg - Hafenklang

08.12.2015 Berlin - Musik & Frieden (Comet)

09.12.2015 München - Orangehouse

Des Weiteren haben wir kürzlich mit einer gut gelaunten, reflektierenden und sehr freundlichen Carré über Queen Kwong gesprochen.

Queen Kwong Photo

Carré Du hast mit Queen Kwong ein neues Album namens „Get A Witness“ rausgebracht. Wenn ich mir die Tracks so anhöre und sie mit Deiner früheren Arbeit wie „Eddie The Kid“ oder „Pet“ vergleiche so stelle ich eine enorme Weiterentwicklung von eher straightem Rock Sound hin zu einem anspruchsvollem ja sogar schon fast experimentellem Sound fest. Wie war denn deine kreative Herangehensweise an „Get A Witness“?

Naja ich mache schon sehr lange Musik und beobachte aufmerksam was so um mich herum passiert. Ausserdem habe ich mich im Laufe der Zeit von dem Druck gelöst in einer bestimmten Art und Weise zu klingen oder aussehen zu müssen. Als ich jünger war, hat mich dieser Druck schon gefangen und ich wollte einfach vielen Leuten gefallen. Ich habe ehrlich gesagt eine zeitlang gebraucht um das Vertrauen zu fassen das zu tun was ich wirklich will und nicht zu sehr auf die Meinung anderer Leute zu achten.
Die letzte EP „Bad Lieutenant“ habe ich ganz allein aufgenommen und ich musste alleine herausfinden wie gewisse Dinge funktionieren. Das war eine sehr wertvolle Lektion für mich an deren Ende ich erkannte, dass ich eigentlich vieles allein machen kann. Diese Erkenntnis ist jedoch nicht nur auf das handwerkliche beschränkt sondern hat sich vor allem auch auf meine kreative Arbeit ausgewirkt: ich kann jede Musik machen, die ich will.
Get A Witness ist somit Musik, die ich hören will, die mir persönlich gefällt und vor allem ist es Musik die ich ohne Sorgen darum geschrieben habe, wie sie ankommt.
Ich hab einfach ein wenig gebraucht um erwachsen zu werden um Vertrauen in mich selbst und meine Fähigkeiten zu gewinnen.

Lass uns mal über Deine ersten Gehversuche als live Musikerin sprechen. Ich erinnere mich noch an ein Konzert von Dir im Jahre 2005: da standest Du auf allein mit Deiner Gitarre auf der Bühne und has als Support für Nine Inch Nails gespielt, was angesichts der Publikumsreaktion (Anm. d. Red.: Carré wurde vom NIN Publikum auf der Bühne und im Internet übelst beschimpft) sicher nicht einfach war.

Um Himmels Willen! Das war nicht einfach damals. Aber es war mit etwas Abstand betrachtet Glück im Unglück. Es gab einen riesen Aufstand und ich wurde von vielen Leuten zerrissen. Ich war damals allerdings ein Teenager und ein wenig blauäugig. Ich war sehr überrascht wie unnachgiebig dieses Publikum war und ich war einfach unsicher. Allerdings habe ich in dieser Zeit verstanden, dass ich ein wenig Zeit brauche um zu erkennen wer ich bin.Mir wurde klar, dass ich als Künstlerin laufend beurteilt werden würde. Nichts desto trotz gab es auch damals schon Leute, die meine Musik mochten oder durch die NIN Support Gigs auf mich aufmerksam wurden. Diese Leute verfolgen bis heute was ich so treibe und wie ich mich weiterentwickle. Es ist auch natürlich, dass man mit der Zeit besser wird, wenn man bei der Sache bleibt und an sich arbeitet. Des Weiteren betrachte ich es auch als gute Sache an, dass mich jetzt nichts mehr so schnell verunsichern kann was Publikumsreaktionen oder Kritikermeinungen angeht.

Du wurdest ja nicht nur während der Auftritte ausgebuht, es gab ja auch diverse Anfeindungen im Internet

Ach das ist alles so sinn- und anstandslos. Es ist einfach unnötig. Glaub mir, mir gefallen viele Dinge und viele Bands nicht aber muss ich deshalb diese Leute angreifen, ihre Gefühle verletzen oder schlecht über sie in der Öffentlichkeit reden? Nein! Das macht einfach keinen Sinn.

Zu Glück sind die Zeichen der Zeit für dich aktuell viel positiver, wie habt ihr denn an „Get A Witness“ gearbeitet? Mit Wes Borland, Hayden Scott und Fred Sablan hast Du ja einige sehr erfahrene und professionelle Musiker mit sehr unterschiedlichem Background in deiner Band. 

Um eines gleich vorweg klarzustellen: Die Jungs schreiben für Queen Kwong keine Musik, das ist meine Band. Queen Kwong würde auch ohne Wes, Hayen oder Fred existieren. Aber verstehe mich nicht falsch: Sie sind herausragende Musiker, sehr nette Menschen die ich liebe und ich hoffe sind bleiben der Band für alle Ewigkeit erhalten. Die Jungs haben mich sehr unterstützt und respektieren mich auch uneingeschränkt. Weiterhin ist es klasse, wenn sie meine Musik um sehr gute Ideen ergänzen und die Songs somit spürbar besser machen. Wir kommen alle wunderbar miteinander klar und sind auch abseits der Band sehr gute Freunde (Anm. d. Red.: Carré ist mit Wes liiert).

Wenn ich mir Deine Musik auf Platte anhöre, dann habe ich immer eine sehr zarte, verletzliche Persönlichkeit vor Augen. Auf der Bühne hingegen zeigst Du dich jedoch von einer sehr rohen, energiegeladenen Seite. Wie kommt das?

Lass mich einmal überlegen… Generell kann ich sagen, dass all diese Facetten mich einfach darstellen. Es gibt keine Bühnen Person, die in eine Rolle schlüpft genau so wenig gibt es eine Studio Persönlichkeit, die Du auf den Aufnahmen hörst. Wie jede andere Person habe ich unterschiedliche Emotionen, die eben in unterschiedlichen Situationen zum Vorschein kommen. Auf der Platte hört man eben verstärkt auf meine sehr persönlichen Lyrics wohingegen man sich live primär auf eine energiegeladene Show konzentriert. Für mich sind beide Formen gleich wichtig und wahr.

Ihr habt in der letzten Zeit vermehrt kleine, sehr intime Club Shows in London oder New York gespielt, aber ab und an auch größere Bühnen wie Leeds oder Reading betreten. Was zieht ihr denn vor?

 Ich habe eine Präferenz für kleine Clubs weil das viel intimer ist und man einfach einen direkten Draht zum Publikum hat. Aber ich will mich nicht über die großen Shows beschweren, das war super und wir waren sehr aufgeregt. Dennoch: je kleiner, je schwitziger, je grungier, je dreckiger umso besser. 

Ich muss aber gestehen, dass ich auf der letzten Tour mit Failure erst lernen musste wie ich auf einer großen Bühne agiere. Das fiel mir anfangs nicht sehr leicht und wirkte etwas befremdlich auf mich. Mir ist aber klar, dass ich die großen Shows machen muss, um die Laufbahn zu bekommen, die mir vorschwebt und während der Tour mit Failure habe ich dann auch ein gutes Gefühl für die größeren Hallen bekommen.

Du hast gerade gesagt „die Laufbahn, die mir vorschwebt“. Welche Laufbahn willst Du denn mit Queen Kwong einschlagen?

Ich will einfach die Musik schreiben und spielen, die mir gefällt und darüber eine Verbindung zu Leuten aufbauen. Natürlich will ich damit dann auch mal meine Rechnungen bezahlen können (lacht). Aber so wie es aktuell läuft bin ich mehr als zufrieden, wenn es so weitergeht wäre ich schon sehr glücklich.

Wenn ich richtig informiert bin, dann bist Du schon durch zahlreiche lokale Musik Szenen der USA gezogen. Du warst in Los Angeles, du hast Trent Reznor (Nine Inch Nails) in New Orleans kennengelernt, du hast ne zeitlang in New York City gewohnt und nun scheinst Du ja nach Detroit zu ziehen. 

Ja das stimmt, wir [Wes Borland und ich] sind nach Detroit gezogen

Wie würdest Du denn die einzelnen lokalen Szenen vergleichen, vielleicht auch mit UK und Europa?

Europa kann ich jetzt schwer beurteilen, wir haben vielleicht 2-3 Shows hier gespielt. London war aber auf jeden Fall das best mögliche Publikum, das man erwarten kann: sehr offen, sehr interessiert.
L.A. hingegen ist für mich der Ort an dem ich nicht so gerne live spiele, was etwas komisch ist, weil ich dort sehr lange gelebt habe. Am liebsten spiele ich in Städten im Landesinneren. In Los Angeles oder New York ist jeder primär damit beschäftigt cool zu sein, jeder grenzt sich ab in welcher Szene er / sie unterwegs ist, jeder ist in einer Band oder kennt jemanden von bekannten Bands. Hier will jede(r) jemand sein und das finde ich nicht so spannend. Im Mittleren Westen hingegen kommen die Leute primär wegen der Musik und nicht wegen den ganzen Begleiterscheinungen. In kleineren Städten sind die Leute auch nicht so übersättigt und man erfährt als Künstler eine ganz andere Wertschätzung.