Interview mit Reed Mullin (Teenage Time Killers)

 

·     Wie kam das Projekt TEENAGE TIME KILLERS zustande?

Oh, lass mich nachdenken. Also was TEENAGE TIME KILLERS wurde war niemals als ein Album gedacht – und schon gar nicht eins voll mit so vielen krassen Leuten, die nun darauf rumbrüllen und spielen.

Als die gleiche Besetzung von drei Leuten von CORROSION OF CONFORMITY wie bei dem Album „Animosity“  sich vor vier bis fünf Jahren dazu entschlossen haben wieder ein Album zusammen zu machen, hat unser alter Freund und super-fan Dave Grohl davon gehört und hat sich sofort mit uns in Verbindung gesetzt. Er hat uns dann das Album in seinem Studio in Los Angeles für fast keine Unkosten aufnehmen lassen. Das Album wurde total super. Während der Aufnahmen habe ich mich mit dem Aufnahmeleiter, John „Lou“ Lousteau, angefreundet, der uns mit seinen magischen Kräften geholfen hat. Wie auch immer, nachdem die CORRISION OF CONFORMITY Platte fertig war, erzählte ich ihm, dass ich zwar darauf abfahre, aber dass ich auch wünschte es wäre etwas mehr Punk und Hardcore drauf. Also nahm er mich beiseite und sagte „Fuck man...die Foos sind immer mal wieder hier...wenn das Studio während der nächsten sechs bis neun Monate mal eine Woche frei ist, ruf ich dich an und dann nehmen wir ein bisschen old school shit auf!“. Und tatsächlich – neun Monate später rief er an, sagte, dass das Studio frei sei und dass er es für die nächsten zwei Wochen für uns geblockt hat. Zwei Wochen später war ich dann im Studio 606.

Anfangs sollten Lou, sein Freund und Gitarrengott Mick Murphy und ich nur eine kleine EP mit fünf Songs machen – mit mir als Sänger für vier Lieder und Jello Biafra für das Fünfte („Ode to Sean Hannity“). Ich hatte John Cleese von Monty Python vor einigen Jahren in einer Folge von Keith Olbermann’s alter Fernsehsendung auf dem Sender MSNBC gesehen, in der er sein Gedicht „Ode to Sean Hannity“ vorlas. Es war verdammt witzig. Der Rhythmus, oder eher die Kadenz, und die scharfe politische Comedy hörten sich genau so an wie Lieder, die Jello mit den DEAD KENNEDYS früher schreiben hätten können. Als wir demnach unsere als fünf-Song-EP gedachte Platte, aus der später TEENAGE TIME KILLERS wurde, zusammengestellt haben, vertonte ich Cleese’s Gedicht und bat Jello es zu singen – und er hat „ja“ gesagt...Gott sei Dank. Nach dieser ersten Aufnahmezeit, war ich auf dem Weg nach Raleigh, wo ich wohne, und hatte die Möglichkeit mich mit Randy Blythe von LAMB OF GOD in Los Angeles zu treffen. Als er von unserem Projekt hörte, bat er darum auch mitmachen zu dürfen. Ich konnte natürlich nicht nein sagen! Er ist nicht nur 2,40 m groß, sondern brauchte auch ein wenig Aufmunterung, nachdem er monatelang in einem Arbeitslager in der Tschechei festgehalten wurde. Da nun Jello und Randy mit an Bord waren, wurden wir verrückt und haben begonnen uns zu fragen, ob es nicht cool wäre wenn Vuc Bondi auch singen würde. Oder „was wäre wenn Nick Oliveri der Bassist für die Void-Songs werden würde?“ Das Ende vom Lied war, dass wir alle möglichen old school Freunde fragten, ob sie mit uns Musik für die Platte machen wollen. Überraschenderweise sagten alle „yeah“. Also wurden aus fünf Liedern mit einem Gastsänger, zwei duzend Songs mit über 30 Musikern und Sängern. Es hat so verdammt viel Spaß gemacht.

 

Wie kompliziert war es das Album mit so vielen Beteiligten aufzunehmen und das ganze Projekt zu organisieren?

Es war überhaupt nicht kompliziert. Sobald die Musik aufgenommen und bei den Leuten war, von denen wir dachten sie hätten Interesse daran, kam es eher darauf an, Zeit im Studio 606 zu schaffen oder zu veranlassen, dass die Leute selbst ihren Gesang aufnahmen, wo immer sie gerade waren. Neil Fallon, Tony Foresta und Vic Bondi haben zum Beispiel alle selbst ihren Gesang in ihren Heimstudios aufgenommen, und Jello und Clifford von BLAST nahmen ihren Gesang bei meinem Kumpel Mikey in San Francisco auf. Dave und seine Leute unterstützten uns voll und ganz, aber da 606 so ein krasses Studio ist, war es normalerweise ausgebucht. Deshalb dauerte es eine Weile bis wir alles zusammen hatten. Aber fuck, das war es wert.

 

Wer ist auf die  anderen Musiker zugegangen und hat sie gefragt, ob sie bei der Platte mitmachen wollen?

Das haben wir alle gemacht. Ich kannte vielleicht ein paar mehr Leute als Mick oder Lou, aber das liegt nur daran, dass ich Shows bei mir daheim in Raleigh, North Carolina, buche und weil ich schon seit zigtausend Jahren auf Tour bin.

 

Die Songs auf dem Album sind relativ kurz. Wer schrieb die Texte und die Musik? Und wie viel Einfluss hatten die beteiligten Musiker auf die Lieder?

Also Lou, der Aufnahmeleiter in Dave Grohl’s Studio 606, erwähnte die Idee am Ende der Aufnahmephase von CORRISION OF CONFORMITY’s gleichnamigen Album.

Ja, sie sind alle ziemlich kurz, aber wie ich schon sagte, dass ist das was wir machen wollten: Früher 80er US und UK Punk und Hardcore, gemischt mit Thrash, Metal und Rock. Ich meine, komm schon, wenn ein Lied ein gutes Lied ist, dann muss es nicht für immer dauern.

Abgesehen von den Coversongs haben Mick und ich die meiste Musik geschrieben. Aber es waren die Sänger, welche die Melodien so super machten. Und ja, die ganze Idee kam von Lou...weil er ein verdammtes Genie ist.

 

Das Album wurde in Dave Grohl’s Studio 606 aufgenommen. Wie kam er ins Spiel?

Dave wusste von unseren Plänen bevor wir überhaupt angefangen hatten. Eines Tages hat er uns angeboten für einige Songs Bass zu spielen, wenn wir das wollen würden. Natürlich sagten wir „hell yeah“. Und es stellte sich heraus, dass er ein unglaublicher Bassspieler ist. Einiges, was er auf der Platte spielt, ist wie etwas von John Entwistle oder Chris Squire oder so.

 

Ich wette ihr hattet eine Menge Spaß im Studio. Gab es ein bestimmtes Erlebnis, über das ihr noch in zehn Jahren reden werdet?

Ich habe das nun schon ein paar Mal erzählt und es macht mir immer noch Angst.

Am allerersten Tag an dem Mick, Lou und ich damit angefangen haben die Lieder für die ehemalige fünf-Song-EP aufzunehmen, haben wir an einem Vormittag ziemlich viel zustande gebracht. Um die Mittagszeit wollten Lou uns ich Burritos essen gehen und Mick wollte nicht mit. Er wollte lieber im Studio bleiben. Als Lou und ich vom Mittagessen zurück kamen, hatte Mick DREI sehr krasse neue Songs geschrieben. Alle waren großartig - und er schrieb sie in 30 Minuten!!

 

Habt ihr geplant ein paar Shows zu spielen? Wenn ja, habt ihr schon herausgefunden, wer auf der Bühne stehen wird?

Es sieht so aus, als würden wir eine einzige Show am 12. September im „The Fonda“ in Los Angeles spielen. ES WIRD KRASS WERDEN!! Wir konnten nicht alle zusammen bekommen, aber die meisten. Es ist ziemlich schwer über 30 Musiker, die normalerweise sowieso immer auf Tour sind, für einen Abend zusammen zu bekommen.

 

Ihr habt eure Supergruppe TEENAGE TIME KILLERS genannt. Kannst du mir die Geschichte hinter dem Titel erzählen?

Als ich noch ein Kind war, war eine meiner Lieblingsbands RUDIMENTARY PENI. Bei dem Label Crass unter Vetrag, hörten sie sich fast so wild an wie die Platte „Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing" von DISCHARGE. Sie hatten einen Song auf ihrer ersten 7’’ EP, der „Teenage Time Killer“ hieß und einfach nur böse war. Ich liebte es. Brutal. Der Sänger und Gitarrist Nick Blinko ist ein Genie. Um unserer gemeinsamen Erfahrung Punk zu mögen die Krone aufzusetzen, machte ich daraus einfach den Plural. Wir sind alle sowieso immer noch bekloppte Teenagers!

 

Ihr habt ungefähr zwei Jahre lang an dem Album gearbeitet. Wie fühlt es sich an, dass es nun endlich veröffentlicht wird und warum hat es so lange gedauert?

Wir konnten wirklich nur arbeiten wenn das Studio 606 frei war oder die Sänger und Musiker Zeit hatten. Und wir hatten keine Eile. Wir wollten nur etwas Geiles machen. Wie ich schon sagte, das ganze Projekt sollte nie ein so großes Ding werden mit dutzenden Beteiligten. Es hat sich einfach so entwickelt. Dave, Scott, der Studiomanager von 606,  und alle anderen dort haben uns so unglaublich gut behandelt.

 

Das jetzige Album heißt „Greatest Hits Vol. 1“. Wird es ein Vol. 2 geben?

Weißt du, ich habe den Albumtitel von den COCKNEY REJECTS gestohlen!! Ich hoffe, dass wir ein „Greatest Hits Vol. 2“ machen können, weil dieses erste Projekt ehrlichgesagt eines der besten, zufriedenstellendsten und witzigsten Projekten war, die ich jemals gemacht habe.