Interview mit Seether

 

Allschools: Hi Dale, wie war dein Tag bisher?
Dale: Hallo, ziemlich gut. Ich habe bis ungefähr 14 Uhr geschlafen heute.
Allschools:Ist das immer so wenn du auf Tour bist?
Dale: Nein eigentlich nicht aber ich habe ein paar harte Nächte hinter mir und musste da etwas Schlaf aufholen.
Allschools: Du brauchtest also etwas Erholung?
Dale: Ja, genau. Sonst schlafe ich nicht so lange. Jetzt hingegen ist es insgesamt sehr entspannt, wir schauen Filme und entspannen. Das Tourleben ist gar nicht so aufregend, wie es sich viele Leute vorstellen. Diese ganze Vorstellung von Sex, Drugs und Rock 'n Roll ist nicht so, es ist einfach unser Job. Normalerweise kommen wir in den Konzerthallen an, suchen erst einmal eine Steckdose um unsere Handys zu laden und schauen ob es Internet gibt und sehen dann vielleicht einen Film an. Bevor die Show anfängt trinke ich dann etwas und alle werden lockerer und verrückter aber ansonsten warten wir eigentlich den ganzen Tag nur, dass die Show beginnt.
Allschools: Also ist es für euch fast so wie ein ganz normaler Job?
Dale (lächelt): Ja, irgendwie schon. Nur am Abend wird es dann etwas anders.

Allschools: Hast du eigentlich Zeit, dir die Städte in denen du bist auch anzusehen? Und weißt du immer in welcher Stadt du dich gerade befindest?
Dale: Ehrlich gesagt versuche ich besonders hier in Europa mir mehr Zeit zu nehmen und die Umgebung anzusehen, weil wir nicht so oft in Europa sind. Aber an einem Tag wie heute weiß ich nicht was es hier in der Umgebung gibt und ich bin spät aufgestanden, also ist es schwierig. Aber wenn es in der Nähe der Konzerthalle etwas zu sehen gibt, versuche ich immer rauszugehen und esse etwas in einem örtlichen Restaurant.
Allschools: Was isst du denn hier in Deutschland am liebsten?
Dale: Ich bin ein Fleisch-Kartoffel-Mensch (grinst), deswegen passe ich auch gut hier nach Deutschland. Ich mag Eisbein und Kartoffelbrei mit Soße gerne.

Allschools: Ihr habt am vergangenen Wochenende beim Hellfest in Frankreich gespielt, wie war das für euch?
Dale: Verrückt! Es ist ein abgefahrenes Festival. Wir wussten erst nicht so recht, ob wir in das Line Up passen weil es so ein hartes Heavy Metal Festival ist und wir sind nun mal keine Heavy Metal Band. Wir haben einfach unser Bestes gegeben und es schien den Leuten gut zu gefallen, die Reaktionen waren auf jeden Fall sehr positiv. Es gab Mosh Pits und es waren sehr viele Leute vor der Bühne, also glaube ich war es für uns ein Erfolg. Wir fänden es schön, wenn wir nächstes Jahr wieder dort spielen könnten und dann das Jahr darauf, sodass es irgendwann ein fester Termin für uns wird.

Allschools: Warst du auch schon mal als ganz normaler Gast auf einem Festival, mit Camping und allem drum und dran?
Dale: Ja, auf jeden Fall! Früher habe ich das oft gemacht. In Südafrika gibt es viele Festivals die über 3 Tage gehen und es hat immer viel Spaß gemacht, jedoch war die Organisation sehr schlecht. Es gab zum Beispiel nicht genügend Toiletten. Es war irgendwie ekelig aber wir hatten dort trotzdem immer eine fantastische Zeit und haben so gut wie gar nicht geschlafen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das heute noch so machen könnte. Ich glaube ich bin mittlerweile etwas verwöhnt und alt. Also ich bin nicht alt (grinst) aber ich fühle mich manchmal alt.
Allschools: Ja, manchmal ist ein richtiges Hotelbett wesentlich angenehmer als eine Nacht im Zelt.
Dale: Ja, da stimme ich dir zu! Meine Freundin wollte mit mir zum "Tomorrowworld" Festival fahren und ich habe gesagt "Na gut, für dich komme ich mit.." obwohl ich nicht wirklich wollte. Ein Freund von ihr, der mit uns kommen sollte, hat dann die Tickets gekauft aber kurz bevor ich ihm das Geld geben konnte rief er an und sagte ihm sei etwas Wichtiges dazwischen gekommen und er könnte nicht hin. Wir sind dann also auch nicht gefahren und ich habe mich so gefreut! Es wäre zwar bestimmt gut geworden aber ich glaube drei Tage Camping und die ganze Zeit von vielen komischen betrunkenen Leuten umgeben zu sein, hätte mich nur genervt.

Allschools: In den USA hattet ihr 11 Nummer Eins Hits. Was meinst du, warum ist es so schwer hier in Deutschland an die Spitze der Charts zu kommen?
Dale: Ich bin nicht sicher. Wir sind in Deutschland zwar relativ erfolgreich aber vielleicht liegt es daran, dass wir nicht so oft hier spielen. Wir waren zwar ein paar Mal da aber wir würden gerne mindestens 2 Mal im Jahr hier sein.
Allschools: Ich habe gesehen, dass ihr im Herbst wieder in Deutschland spielt, ihr arbeitet also schon daran diesen Plan umzusetzen?
Dale: Ja, wir kommen im November wieder. Wir haben eine neue Booking Agentur und auch ein neues Plattenlabel und haben denen gleich gesagt, dass wir uns gerne mehr auf Europa und auch andere neue Bereiche konzentrieren möchten, in denen wir nicht so oft gespielt haben bisher. Dazu gehört zum Beispiel auch Südamerika, wir haben bisher nur ein einziges Mal in Mexiko gespielt. Oder Asien, wir waren zwar in Japan aber haben dort in einer US Militär Station für die Truppen gespielt und das zählt eigentlich nicht mit. Wir haben viel in Amerika gespielt und es ist auch toll dort aber es gibt noch so viele andere Menschen für die wir Auftreten möchten.

Allschools: Bei all den Orten an denen ihr spielen möchtet, wie viele Tage im Jahr verbringst du denn tatsächlich noch zuhause?
Dale (lacht): Nicht so viele! Dieses Jahr vielleicht ein paar Wochen. Wenn ich nach dieser Tour nach Hause komme habe ich vielleicht 10 Tage bevor es wieder los geht.
Allschools: Also gerade genug um deinen Koffer auszupacken, die Wäsche zu waschen und alles wieder einzupacken?
Dale: Ja genau, Wäsche waschen, sehen ob im Haus und im Garten alles in Ordnung ist, das Auto und die Motorräder waschen, meinen Koffer wieder packen, die Tür abschließen und wieder gehen.
Allschools: Gibt es denn Tage, die du unbedingt zuhause verbringen möchtest? Tage für die du Konzertanfragen nicht annehmen würdest, zum Beispiel Weihnachten oder Geburtstage?
Dale: Es ist schön Weihnachten und an Silvester keine Shows zu spielen aber Geburtstage sind mir eigentlich nicht wichtig, ich habe immer das Gefühl, das ist eher so eine Frauensache, die sich beschweren wenn man ihren Geburtstag vergisst. Ich weiß gar nicht, wie viele Geburtstage ich schon auf Tour verbracht habe. Aber an Weihnachten haben wir normalerweise frei und das ist für mich immer schön um meine Familie in Südafrika zu besuchen - wobei ich dann ja schon wieder nicht zuhause bin - aber meine Freunde und Familie zu sehen ist toll. Und an Silvester wäre es mir egal, ich bin so viel auf Tour und trinke und feiere so oft, dass Silvester nichts besonderes mehr für mich ist und ich schon fast lieber einfach zuhause bleiben würde.
Allschools: Du lebst momentan in den USA richtig?
Dale: Ja, ich lebe in Los Angeles.
Allschools: Warum bist du in die USA umgezogen und nicht in Südafrika geblieben?
Dale: Das lag daran, dass wir einen Plattenvertrag in Amerika bekommen haben und alles was damit zu tun hat auch dort stattfand. Wir haben in LA aufgenommen und unsere Sachen dort gelassen als wir dann auf Tour gingen. Und dann kommt eins nach dem anderen, "wir brauchen einen Manager" - und er ist in LA, wir brauchen jemanden der sich um die Buchhaltung kümmert und jemanden für das Merchandise und all diese Leute waren in LA. Also musste ich eigentlich auch dort sein aber ich fühle mich dort auch sehr wohl und bin glücklich LA mein Zuhause nennen zu können.

Allschools: Ihr veröffentlicht bald euer neues Album "Isolate and Medicate". Ich habe gelesen, dass euer Sänger Shaun sich extra ein Zimmer zuhause renoviert und neu eingerichtet hat um dort in Ruhe schreiben zu können. Warst du auch mal dort und kannst mir sagen wie das Zimmer aussah?
Dale: Ja, ich bin hingeflogen um mit ihm an einigen Dingen zu arbeiten. Es war cool!
Allschools: Wie sah es denn aus?
Dale: Es war einfach ein Raum über der Garage in New Hampshire. Er wohnt jetzt nicht mehr dort, er ist vor kurzem nach Nashville umgezogen. Er hat einen dunklen Holzfußboden verlegt und einige Sofas in den Raum gestellt. Die Wände waren gestrichen und er hat einige unserer Auszeichnungen dort aufgehangen. Als ich dort war haben wir erst mal gar nicht über Musik gesprochen sondern nur rumgehangen, wir sind mit dem Boot auf den See rausgefahren und haben gegrillt. Erst gegen Mitternacht haben wir angefangen Musik zu machen. Es war sehr warm also hatten wir das Fenster auf und gegen 4 Uhr morgens hörte ich ein Geräusch und sagte zu Shaun "Hey hast du das auch gehört, was war das?" Als wir aus dem Fenster blickten stand dort ein Polizist. Wir haben uns total erschrocken weil Shaun wirklich im nirgendwo wohnte. Der Polizist sagte dann nur "Hey, könnt ihr etwas leiser sein?". Über eine halbe Meile entfernt hatten sich Nachbarn beschwert dass es ihnen zu laut war. Aber der Polizist war nett, wir haben ihn auf einen Kaffee reingebeten und wollten ihn überzeugen einen Alkoholtest mit uns zu machen weil wir total angetrunken waren und es lustig fanden. Es war ein witziger Abend.
Allschools: Macht ihr eure Songs immer so spontan oder setzt ihr euch manchmal wirklich hin und sagt "so, jetzt schreiben wir einen Song"?
Dale: Das kann man nicht allgemein sagen, du kannst einen guten Song nicht erzwingen also schreiben wir immer wenn uns etwas Gutes in den Sinn kommt. Für uns ist es leichter Songs zusammen zu schreiben. Wenn du alleine bist ist es schwer an alle Teile zu denken und wir spielen schon so lange zusammen, dass jeder weiß was der andere denkt. Du sitzt mit den anderen zusammen und jeder gibt seine Ideen dazu, so entsteht ein Song manchmal innerhalb von Minuten. Ich mag es so am liebsten weil ich das Gefühl habe, dass die Aufregung und die gute Stimmung in den Songs eingefangen wird.

Allschools: Ihr habt "Words as Weapons" als erste Singleauskopplung gewählt, warum gerade dieser Song?
Dale: Das war eine gemeinsame Entscheidung zwischen unserem Management, dem Plattenlabel und uns. Wir haben den Vorschlag gemacht und gefragt was sie davon halten, denn schließlich sind sie die Geldgeber und haben da auch Mitspracherecht. Wir hatten den Song eigentlich für das Best of Album geschrieben, fanden ihn dann aber so gut, dass wir ihn lieber auf dem nächsten Album haben wollten, damit er mehr Aufmerksamkeit bekommt und nicht untergeht. Wir wollten als ersten Song etwas mitreißendes und der Drumbeat eignete sich einfach gut. Es ist auch ein Lied dass der Musik, die momentan in den USA im Radio gespielt wird nicht zu sehr ähnelt, das war uns wichtig denn wir wollten gerne etwas rausstechen. Und ich hoffe das ist uns gelungen?
Allschools: Auf jeden Fall, zumindest was Deutschland betrifft.
Dale: Cool, danke! Mission erfüllt (grinst).
Allschools: Mit wem habt ihr für das Coverbild zusammen gearbeitet? Es ist ja schon sehr speziell, ich habe es eine ganze Zeit lang betrachtet.
Dale: Es ist ein gemaltes Bild, das unser neuer Tour-Gitarrist Bryan gemalt hat. Bevor er unser Tour-Gitarrist wurde, war er unser Techniker, davor war er mein Mitbewohner und davor arbeitete er für Schecter Gitarren, mit denen wir unseren Sponsoringdeal haben. Wir kennen uns also schon sehr lange und er ist ein talentierter Typ. Für Schecter hat er z.B. auch Grafikdesign gemacht und Gitarren entworfen. Er hat also das Bild gemalt und uns geschickt und wir haben gleich alle gesagt "ja, das ist super!". Ich weiß aber gar nicht was es bedeutet, es ist ja schon etwas verstörend.
Allschools: Das wäre meine nächste Frage gewesen, was steckt hinter dem Bild?
Dale: Ich habe ihn zwar gefragt wie er es gemalt hat aber nicht was er sich dabei gedacht hat. Ich finde gerade das macht es auch so besonders, dass es Raum für Interpretationen lässt und es für jeden etwas anderes bedeutet.

Allschools: Ihr spielt jetzt noch in Belgien und dann geht es zurück in die USA. Gibt es abgesehen von deinem Zuhause etwas von dort, was du besonders vermisst?
Dale: Ich vermisse es ein Handy zu haben, mit dem ich alles machen kann und ich vermisse die amerikanischen Marlboro Lights, die Deutschen schmecken anders. Und Buffallo Wings! (lacht) Es sind die kleinen Dinge, die man vermisst.

Allschools: Okay, kommen wir zur letzten Frage: Ihr habt mehrfach Gold und Platin für eure Alben bekommen, über 4,5 Millionen Tonträger verkauft und habt den Ruf als eine der einflussreichsten Bands aus Südafrika - gibt es überhaupt noch etwas dass ihr erreichen wollt oder denkt ihr euch "wir sind jetzt am Höhepunkt angelangt, mehr kann nicht kommen"?
Dale: Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass wir jetzt an der Spitze sind, wir haben aber auch keine besonderen Ziele die wir erreichen möchten. Wir würden uns freuen, wenn wir in 10 oder 20 Jahren noch Musik machen können. Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben und dass es uns noch gibt. Es gibt so viele Bands, die mit uns gleichzeitig angefangen haben, die sich aufgelöst haben. Wir sehen unsere musikalische Karriere nicht als Selbstverständlichkeit an und sind sehr dankbar dafür, dass wir noch immer Musik machen dürfen. Von unserer Seite aus gibt es keine Anzeichen, dass es Seether irgendwann nicht mehr geben wird (lächelt).