Interview mit Supermutant

 

SUPERMUTANT haben sich aufgelöst. Einen Satz, den man wohl nie lesen wird. „Unsere Band wird sich nie auflösen. Wenn es mal nicht mehr mit uns funktioniert, würden wir sagen, dass wir eine Pause machen. Die Frage ist nur, ob wir dann je wieder zusammen auftreten werden“, sagt Sänger Yann. Dadurch bleibt das Bandgefühl und jede Erinnerung erhalten, glauben die fünf Jungs der Indiepunkband aus Mönchengladbach, die von Reunions nämlich so gar nichts halten. „Supermutant wird es für immer geben. Deshalb ja auch das aktuelle Album „FRVR“. Man kann ja auch 20 Jahre Pause machen.“ David, Martin, Yann und Daniel lachen. „FRVR“ ist ihr Debüt-Album und erschien im Dezember via Comude/Zeitstrafe.

SUPERMUTANT selbst gibt es schon seit 2009. Aber erst 2010 mutierte die Band zum Hauptprojekt, in die Zeit und Energie gesteckt wurde. In alter Besetzung brachten sie die EP „Lichterloh“ raus. Jetzt besteht die Band aus Yann (Gesang), David (Gitarre), Martin (Bass) und Daniel (Schlagzeug). Ihre vorherigen Bandprojekte haben sie nicht ganz so ernst genommen. Man hat gespielt, weil man Bock drauf hatte. „Die Texte standen bei meinen bisherigen Bands eher im Hintergrund“, sagt Sänger Yann. Mit SUPERMUTANT sollte sich das ändern. Bands wie Kettcar, Tomte, Muff Potter, Captain Planet zeigten ihn, wie wichtig eine Botschaft in Songs ist. „Wenn ich gerne Texte schreibe, kann ich mich genauso gut zu Hause hinsetzen und Gedichte schreiben. Dann gründe ich keine Band. Wenn man eine Band gründet, dann muss man auch was zu sagen haben in seinen Songs“, erklärt er.

„Mit Hang zur Dramatik und Poesie“

Die kleinsten Alltagsmomente auf drei bis vier Minuten ausdehnen, Geschichten, die von mehreren Jahren handeln auf dieselbe Zeit kürzen – eine Kunst. Und genau diese Kunst beherrschen SUPERMUTANT, man kann sie in zehn Song auf „FRVR“ hören. Kurzgeschichten in Musikform. „Mit einem Hang zur Dramatik und Poesie“, ergänzt Yann. Dabei versucht er Situationen zu beschreiben, die sie als Band erlebt haben. Weniger „ich habe erlebt/gefühlt/gemacht“ mehr „wir“. Welche Worte Yann wählt, darauf versuchen die anderen Bandmitglieder möglichst wenig Einfluss zu nehmen. „Ich finde es wichtig, dass er als Sänger die Freiheit hat, Texte so zu schreiben, wie er Lust darauf hat. Worte wählt, mit denen er sich wohl fühlt. Er muss sie ja später singen“, sagt Martin.

Auf „FRVR“ hat er genau die richtigen Worte gefunden. Auf der Bühne scheint sich Sänger Yann damit mehr als wohl zu fühlen, genauso wie die anderen Bandmitglieder. SUPERMUTANT konzentrieren sich auf ihre Musik – ohne viel Schnick-Schnack und Zwischenansagen. David war sogar so konzentriert, dass er sich nach den ersten Tourtagen nicht einmal mehr richtig an die gespielten Lieder erinnern konnte. „Ich bin auf die Bühne gegangen und dann hat sich ein Schalter umgelegt und ich habe einfach gespielt. Wenn ich die Bühne dann verlasse, macht es noch mal Klick und du kommst wieder runter. Wenn ich dann versucht habe mich zu erinnern, war irgendwie alles weg. Ich brauche die Routine, um den Moment zu genießen. Je öfter ich spiele, desto mehr kann ich mich auf das Ganze einlassen.“ Wenn Martin von den SUPERMUTANT-Shows spricht, hat er einen ganz besonderen Moment im Kopf. „Wenn man als Band auf der Bühne steht und das Gefühl hat zu verschmelzen, eins zu werden. Das ist für mich das Schönste. Es ist unheimlich schwer zu erreichen und ich weiß auch nicht wovon genau dieses Gefühl abhängt, aber wenn es da ist, dann ist es großartig.“

Für so ein Gefühl lohnen sich Nachtschichten im Proberaum. In sieben Monaten haben sie dort ihr Album „FRVR“ geschrieben. „Ein Außenstehender hätte gesagt, das geht nicht. Aber die Frage ist, ob man das wirklich will“, sagt Yann. Es geht um die Bereitschaft, alles für die Band zu geben. Auch wenn das bedeutet, manchmal seine gesamte Freizeit da reinzustecken. Aufstehen, arbeiten, proben, schlafen. Kaum bis keine Zeit für Freunde und Familie. Doch sie beklagen sich nicht. Keineswegs. Sie wissen wofür. Damit wir noch viel von SUPERMUTANT lesen und hören werden. Nur einen Satz eben nicht: SUPERMUTANT haben sich aufgelöst.