Interview mit The Academy Is...

 

Ausnahmsweise kommt mal der nächste heiße Scheiß nicht aus den UK, sondern direkt aus der US-Automobilmetrepole Chicago. Die Rede ist von niemand geringerem als THE ACADEMY IS..., die mit ihrem im Mai erscheinenden Album "Santi" sicherlich für einige Überraschungen sorgen werden. Von vielen wird die Band aufgrund ihres Labels Fueled by Ramen gerne in die Pop-Punk- Ecke gedrängt, obwohl die Band sicherlich mehr zu bieten hat als manch ein prominenter Labelkollege. Mit dem überaus sympathischen Gründungsmitglied Mike bekam ich die Gelegenheit, vor dem ersten Deutschlandauftritt von THE ACADEMY IS... in Hamburg mal ein paar Worte zu wechseln:


Hallo Mike, wie geht’s denn so?

Ziemlich gut. Wir haben gestern einen Day-Off in Hamburg gehabt und haben uns ein wenig umgesehen, was gegessen und sind recht früh ins Bett gegangen. War sehr angenehm.

Aber ihr habt nicht soviel gesehen?

Nein leider nicht, aber wir haben uns natürlich vorgenommen nach mal durch Europa zu touren in diesem Jahr. Und ich denke da wird sich noch mal die Gelegenheit ergeben, aber es gefällt mir sehr in Deutschland.

Ihr wart ja auch in England und Frankreich während dieser Tour. Wie waren dort die Erfahrungen und die Reaktionen bisher?

So weit waren die Reaktionen sehr gut. In England waren wir ja bereits schon viermal und dementsprechend sind die Shows echt super gewesen. Die Leute kommen raus und geben uns ihre volle Unterstützung. In Paris hatten wir ein paar Pressetermine und das war auch eine sehr angenehme Angelegenheit, da wir vorher noch nie in Paris waren. Jetzt sind wir in Hamburg und morgen spielen wir unsere allererste Show in Deutschland und es ist wirklich spannend, denn für uns als Band ist eine echt spannende Zeit.

In Deutschland werden euch wahrscheinlich nicht so viele Leute kennen, also was erwartet ihr von eurem Debüt in Deutschland?

Ich denke, dass unser Auftritt eher als eine Art Einführung in unsere Musik dient. Wir hoffen natürlich das viele Leute rauskommen werden, aber wir haben in den USA vor dreieinhalb Jahren und in England vor zweieinhalb Jahren auch noch in kleinen Clubs gespielt und ich denke es ist eine Art Reifeprozess den die Band durchmachen muss. Im Grunde sind wir alle sehr aufgeregt zu spielen und wir hoffen, dass die Leute einen guten ersten Eindruck von uns bekommen.

Okay, ich hab dann ein paar Fragen aufgeschrieben, die du wahrscheinlich schon öfters gehört hast. Also, dass erste was ich von dir wissen möchte ist, wie THE ACADEMY IS… zustande kam.

Damals haben ich und William in einem Vorort von Chicago die Band gegründet. Wir haben dann in der Highschool, als wir so 16/17 Jahre alt waren, angefangen Songs zu schreiben und spielen. Wir haben dann meistens kleine Shows für unsere Freunde gespielt und uns in einer kleinen Szene aufgehalten. Zu diesem Zeitpunkt war auch unser Bassist auf der gleichen Schule wie William und er fing dann an Bass zu spielen. Wir waren damals eher eine Band die aus Spaß zusammen Musik machte und nicht wirklich ernsthaft den Gedanken verfolgte bekannt zu werden. Nach einer Zeit haben wir dann eine Demo produziert und ein paar Shows gespielt im Raum Chicago und dann wurden Fueled By Ramen aus Florida auf uns aufmerksam und wir haben dann eine Show zusammen mit Fall Out Boy gespielt, die schon seit ihren Anfängen Freunde von uns sind. Die Show hat viele Leute überzeugt und wir sind zu der Gewissheit gekommen, dass Fueled By Ramen genau die richtige Heimat für uns als Band darstellt. Im Laufe der Zeit haben wir dann unser Debüt „Almost Here“ veröffentlicht und waren dann, um es kurz zu fassen, die nächsten zweieinhalb Jahre auf Tour mit diesem Album. Nachdem wir nun in diesem Sommer die ganzen Festivals gespielt haben und unser neues Album „Santi“ aufgenommen haben stehen wir nun hier in Hamburg und promoten unser neues Album.

Wie denkt ich über euer neues Album? Seid ihr zufrieden mit dem Ergebnis? Einer der Gitarristen hat ja die Band während der Aufnahmen verlassen.

Ja, dass stimmt. Also, unser Gitarrist hat uns aus dem einfachen Grund verlassen, dass er einfach nicht mehr so viel touren wollte. Wir waren ja auch über zwei Jahre immer nur auf Tour und auf der Warped Tour im letzten Jahr gab es auch diverse Hänger. Kurz vor den Aufnahmen von unserem neuen Album „Santi“ hat dann Tom den Wunsch geäußert die Band zu verlassen. Zu der Zeit hatte ich auch einen guten Freund, der Michael heißt und aus LA kam. Wir haben sehr viel über Musik geredet und über das komponieren von Songs und dann hab ich halt nach Chicago eingeladen um ein wenig mit uns zu spielen. Beim spielen haben wir dann gemerkt, dass es wirklich gut mit ihm klappte und so kam es das er dann direkt bei den Aufnahmen zu „Santi“ involviert war. Er ist einfach ein sehr guter Gitarrist und es hat einfach wunderbar gepasst. Tom hatte gerade die Band verlassen und Michael konnte uns wichtige Ideen und Impulse geben.

War der neue Gitarrist auch in den Songwriting-Prozess integriert?

Natürlich! Bei „Almost Here“ war noch William und meine Wenigkeit für das schreiben der Songs verantwortlich, bei „Santi“ hingegen haben wir alle unsere Ideen zusammengetragen und die Songs als Band komponiert. Der große Unterschied zu „Almost Here“ ist, dass wir diesmal in einem Proberaum viel mehr zusammen gejammt und rumprobiert haben. Bei „Almost Here“ haben William und ich die meisten Songs zusammen geschrieben und mit einer Akustik-Gitarre ausprobiert.

Dem würde ich zustimmen. Mein Eindruck von „Santi“ ist, dass ihr diesmal viel experimenteller klingt als auf „Almost Here“.

Das stimmt. Ich sehe das definitiv auch so.

Was waren die Haupteinflüsse für euer neues Album?

Ich denke, dass ich das nicht so stark an Bands fest machen würde, als vielmehr an unseren Erfahrungen die wir durch das Touren hinzugewonnen haben. Für mich persönlich ist das neue Album eine Art natürlicher Fortschritt. Natürlich gab es auch Bands die ich mir in letzter Zeit mal mehr oder oft angehört habe. Ich denke, dass die Smashing Pumpkins einen sehr starken Einfluss auf uns hatten und dieser Einfluss auf „Santi“ auch deutlicher zu hören ist, als auf dem letzten Album. Auch Bands, wie The Clash hatten ihren Einfluss auf unsere Musik und ein paar britische Bands wie The Kooks, Bloc Party, die ja gerade sehr bekannt werden, hatten ihren Einfluss auf uns. Aber es ist echt schwer für mich zu sagen, welche Bands uns dazu verholfen haben die Songs von „Santi“ in das zu werden, was sie jetzt geworden sind. Im Endeffekt, war es der besagte natürlich Fortschritt und irgendwie hatte diesmal jeder seinen Anteil an den Songs und jeder aus der Band hat nun mal unterschiedliche Einflüsse, die „Santi“ zu dem gemacht haben, was es nun ist.

Habt ihr eigentlich einen gewissen Erfolgsdruck verspürt, als ihr „Santi“ aufgenommen habt?

Wir hatten keinen öffentlichen Druck gespürt, aber wir haben uns selbst unter Druck gesetzt, was meiner Meinung nach sehr hilfreich war. William hat sich diesmal sehr unter Druck gesetzt und wollte mit seinen Songs auf dem Album wirklich gut sein. Ich denke unser Produzent Butch Walker hat es sehr gut geschafft uns zu zeigen was wir alles aus uns rausholen können. Aber man muss immer noch sehr spontan sein können und an sein eigenes Können glauben und ich denke das ist uns recht gut gelungen, denn wir hatten bei den Aufnahmen keine Probleme und jeder konnte sich gut einbringen.

Gerade im Moment ist ja der eher punkig gehaltene Pop-Sound mancher Band schwer im kommen. Wie denkst du darüber? Glaubst du, dass dieser Trend auch ganz schnell verschwinden kann?

Ich bin ehrlich gesagt sehr glücklich darüber Teil diese Trends sein zu können. Ich mein, du wirst wahrscheinlich diverse amerikanische Bands meinen, wie Fall Out Boy und Panic At The Disco!...

Ja, genau!

Also, dass lustige für mich ist ja, dass ich mit all diesen Bands auch befreundet bin und wir waren auch oft auf Tour mit denen. Ich mein, ich hab mit manchen von diesen Leuten meine Kindheit verbracht und dementsprechend ist es unglaublich für mich ein Teil dieser Erscheinung zu sein. In Amerika ist das Problem, dass es zwar einerseits einige gute Bands gibt, aber andererseits auch viele Bands gibt, die einfach nur andere kopieren und im Radio gespielt werden wollen. Ich find das etwas schade, aber ich denke dass solche Bands sich nicht lange halten werden. Wenn wir jetzt auf uns diesen Trend Pojetzieren, dann muss man sagen das wir mit „Santi“ uns ein gutes Stück davon Wegbegeben und auf eine natürliche Art und Weise weiterentwickelt haben. Ich fühle jedenfalls keinen Druck von anderen Bands und ich denke dass wir uns mittlerweile mit unserem neuen Album von diesem Trend sehr weit entfernt haben.

Das stimmt, aber die Frage war auch nicht darauf aus euch in eine Ecke zu drängen. Es ist nur sehr interessant zu beobachten wie ein Trend sich selbst in einem Land wie Deutschland ausbreitet.

Sicherlich ist es sehr interessant, wie sich derzeit manche Bands ausbreiten und ich denke das ist auch gut so. Ich denke, dass die Leute sehr schnell sehen wie die Bands untereinander verbunden sind. Das einzige was ein wenig stört, ist die Tatsache dass es sich manche Leute zu einfach machen und einen sehr schnell abstempeln als eine weitere, in unserem Fall, Fueled By Ramen Band.

Wobei gerade so ein Label wie Fueled By Ramen sehr stark für diesen poppigen Sound steht, was ich aber persönlich gut finde, denn es gibt dem Label auch eine gewisse Identität.

Genau, so sehe ich das auch und ich fühl sehr geehrt ein Teil von diesem Label zu sein. Es ist einfach großartig sich eine Labelheimat mit solchen Bands, die du ja vorhin erwähnt hast, zu teilen.

Du hast ja gerade erwähnt, dass ihr mit den anderen Bands von Fueled By Ramen sehr viel zu tun habt und rumhängt. Euer Sänger war ja auch auf dem aktuellen Cobra Starship Album zu hören! Wer hatte die Idee dazu gehabt? Ist es die Regel, dass ihr mit den anderen Bands von Fueled By Ramen zusammenarbeitet?

Also, wir arbeiten natürlich zusammen. Bei der Sache mit William war es so, dass der Sänger von Cobra Starship, Gabe Saporta, ein guter Freund der Band ist und auch in einer Band namens Midtown gesungen hat, von denen wir riesige Fans sind, ihn einfach gefragt hat ob er nicht Lust hätte in bei einem Song zu unterstützen. Man muss dazu sagen, dass wir meistens mit den Bands auf Tour sind und dann bildet man quasi einen Bund von Freunden und so kommt es halt öfters vor das wir uns gegenseitig aushelfen. Wir haben halt alle großen Spaß daran. Auch wenn es für mache unglaubwürdig erscheint, aber wir helfen uns so gut wie immer gegenseitig. Wir sind auch bald wieder auf Tour mit Fall Out Boy und Cobra Starship und freuen uns riesig darauf jeden Abend mit den Bands die Bühne zu teilen.

Fühlt ihr euch geehrt wegen dem Song auf dem Cobra Starship Album und der Chance mit Gabe Saporta auf Tour zu gehen?

Definitiv! Midtown waren für mich so eine Band, wegen der man anfängt sich überhaupt für Musik zu interessieren. Es ist witzig, dass du Midtown vorhin erwähnt hast, denn die stellen ganz klar einen sehr wichtigen Einfluss für unsere Musik dar. Dazu kommt auch noch, dass Gabe Saporta ein toller Mensch ist, mit dem wir super auskommen.

Was mir noch einfällt: Es wird ja immer gerne seitens der Presse so dargestellt, als ob du und William in zwei rivalisierenden Bands gespielt habt. Was ist da dran?

Wir haben wohl in zwei verschiedenen Bands gespielt, wobei William eigentlich nur alleine aufgetreten ist. Wir haben halt öfters zusammengespielt, aber eigentlich nur in einem kleinen Rahmen und haben meistens eher unsere Freunde eingeladen und gespielt. Wir haben halt jeden Donnerstag in so einer kleiner Halle gespielt, mit allen mögliche Bands der Umgebung und im Endeffekt haben wir meistens sehr kleine Bands gespielt. William fiel etwas aus dem Rahmen, da er nur alleine aufgetreten ist, mit seiner Akustik-Gitarre. Alles in allem war die ganze Geschichte eher so eine Art Freundschaftlicher Wettbewerb. Jedenfalls haben William und ich uns dann mal zusammengesetzt und uns über unsere Einflüsse, wie Alkaline Trio und die Get Up Kids unterhalten. Zu der Zeit, war ja auch NuMetal so populär und wir wollten ganz weit weg von diesem Zeug unsere Musik machen und desto besser wir uns kennen lernten, desto konkreter wurden die Pläne THE ACADEMY IS… zu gründen.

Wenn du dich jetzt zurückbesinnst, welche Erwartungen hattet ihr damals und inwiefern habt ihr sie erfüllt?

Ehrlich gesagt, haben wir mittlerweile alle meine Erwartungen übertroffen, denn allein der Fakt, das ich hier in Hamburg sitze und mit dir gerade ein Interview mache, ist für mich total unglaublich. Wir sind wirklich überglücklich das wir es so weit gebracht haben und wir danken allen die uns überhaupt Interesse entgegenbringen.

Was bringt die Zukunft für The Academy Is…?

Wir werden sehr bald mit Fall Out Boy und Cobra Starship auf Tour gehen und hoffen natürlich sehr schnell wieder nach Europa zurückzukommen, denn wir möchten, dass die Leute uns auch mal Live kennen lernen, allen voran in Deutschland. Es sieht so aus als würden wir im August/September wieder zurückkommen, aber da ist noch nichts in trockenen Tüchern.

Okay, hast du evtl. noch was an unsere Leser zu richten?

Hm, also ich würde mich freuen wenn sich jeder mal unser neues Album „Santi“ anhört und wenn er Lust hat mal unsere MySpace-Seite sich anschaut. Ansonsten werden wir ja bald wieder in Deutschland unterwegs sein und freuen uns drauf ein paar Leute zu sehen.

Herzlichen Dank für das Interview!

Kein Problem.