Interview mit The Safety Fire

 

Der Musikkritiker Stefan Bostock hat THE SAFETY FIRE als beste Band des Universums beschrieben. Zumindest steht das in eurem Wikipedia-Artikel. Was sagst du dazu?
Ja klar, da würde ich ihm auf jeden Fall zustimmen… Was, das steht auf unserer Wikipedia-Seite? Das schau ich gleich nach dem Interview nach. Nein, das denk ich nicht, es gibt viel bessere Bands. Wir sind okay.



Was kommt als nächstes für die beste Band im Universum?
Das Universum erobern, würd ich mal sagen. Nein, eigentlich wollten wir grad im Studio sein und Songs aufnehmen. Aber wir wurden kurz vor Beginn der Tour noch ins Boot geholt und deswegen muss das noch ein bisschen warten.

Euer Song „Sections“ basiert auf Dantes Inferno. Für was wirst du in der Hölle schmoren, wenn es soweit ist?
Oha, da muss ich erstmal überlegen. Nicht, dass mich das Interview noch in den Knast bringt. Eigentlich sind wir nicht so schlimm. Es gibt zwar viele Stories über Bands, die auf Tour total durchdrehen, aber wir sind eigentlich alle ziemlich ruhig. Wir trinken noch nicht mal viel. Ich komme wahrscheinlich in die Hölle, weil ich ein paar Herzen gebrochen habe. Und zwar richtig übel.

Das Rock ´n´ Roll Klischee erfüllt ihr dann ja schon mal nicht, wenn ihr nicht viel trinkt. Was hat sich generell verändert, was ist Rock ´n´ Roll heute? Ist heute Musik wichtiger als Party zu machen und Mädels flachzulegen?
Ich glaube, es war früher einfacher. Wenn du von Mötley Crüe, Metallica oder KISS früher hörst, die jedes Mädel mitgenommen haben. Klar, heute gibt es auch noch solche Bands. Große, bekannte Bands. Bei unserer Musik siehst du vielleicht zwei Mädels bei einer Show. Die sind wahrscheinlich auch noch die Freundin von irgendwem und wurden zur Show mitgezerrt. Es passiert also nicht so oft. Aber es hat sich auch alles verändert, früher war es anonymer. Heute sind alle auf Instagram, Twitter usw. und die posten das dann auch noch, dann weiß sofort jeder Bescheid. Ich glaube, heute überlegen Bands da schon genau und nehmen nicht einfach jedes Mädel mit. Keine Ahnung, ob es weniger geworden ist, die vögeln bestimmt immer noch genug. Für uns ist nicht wichtig, wir haben damit nie angefangen. Wenn wir das wollten, dann müssten wir andere Musik machen, in unserer Szene gibt’s kaum Mädels. Aber Rock ´n´ Roll ist immer noch da. Guck dir mal Asking Alexandria an, fast wie die zweiten Bon Jovi!



War es schwer für euch, als Band zu bestehen als ihr alle in unterschiedlichen Städten studiert habt?
Ja, die Zeit war echt schwer. Wir haben die Band mit 15 gegründet. Also wir kannten uns schon in der Schule und da konnten wir auch an Wochenenden immer proben. Nach der Schule haben wir alle ein Jahr Pause gemacht. Wir hatten zwar kleine Jobs, aber nichts Festes. Da haben wir Songs geschrieben und ein bisschen was aufgenommen. Im Studium war jeder von uns in einer anderen Stadt. In der Zeit haben wir die „Sections“-EP gemacht. Also in 3 Jahren konnten wir gerade mal eine EP machen. Da haben wir uns nicht gesehen und es ging sehr langsam vorwärts. Danach kamen alle wieder heim nach London, dann lief es wieder besser.

Gibt es eine Band, mit der ihr nie zusammen spielen würdet, egal wie viel Geld sie euch anbieten?
Verdammt, das ist eine gute Frage. Irgendjemand, der moralisch ein richtiges Arschloch ist, aber mir fällt grade echt niemand ein. Wenn eine Band schlecht ist, ist mir wurscht. Da würde ich trotzdem spielen, ich bekomme ja ihr Geld.

Wie sieht ein day-off mit THE SAFETY FIRE aus?
Das hängt davon ab, wo wir gerade sind. Wir hatten einen super day-off in Paris. Es ist sau teuer, sehr touristisch. Bei uns in London ist das zwar ähnlich, aber da wissen wir, wo wir hingehen müssen, damit es nicht so teuer ist. In Paris fühlst du dich als würdest du die ganze Zeit verarscht. Wir haben mit den Jungs von The Contortionist ein kleines französisches Restaurant gefunden. Voll mit Leuten, verschwitzt, es war super. An anderen Tagen bist du einfach im Nirgendwo und hockst den ganzen Tag im Bus rum.

Ihr seid mit drei Bands in einem Tourbus, nur Destrage haben einen eigenen Camper. Gibt’s da zumindest ein bisschen Privatsphäre?
Du hast deine Schlafkoje, das war’s so ziemlich. Da kannst du immerhin den Vorhang zuziehen. An einem day-off haben Protest The Hero oft ein Hotel, aber wir anderen bleiben meistens im Bus. Wir haben immerhin einen Fernseher mit FIFA. Man wird manchmal schon ein bisschen klaustrophob, weil es gerade nichts gibt, wo du dich hinsetzen kannst.

Geht dir das manchmal richtig auf die Nerven, so dass du fast kein Bock mehr hast?
Fairerweise muss man sagen, der Bus ist für mich das Beste zum Touren. Wir haben schon in Vans und Autos getourt und das ist schon hart. Dann suchst du dir ein günstiges Hotel, so dass es ins Budget passt und das ist nicht wirklich groß. Wir buchen dann ein Hotelzimmer für zwei Leute und pennen mit der ganzen Band da drin. In den USA passiert das öfters, weil du da weite Strecken fährst bis zum nächsten Gig. Da musst du zwischendurch Pause machen. In einem Bus ist das viel einfacher, da kannst du dich hinlegen und wenn du aufwachst bist du beim nächsten Veranstaltungsort.



Letztes Jahr habt ihr schon mal im Substage gespielt, aber ohne Sean. Wenn ihr sogar ohne Sänger spielt, was braucht es, damit ihr eine Show absagt?
Wir hatten sogar mal eine Show, bei der nur Dez (Anm. d. Red.: Derya Nagle/Git) auf der Bühne war. Er hat Gitarre gespielt und der Rest kam vom Band. Da hatten wir eine Panne mit dem Van und konnten deswegen nicht zur Show. Wir haben den Promoter angerufen und gefragt, ob wir unser Geld auch bekommen, wenn nur einer von uns spielt. Er meinte, „Klar, wenn ihr das hinbekommt.“ Dez ist dann bis zum Veranstaltungsort getrampt. Wir waren zum Glück an einer Tanke und ein Typ hat Dez direkt bis vor die Haustüre gebracht. Er ist einfach rein, hat auf Play gedrückt und die Show gespielt. Also wir haben eine Show mit nur einem Bandmitglied gespielt, es braucht also schon einiges, bis wir eine Show absagen. Bei einem richtig großen Gig würden wir das natürlich nicht machen, aber das war eine kleine Show, da ging das schon.

Am Anfang des Interviews hast du gesagt, ihr wollt die Welt erobern. Wie wollt ihr das machen?
Hoffentlich mit dem nächsten Album. Mit dem Schreiben der Songs sind wir so ziemlich fertig, können also bald ins Studio gehen. Hört sich gut an, wir nehmen es auf und schauen, was passiert.

Wir hört es sich an?
Da erzählt ja jeder immer, es ist härter, melodischer usw... Ich glaub, es gab einen Sprung von „Grind The Ocean“ zu „Mouth Of Swords“. Also man wird reifer irgendwie, jeder wird älter und weiser, zumindest hoffe ich das. Durch das Touren, das Schreiben und du hörst immer neue Musik, du wächst einfach. Die neue Platte ist nach „Mouth Of Swords“ sicher nochmal ein Schritt nach vorne.

Das Interview führten Patrick Schütz und Kevin Frisch