Interview mit This Belief

 

Ihr sucht auf eurer Homepage einen 2. Gitarristen. Seid ihr fündig geworden?

Nein, da wollen wir nichts überstürzen und haben uns bisher auch noch nicht intensiver um das Thema gekümmert. Die Gigs letztes Wochenende waren noch in Vollbesetzung, jetzt werden wir mal sehen. Auf Krampf Leute zu suchen die menschlich wie musikalisch passen ist meines Erachtens kein so guter Ansatz.

Ihr habt in eurem Infozettel New School Hardcore mit einigen Punk, Metal und Old School Elementen angegeben. Für mich ist es mehr Thrash Metal gemixt mit Hardcore.

Hmm, also das mit dem Trash Metal sehe ich um ehrlich zu sein nicht so ganz. Klar, eine Metalkante ist mit Sicherheit vorhanden, aber unter Trash verstehe ich was anderes. Einflüsse vielleicht, aber dann doch eher Death als Trash. Wir sind größtenteils Kiddies der 90er, und wie viele Leute damals so nach und nach von Metal zu Hardcore übergegangen. Zusammen mit dem Punk-Ding sind das ja auch immer alles Subkulturen gewesen die recht viele Berührungspunkte hatten. Für Außenstehende und Normalos war das alles ein großes Sammelbecken von Spinnern die Scheiße aussahen und Lärm toll fanden. Das verbindet! Inhaltlich haben mich Punk und Hardcore immer mehr angesprochen als Metal. Und musikalisch beeinflusst definitiv Bands wie INDECISION, MERAUDER oder 25 TA LIFE, und natürlich auch die Standards wie SICK OF IT ALL, RYKER’S und MADBALL. Unser Gitarrist Christian hört ansonsten hauptsächlich Oldschool, von unserem Basser weiss ich das noch nicht so genau, und unser Drummer schwebt irgendwo zwischen Crossover und Stoner-Oi!, haha.

Laut Infozettel versteht ihr euch als politische Hardcoreband, wollt euch aber nicht irgendwelche Parolen auf die Fahne schreiben. Beschreib das und eure innere Einstellung zum Hardcore bitte einmal genauer.

Nun ja, wir sind politisch eher links orientiert, was meines Erachtens eigentlich auch keine Sache ist die weiter erwähnenswert wäre. Für mich hatte Hardcore immer einen sozialkritischen und eher linkspolitisch zu verordnenden Background. Auf diesen Umstand weisen wir hier und da einfach ganz gerne mal wieder hin, da man manchmal das Gefühl hat, dass sich viele Leute nicht im Klaren darüber sind wo das was sie da hören eigentlich herkommt. Somit spiegelt sich das zwangsläufig in den aufgegriffenen Thematiken und Texten wider. Bis auf 2-3 Ausnahmen haben eigentlich alle Songs einen politischen Background, wenn ich mal so recht drüber nachdenke. Soll jetzt nicht heißen dass wir sonderlich radikalisiert wären. Es ist aber nun mal eine Musik die mit einer bestimmten Lebenseinstellung einhergeht. Ein weiterer Punkt warum wir das so formuliert haben ist, dass wir uns, trotz einiger musikalischer Parallelen von diesem ganzen „Ich hau dir aufs Maul wenn du nicht 100% true bist Bollo-Scheiss“ abgrenzen wollten. Man kriegt ja auch mit wie einem die Leute so entgegentreten wenn es heißt „Hardcore-Band“, und was für eine Erwartungshaltung da mitschwingt. Und es nervt einfach an wenn du beispielsweise irgendwelchen Konzertgruppen jedes Mal aufs Neue erklären musst, dass du keine Kickbox-Action auf Konzerten propagierst, und auch keine Shirts mit blutigen Schlagringen vertickst.

Würdet ihr eure Musik als Metalcore bezeichnen?

Ein Fanzine/Distro-Schreiberling hat das neulich wie ich finde ganz treffend formuliert: Metallischer Hardcore, hat aber rein gar nichts mit dem zu tun was allgemein als Metalcore bezeichnet wird.

Wo ist denn für dich der Unterschied zwischen metallischem Hardcore und Metalcore?

Mit der Bezeichnung Metalcore verbindet man heute doch eher ein bestimmtes Image. Nämlich genau diesen Prollkram von dem wir es gerade hatten. Relativ junge von oben bis unten zugekleisterte Typen, die in 5 Jahren an sich runterschaun und feststellen werden: „Scheiße, hätte ich doch nur auf Mutti gehört!“. Das hat einfach sehr viel mit Selbstinszenierung zu tun, sowohl was das rein optische, wie auch das Verhalten auf Konzerten angeht. Und rein musikalisch gesprochen: ziemlich glattgebügelte High-End Produktionen von Songs, die eigentlich reiner Metal mit ein paar Moshparts mehr sind. Das ist ja letzten Endes ein völlig eigenes Genre geworden. Was ja auch ok ist, nur echt nicht so unser Ding.
Die Bezeichnung „metallischer Hardcore“ gewichtet einfach den Hardcore-Anteil stärker. Metal als Zugabe, nicht als Hauptbestandteil. Aber ich glaube man sollte es da mit dem Definieren und Belabeln auch nicht zu sehr übertreiben. Hardcore, fertig.

Wie siehst du die Hamburger Hardcore Szene?

Hamburg ist doch eher eine Punkrockstadt. Die Hardcoreszene, wenn man sie denn so nennen mag, ist recht überschaubar, wobei ich das Gefühl habe dass es etwas mehr geworden ist. Ich würde mal sagen man kommt grob geschätzt auf ca. 10 aktive Bands, von denen man immer mal wieder etwas hört. Und was Konzert angeht: Viele Leute kommen für Konzerte nur dann aus den Löchern wenn bekanntere Acts spielen. Im kleineren Rahmen ist der Anteil an Punk- und Crust-Konzis definitiv höher als der von Hardcore-Shows.

Dass ihr Punk-beeinflusst seid, zeigt auch der reine Punksong „Change“, oder?

Yo, wir hatten einfach mal Bock so ne Nummer Richtung Bouncing Souls, Cock Sparrer etc. zu machen. Ich für meinen Teil höre so was ja auch recht gerne. Eigentlich sollte auch noch ein Slime-Cover von Schweineherbst mit auf die Scheibe, den wir auch recorded haben. Das ist dann aber letzten Endes flachgefallen, da der Song bei der GEMA gemeldet ist, und wir uns mit diesen Thematiken nicht wirklich außeinandersetzen wollten. Eigentlich schade drum, ist ne gute Version geworden.

Wie hältst du von Emo-Bands, bzw. der Musikrichtung generell?

Allgemein geht mir das Gepöbel aus dem Hardcorelager gegen den ganzen Emo-Kram zu weit. Ich meine, was soll das? Diese Musikrichtungen haben keinerlei Berührungspunkte. Mit Emo-Mucke selbst kann ich auch nichts anfangen, so what. Wenn sich Leute vor lauter Leiden die Pulsadern aufschneiden wollen, bitteschön, ihr Ding. Aber dann auch machen und nicht nur labern…

Erzähl mir ein bisschen über eure bisherigen Shows.

Wir haben Mitte 2004 angefangen Konzerte zu spielen. Davon natürlich viele in Hamburg und Umgebung, aber auch deutschlandweit in diversen anderen Regionen. Am kommenden Wochenende spielen wir mit Hateclub in Heilbronn und Schwarzenbach, also auch wieder ne ganze Ecke jenseits der Elbe. Im Schnitt zocken wir so 1- bis 2-mal im Monat würde ich sagen. Das Booking von Konzerten ist keine sehr dankbare Tätigkeit, man haut ohne Ende Scheiben raus und bekommt so gut wie kein Feedback, es sei denn man geht den Leuten höllisch auf den Sack. Viele Konzerte sind durch das Zutun anderer, befreundeter Bands, Freunden oder Leuten, die uns vom Hörensagen kennen, zustande gekommen. Die Bands die wir so kennen helfen sich oft untereinander beim Organisieren von Konzerten, da unbekanntere Bands diese Problematik nun mal kennen.
Gegebenenfalls wollen wir im kommenden Jahr mal versuchen ob wir eine kleine Tour auf die Beine bekommen. Mal kucken.

Nenne deine musikalischen Favoriten.

Haha, ob ich da so repräsentativ für den Rest der Band bin das sei mal so dahingestellt. Derzeit höre ich neben Hardcore und Punkrock viel so 60er/70er Early Reggae Geschichten, Toots and the Maytals, Desmond Dekker etc.. Und die Cruel-Scheibe von Phobia, auch ganz große Nummer! Einige meiner All Time Faves sind aber mit Sicherheit 25 Ta Life, Deviate, Sodom und die Bouncing Souls.


Valentin, ich danke dir für das nette Gespräch und wünsche THIS BELIEF alles Gute!!