Interview mit Thorsten von SCALPTURE

 

SCALPTURE kommen aus Bielefeld. Ich komme auch aus Bielefeld. Warum habe ich vorher noch nie etwas von euch gehört? Erst durch ein Review im Deaf Forever bin ich auf euch aufmerksam geworden. Erzählt mal ein bisschen von euch bitte.

Eigentlich sind wir eine Truppe die sich aus ganz Ostwestfalen zusammensetzt. Zwei Paderborner, ein Detmolder und zwei Bielefelder, allerdings proben wir in Bielefeld und fühlen uns hier durchaus verwurzelt. Im Dezember 2016 haben wir unser Debute Album „Panzerdoktrin“ über Final Gate Records released. Dass du erst durchs Deaf Forever auf uns aufmerksam geworden bist könnte daran liegen, dass die Anzahl unserer Gigs in Bielefeld überschaubar war. Da wir im DF ziemlich gut weggekommen sind freut es uns natürlich, dass du uns schließlich doch auf dem Schirm hast.
Musikalisch wurden wir ziemlich oft mit Hail of Bullets und Bolt Thrower verglichen. Da wir klassischen Death Metal spielen und sich Inhaltlich alles um Krieg dreht liegen diese Assoziationen  wohl nahe.

Tausendmal musstet ihr wahrscheinlich diese Frage beantworten: Aber wieso seid ihr der Panzermania verfallen? Was fasziniert euch so an diesem Kriegsgeschehen?

Tatsächlich kommt die Frage relativ häufig, ja. Grundsätzlich halte ich Krieg einfach für ein sehr geeignetes Thema für unsere Musik. Ich habe beim Texten versucht die Stimmung der Musik mit den Lyrics in eine Linie zu setzten und zu einen stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen. Generell halte ich Krieg für ein unglaublich faszinierendes Phänomen. Grausam, erschreckend und ein absolut nicht erstrebenswerter Gesellschaftszustand, aber doch faszinierend. Gerade weil es hier um Menschen geht. Was wir leisten können und wie ideenreich wir werden, wenn es darum geht „die Anderen“ zu töten, übt Krieg einfach eine Faszination auf viele Menschen aus. Diese Faszination in der Musik einzufangen ist halt auch eine Art von Kunst.

Ist das nicht ein wenig gefährlich in der heutigen Zeit, ein Album „Panzerdoktrin“ zu nennen und Kriegsaffinität offen zur Schau zu stellen? Wird eine Band dann nicht ganz schnell in eine Schublade gesteckt, die mit Grauzone beschriftet ist?

Du meinst das man uns in die rechte Ecke stellt oder uns eventuell sogar für Neonazis halten könnte? Da stehen wir schlicht nicht und das sind wir nicht. Ich denke auch, dass der Großteil der Leute da schon sehr gut differenzieren kann zwischen Kunst und Nazikram. Ich meine Hail of Bullets haben ihre letzte Scheibe „Rommel Chronicles“ genannt und Vader spielen in Polen regelmäßig ihre „Blitzkrieg-Tour“. Falls es Leute gibt, die uns allein auf Grund des Albumtitels ablehnen ist das okay! Wir reden hier über Death Metal...das muss nicht jeder kapieren und das muss nicht jedem gefallen! Ich persönlich finde den Titel ziemlich einprägsam und er fasst ziemlich gut zusammen, was den Hörer auf der Platte erwartet.

Die Musik zu beschrieben ist einfach: BOLT THROWER meets ASPHYX. Oder sehr ihr das anders? Apropos ASPHYX: Wer ist der Gast auf "Incursion"?

Wenn ich nur ein super kurzes Zeitfenster hätte, um die Platte zu beschreiben, würde ich es wohl ähnlich beschreiben. Wir alle bringen unsere eigenen Einflüsse mit und es gibt wesentlich mehr Bands, die uns auf die eine oder andere Art beeinflussen. So haben beispielsweise auch crustige Elemente ihren Weg auf die Platte gefunden. Am Ende ist es vor allem das, was wir von uns hören wollen. Wenn am Ende Vergleiche mit Bolt Thrower und Asphyx stehen, sind wir wohl unserem Anspruch Death Metal zu spielen halbwegs gerecht geworden...
Zu deiner Frage nach dem Gast bei „Incursion“: Das ist Simon Bonesaw! Guter Kollege aus Detmold und gleichzeitig Sänger bei „EVOKED“. Ekelhaftes old-school Death Metal Trio, die jüngst eine richtig heftige EP namens „Lifeless Allurement“ rausgehauen haben. Unbedingt mal reinhören!

Habt ihr eigentlich schon einen neuen Drummer gefunden und wenn ja, wann und mit wem wird das Album betourt?

Jap den haben wir glücklicherweise überraschend schnell gefunden! So ganz offiziell ist das zwar noch nicht, aber der Gute heißt Moritz und steht mit uns das erste mal am 11.03 in Steinheim auf der Bühne bzw. sitzt. Eine Tour ist nicht geplant, allerdings haben wir bereits ein paar Gigs in der ersten Jahreshälfte. Neben Steinheim sind bisher Berlin, Wolfsburg und Bielefeld unsere Ziele.

Habt ihr ein paar Empfehlungen für unsere Leser? Was rotiert aktuell bei euch im Proberaum?

Hmm Felix rennt glaube ich seit zwei Monaten nur noch in seinem Martyrdöd Longsleeve durch die Gegend. Deren neues Album „List“ ist ziemlich geil! Mein letzten drei gekauften Platten sind Mantar „Ode to the Flame“, Horn „Feldpost“, John Garcia „The Coyote Who Spoke in Tongues“. Die bielefelder Kollegen von Wifebeater sind nicht nur auf Platte absolut geil und ich bin ziemlich gespannt auf das kommende Vulture Album. Da du ja auch aus Bielefeld kommst, sehen wir uns vielleicht mal am Tresen und vertiefen das!

Danke und die letzten Worte gebühren euch:

„Ich mag Hunde lieber als Menschen. Und Katzen lieber als Hunde. Und mich, besoffen in meiner Unterwäsche aus dem Fester schauend, am liebsten von allen.“ C. Bukowski