Interview mit Those Who Lie Beneath

 

Interview mit Kyle (Gitarre) von THOSE WHO LIE BENEATH. Von Olivier.



Vereinzelnt spricht man bei THOSE WHO LIE BENEATH vom nächsten großen Ding, hält „An Awakening“ für eines der stärksten Releases im Deathcore seit langem. Andere sprechen dann aber wieder von stilistischer Langweile – die neuen Ideen fehlen, alles doch schon tausend mal gehört. Was sagt die Band selbst inmitten dieser beiden Pole dazu? Und ist das überhaupt Deathcore, was wir hier wieder so blind drauf los taggen?

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Ihr spielt Deathcore, oder sagen wir eine sehr moderne Form des Death Metals mit Hardcore-Einflüssen. Ich denke du weißt welchen Ruf dieses Genre inne hat, und ich schätze du weißt auch dass ihr nicht unbedingt die innovativste Sorte davon spielt. Warum sollte man also trotzdem „An Awakening“ gehört haben?

Zunächst einmal möchte ich anmerken dass ich die Direktheit der Frage schätze. Ich denke die Frage nach dem Genre hängt von Hörer zu Hörer ab. Ich beispielsweise kann den Hardcore-Einfluss unseres Debüt-Albums nicht raushören, und das sage ich nicht weil ich mich dafür schämen würde – ich kann es nur einfach nicht nachvollziehen.

Die Genres „Deathcore“ und „Metalcore“ haben nicht unbedingt den besten Ruf unter Heavy-Metal-Fans. Deshalb laufen viele Bands weg von ihnen oder suchen sich ein Genre mit einem besseren Ruf. Man liest ja immer wieder Interviews von Bands, die versuchen, sich da verzweifelt raus zu reden, also versuche ich es gar nicht erst. Letztendlich ist es mir auch egal.

Ich denke keine Sache zerstört die heutige Metal-Kultur mehr als diese ganzen Kategorisierungsversuche. Viele Leute verpassen Bands wegen dem Scheiß, weil Haufenweise guter Bands wie damals bei den Cliquen auf der High-School irgendwelchen „Arten“ härterer Musik angehören. Entschuldige dass ich mich so sehr von der Ausgangsfrage entferne, doch ich denke es ist eine wichtige Sache über die man sprechen sollte. Einige Leute sind jetzt so drauf dass wenn sie nur einen einzelnen Breakdown auf einem Album hören es bei ihnen Klick macht und sie was weiß ich über die Platte denken. Besagte Band ist dann sofort als irgendeine weitere „Deathcore“-Band abgestempelt. Ein Titel, welcher mittlerweile als Synonym für unkreative, uninspirierte Musik fungiert.

Ich will nicht sagen dass wir versuchen uns von diesen ganzen Stereotypen zu entfernen. Ich sage nur dass diese Stereotypen mit all dem aufhören sollten. Man sollte an ein Album mit Offenheit und Klarheit gehen – genau wie an unseres. Ich verspreche jedem der das hier liest dass ihr mit „An Awakening“ nicht euer durchschnittliches, von Breakdowns durchlöchertes „Deathcore“-Album finden werdet. „An Awakening“ ist ein ehrliches Album. Es wurde nicht geschrieben um auf irgendeinen Trend aufzuspringen oder zu dem zu passen auf was all die MySpace-Kids stehen. Wir schrieben das Album was wir auch Hören wollten, und ich schätze diese Ehrlichkeit spiegelt sich im Album wieder. Wir haben nicht versucht das Rad neu zu erfinden. Wir haben nicht versucht anders zu sein, wir haben einfach versucht „wir“ zu sein. Es ist angepisst, es ist vielseitig, es ist nicht überflüssig, und vor allem, es ist aufrichtig. Deshalb würde ich es einfach als Metal-Album bezeichnen, wenn wir es irgendwie kategorisieren müssten. Und genau deshalb sollten es sich die Leute mal anhören.

Die Gitarrenarbeit auf „An Awakening“ hat mich sehr beeindruckt. Sie erinnert mich sehr an die von Chris Storey (ehemals ALL SHALL PERISH), welcher auch einem brutalen Sound eine spezielle, ja wirklich emotionale Note gibt. Ich könnte mir gut Vorstellen dass es da noch andere Einflüsse abseits des Death Metals gibt.

Ich danke dir sehr. Wir haben echt viel Herzblut in die Gitarrenarbeit gesteckt und ich bin froh dass sie nicht unbemerkt bleibt. Ich freue mich außerdem das Wort „emotional“ zu sehen, denn das ist es was vielen heutzutage in der härteren Musik fehlt. Wir haben definitiv versucht ein gewisses Maß an Gefühl in das einzubringen was wir machen, ja ein überzeugendes Maß an Gefühl.

Wir sind eine wirklich vielfältige Ansammlung von Typen. Wir sind alle Metal-Heads im Herzen, doch vor allem sind für Fans von Musik insgesamt. Von NICKEL CREEK zu LIQUID TENSION EXPERIMENT, und von ULVER bis zu ANTONY AND THE JOHNSONS hören wir wirklich alles was uns irgendwie interessiert. Und eben das erlaubt uns auf eine Vielzahl von Hilfsmitteln zurückzugreifen. Wenn du zum Beispiel nur CANNIBAL CORPSE hörst wirst du nur mit CANNIBAL-CORPSE-Riffs hantieren. Nicht dass das schlecht wäre, man kann schließlich nie genug CANNIBAL CORPSE haben.




„An Awakening“ ist ein großartiges Debüt mit einer doch recht direkten Art brutal zu klingen. Meine letzte Frage war ja über diesen Konrast zwischen eurer progressiven Art des Gitarrenspiels und dieser Direktheit der Härte. Mit all dem im Hinterkopf: Könntet ihr euch Vorstellen mit eurem nächsten Album weniger diese Direktheit, dafür aber mehr diese Progressivität auszuleben? Ich frage weil ihr in einem anderem Interview geäußert habt dass ihr auch Bands wie BETWEEN THE BURIED AND ME mögt, und außerdem weil ich denke dass es da noch ein spezielles Potenzial bei euch gibt, unauffällig versteckt unter diesem riesigen Fels aus Wut und Aggression.

Das schmeichelt mir sehr, weil genau das war es wonach wir beim Schreiben des Albums geachtet haben. Wir haben uns immer auf diesen schmalen Grad zwischen Experiment und Direktheit bewegt, und das ist eben die Kehrseite davon sehr verschiedene Arten von Musik zu hören: Der Progressive-Fan in mir will das was wir machen viel weiter weg von all dem Konventionellen bringen, dass wir die Limits extremer Musik ausloten. Doch der bittere, hasserfüllte Death-Metal-Fan in mir will diese Direktheit und diese Eingängigkeit dessen, was wir rüberbringen wollen, nicht verlieren. Wir versuchen verzweifelt eine Mitte zwischen diesen beiden Polen zu finden und sie zu etwas frischen und anregenden zu vermischen, was gleichzeitig aber noch etwas ist – mit dem Risiko, billig zu klingen -, wozu du headbangen kannst. Und dieser Wille fungiert unabhängig von dem Streben Alben zu verkaufen – es ist einfach das, was wir in unserer Musik hören wollen.

Wir werden sehen was noch möglich ist. Was ich noch nicht sagen kann ist in welche Richtung die Gitarrenarbeit mit dem nächsten Album gehen wird. Erwartet aber eine fortgeschrittene Form dessen, was „An Awakening“ ausgemacht hat - nur weitaus düsterer.

In der Presseinfo eures Labels MetalBlade stand etwas über euren Leadsänger, irgendwas mit Satanismus – keine Ahnung. Was ist da los? Und hat „An Awakening“ – ich hatte leider noch nicht die Möglichkeit, die Texte zu lesen – etwas mit dieser Attitüde gemein?

Wenn ich ehrlich bin weiß ich nicht worauf du dich beziehst. Ich muss nicht die Presseinfo von Metal Blade gelesen haben. Ich kann dir nicht sagen was sie meinten, aber wir verkörpern keine wirklich säkulare Meinung.

Jamie behandelt in seinen Texten sehr viele Dinge, doch ich kann nicht rechtmäßig für ihn sprechen. Wenn man mich aber nach meinem Antitheismus fragen würde würde das den Rahmen des Interviews nur noch mehr sprengen als er es schon ohnehin durch mein Gefasel ist. Um es kurz zu machen: Wir sind keine satanistische Band, keiner von uns ist Satanist, ja wir sind nicht mal eine atheistische Band. Agnostisch würde ich höchstens sagen. Ich möchte dass bei uns die Musik im Vordergrund steht, und nicht unsere religiösen Ansichten.

Ich bin mir diesem antitheistischen Klischee um Death Metal ja sehr bewusst, und wie ich schon gesagt habe: wir versuchen nur zu uns selbst ehrlich zu sein, und wir haben durchaus viel Hässliches in Bezug auf Religion gesehen, vor allem was die jüdisch-christlichen Religionen betrifft. Jeder von uns geht mit dem Thema anders um, wobei ich da eine sehr extreme Abneigung gegen all das hege. Und das bezieht sich nicht nur auf das bestreiten des christlichen Gottes, sondern auch dass ich alles was Religionen repräsentiert ablehne. Zudem sind wir sehr misanthropisch und unser Song „Awaken“ beschäftigt sich mit dieser Thematik lyrisch.



Welche Klassiker des Death Metals sollte man als Fan härterer Musik sein eigen nennen? Und welche moderneren Vertreter haben etwas Zuwendung verdient?

Oh verdammt… schwierige Frage. DEATHs „Symbolic“, CANNIBAL CORPSEs „Eaten Back To Life“, GORGUTS „Obscura“, IMMOLATIONs „Failures Of Gods“, MALOVOLENT CREATIONs „Retribution”, DEVOURMENTs „Molesting The Decapitated” (ich weiß dass es nicht als Klassiker gehandelt wird, aber das Album ist gut um zu sehen wo die ganzen modernen „Slam“-Bands alles her haben), SUFFOCATIONs „Souls To Deny“ – die Liste könnte ewig gehen.

Was neuere Bands betrifft: Die beste Death-Metal-Platte die ich seit Jahren gehört habe ist AUGURYs „Fragmentary Evidence“. Hört es euch an und lernt etwas! HOUR OF PENANCEs „Paradogma“ wurde erst kürzlich veröffentlicht und ist schlichtweg großartig. BLOODBATHs letztes Album, „The Fathomless Mastery“ ist die perfekte Mischung aus Old- und New School, wenn du mich fragst. Zudem kann man generell denke ich mit BEHEMOTH, HATE ETERNAL, ORIGIN, INTERNAL SUFFERING oder DECAPITAED nicht viel falsch machen.

Alte Kommentare

von Manuel F. 12.04.2010 18:33

Sehr schönes Interview mit einer sehr sehr hoffnungsvollen Band, der ich in vielen ihrer Aussagen hier nur zustimmen kann. Insbesondere der Punkt mit der Emotionalität ist ein sehr wichtiger, den einfach zu viele Bands vergessen...

von Arndt 05.05.2010 12:40

da sind mir jetzt beim ersten Blick schon ne Menge an Groß/Kleinfehlern aufgefallen. Schaut doch bitte drüber bevor ihr das hier so online stellt.