Interview mit Untamed

 

Als aller erstes, so als netter Einstieg, erzählt doch mal, wie die Band entstanden ist.

Also wir haben 1992 mal daran gedacht Musik zu machen. Hat aber bis 1994 gedauert bis Geld für Equipment da war. „Damals“, kann man ja schon fast sagen, haben wir zu fünft in nem alten Hühnerstall angefangen zu proben. Mit dabei waren Chrischi, Enni, Andy, welche auch heute noch am Start sind, Torsten und Sascha. Über die Jahre haben wir einige Eigenproduktionen veröffentlicht. Der normale Weg eben. Selbst aufnehmen, usw. Irgendwann waren wir nur noch zu dritt, und ab da gings eigentlich erst los. Mit mehreren Auftritten pro Jahr und wir wurden ein bisschen reifer. Nachdem „Contusio“ fertig gestellt wurde, merkten wir, dass auf CD unser live-Programm nicht so das wahre ist, und fanden mit Nico im Jahr 2002, wie wir meinen, einen fähigen Gitarristen. Inspiriert von viel Gesang brauchte Chrischi mehr Energie zum singen und Marco spielte ab 2004 Bass. Da dies aber immer noch nicht genug war, und unserm Chrischi ab und zu die Luft weg blieb und wir außerdem mit etwas Percussion experimentieren wollten, kam 2005 Norm hinzu, welcher jetzt unser Line up komplettiert.


War es manchmal hart, wenn man so viele Jahre zusammen Musik macht? Gab es da ab und an auch mal Spannungen in der Band oder mal einen Zeitpunkt wo ihr daran dachtet ganz aufzuhören?

Aber sicher war es manchmal hart, mit Spannungen, Aufhörgedanken und allem was dazu gehört. Aber wir haben folgende Philosophie: Freundschaft und Harmonie in der Band steht bei uns über allen anderen bandinternen Angelegenheiten. Erst dann kommt das musikalische. Wir sind fast alle zusammen aufgewachsen und so etwas schweißt zusammen, wenn man kommunikativ und kompromissbereit ist. Man muss eben sagen was einen ankotzt oder gefällt. Wir sind wie eine große Familie, was im Text zu „Commitment to us“ beschrieben wird.

Welche Bands oder welche Musikstile würdet ihr sagen beeinflusst euch am meisten?

Es ist ja nicht zu überhören, dass die 90er es uns angetan haben. Wir machen eine Mischung aus all den Bands die wir damals cool und fett fanden/finden. Und das ging eben von Hardcore bis hin zu Death Metal. Wir wissen auch, dass wir keinen neuen Stil erfunden haben. Wir machen einfach das, worauf wir Bock haben und das geht nun mal von einigen hardcore-lastigen Springparts bis hin zu schnellen Thrash-Parts.

Wie funktioniert Songwriting bei euch?

Als wir noch zu dritt waren, gings einfacher voran. Im Proberaum bissl probieren und wenns fett war, wurde es gelassen und später kam noch etwas Feinschliff hinzu. Jetzt wo wir zu sechst sind, ist das schon schwieriger, da am Anfang zu viel kaputtgeredet wurde. Deshalb gingen wir dazu über, dass wenn jemand eine Idee fürn Lied hat, muss er es mit dem PC aufnehmen und dem Rest vorstellen. Meist werden dann wiederum die einzelnen Parts zerhackt und neu zusammengestellt, bis jeder damit Leben kann. Mit Computer ist man schneller, flexibler und man kann über handfeste Sachen diskutieren.

Hat sich euer Sound über die Jahre verändert?

Vom Anfang bis zur Veröffentlichung von „Contusio“ auf alle Fälle, da wir immer wieder Geld ins Equipment investiert haben. Danach eigentlich nicht mehr. Höchstens noch dass unser Live-Sound transparenter wird und doch fett bleibt.

Ihr habt euch ja schon einen Namen in der Szene gemacht. Wieso erst jetzt das Album? Wie schwer ist oder war es für euch dorthin zu kommen wo ihr jetzt seid?

Das Album kam erst jetzt, wegen Zeit- und Geldmangel. Erstens waren noch nicht so viele Stücke vorhanden, die auf das Album sollten. 2 der neuen Songs wurden erst im Studio fertig gestellt. Und zweitens mussten wir auch lange und hart sparen, dass wir uns diese Produktion leisten konnten. Weiterhin hat uns unser Label VILLAGE- KIDS- RECORDS ordentlich unterstützt, sonst hätte es noch länger gedauert.

Erzählt ein bisschen über die Message in eueren Texten?

Als aller erstes wollen wir unsere positive Lebenseinstellung unterstreichen, und Leuten Kraft und Mut geben, denen es vielleicht nicht so gut geht, wie uns. Weiterhin wollen wir die Leute sensibilisieren und zum Nachdenken anregen für Sachen in der Welt, die nicht unbedingt in den Nachrichten kommen.

Wie kam es dazu, dass „Majority“ zweisprachig und dann auch noch in der Kombination englisch-spanisch gesungen/geshoutet wird?

Spanisch hat für unsere Ohren einen eigenen, coolen Klang, was wir bei einer befreundeten spanischen Kapelle bemerkten. Und so etwas wollten wir auch mal probieren. Weiterhin waren wir schon 2 mal fürn paar Gigs in Spanien unterwegs, hatten immer gute Resonanzen und wollen noch mal dort unten spielen. So als kleines Dankeschön. Und außerdem findet man leichter den Weg zu den Leuten, wenn man in der Landessprache singt/shoutet. Auch wenn es nur ein Song ist.

Was haltet ihr generell von zweisprachigen Texten?

Generell ist es ne coole Sache. Einfach mal ausprobieren. Weglassen kann man immer noch.

Ein kleines Wort zur deutschen Metalszene?

Was wir sehr gut finden, ist die Vielfalt der deutschen Metalszene und die Möglichkeiten durch Konzerte deine Message an die Frau und an den Mann zu bringen. Was nicht so toll ist, dass oft Intoleranz zwischen einzelnen Metal- und Core-Richtungen herrscht und ein gewisses Maß an Verkrampftheit. Auch dem versuchen wir mit unserer Musikmischung und Texten entgegenzuwirken.

Was wird die Zukunft von Untamed bringen? Irgendwelche konkreten Pläne?

Weitermachen auf alle Fälle. Vielleicht noch ne EP hinterherschieben und vor allem Live spielen.