Interview mit .dunctonwood

 

Dann frag ich euch erstmal mal ganz standardgemäß wie's euch geht. Alles fit?

Alex: Mir geht‘s wunderbar, obwohl ich ein bisschen überarbeitet bin, danke dir! Wie sieht´s bei dir aus?

Torsten: Hey Olivier. Danke der Nachfrage, von ein wenig Stress abgesehen ist alles gut. Ich hoffe bei dir sieht es auch so aus?

Och joa, same here. Ernst des Lebens hat heut wieder begonnen und sitze den ganzen Tag schon an meiner Facharbeit. Aber sonst kann ich nicht klagen!

Torsten: Ohje. Nicht von Facharbeiten reden, das erinnert mich nur daran, das ich noch ein Thema für meine Bachelor-Thesis brauche.

Alex: Und ich ein Berichtsheft schreiben muss.


Tjoa, wir alle tragen unser Kreuz, haha.

Alex: Ich glaube, unsere sind besonders schwer!

Glaube ich auch! Dann zunächst mal die üblichen Fragen: Seit wann gibt’s euch, wer seid ihr, was macht ihr, warum und so weiter?!

Torsten: Ich bin der Torsten, 23 Jahre jung, Wahl-Kölner und Halb-Student/Halb-Angestellter. Angefangen mit der ganzen Webradio-Geschichte habe ich vor etwa 1 1/2 Jahren glaube ich. Damals haben mich zwei Freunde darauf gebracht, die jeweils ihre eigene Station hatten. Eine für mich damals (wie auch heute) sehr spannende Sache, habe ich doch schon immer zu den anstrengenden Menschen gehört, die jeden mit neu entdeckten Bands und selbst zusammengestellten CDs und Kassetten genervt haben. Außerdem habe ich zu der Zeit ein anderes Projekt (Bandcommunity & Veranstalter) beendet und brauchte etwas, um die Lücke zu füllen. Als klar wurde, dass die ganze Sache umfangreicher wurde, haben die beiden ihre Stationen aufgegeben, während ich angefangen habe mir Leute an Bord zu holen, um den Umfang des ganzen stemmen zu können. Inzwischen sind wir über zwei Dutzend Anfang- Und Mittzwanziger, die mit Herzblut am Mikrokosmos .dunctonwood arbeiten.

Alex: Ich heiße dann wohl Alex, bin mit 27 und somit schon eigentlich End-Zwanziger, lieber Torsten. Viele kennen mich wohl wahrscheinlich durch meine Tätigkeit für Allschools, und im wahren Leben bin ich Kaufmann für audiovisuelle Medien. Als wenn mich das nicht zeitlich schon genug ausfüllen würde gestalte ich noch die ein oder andere Sendung bei .dunctonwood. Ich gehöre zu den Menschen, die der Torsten damals immer genervt hat, und irgendwann hab ich mich mit der Idee anfreunden können in das Projekt einzusteigen und hab das dann auch getan.

Stilistisch seid ihr ja relativ befreit bei der Auswahl eurer Songs. Habt ihr trotzdem genre-/bandtechnisch Vorlieben? Und inwiefern lässt ihr diese einfließen?

Alex: Tatsächlich ist es so, dass wir sicherlich, wie du sagst stilistisch breiter gefächert sind und ich finde auch, dass sich das in der letzten Zeit sogar noch ein wenig erweiter hat. Am Ende des Tages machen aber doch die meisten von uns Sendungen, die auch ihrem persönlichen Geschmack zu weiten Teilen entsprechen, sonst könnte da nicht das nötige Herzblut drin stecken. Ich nehme einmal mich als Beispiel: Ich höre ziemlich viel verschiedene Musik und dennoch müsste ich, wenn ich am Ende des Tages meine Lieblings-Genres aufzählen sollte, Sludge, Drone, Postrock und Ambent nennen. So gestaltet sich dann dementsprechend meine Show. Ich kenne mich dort halt am besten aus und weiß was ich spielen muss, damit es zum einen mir, aber auch den Leuten gefällt. Ich weiß ja nicht, ob du das anders siehst, Torsten?

Also ihr nehmt da auch keine Rücksicht und haut dann auch mal so‘n Sunn O))) -Teil raus?

Alex: Die habe ich sogar letztens erst gespielt. Was war das noch gleich? Ach richtig "It Took The Night To Believe". Oder halt eben auch Songs, die die 20-30 Minuten Grenze überschreiten - sowas spiele ich eigentlich auch regelmäßig.

Torsten: Ich denke, es gibt da zwei verschiedene Typen. Die einen bauen in ihre Sendungen das ein, was sie am meisten hören, andere aber sagen: "Ich möchte mich einmal in diesem Genre austoben." Wie zum Beispiel mein Freund Marko und ich, die eigentlich starke Affinitäten zu lauter und chaotischer Musik haben; auf .dunctonwood jedoch spielen wir in unserer Doppelsendung „songs we hope our moms and dads will like" vor allem ruhige oder zumindest leisere Musik.

Auf der anderen Seite habe ich dann eine Sendung, in der ich einfach alles raushaue, was mir gerade im Kopf herumschwirrt, ohne Rücksicht auf eine einheitliche Linie oder meine Hörer, sondern weil ich eben genau das gerade spielen möchte. Wo ich Alex auf jeden Fall zustimmen muss ist, dass wir stilistisch sehr breit gefächert sind. Es läuft auch sehr viel Musik, mit der ich mich sonst nie auseinandersetzen würde und auch einiges, was mir persönlich gar nicht unbedingt zusagt. Aber diese Freiheit macht in meinen Augen unseren Sound aus.

Was mich persönlich mal interessieren würde: Was bedeutet euer Name eigentlich? Und was soll der dämliche Punkt vor eurem Namen?

Alex: Sei nicht so frech!

Ich bin so ein arroganter Journalist der Marke Beckmann. Ich darf das!

Torsten: Eine genaue Bedeutung hat der Name gar nicht, und die Frage wie er entstanden ist könnten die wohl auch die wenigsten aus dem Team beantworten, haha. Ich habe den Namen schamlos bei meinem Lieblingsbuch geklaut. Der Punkt vor dem Namen ist eine Nerd-Sache. Wird ja inzwischen überall verwendet, ich glaube aber die wenigsten wissen um seine Bedeutung. Wenn man bei einem Unix-System einen Punkt vor einen Datei- oder Ordnernamen macht, so gilt der Ordner als versteckt und wird nur angezeigt, wenn man sich versteckte Dateien anzeigen lässt. Das soll ein bisschen für unser Radio stehen, mit dem wir gar nicht von jedem gefunden werden wollen, sondern nur von denjenigen, die eine Affinität zu unserer Musik und Projekten mit Herzblut haben.

Ihr seid ja mehr oder weniger mit Allschools verknüpft. Du Alex bist ja einer unserer Hauptschreiber bei uns und auch Torsten gibt mal den ein- oder anderen Beitrag bei uns ab. Und dann gibt’s da natürlich noch ab und an diese Revuepassierung der wichtigsten Allschools-Platten in eurem Radio. Wie kam’s zu der ganzen Geschichte, und was könnt ihr generell noch über das Thema erzählen?



Alex: Das hat sich alles irgendwie ergeben. Ich habe schon bei .dunctonwood mitgewirkt, bevor ich überhaupt bei Allschools angefangen habe. Letzten Endes hatten Torsten und ich irgendwann die Idee, dass eine wöchentliche Sendung mit den Releases der Woche eigentlich Sinn machen würde. Ich habe den Torben dann darauf angesprochen, er war angetan von der Idee und dann war die Geschichte auch schon relativ schnell eingetütet. Ein Termin wurde ausgemacht, Sendeplatz freigeschaufelt und schon wurde es Zeit für die erste samstägliche Allschools Show. Die Show gestalte zu weiten Teilen ich und ich muss mich gleich dafür entschuldigen, dass sie nicht in gewollte Regelmäßigkeit aktuell gehalten wurde. Das soll sich aber jetzt mit meiner neu gewonnenen Zeit ändern.

Das ist dann auch mal ein Beispiel für eine Sendung, in der ich nicht zwingend nur spiele, was mir gefällt. Da verlasse ich mich dann auch auf den Geschmack der anderen Redakteure und spiele mir unbekannten Kram. Manchmal mache ich mir auch einen kleinen Spaß daraus, die schlecht bewerteten Platten zu spielen. Zum einen kann sich dann so jeder selbst ein Bild davon machen und letzten Endes findet doch auch die schlechteste Platte sicherlich den ein- oder anderen Fan. Die Geschmäcker sind einfach verschieden.

Wieso macht man sowas überhaupt? Allschools dürfte doch zumindest dich Alex nebst der Arbeit zu genüge beschäftigen. Habt ihr keine Frauen, Haustiere, Modelleisenbahnen, die ihr nerven könnt?

Alex: Wieso man sowas macht? Eigentlich ist es ganz einfach, zumindest bei mir. Ich beschäftige mich unheimlich gerne mit Musik und verwende den Großteil meiner Freizeit dafür. Ich freue mich immer wieder darüber, neue Sachen kennen zu lernen und das habe ich mit beiden Medien (Allschools & .dunctonwood) auch geschafft. Ich hab alleine im letzten Jahr einen Haufen neue Bands alleine durch die Recherchen zu meinen Shows entdeckt. Wenn ich dann noch die Möglichkeit habe, diese anderen Leuten zu zeigen, dann ist es natürlich umso besser. Genau aus diesem Grund mache ich "sowas". Also geschieht letzten Endes alles aus reiner Leidenschaft.

Aber ist das denn alles so einfach mit deinem Leben vereinbar? Du arbeitest ja auch...

Alex: Ich sage ja, ich verwende meine Freizeit darauf, manchmal sehr zum Leidwesen meines Umfeldes.

Torsten: Jetzt ich?

Alex: Hast du aufgezeigt? Wurdest du dran genommen? Setzen! 6! … Klar! ;)

Torsten: Keine Suppe für dich!

(Ziemlich lange Pause. Torsten bemüht sich in aller Geduld um eine Antwort auf die Ausgangsfrage)

Alex: Ich gewinne bei Fifa 10 gerade! Ole!!!!

Torsten: Bei mir ist es auch so, dass vor allem mein soziales Umfeld in Leidenschaft gezogen wird. Denn seien wir mal ehrlich, die Zeit die man braucht, die hat man eigentlich nicht. Viele aus dem Team haben wenig Freizeit und die ist schon mit viel zu vielen Hobbys ausgefüllt. Ich mache zum Beispiel ein Duales Studium, sicherlich eine sehr Zeit fressende Beschäftigung. Dazu hat man natürlich noch andere Hobbys, macht Sport und hat seine sozialen Verantwortungen. Aber das, was da noch an Zeit übrig bleibt, das investiert man einfach liebend gerne in das Radio. Und irgendwann geht es dann soweit, dass das Radio einfach in die meisten anderen Bereiche vordringt. Ich glaube von meinen Freunden habe ich noch niemanden nicht zu Tode genervt mit dem Radio, ich habe letztens sogar zwei Stunden mit meinen Eltern auf der Couch gesessen und Radio gehört. Natürlich kommt es so auch dazu, das mal nicht jede Woche eine neue Sendung steht, sondern das mal zwei, drei Wochen die gleiche läuft. Weil man ja auch nichts eben dahin klatschen möchte.

Ab und an macht ihr auch einen auf Hobby-Konzertveranstalter. Was gibt’s darüber zu erzählen?



Torsten: Das ist so eine Sache, die sich eigentlich von ganz alleine ergeben hat. Ich habe früher schon Konzerte veranstaltet, und das Radio hat uns die Möglichkeit dazu gegeben. Wir haben ja wie du vielleicht weißt eine Sendung namens ".new !noise", in der wir junge, engagierte Bands aus dem deutschsprachigen Raum spielen. Wir haben uns mit dem JKC in Troisdorf eine Location gesucht, die für uns finanzierbar ist und welche für uns passt und dann angefangen, einmal im Quartal drei der .new !noise-Bands einzuladen und ein Konzert zu veranstalten. Für uns ist das immer ein großer Aufwand, da wir nicht unbedingt Bands spielen lassen, die viele Besucher garantieren, sondern unseren Lieblingsbands die Chance bieten wollen ein Konzert zu spielen. Daher reißen wir uns für jedes Konzert den sprichwörtlichen Arsch auf und machen wirklich viel Werbung: zum Beispiel hat unser Grafiker Reno von avantgarde87.de für das letzte Mal wunderbare Hardtickets gebastelt, die wir handnummeriert und verkauft haben. Und wir verteilen Flyer wie die Irren, für ein kleines Lokal-Konzert auch nicht ganz üblich. Und so schaffen wir es, das die Konzerte bisher immer gut besucht waren, und vor allem ein sehr angenehmes, interessiertes Publikum gezogen haben. Welches zum Teil die Bands nicht einmal kannte, sondern aufgeschlossen gegenüber neuem war. Am 20.3 geht es in die dritte Runde, und nach dem positiven Feedback der letzten Male freuen wir uns wahnsinnig drauf.

Und im Anschluss an das Konzert legen dann immer ein paar Radio-DJs auf. Eigentlich "einigen" wir uns da vorher immer auf 3,4 Stück, im Endeffekt sind dann aber mehr Leute auf der Bühne am rumspringen als davor, haha. Bisher waren die Partys leider nicht so gut besucht wie die Konzerte, das ist noch eine unserer Baustellen. Allerdings hatten die Leute, die da waren, bisher immer viel Spaß und wir genießen es natürlich völlig uns da selbst zu feiern. Aber so arrogant das klingen mag, das haben wir uns auch ab und an mal verdient.

Ok, dann vielen Dank für’s Interview! Any last words?

Alex: Haha, ich wusste es. Danke dir für das Interview und für deine Zeit. Wir wissen das sehr zu schätzen. Letzte Worte? Ich danke jedem Menschen, der einschaltet, uns konstruktive Kritik da lässt und uns weiter empfiehlt. Bleibt uns erhalten und hört beizeiten gerne wieder rein. Ihr seid immer willkommen!

Oh, das ist ja süß.

Alex: Pffffffft!

OK, das finde ich ist ein gutes Ende, haha! Oder will Torsten noch was sagen?

Torsten: Ja.

Alex: Haha.

Hahahaha!

Torsten: Dauert jetzt mal was länger, haha.

Alex: Wie schaffst du eigentlich in dem Tempo n Duales Studium?

Torsten: Vielen Dank für das nette Interview, es war uns eine Ehre. Schön, dass wir so eine Plattform bekommen, wir wissen das wirklich zu schätzen. Genau wie wir jeden einzelnen Hörer zu schätzen wissen, jedes Feedback und jedes liebe Wort. Und vor allem möchte ich hier mal unseren Teamlern, Supportern und unseren Grafikern danken. Es ist ein tolles Gefühl wenn man eine Sache aufbaut, und sieht dass die von so vielen Leuten getragen wird. Dass es noch so viele Menschen gibt, die bereit sind nicht bloß zu labern und irgendwelche Klischees zu erfüllen, sondern die ihren Arsch hochbekommen und wirklich was für die Musikszene tun. Dafür bin ich wirklich jedem einzelnen bei uns im Team und natürlich auch dir, Olivier, unendlich dankbar. Und ich freue mich auf alles, was noch auf uns zukommt. Auf jede Hürde und jeden Rückenwind, wie zum Beispiel unsere neue Homepage. Und danke an dich, dafür das du dieses Interview bis zum Ende verfolgt hast.

Haha, und am Ende nochmal schön geschleimt!

Alex: Wie ich mit meinem Ex-Studium.

Torsten: Aber jedes Wort so gemeint

Na dann! ;)

Torsten: Wie schaffst du es eigentlich so ungeduldig zu sein und Denovali-Fanboy zu sein?

Alex: Wenn du noch einmal Fanboy sagst, komm ich nach Ehrenfeld. Glaub mir!

Torsten: Aber du weißt das meine Xbox kaputt ist? Was willst du dann hier machen? Wii-Bowling-Battle?

Alex: Bei Fifa 10 gewinnen! Zu der Fanboy-Frage: Das ist der Zwiespalt und Kontrast in meinem Leben!

Dacht das Interview wär fertig, haha.

Ist es jetzt auch. Machs gut, Olli.