Rock im Park 2006 - Metal time!

 

Eigentlich ist es ja Irrsinn, für einen Tag nach Nürnberg zu fahren, um sich Rock im Park zu geben. Eigentlich ist es dann aber auch wieder sinnvoll, wenn man als Anhänger härterer Kost bedenkt, dass diesen Freitag ein Billing steht, welches den sonstigen deutschen Metal-Events in nichts nachsteht.

18 Visions begannen mittags gegen 12 mit ihrem Auftritt. Solide, ehrlich und gut - ungleich deren Landsmänner Soil, die mit nicht zu hörenden Gitarren zu kämpfen hatten. Die Bandhymne Halo war dennoch ein Kracher.

Mikael Akerfeld hat ein Problem: Einerseits hat er einige der fähigsten Musiker an Bord aber andererseits bleibt es kritisch, an einem feinen frühen Nachmittag Musik zu spielen, die hochgradig vertrackt ist, verschachtelt, und dem Publikum einen Schritt vorraus. Opeth sind sicherlich einzigartig, gepasst hat es nicht.

Diese Probleme sollte ein kleiner Mensch namens Dani Filth eigentlich auch haben. Diese? Noch viel mehr. Als Chef der neben Dimmu Borgir grössten Black Metal Band unserer Zeiten schaffte es Dani dennoch, Cradle Of Filth düster, makaber und erschreckend rüberzubringen. Und wenn Dani Songs wie "Her Ghost in the Fog" (und da muss ich auch als Norway-Fanatiker sagen: DAS angsteinflössendste Lied welches der Black Metal je hervor gebracht hat) oder "The Forest whispers my name" an"schreit", bleibt kein Auge trocken.

Max Cavalera vollzog darauffolgend etwas, was für viele nicht möglich erschien: Der Spirit von Sepultura als auch seine neuen Songs von Soulfly brachten das Gelände zum Rocken, wie man es nie erwartet hätte. Auf der Bühne,geschmückt mit riesigen Brasilien-Flaggen krachten Songs aus der neueren Zeit (Soulfly-Zeit) wie Babylon oder Back To The Primitive herab, während Sepultura mit zB Roots für packende Stimmung sorgte.

Bühnenwechsel: Auf der Center-Stage nahen Placebo. Meine Faszination für diese Band ist eigentlich so oder so schon enorm, es live zu sehen war die Krönung. Über 90 Minuten hinweg spielen die Engländer ihrern Set fehlerlos ergreifend und emotional. Bei "Song To Say Goodbye" fällt das Publikum in ein wohlwollendes Delirium. Das "Where is my Mind" nicht gespielt wurde war nicht nur für mich trauriger Höhepunkt.

Zurück an der Alternastage folge nun der Höhepunkt des Abends: In Flames. Okay, ich sage es gleich dazu, ich liebe diese Musik, aber einen Gig so fantastisch hätte selbst ich nicht erwartet. Die Songs waren Programm: "The Quiet Place", "Take This Life" oder "Cloud Connected" sprechen für sich, die Pyro-Show noch viel mehr.

Die Bloodhound Gang gilt bekannt genug. Jimmy Pop spinnt. Nix neues. Okay, er hat sich anpinklen lassen von seinem Basser, aber auch fernab dieses Schwachsinns überzeugten die Amis mit bekannten Songs wie "Along comes Mary" oder "The Ballad Of Chasey Lane"

Hank ist fett. Sehr fett. Noch fetter als ich es erwartet hatte. Und auch Turbonegro spinnen. "I got Erection"? Die norwegische Partyband machte abermals alles richtig. Uhrzeit stimmte (24!), Songs stimmten, Stimmung, ehm stimmte.
Und ja, Hank van Helvete ist echt fett mittlerweile.