THE DEADNOTES - Interview mit Frontmann Darius

 

 

Darius, wie geht's?

Tip Top! Wir sind die letzten Tage viel zu viel Auto durch die Gegend gefahren, daher ein wenig müde. Aber so gehört sich das natürlich.

Nachdem ihr viele DIY Touren gespielt habt, scheint es mit dem neuen Album richtig zu zünden. Plötzlich seid ihr mit Beach Slang, Such Gold und Smile & Burn auf Tour.

Ja, das war schon alles irgendwie super verrückt und fühlt sich auch immer noch extrem surreal und wie ein sehr großes Privileg an. In allem was wir die letzten Jahre gemacht haben allen voran in unserem Debütalbum hat ziemlich viel Arbeit gesteckt. Da nimmt man ziemlich viele Rückschläge hin und ich bin doch relativ oft an gewisse Frustrationspunkte gekommen. Plötzlich lief dann irgendwie alles von selber mit der Platte, den Touren. Das motiviert dann umso mehr.

Wie war die Beach Slang Tour? Und vor allem: wie kam das zustande?

Die Beach Slang Tour war für uns eine wirklich besondere Sache. Die Band ist für mich in den letzten zwei Jahren eine sehr prägende Band gewesen und ich habe die Platten zuhause rauf und runter gehört. Das ging dann irgendwie ganz fix und wir wurden relativ kurzfristig vor der Tour völlig unerwartet für den Support angefragt.

Abgesehen davon, dass die Shows großartig waren und für uns die vielleicht erste Möglichkeit größere Läden vor konstanten Publikumszahlen zu spielen, war es einfach nur großartig Beach Slang jeden Abend zu sehen. Es war super spannend mitzubekommen wie eine so präsente und intensive Band intern funktioniert. Ich habe zum ersten Mal Kokosnusswasser getrunken, das hatten die immer auf ihrem Rider stehen.

Dein Gesang ist sehr markant. Von wem hast du dir das abgeguckt oder vielmehr abgehört?

Grundsätzlich bin ich wahnsinnig großer Fan von britischen Bands bzw. dem Gesang und habe mir vor einigen Jahren einen Spaß gemacht mit für deutsche Verhältnisse relativ überzogenem Akzent zu singen. Irgendwie hat mir das Gefallen und das hat sich so natürlich bei mir verinnerlicht.

Wir waren sehr viel auf Tour und haben kleine Punkshows ohne Monitorboxen gespielt, außerdem ist unsere PA im Proberaum der letzte Schrott. Da musste ich schon immer irgendwie super laut singen um überhaupt etwas zu hören. Das ist eigentlich super schlecht für die Stimme. Vielleicht habe ich aber dadurch so ein wenig Schreigesang entwickelt.

"I'll Kiss The Fears Out Of Your Face". Ist das an eine bestimmte Person gerichtet?

 Unser Debütalbum ist für mich persönlich in einer sehr verrückten Zeit voller unerwarteter Vorfälle und persönlicher Veränderungen entstanden. Daher handelt das Album vorrangig von Ängsten. Der Titel ist nicht explizit an eine Person gerichtet, sondern beschreibt grundsätzlich die Wichtigkeit von Beziehungen, die einem in jeglicher Hinsicht helfen solche Phasen zu überwinden. Klar ist das sehr plakativ und kitschig, aber genau das war irgendwie der Hintergrundgedanke. Es muss manchmal gar nicht alles so kompliziert sein wie es scheint.

Welche Ängste umtreiben dich?

Das ist natürlich immer sehr phasenabhängig. Besonders in den letzten Jahren als Band, in denen wie konstant unterwegs waren, macht man sich doch einige Gedanken über pragmatisch Materielles wie Geld und Miete zahlen, aber auch vor allem und in erster Linie darüber den Anschluss an Beziehungen und Freundschaften zuhause zu verlieren.

Im August seid ihr in England unterwegs. Ist das wirklich so schlimm wie man immer hört? Keine Pennplätze, schlechte Garantien und so weiter?

Man hört man ständig Horrorstories aus England. Wir sind jetzt im August zum fünften Mal in England auf Tour was ja irgendwie bedeutet, dass es so verkehrt nicht laufen kann. England ist meiner Meinung nach an Bands und vor allem extrem talentierten Bands sehr übersättigt. Das macht es besonders für einheimische Bands extrem schwer dort auf sich aufmerksam zu machen. Als Band von außerhalb haben wir wirklich vorrangig positive Erfahrungen mitgenommen.

Es ist einfach weniger gängig die Bands mit übermäßig Essen oder Freigetränken zu umsorgen, trotzdem sind die meisten Leute mindestens doppelt so freundlich und motiviert. Besonders in den letzten Jahren hat sich hier glaube ich viel getan. Immer mehr Bands von der Insel touren regelmäßig auf dem Festland und schätzen das europäische Ideal hinsichtlich solcher Punkte wie Catering/Pennplätze oder Gagen und versuchen das Ganze selber so umzusetzen.

Eure Homebase ist Freiburg. Irgendwie scheint das gerade abzugehen. Mit euch sind ja zum Beispiel auch Bands wie Redensart schwer angesagt.

Das ist definitiv schon cool, dass da im relativ überschaubaren Freiburg derzeit so viel in Gange ist. Die Szene hier ist wirklich sehr sehr winzig, aber fast alle Leute in irgendeiner Weise extrem am Start. Die Jungs von Redensart sind mega, ich habe die nur seit bald 3 Jahren nicht mehr live gesehen. Irgendwie verpassen wir uns immer. Auf deren letzten Freiburg Show kamen wir grade aus Berlin und waren halt genau pünktlich zuhause um nach der Show gemeinsam in die Kneipe zu gehen. Bestes Timing.

Schwer angesagt klingt aber grundsätzlich immer ein wenig komisch für mich. Das nehme ich zumindest nicht so war. Wir machen Musik, da wir einfach verdammt viel Spaß daran haben. Je mehr Leute mit der Musik etwas anfangen können desto mehr freut man sich natürlich darüber, will aber als allerletztes irgendeine Form von Trend bedienen. Zumindest würde ich sagen Freiburg wäre die letzte Stadt in der wir irgendwie angesagt sind.

 

 

Schonmal überlegt in eine große Stadt zu ziehen? Berlin, Hamburg, London?

Wir sind gerade in Berlin und irgendwie kamen bei mir da wieder so Gedanken. Man kennt hier so viele Leute und fühlt sich extrem wohl. Trotzdem merke ich auch schnell wie mich das alles sehr überfordert. Wenn ich lange unterwegs war, liebe ich es zurück nach Freiburg zu kommen, jeden Platz genau zu kennen, mit denselben Leuten abzuhängen und seine 2-3 festen Plätze zu haben die halt cool sind. Aber das ist natürlich auch total Typsache. Ab September werden wir zu 1/3 zumindest für einige Monate in Bremen beheimatet sein, das ist dann wieder für alle eine ganz neue Banderfahrung.

 

Eine neue Single steht bei euch an. Erzähl doch mal bitte was darüber.

Wir werden im August für unsere UK sowie Deutschland Tour exklusiv eine brandneue Single veröffentlichen. Wir sind unheimlich gespannt darauf. Die Idee zu dem Song stand schon eine ganze Weile und nun haben wir die Single zusammen mit dem Produzenten Manfred „Zock“ Herzog von Astpai/Petrol Girls in Österreich aufgenommen. Der ist nicht nur so ein ganz entspannter, großartiger und lieber Typ sondern auch ein unglaublich guter und erfahrener Musiker und kreativer Kopf.

 

Spielt ihr weitere neue Songs auf eurer kommenden Tour?

Wir schreiben derzeit Songs für unser zweites Album und da steht schon eine Menge. Trotzdem wollen wir nicht allzu viel vorweg nehmen. Wir haben mit unserem Debütalbum den Fehler gemacht, dass beinahe alle Songs schon mindestens 100 Mal davor live gespielt wurden und dann auch das Release zumindest live einen kleineren Reiz hatte.

Wir planen definitiv 1-2 neue Songs der Platte live anzuteasern, aber werden leider noch nicht allzu viel verraten.

Stehen die Labels eigentlich inzwischen bei euch Schlange?

Haha. Das ist so diese romantische Vorstellung. Läuft leider in der Realität ganz anders. Da kommt so wirklich niemand auf einen zu.

Was können wir sonst noch so von The Deadnotes in diesem Jahr erwarten?

Bis Ende September haben wir einen sehr intensiven Zeitplan mit Single Release und den kommenden Touren. Normal würde ich jetzt sagen wir planen danach ein paar Wochen wohl verdiente Atempause plus wenige vereinzelte Shows. Vor allem werden wir besonders damit beschäftigt sein am zweite Album zu arbeiten. Nun ja, die Erfahrung zeigt, dass diese ganzen Pläne bei uns auch innerhalb von wenigen Tagen wieder komplett über den Haufen geworfen werden können. Always stay in motion!