ALLSCHOOLS PRESENTS: GWLT - Exklusivstream/Track By Track Interview Feature der "Ohne Anfang Ohne Ende" EP

 

Immer auf der Suche nach neuen, frischen Bands haben wir ab jetzt den Exklusivstream einer neuen Band am Start! Diese hört auf den Namen GWLT und das erste Lebenszeichen heißt "Ohne Anfang Ohne Ende". Viel Spaß damit:






Track By Track Interview Feature:

Was ist die Idee hinter dem Titel der "Ohne Anfang Ohne Ende" EP?

David: Der Titel "Ohne Anfang Ohne Ende" war schnell gefunden. Gewalt war da bevor es etwas anderes gab. Naturgewalt beginnt nicht mit dem Big Bang sondern war schon zuvor existent. Gewalt ist ein Phänomen, das nicht entsteht oder vergeht, sie ist immer vorhanden wenn auch in den verschiedensten Formen. Wir wollten unser erstes Werk auch als so etwas sehen. Wir alle machen schon seit Ewigkeiten Musik und so ist diese Band auch tatsächlich nicht formiert worden sondern war schon immer da. Ohne Anfang ohne Ende.

Worum geht es bei den drei Tracks der EP, wie sind die Texte entstanden?

David: Ich gehe einfach mal die Trackliste chronologisch durch, auch wenn die Songs in anderer Reihenfolge entstanden sind.

SCHRECKSEKUNDE
Das war einer der ersten Songs / Skizzen die wir mit GWLT überhaupt hatten. Beziehungsweise gab es einen ganzen Haufen Ideen, Schrecksekunde war aber die erste greifbare. Textlich hab ich mich zum einen von der Musik leiten lassen indem ich etwas wildes wollte, ein Thema, dass aufrüttelt und hab keinen großen Wert auf ne Geschichte gelegt sondern auf ein Feeling das zur Musik passt. Ich hab mich dann an die Interviews von den Stuttgart 21 Gegnern erinnert. Da haben ganz brave deutsche Bürger zitternd erzählt wie die Polizei gegen sie vorgegangen ist. Es waren Menschen, die zuvor nie im Leben daran gedacht hätten, dass ihnen die Exekutive etwas böses wollen könnte. Sie haben in kürzester Zeit erfahren wie schnell und wie ungebremst die Willkür des Polizeiapparates zuschlagen kann. Ich hab mit vielen meiner Bekannten darüber gesprochen weil uns dadurch erst aufgefallen ist wie normal für uns diese Brutalität ist. Ich meine nicht Brutalität auf Demos sondern polizeiliche Willkür. Unglaublich viele meiner Freunde inklusive mir selbst kennen Polizeigewalt und Willkür seit der Kindheit bzw den frühen Jugendjahren. Dies hat unser aller Bild der Polizei, des einzelnen Polizisten und auch des Polizeiapparats nachhaltig geprägt. Zu sehen wie geschockt Menschen sind wenn ihnen passiert was uns quasi seit Jahrzehnten so zur Gewohnheit geworden ist hat mich zum grübeln gebracht. Ich hab mir einige Geschichten von "braven" deutschen angehört, die Opfer von polizeilicher Gewalt geworden sind und der Fall eines ehemaligen Polizisten aus Rosenheim hat mir gezeigt, dass diese Menschen psychisch sehr hart daran tragen. Erst dadurch ist mir bewusst geworden wie sehr wir abgestumpft sind gegenüber der Willkür und wie wir sie als gegeben ansehen. Wie ein Naturgesetz. Das ist halt so eine "Scheiss auf Bullen"-Mentalität ohne weiter darüber nachzudenken. Es ist ein Schutz. Es ist unser psychischer Schutz um nicht daran kaputtzugehen immer wieder erniedrigt zu werden. Das alles am Ende in den Text einfließen zu lassen, der beschreibt wie eine friedliche Demonstration kippt und zum Schlachtfeld wird, hat mir das einfach wieder vor Augen geführt. Der Text ist echt ziemlich schnell aus der Feder geflossen.

KRRK! & FRIEDEN
Unser Bounce-Track, sag ich mal ;-) Da will ich einfach immer sagen "Nod your Head to this Shit", haha! Ansporn für den Text war die Entwicklung dahin, dass es der Wirtschaft offen darum geht uns alle mit unserem Nötigsten zu kontrollieren. Wir müssen essen und trinken um zu leben. Wenn Monsanto in absehbarer Zukunft über Umwege das Essen kontrolliert und Nestle das Wasser, die EZB das Geld und wir nur noch allem hinterherrennen und keine Zeit mehr haben uns über das "Warum" Gedanken zu machen, dann ist es zu spät. Wir werden gedrillt so ausser Atem zu sein, dass die Frage "Hat das alles einen Sinn?", meist nicht mehr gestellt wird. Weder die aktuelle Politik, noch die komplette Abkehr von Regeln birgt eine Antwort auf diese Entwicklung, deshalb die Zeile "Fuck Helmut Schmidt, Fuck Anarchist, wir haben keine Lösung wenn das Böse unsere Herde trifft". Das Warten auf einen Menschen der alleine alles zum Guten wendet ist nicht real sondern nur im Film möglich, deshalb die Zeile "Frodo Beutlin flackt tot hinterm Burger King". Mit dem sphärischen 808 Drums Rap Part am Ende wird die Message noch ein bisschen verdeuticht weil ich es so krass finde, dass Rap mal ein Sprachrohr der Schwachen war um genau auf solche Probleme aufmerksam zumachen und heutzutage oft nur von Bitches und Geld und Gangstertum geredet wird.

SCHRITT FÜR SCHRITT
Hat thematisch Ähnlichkeit mit KrrK! & Frieden. Es setzt nur anders an. Wir gehen Schritt für Schritt auf einen Abgrund zu und wollen ihn nicht sehen. Es wird uns glauben gemacht es ginge immer höher schneller und weiter. Obwohl wir vor dem Abgrund stehen wollen wir noch einen Schritt weiter weil die Gier und der Druck uns dorthin leiten. Ich sehe das und wir alle bekommen es mit aber wir fühlen uns so als ob wir nichts ändern können. Oft macht man dann deswegen eben auch nichts. Ich selbst bin auch in diesem Dilemma gefangen was ich in dem Text auch anspreche "Ich kuck es schon zu lang an und tue nichts dagegen, nichtmal eben die Stimme erheben wenn die Ficker reden". Es zeigt, dass selbst wenn man sieht was falsch läuft noch eine Menge an Courage benötigt wird um etwas zu tun. Und das schafft man meist erst wenn es schon zu spät ist. Dabei ist es nie zu spät. Dieses Gefühl des "Es ist zwar spät aber lasst uns etwas tun, selbst wenn wir nur herausschreien, dass wir es nicht mehr mitmachen"- ist auch schon ein erster Schritt der Veränderung. Und ich bin mir schon bewusst, wir sind das alle, dass es genügend Organisationen gibt die gegen die modernen Entwicklungen arbeiten und sich engagieren. Es ist aber der einzelne Mensch der eben umdenken muss und ich wollte mit dem Song zeigen, dass es in Ordnung ist wenn man erst spät checkt was los ist und sich deswegen nicht schlecht fühlen muss. Wichtig ist dann eben etwas zu tun. Das System gewinnt wenn man die Flinte ins Korn wirft und sagt " Hat ja eh keinen Sinn mehr". Wir schlittern auf den Abgrund zu und selbst wenn wir balancieren am Rande wäre es doch trotzdem das beste für uns alle wenn wir es schaffen den letzten Schritt über den Rand eben nicht zu gehen.