Das Aus fürs Molotow

 

Traurige Nachricht aus Hamburg. Der Mitvertrag vom Molotow wurde gekündigt. Hier das Statement:

"So, nun ist es raus. Das Molotow zieht die Notbremse und kündigt seinen Mietvertrag. Wie konnte es soweit kommen?

Das Molotow ist in einer grotesken Situation. Trotz gleichbleibend guter Besucherzahlen bei Konzerten bleibt immer weniger Geld übrig. Ein zentrales Problem ist, dass die Produktionskosten für ein Konzert - als da wären: horrende Gema-Gebühren, Unterbringung und Verpflegung der Künstler, Gage (die in aller Regel nur eine prozentuale Beteiligung an den Eintrittseinnahmen ist), Tontechniker, Aufbauhelfer etc. in einem kleinen Club dieselben sind wie in einem großen. Das führt dazu, dass wir, wie z.B. in diesem Frühjahr mit einem Konzert Minus machen, obwohl über 200 Gäste Eintritt bezahlt haben. Da sich eine Live Show nur im allerseltensten Fall allein aus Eintrittsgeldern finanzieren lässt, war es immer nötig, den Getränkeumsatz in die Kalkulation einzubeziehen, was zwar kaufmännisch falsch, aber leider unumgänglich ist. Der Getränkeumsatz, der darüberhinaus auch noch alle festen Kosten des Clubs (Miete, Löhne, Sozialabgaben, Steuern, Strom etc.) decken muss, ist aber leider in der letzten Zeit kontinuierlich gesunken und Anfang dieses Jahres geradezu eingebrochen. Das mag einerseits am Rauchverbot liegen, andererseits auch an der immer größeren Dichte von Kiosken, Imbissen und Discountsupermärkten die billige Getränke anbieten.

Mir war immer klar, dass man mit einem Laden wie dem Molotow kein Geld verdient, so etwas macht man aus Spaß und Idealismus. Das wissen auch meine Mitarbeiter, sonst würden sie sich nicht für relativ wenig Geld derart hart und engagiert arbeiten. Problematisch wird es, wenn man Geld verliert. Und dieses Problem ist leider so groß geworden, dass sich das Molotow ohne fremde Hilfe nicht mehr finanzieren lässt.

Nach 18 Jahren ist es mir mehr als schwer gefallen die Kündigung des Mietvertrages in den Briefkasten zu werfen. Es ist nicht nur die Trauer um mein "Baby", sondern auch die Trauer um ein ehemals blühendes, international berühmtes Szeneviertel, um das uns die ganze Welt beneidet. Es ist überall unter den Namen "Reeperbahn" bzw. "St. Pauli" bekannt und diese beiden Namen kennt man im Ausland sogar eher als den Namen unserer Stadt selbst. Die scheint dies jedoch nicht zu erkennen und sieht zu, wie Läden, die das einzigartige Flair dieses Viertels ausmachen, schließen und durch Supermärkte, Ketten und Systemgastronomie ersetzt werden. Die Liste der bereits verlorenen Musikclubs auf St. Pauli ist lang. In den letzten Jahren haben u.a. Marquee, Tanzhalle, Weltbühne, Echochamber oder Click ihre Türen geschlossen - um nur die bekanntesten zu nennen. Das Kukuun tut es gerade und das Mandarin Kasino - ehemals Mojo Club - muss im nächsten Jahr einem Neubau weichen. Dies wird solange weitergehen bis die Reeperbahn wie irgendeine beliebige Hauptstraße aussieht, wie es sie in jedem Viertel in jeder Stadt gibt.

Und wenn es erstmal soweit ist, kann man das nicht mehr umkehren.

"Was weg ist, ist weg", sagt man in Hamburg - und das ist leider wahr.

Andi Schmidt, Inhaber und Betreiber"

Alte Kommentare

von psylopils 03.07.2008 16:16

ich war zwar ehrlich gesagt nie im molotow, aber irgendwie hat man trotzdem eine gewisse beziehung und ein mitgefühl bei solchen dingen, denn das ist wirklich schade.

von takethat 03.07.2008 16:34

ja fuck was dann mit der abr show ende des jahres ?

von tux86 03.07.2008 17:25

Ich war auch nie im Molotow, aber alle Schließungen von so geführten, nicht profit-orientierten Locations sind traurig. Gegen Systeme, für die Vielfalt...

von ABC 03.07.2008 17:37

Ich mochte den Schuppen nie :D Das einzige was ich mich frage is, das mit den KOnzerten ist die da noch stattfinden sollten wie z.B. das August Burns Red konzert.

von takethat 03.07.2008 17:56

@ABC naja ich hoffe/denke mal das die verlegt werden molotow ist ja nicht die einzige location in hamburg

von Raphael 03.07.2008 18:21

Sowas ist echt scheiße.. aber typisch..

von burnt 03.07.2008 18:23

sehr sehr schade.

von lala 03.07.2008 18:24

ich denke auch das die August Burns Red show einfach in eine andere location verlegt wird . headcrash hätte zum beispiel in etwa die gleiche größe...

von molch 03.07.2008 21:31

war auch selbst nie in diesem laden, hab aber dennoch mitgefühl. gut, dass es menschen gibt, die so etwas aus idealismus und liebe zur musik tun, schade, dass andere, profitorientierte leute das ganze kaputt machen müssen...

von Jan A. 03.07.2008 22:02

scheint euch ja mehr für eure august burns red-show, als für den club zu interessieren...na ja molotow war auf jeden fall nen überkultiger laden, wenn auch superwinzig, aber gerade das hat ja das flair ausgemacht die alexisonfire-show vor ein paar jahren wird mir immer in guter erinnerung bleiben! und auch die tafel vor dem laden, auf der stand wer da alles schon gespielt hat. warn echt sehr, sehr geile bands dabei, von at the drive-in bis zu tv on the radio!

von gnhihi 03.07.2008 23:11

das molotow ist/war immer was besonderes. meiner meinung nach kam da auch das alte hafenklang nicht ran. echt super schade. ich hab noch die hoffnung, dass ein sponsor einspringt, auch wenn sie marginal klein ist. ach ja, kackt euch nicht wegen der abr-show an. meines wissen läuft der mietvertrag aus, aber bis dahin geht der betrieb ganz normal weiter.

von freddy 04.07.2008 08:34

ich kann die kommentare hier auch nicht verstehen. das molotow ist einer DER clubs in hamburg für shows mit genialem ambiente direkt an der reeperbahn. wen interessiert da schon die abr show.?

von ian [ttr] 04.07.2008 09:44

bye bye molotow, hab dich so gern besucht...nie werd ich die show mit bleeding through und cult of luna vergessen. das war eine tolle zeit und ein toller laden! r.i.p. mfg der hurensittich

von Raphael 04.07.2008 12:31

wir sitzen so vorm molotow und trinken cocktails... auf die gute alte zeit

von psylopils 06.07.2008 21:35

@raphael: genau das war auch mein erster gedanke