
Ion Dissonance - Cursed
Endlich. Endlich wieder ein Album, von dem man so begeistert ist, dass man es gleich zwei-, vielleicht sogar dreimal hintereinander hören muss. Endlich wieder ein Album, welches gefangen nimmt, fasziniert, unerreichbar wirkt. Und damit endlich wieder ein Album, welches Gefühle, Emotionen in einen weckt, welche man früher mal bei seinen ersten, „großen“ Alben hatte.
Ein Album, welches die längst fällige Antwort auf ein (wenn auch nicht nur) für mich derartig wichtiges Album wie „Solace“ liefert, kann nur sehr persönlich und nicht gerade objektiv besprochen werden. Dafür entschuldige ich mich vorab. Um diese Antwort hatten sich in den letzten 6 Jahren viele bemüht – GAZA vielen mir da beispielsweise gerade in Punkto Atmosphäre positiv auf -, doch letztlich war klar dass die wahre Antwort nur von den Großmeistern selbst kommen konnte. Den unruhigen, zappelnden, gefühlt jede Sekunde seine Richtung wechselnden, psychopatisch angehauchten Wahnsinn galt es wieder einzufangen, und das tun ION DISSONANCE nun mit „Cursed“. Keine andere Band verstand es bis Dato, Chaos und Brutalität so gut zum atmosphärischen Konzept verschmelzen zu lassen. Wo andere Bands einfach vertrackt sind, um in technischer Hinsicht zu beindrucken, gehört bei ION DISSONANCE jede 180 Grad Wendung, jeder noch so absurde Tempowechsel in ein noch so absurdes Frickelriff zum erzeugen einer ganz speziellen, nicht mehr nur düsteren Atmosphäre. ION DISSONANCE vertonten den Terror komplexer, plagender Gefühle auf der Schwelle von Leben und Tod, die im Zuge einer Depression wie Maschinengewehrsalven auf dem Schlachtfeld für Chaos im Kopf sorgen. Mit „Cursed“ tun sie es nun wieder.
Was gab’s dazwischen? Ein stilistisch neue Wege einleitendes „Minus The Herd“ und ein Sängerwechsel, welche beide sehr kontrovers aufgenommen wurden. ION DISSONANCE wollten wohl irgendwo neu anfangen. Wem wirft ein Sängerwechsel schon nicht etwas aus der Bahn?! Also Ordnung schaffen, das Chaos kompensieren, dabei aber auch musikalisch das Chaos alter Tage hinter sich lassen und reduzierter, ja eben geordneter zu Werke gehen. Heraus kam ein Album welches zwar immer noch kleinere Vertracktheiten zulässt, und sich auch atmosphärisch nach wie vor düster gibt. Letztlich klangen ION DISSONANCE jedoch nun weitaus anders: Dick produziert, brachial, ungewohnt nachvollziehbar, reduziert, klinisch. Ein Fehler war dieses Album meiner nach Ansicht nicht, schließlich überzeugte es auf seine ganz eigene Art und Weise und vertonte alte Themen auf ganz neue Art mit ganz neuem Ausdruck. Schade dennoch, dass ION DISSONANCE damit einen völlig einmalig gespielten, absolut faszinierenden Sound hinter sich ließen. Bis jetzt.
„You People Are Messed Up“ beginnt mit einem Riff, welches nicht mehr ION DISSONANCE sein könnte. Oder mehr „Solace“. Davor aber überrascht ein brachiales Intro mit derartig fetten (und übrigens mittlerweile 8-saitigen) Gitarren, dass man direkt weiß: Die kopieren sich nicht selbst, die wollen kein zweites „Solace“ schreiben. Antwort heißt nämlich nicht gleich Plagiat, und im Falle von ION DISSONANCE schon gar nicht Plagiat seiner selbst, was allein schon der atmosphärische Rausschmeißer „They’ll Never Know“ beweißt. „Minus The Herd“ ist zudem nicht spurlos an der Band vorbei gegangen, in einigen (jetzt aber natürlich wieder weitaus kaputteren, zerstreuteren) Breakdowns, in einigen atmosphärischen Arrangements und natürlich auch mit der seit „Minus The Herd“ zum Repertoire gehörenden Stimme von Kevin McCaughey merkt man, dass „Cursed“ nicht der direkte Nachfolger von „Solace“ und „Breathing Is Irrelevant“ (welches übrigens auch großartig ist, bevor irgendwer sich beschwert). Und was den guten McCaughey samt Problemslot Sänger betrifft nochmal: Gabriel McCaughry (das mit dem Namen ist wohl ein großartiger Zufall) war ein herausragender Sänger. Höllisch emotional, fürchterlich kaputt und auf lyrischer Ebene nicht minder faszinierend. Was die Texte betrifft kann ich leider noch nichts über „Cursed“ sagen, da sie mir bei der Promo nicht beiliegen (was sehr schade ist, waren doch gerade die Texte der ersten beiden Alben absolut signifikant). In Punkto Stimme darf aber spätestens mit „Cursed“ McCaughey (also dem neuen) kein Vorwurf mehr gemacht werden: Wo er auf „Minus The Herd“ noch recht kontrolliert und geradlinig shoutete, schreit er sich hier förmlich die Seele aus dem Hals (und das sei nicht bloß als dumme Phrase zu verstehen, sondern darf ernst genommen werden!) und erinnert in einigen, vom Wahnsinn gepeitschten Momenten sogar überraschend stark an seinen Vorgänger – ohne dabei aber an Charakter und eigener Stärke einzubüßen.
Besser als „Solace“? Ich kann diese Frage noch nicht beantworten, nicht jetzt. Denn wie schon damals gilt auch mit „Cursed“: Es gibt so viel mehr zu entdecken als man mit ein paarmal Hören finden könnte, und nicht zuletzt die lyrische Komponente dürfte noch einiges entscheiden, wenn ich das Teil auch irgendwann mal (hoffentlich bald) im Original in meinen Händen halten werde. Doch selbst wenn „Cursed“ das nicht tun wird (was beim emotionalen Wert in Sachen Erinnerungen und verbundenen Momenten auch sehr denkbar ist ): „Cursed“ ist beindruckender geworden als ich es mir als Fan der Band (und auch als Fan des Vorgängers) je hätte ausmalen können. Ein Album, welches zumindest bei mir alte Faszinationen wieder auferstehen lässt – so wie früher eben, bei „Solace“. Oder meinen ersten, „großen" Alben.
Tracklist:
01. Cursed
02. You People Are Messed Up
03. The More Things Change The More They Stay The Same
04. This is The Last Time I Repeat Myself
05. No Care Ever
06. After Everything That’s Happened, What Did You Expect
07. We Like to Call This One... Fuck Off
08. Can Someone Please Explain This to Me?
09. Disaster In Sight
10. This Is Considered Mere Formality
11. This Feels Like The End…
12. They’ll Never Know
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Record Info
| Release Date | 23.08.2010 |
| Online | 24.08.2010 |
| Autor(en) | |
| Label |
Basick Records http://www.basickrecords.com |
| Band |
Mehr Informationen zu Ion Dissonance http://www.id357.com/ |
Rates
|
Olivier H.: (9 Punkte) |
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| @olivier - 24.08.10 16:27 | |
warum kein tipp? |
|
| Olivier H. - 24.08.10 16:28 | |
weil ich vergessen hab nen häkchen zu machen und ihr wieder schneller als die polizei erlaubt seid ;) |
|
| iamian - 24.08.10 17:34 | |
definitiv ein geiles teil und um einiges besser als der vorgänger finde ich. zudem hat dieses album hands down das allerbeste artwork was ich bisher kenne. |
|
| xRISEx - 24.08.10 19:31 | |
"IT'S TIME TO TAKE OUT THE TRASH, BITCH! I'M TAKING YOU OUT TONIGHT!" |
|
| teenie - 24.08.10 20:26 | |
oh nein.. |
|
| MisterBeast - 24.08.10 22:13 | |
aufgrund der songs, die ich bisher kenne, kann ich mit großer gewissheit verkünden: bisheriges highlight des jahres!!! |
|
| Haschpferdchen - 24.08.10 22:40 | |
Ohne jemanden angreifen zu wollen... Ich verstehe diese Art von Musik nicht. Converge - ok, Dillinger, Ghengis Tron... alles okay, verständlich und für gut befunden. Das hier ist in meinen Ohren so weit von Gefühl oder Verstand entfernt wie Stephen Hawking von einem Marathonsieg. Das Review ist in dieser Hinsicht meiner Meinung nach nicht besonders aussagekräftig, von daher die ernstgemeinte Frage - und man verzeihe mir den Diskussionsanstoß - was genau an dieser Musik einige hier so in Verzücken versetzt? |
|
| DrFaust - 25.08.10 08:06 | |
Danza III > Cursed Aber war ne knappe Entscheidung für mich! :D |
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| @Haschpferdchen - 25.08.10 08:54 | |
du musst auch nicht alles verstehen. dafür ist die welt zu groß und dein hirn zu klein. oder kannst du verstehen, dass manche es geil finden, wenn ihnen jemand einen köddel auf den bauch macht, es abpisst und dann trockenfurzt? |
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| yo! - 25.08.10 09:48 | |
solace > als alles was nachdem kam und auch kommen auch definitv kommen wird |
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| @@Haschpferdchen - 25.08.10 10:08 | |
War ja klar, das selbst auf ernstgemeinte Fragen irgend ein egosüchtiger Proll irgend einen belanglosen Mist schreiben würde. Ich nehm das dann mal als Antwort auf meine Frage, was für Leute Ion Dissonance hören und warum... Danke. |
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| @Haschpferdchen - 25.08.10 10:24 | |
wieso belangloser mist? wieso proll? was bitteschön erwartest du auf deine frage? oder ist es dir so fremd, dass geschmäcker verschieden sind? und die von dir genannten bands, die du gut findest, haben alle noch so etwas wie melodie. aber es gibt halt auch bands, die komplett auf dieses stilmittel verzichten und sehr komplex und das durchgehend vorgehen. du scheinst noch so etwas wie groove oder einen hauch von harmonien zu benötigen, die ID nicht bieten. aber du kannst nicht alles verstehen, dazu ist dein verstand (ohne dich angreifen zu wollen!) nicht ausgerichtet. du kannst auch nicht alle länder bereisen. |
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| Sascha - 25.08.10 10:41 | |
Durchaus eine berechtigte Frage, aber die stellt sich bei vielen Bands. Besonders, wenn ich an die erste DAUGHTERS oder PSYOPUS denke. Dagegen sind ION DISSONANCE echt gut verdaulich. Keine Musik, die ich ständig hören kann, trotzdem ist es zwischendurch mal ganz angenehm, um den Kopf durchzulüften. |
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| Geschmaxpolizei - 25.08.10 13:28 | |
@Haschpferdchen: völlig berechtigt deine Einwände. Insbesondere das mangelnde Gefühl in dieser Musik ist ein großer Kritikpunkt m. M. nach und unterscheidet Ion auch von Bands wie Converge, Genghis Tron, oder Dep. Hier wird einfach nur mechanisch mit tief gestimmten Gitarren in komplexen Takten rumgefrickelt. Keine Harmonien, kein Gefühl, keine Spannungsbögen, nix interessantes in der Hinsicht. Meine These: Diese Band spricht vor allem jüngere Leute an, die glauben, dass sich gute Musik durch technische Pefektion, Gefrickel und 7/8 Takte auszeichnet. Die Einsicht, das es bei guter Musik nicht um das Knacken des BpM Gitarren-Schredder Rekords, das Abgewichse düdeliger Hochgeschwindigkeitsmetal-dissonanzmelodien oder die schnellste Doublebass-Passage geht, kommt dann meist mit den Jahren. War jedenfalls bei mir so. |
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| Clement - 25.08.10 14:24 | |
@Geschmaxpolizei: Deine Worte erinnern mich an einen Leserbrief zum frisch erschienenen "Reign In Blood" Album. Dort warf der Leser SLAYER auch mangelndes Gefühl und das Übertreffenwollen von Geschwindigkeitsrekorden vor. Nicht jeder war damals dem Gewichse gewachsen und SLAYER sprachen vor allem Jüngere an. Das Interessante bei ION DISSONANCE ist doch gerade, dass beim 1.000 Durchlauf immer noch etwas entdeckt werden kann. Auch offenbaren sich durchaus zueinander passende Sequenzen und es gibt eine Menge Nachvollziehbarkeit. Man könnte auch sagen: Sind sie zu hart, bist du zu weich. Wie auch immer, die Band ist nicht jedermanns Sache und das ist auch verdammt gut so! |
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| Olivier H. - 25.08.10 16:20 | |
"Meine These: Diese Band spricht vor allem jüngere Leute an, die glauben, dass sich gute Musik durch technische Pefektion, Gefrickel und 7/8 Takte auszeichnet." hast du mein review gelesen? "Wo andere Bands einfach vertrackt sind, um in technischer Hinsicht zu beindrucken, gehört bei ION DISSONANCE jede 180 Grad Wendung, jeder noch so absurde Tempowechsel in ein noch so absurdes Frickelriff zum erzeugen einer ganz speziellen, nicht mehr nur düsteren Atmosphäre." zudem: fehlende melodien (bzw. abgehacktere/vertracktere, weil melodien gibts in jeglicher form von musik, nur bei dieser hier kürzer, verstreuter und dadurch weniger greifbar) bedeuten nicht zwangsläufig das auch das gefühl fehlt. aber da man als dritter sowieso nicht über die gefühle derer urteilen kann, welche die musik machen, gilt: ich fühle was bei der musik, viele andere fühlen was dabei, und andere eben nicht. und das ist was am ende zählt. |
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| Entenhuso - 25.08.10 18:13 | |
Wooohooo yeah! Eine der besten Schlachtplatten dieses Jahr und mit "Breathing Is Irrelevant" ebenbürtig. |
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| Geschmaxpolizei - 25.08.10 19:05 | |
Versteht mich nicht falsch, Ion Dissonance ist eine hochtalentierte Band, die ich musikalisch weitaus mehr schätze als ein Großteil aller anderen Bands. Aber was ich mich halt frage ist: Diese Gitarristen üben Jahre und hunderte Stunden um noch schneller ihre Dissonanzen zu düdeln und noch schneller, präziser und komplexer ihre E's zu schreddern. Würden sie nur ein Bruchteil dieser Zeit in Harmonielehre investieren, könnten sie zusätzlich auch noch geile Melodien schreiben, worauf m. M nach gute Musik nach wie vor basiert. Bzw. vielleicht können sie es ja, aber dann ist es ein Frevel, dass sie es nicht zu tun. |
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| Tobe - 26.08.10 10:37 | |
soso, weil die musik nicht gefällt ist sie also schlecht und unverständlich... |
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| Rumpel - 26.08.10 17:31 | |
richtig gut geworden, das album bohrt sich immer mehr in meinen schädel. Außerdem schön geschriebenes review. 9 Punkte sind auch in meinen augen gerechtfertigt.. @oliver du hast vergessen den song "pallor" mit in die tracklist aufzunehmen |
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| iamian - 26.08.10 18:00 | |
@Rumpel: pallor und die beiden big chocolate remixes sind soweit ich weiss i-tunes only... |
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| Bumsgeburt - 30.08.10 23:02 | |
oh echt? palor ist ein richtig schöner track der die platte ruhig ausklingen lässt. gefällt mir persönlich richtig gut! |
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| - 02.09.10 02:09 | |
| - 02.09.10 14:26 | |
| boi!sdontcry - 02.09.10 19:51 | |
iApprove! |
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| twin - 06.09.10 19:17 | |
neben dem neuen dillinger album ganz oben auf meiner liste 2010 für das genre. |
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| - 17.09.10 10:03 | |
| weihnachtsmann - 19.10.10 01:19 | |
richtig groß die platte. auf cursed stimmt einfach jeder riff, jeder shout und jede snare. |
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