Plattenkritik

NOFX - Never Trust A Hippy [EP]

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Info

Release Date: 01.01.1970
Datum Review: 02.03.2006

NOFX - Never Trust A Hippy [EP]

 

 

Wenn ich abends um acht Uhr das erste Programm einschalte, dann kommt da die Tagesschau. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben. Ähnlich verhält es sich mit NOFX: Lege ich eine neue CD von dieser Band in den Player, dann ertönt schneller melodischer Punkrock, der eine ganze Generation von nachfolgenden Gruppen inspiriert hat. Das war schon immer so, und wird, so wie es aussieht, auch immer so bleiben.

Der Unterschied zur Tagesschau liegt allerdings darin, dass mir fast immer missfällt, was ich dort sehe und höre, eine Tatsache, die ich von NOFX Releases - und besonders von Never Trust a Hippy - nicht behaupten kann. Gewohnt flott und mit Fat Mikes typisch nöliger Stimme startet diese EP in gewöhnlicher NOFX Manier mit dem Song „Seeing Double At The Triple Rock“. Der zweite Song „The Marxist Brothers“ klingt dann schon etwas ungewöhnlicher, mischen sich hier doch Dub Element mit einem insgesamt langsameren Lied, dessen inhaltliche Aussagekraft dadurch jedoch keineswegs geschmälert wird. Fat Mike karikiert darin ach so belesene SzenegängerInnen, die sich mehr Gedanken über den Wert einer raren Ausgabe des kommunistischen Manifestes oder einer Propagandhi Platte auf rotem Vinyl machen als um die Inhalte die sich dahinter verbergen. Sehr schöner Text zu einem eher ungewöhnlich klingenden NOFX Song.

Weiter geht es mit einer Coverversion von „Golden Boys“, im Original von Vagina Dentata, einer Band in der auch Darby Crash und Pat Smear von den legendären und essentiellen Germs ihre Finger mit im Spiel hatten und welches auch schon von den ebenso wichtigen Dickies gecovert wurde. Anschließen, wieder NOFX untypisch, ein Akustiksong, der zu Recht die Aufmerksamkeit auf die richtigen, wichtigen und ebenso witzigen Lyrics lenkt, welche ein für alle mal klarstellen, was so alles in der Welt schlicht und einfach falsch ist. Das Stück hört dann auch passender Weise auf den Namen „You’re Wrong“.

Das Lied „Everything In Moderation“ nutzen NOFX dann noch dafür, um zu erklären, dass, wenn man mit 39 Jahren immer noch grüngespiktes anstelle von lichtem Haar trägt, sich über Adolescents Konzerte freut und in einer Band spielt, die schon länger durchhält als die Ramones, die Lebenseinstellung die dahinter steckt tatsächlich „for life“ ist. Schön, wie sie dabei mit der Textzeile „I might be an adult but I’m still a minor at heart“ Minor Threat rezitieren, die die Quintessenz dieses NOFX Songs dadurch schon vor 25 Jahren (oh Shit…!) auf den Punkt gebracht haben.

Um diese, für eine Six Song EP schon viel zu lange Review abzuschließen sei kurz noch erwähnt, dass es im letzten Song „I’m Going To Hell For This“ noch einmal explizit um den Hippy geht, dem man laut Plattentitel nicht trauen soll und der schon mehr als 2000 Jahre auf dem Buckel hat.

Tolle Scheibe von alten Säcken, die mich schon seit frühen Jugendtagen mal mehr und mal weniger begeistern! Ähnlich wie die Tagesschau eben…

Release: 13.03.2006

Tracks:
1 Seeing Double At The Triple Rock
2 The Markist Brothers
3 Golden Boys
4 You're Wrong
5 Everying In Moderation (Especially Moderation)
6 I'm Going To Hell For This One

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Konstantin

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