Plattenkritik

31 Knots - The Days and Nights Of Everything Anywhere

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Release Date: 23.03.2007
Datum Review: 12.02.2007

31 Knots - The Days and Nights Of Everything Anywhere

 

„The Days and Nights of Everything Anywhere”, tja, das klingt als Titel nach Megalomanie und verdammt schwammig obendrein. Tatsächlich scheint wohl nur ein solcher Name für das, was die 31 KNOTS hier durchziehen, wirklich auch annähernd zu passen. Die Band aus Portland hat vor 2 Jahren schon mit „Talk Like Blood“ ein Album hingelegt, dass zwar in den Himmel gelobt wurde, dem aber der kommerzielle Erfolg verschlossen war. Wenn, dann wurde mit dem neuesten Werk noch einen Schritt weiter gegangen. Das gebotene ist keineswegs als Popmusik zu bezeichnen. Prog schon eher, aber nicht im Sinne von endlosen Gitarrensoli und fliegenden Schweinen, sondern als Bruch mit den gängigen Hörgewohnheiten.

Wenn „The Days and Nights….“, überhaupt als irgendetwas verstanden werden will, dann als der Soundtrack zum 21. Jahrhundert: Hintergründig, verstörend, beängstigend. Immer wieder stößt man auf überraschende Wendungen, die Songs schlagen Haken, brechen mit der Erwartungshaltung, so etwa „Hit List Shakes (Inconvenience Of You)“, das mit BEATLES-mäßigen Cemballi glänzt, diese aber sofort durch elektronische Störgeräusche unterbricht. Ironie? Sowieso: das Album beginnt schon mit ebendiesen Störgeräuschen, die an ein durchdrehendes Modem erinnern. Der moderne Albtraum, der Zusammenbruch der Kommunikationstechnologie. Bei allem Irrsinn hebt sich dennoch „Sanctify“ heraus, das nur mit Klavier und Schlagzeug (sowie Kirchenglocken) eingespielt, eine verstörende Wirkung sondergleichen hat Eine Art DRESDEN DOLLS mit einem guten Schuss Horror. Und auch das ist nicht die Spitze des Eisbergs, „Savage Boutique“ hat fröhliche Bläserbegleitung, wirkt aber im Angesicht der anderen Songs, wie der Tanz des Wahnsinns. Ein wenig Rock-Feeling kommt trotzdem bei „Man Become Me“ („How did me become man, become men again, become man and then become me“), auch das überaus merkwürdig. Der Gesang gestaltet sich ruhig, bricht nur selten in Schreien aus, und wirkt trotzdem verzweifelter, als die jeder Emo-Kapelle. Das Album klingt mit „Walk with Caution“ aus, das beginnt wie ein Werbejingle, sich aber dann entwickelt zu einem…ja…zu was eigentlich? Geräuschkulisse? Moderner Expressionismus? Es fehlen die Worte.

Chart Erfolg werden die selbstbezeichneten „Apokalypse Vaudeville Punker“ wohl auch mit „The Days and Nights….“, nicht haben. Anstrengend ist es geworden, das neue Werk, der „apokalyptischen Vaudeville Post-Punker“ aber auch unglaublich spannend und wahnwitzig. In Worte fassen kann man das nur schwer, ebenfalls in eine Wertung. Nicht jeder wird sich mit 31 KNOTS anfreunden können, und ein einziger Hördurchgang reicht bei weitem nicht. Ich finde es mal vorsichtig gut und hoffe, dass „Sanctify“ endlich aufhört, mir den Schlaf zu rauben.

1. Beauty
2. Sanctify
3. Savage Boutique
4. Man Become Me
5. The Salted Tongue
6. Hit List Shakes (The Inconvenience Of You)
7. Everything In Letters
8. The Days And Nights Of Lust And Presumption
9. Imitation Flesh
10. Pulse Of A Decimal
11. Walk With Caution

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Dennis

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